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Dienstag 02. Oktober 2012 11:30

Libri.de verwandelt sich in ebook.de

Sinnbild für den Trend hin zum digitalen Buch: Der Endkundenshop Libri.de benennt sich zum 10. Oktober um in ebook.de und will sich auf den Online-Vertrieb von E-Books konzentrieren. Das White-Label-Geschäft von Libri mit Buchhändlern bleibt davon unberührt und auch künftig wird es bei ebook.de Gedrucktes zu kaufen geben. Trotzdem markiert der Schritt von Libri einen Meilenstein für die in die Gänge kommende E-Book-Vermarktung in Deutschland.

Schon länger werden über Libri.de mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft. Hieraus ziehen die Macher nun die Konsequenz. Man dürfte auch darauf spekulieren, mit der eingängigen Adresse ebook.de im noch im Aufbau befindlichen deutschen E-Book-Markt eine gute Startposition zu haben.

Allein mit der Namensänderung ist es freilich nicht getan. Der gesamte Online-Shop wird umgestaltet und durch einen mobilen Shop sowie durch Lese-Apps für Smartphones und Tablets ergänzt. Derzeit bietet Libri.de schon über 600.000 Titel als E-Book an. Zum Start verlost ebook.de zudem 300 E-Reader im Gesamtwert von über 20.000 Euro. Mitmachen kann man hier.

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Montag 01. Oktober 2012 12:36

Lobo, Passig & die Zähmung der Web-Debatte

Sascha Lobo und Kathrin Passig haben, vermutlich ohne einen Funken Selbstdisziplin, die Dinge doch mal wieder geregelt gekriegt und legen mit “Internet - Segen oder Fluch” am 5. Oktober ein neues gemeinsames Buch vor. In einem Essay im aktuellen Spiegel verraten die beiden Autoren, was sie mit damit bezwecken wollen: die Debatte rund um das Internet beruhigen. Ein erfreulich unaufgeregter Ansatz und ganz nebenbei warten sie noch mit einer kleinen E-Book-Revolution auf.

Wer das Hardcover von “Internet - Segen oder Fluch” kauft, erhält nämlich ohne Mehrkosten die E-Book-Ausgabe dazu, noch dazu ohne elektronischen Kopierschutz. Als Leser muss man diesen überfälligen Schritt begrüßen. Danke, lieber Rowohlt Verlag! Bislang ist es nämlich sehr ärgerlich und unverständlich, warum man für ein und dasselbe Buch zweimal bezahlen soll, will man es sowohl als gedrucktes Werk, als auch als E-Book lesen. Langfristig wäre bei dieser Herangehensweise vermutlich das gedruckte Buch der Verlierer.

Und auch die elektronischen Kopierschutzmaßnahmen bei E-Books sind in erster Linie Ärgernisse für ehrliche Kunden. Verhindern sie doch, dass man ohne halb-illegale Maßnahmen z.B. offiziell gekaufte E-Books des weit verbreiteten ePub-Formats in ein Format konvertieren kann, das Amazons Kindle darstellen kann. Raubkopien und illegale Scans von Büchern und E-Books werden damit nicht verhindert, sondern befördert und nebenbei die monopolartige Stellung von Amazon gestärkt.

Inhaltlich will das eingespielte Autoren-Duo (“Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin”) Passig/Lobo zur Versachlichung in der Internet-Debatte aufrufen. Der nervige Dauerstreit zwischen Internet-Gegnern und Internet-Befürwortern soll damit entschärft werden, dass bei der jeweiligen Gegenseite um Verständnis für die andere Position geworben wird. Dazu heißt es u.a. im Vorwort: “Das fünfte Kapitel widmet sich der Disruption, also der schöpferischen Zerstörung und dem Umstand, dass es zwar aus der Ferne lustig anzusehen ist, wenn sie den Stummfilm oder irgendeine andere Branche dahinrafft, in der man nicht selbst tätig ist. Bis man kurz nicht aufpasst und der eigene Arbeitsplatz durch eine iPhone­App für neunundneunzig Cent überflüssig gemacht wird.”

Der Streit ums Netz, so argumentieren Passig und Lobo, sei außerdem gar nicht so neu. Im Kern gehe es um existenzielle Fragen, die schon seit Jahrhunderten debattiert werden, etwa um den Gegensatz von Freiheit und Sicherheit oder auch um Informationsüberflutung - ebenfalls ein im Kern altes  Phänomen. Dass sich hier zwei Leute aufmachen und einen Beitrag zur Zivilisierung und Zähmung einer Debatte leisten wollen, die mit den Einlassungen von Leuten wie Hirn-Professor Manfred Spitzer (“Digitale Demenz”) oder Piraten-Politikern Julia Schramm (“Klick mich”) zunehmend schrille Töne angenommen hat, kann man nur begrüßen.

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Montag 24. September 2012 10:46

Jussi Adler-Olsen und die E-Book-Angst

Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen ("Erbarmen") wollte seinen vierten Krimi mit dem beliebten Ermittler Carl Mørck erst mit einem halben Jahr Verzögerung als E-Book herausbringen. Druck von Lesern und die Angst vor Raubkopien brachten ihn dazu, den E-Book-Boykott vorzeitig abzubrechen. Ein Freund des E-Books ist Adler-Olsen darum aber noch lange nicht. Im Buchreport schimpft er jetzt, das E-Book werde “die Buchbranche” töten. Er irrt sich.

Das Interview, das Jussi Adler-Olsen Buchreport.de gegeben hat, ist an Pessimismus kaum zu übertreffen. Das ist umso erstaunlicher, als Adler-Olsen mit seinen bisherigen Carl Mørck-Krimis “Erbarmen”, “Schändung” und “Erlösung” lange Zeit ganz weit oben in den E-Book-Bestsellerlisten stand. Er ist selbst also ein Profiteur des Booms. Auch “Verachtung” verkauft sich wieder sehr gut und steht in der Kindle-Bestsellerliste bei Amazon aktuell auf Verkaufsrang 4.

Adler-Olsen wollte vor der Veröffentlichung von “Verachtung” durchsetzen, dass das E-Book erst ein halbes Jahr nach Erscheinen der Print-Ausgabe erhältlich ist. Laut Adler-Olsen wollte er damit den Buchhändlern “einen Vorsprung verschaffen”. Er sagte dem Buchreport: “Sie waren mir gegenüber loyal, lange bevor ich ein Bestsellerautor wurde. Jetzt hat sich die Situation gedreht: Die Buchhändler haben Schwierigkeiten – ich kann helfen. Ich wusste, dass das Widerstand hervorrufen würde, musste es aber ausprobieren, weil ich die Zukunft kontrollieren will, statt von ihr kontrolliert zu werden.”

Das war nett aber naiv gedacht. Bereits kurz nachdem der E-Book-Veröffentlichungstermin März 2013 für „Verachtung“ publik wurde, schmissen Raukopierer den Scanner an. Wenige Tage nach Erscheinen der Print-Ausgabe stand bei Tauschbörsen dann eine illegale, gescannte Version von “Verachtung” für null Euro als E-Book bereit. Gleichzeitig hagelte es Proteste von Lesern. Der Verlag dtv und Adler-Olsen selbst erhielten nach eigenen Angaben eine Flut an wütenden Briefen von E-Book-Nutzern, die kein Verständnis für eine verzögerte Veröffentlichung hatten.

Schließlich knickte Adler-Olsen ein und erlaubte doch noch die Veröffentlichung von “Verachtung” als E-Book. Interessant dabei ist, dass ein Bestseller-Autor wie Adler-Olsen, den E-Book-Trend am eigenen Leibe spürt. Er sagt in dem Interview: “Die Leser – die zunehmend auf das E-Book umsteigen, wie meine Statistiken zeigen – fühlten sich von mir diskriminiert. Ich bin traurig, dass sie so harsch reagiert haben. Aber es war naiv, zu glauben, dass sie sich damit abfinden würden.” Nun sieht er für seine Branche reichlich schwarz. Verlage würden bald nicht mehr genug verdienen und verschwinden. Nur einige Großverlage würden immer größer werden. Arbeitsplätze würden verloren gehen, E-Books würden Buchhandlungen töten und letztlich würde es auch weniger Autoren geben, so Adler-Olsens Prognose.

Warum ausgerechnet er so schwarzmalt, ist nicht verständlich. Zum einen hat die Buchbranche gegenüber anderen Medienzweigen, wie Zeitschriften oder Zeitungen oder TV, den Vorteil, dass sie so gut wie gar nicht von Werbung abhängig ist. Die Umsätze mit Büchern sind in ihrer Gesamtheit ziemlich stabil und steigen sogar leicht. Und die Umsätze mit E-Books steigen sogar besonders stark. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse hat das Meinungsforschungsunternehmen GfK gerade neue Zahlen veröffentlicht, laut denen E-Books mittlerweile elf Prozent des gesamten Download-Umsatzes im Entertainment-Sektor in Deutschland ausmachen - Tendenz stark steigend. Das heißt, mit E-Books wurden laut GfK im ersten Halbjahr 2012 44 Mio. Euro umgesetzt. Betrachtet man den gesamten Entertainment-Markt, also nicht nur die Downloads, dann macht die Buchbranche sogar 39 Prozent aller Umsätze aus und dominiert die Entertaiment-Sparte - vor Musik, Video, und Spielen.

Hinzu kommt noch, dass E-Books für Independent-Autoren und Newcomer ein unschätzbares Feld zum Publizieren und Experimentieren bieten. Die Buchbranche wird sich durch E-Books ganz sicher verändern. Vernichtet wird sie dadurch aber gewiss nicht - im Gegenteil.

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Mittwoch 12. September 2012 12:07

E-Books konnten Marktanteil verdoppeln

Es gibt mal wieder aktuelle Zahlen von Media Control zum deutschen E-Book-Markt. Die Marktforscher haben ermittelt, dass im ersten Halbjahr 2012 fast genauso viele E-Books verkauft wurden wie im ganzen Jahr 2011. Der Marktanteil von E-Books am gesamten Buchmarkt lag in den ersten sechs Monaten 2012 bei rund zwei Prozent. Das ist doppelt so hoch wie der Marktanteil in 2011. Weitere Erkenntnisse von Media Control: E-Books werden billiger.

Insgesamt wurden laut Media Control im ersten Halbjahr 2012 4,59 Mio. E-Books in Deutschland verkauft. Weitere 3,24 Mio. E-Books seien kostenlos geladen worden. Damit sind keine illegalen E-Book-Raubkopien gemeint, sondern legale Gratis-Titel, wie sie auch bei großen Download-Plattformen angeboten werden. Dies können Promotion-Aktionen sein, alte Titel, bei denen das Urheberrecht erloschen ist, oder Titel von unabhängigen Autoren, die mit Gratis-E-Books zunächst ihr Publikum finden wollen. Immerhin waren somit im ersten Halbjahr 2012 41 Prozent aller E-Book-Downloads Gratis-Titel.

Allerdings werden laut Media Control auch die verkauften E-Books billiger. 2011 wurde in Deutschland für ein E-Book durchschnittlich noch 9,56 Euro gezahlt, im ersten Halbjahr 2012 nur noch 8,64 Euro. Dieser Trend dürfte sich für das Gesamtjahr eher noch verstärken. Meine Prognose: Im Gesamtjahr 2012 wird der Marktanteil der E-Books zwischen zwei und drei Prozent liegen, Tendenz weiter steigend. Der durchschnittliche Verkaufspreis wird weiter sinken.

Neben dem sinkenden Preis tragen auch immer neue und billigere Geräte dazu bei, dass E-Books weiter verbreitet werden. Amazon hat erst kürzlich neue Kindle-Geräte präsentiert. Weltbild hat zusammen mit der Buchhandelskette Hugendubel einen neuen E-Book-Reader für unter 60 Euro vorgestellt.

Die Zahlen stammen aus dem E-Book-Report von Media Control, der alle sechs Monate veröffentlicht wird. Basis für den Report ist eine repräsentative Umfrage unter 10.000 Personen.

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Donnerstag 06. September 2012 13:43

Das miese Geschäft mit Fake-Rezensionen

Nutzer-Rezensionen bei Amazon und anderen E-Commerce-Unternehmen sind ein wichtiges Hilfsmittel bei Kaufentscheidungen. Dies mittlerweile auch Marketingstrategen, Agenturen und die Autoren selbst bemerkt. In jüngster Zeit häuften sich Fälle von gefälschten Jubel-Besprechungen bei Amazon. Aktuell wurden die zwei namhafte Buchautoren John Locke und RJ Ellory  überführt, bei Amazon geschummelt zu haben. Einige namhafte Autoren machen mittlerweile Front gegen die Schummelei bei Amazon.

Für potenzielle Leser oder Kaufinteressierte sind Rezensionen anderer Nutzer eine feine Sache. Sie wirken authentisch, andere Verbraucher oder Leser haben dieses Buch schon gelesen, diese Produkt schon zu Hause ausprobiert. Die Nutzer-Rezension ist glaubwürdiger, als es eine redaktionelle Besprechung von Profi-Rezensenten jemals sein kann. Darum haben solche Rezensionen u.a. bei Amazon so einen gewaltigen Wert für Autoren und Firmen.

Die New York Times deckte nun kürzlich auf, dass der E-Book-Bestsellerautor John Locke (der erste Amazon-Autor, der über eine Million E-Books verkaufte und darüber dann auch gleich wieder ein E-Book schrieb), bei einer Agentur rund 300 Rezensionen für seine Werke eingekauft hat. Locke bestellte die Besprechungen bei der Agentur GettingBookReviews.com, die mittlerweile ihren Betrieb eingestellt hat. Dort gab es eine Rezension für 99 Dollar, 20 Rezensionen kosteten 499 Dollar und das Paket mit 50 Rezensionen schlug mit 999 Dollar zu Buche. Laut New York Times war das eine Zeit lang ein einträgliches Geschäft. Todd Rutherford, Gründer von GettingBookReviews.com, nahm schon kurz nach dem Start seines Services 28.000 Dollar pro Monat ein und musste Schreiber einstellen, denen er 15 Dollar pro Rezension zahlte.

Locke hat selbst zugegeben, dort Besprechungen eingekauft zu haben. Der Self-Publishing-Star war sogar so großzügig den Lohnschreibern freie Hand zu lassen: “Wenn jemand mein Buch nicht mochte, dann sollte er das auch sagen”, so Locke zur New York Times. Der britische Guardian berichtete nun über einen leicht anders gelagerten Fall. Der renommierte britische Krimiautor RJ Ellory wurde überführt, unter diversen Pseudonymen selbst Jubel-Besprechungen für eigene Bücher verfasst zu haben und - schlimmer noch - Bücher von anderen Autoren runtergeputzt zu haben.

Ellory hat dabei 2010 sogar schon einen Preis gewonnen. Sein Buch “A simple Act of Violence” erhielt den Preis Theakstons Old Peculier crime novel of the year. Ein preisgekrönter Autor sollte es nicht nötig haben, Jubel-Rezensionen über eigene Werke zu verfassen. Sollte man meinen … Aufgedeckt wurde das unlautere Treiben Ellorys übrigens von seinem Krimi-Autorenkollegen Jeremy Dunns auf Twitter. Dunns überführte auch den britischen Bestseller Autor Steven Leather, mit unlauteren Methoden bei bei Amazon Eigenlob verbreitet zu haben. Ellory hat sich für seine Selbst-Belobigungen bei Amazon mittlerweile öffentlich entschuldigt.

Bing Liu, ein Datenexperte der Universität von Chicago erzählte der New York Times, dass nach seinen Untersuchungen aus dem  Jahr 2008 60 Prozent der Produkt-Besprechungen bei Amazon Fünf-Sterne-Bewertungen gewesen seien. Weitere 20 Prozent seien Vier-Sterne-Bewertungen gewesen - eine ziemlich unrealistische Häufung des Lobgesangs. Liu schätzt, dass rund ein Drittel aller Online-Besprechungen manipuliert, gefälscht oder gekauft sein könnten.

Mittlerweile haben namhafte Autoren wie Lee Child, Val McDermid und Ian Rankin sowie der Schriftstellerverband Society of Authors eine Erklärung herausgegeben, in der das so genannte “Sock Puppetry” verurteilt wird. Mit “Sock Puppetry” (“Socken-Puppenspiel”) ist das Anlegen von Schein-Identitäten im Internet gemeint. Nutzer-Rezensionen haben ihre Unschuld längst verloren.


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Mittwoch 05. September 2012 11:58

Ein wahres E-Book-Märchen für Verlage

Wie können Print-Medienhäuser Geld in der digitalen Welt verdienen? Diese Frage treibt die Branche um. Eine fast märchenhaft anmutende Antwort kommt aus den USA von der Zeitung Minneapolis Star-Tribune. Eine Zeitung, der vor ein paar Jahren noch die Pleite drohte. Dort wurde eine Artikelserie zum Krieg der US-Einwanderer gegen die Dakota-Indianer gleichzeitig als E-Book veröffentlicht und man landete einen Bestseller. Aus der Geschichte könnten Verlage einiges lernen.

Das wahre E-Book-Märchen aus dem fernen Minnesota wurde aktuell von der Website Paidcontent.org erzählt und geht so: 2012 jährt sich der Konflikt zwischen den US-Einwanderern und den Dakota-Indianern im heutigen US-Bundesstaat Minnesota zum 150. Mal. Für die Zeitung Minneapolis Star-Tribune war das ein Anlass, den Reporter Curt Brown mit einer Artikelserie zum Thema zu beauftragen. U.a. sollte es um die grausame Massen-Hinrichtung von 38 Dakota-Indianern im Auftrag der US-Regierung gehen, ein Vorfall, der in den USA lange Zeit totgeschwiegen wurde.

Brown wurde vier Monate lang freigestellt, recherchierte in Archiven, traf Nachfahren der Indianer und verfasste eine sechsteilige Serie, die wie eine Erzählung angelegt ist. Er erzählte den Konflikt u.a. aus der Perspektive des Dakota-Häuptlings Little Crow. Browns Artikelserie startete am 12. August in der Zeitung und, angereichert mit Videos und Infografiken, auf der Website der Zeitung. Gleichzeitig veröffentlichte die Zeitung die komplette Serie als E-Book unter dem Titel “In the Footsteps of Little Crow” für 2,99 Dollar für Amazons Kindle, für den Nook von Barnes & Noble” und als iBook in Apples iBook Store.

Das E-Book landete in dieser Woche nun auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste bei den Sachbüchern und auf Platz 8 der Bestsellerliste von Geschichtsbüchern beim iBook Store. Autor und Zeitung sind hochzufrieden und die Leser offenbar auch.

Diese Story erinnert entfernt an die Erfolgsgeschichte von John Siracusa. Der hat in der Apple-Szenen einen gewissen Kultstatus, weil er neue Versionen des Apple-Betriebssystems Mac OS mit beeindruckter Detailversessenheit bis zum letzten Pixel bespricht. Die Technik-Website Ars Technica landete bei der Veröffentlichung des Mac OS Betriebsystems Lion einen überraschenden E-Book-Hit, indem sie die Besprechung von Siracusa für 5 Dollar als Kindle E-Book angeboten haben. Das E-Book wurde bereits am ersten Tag über 3.000 mal gekauft, obwohl exakt derselbe Text gratis auf der Website zur Verfügung stand.

Was kann man daraus lernen?

- Die Verpackung macht einen Unterschied. Viele Nutzer hätten einen langen Text, der ihnen etwas bedeutet gerne „zum Behalten“. Und sei es nur auf ihrem E-Reader, wo sie ihn jederzeit unkompliziert und ohne Online-Zugang aufrufen können. Außerdem lesen sich lange Texte bekanntermaßen auf E-Readern besser und angenehmer.

- Leser sind bereit zu zahlen - wenn ein Thema sie wirklich interessiert und die Inhalte gut aufgeschrieben und aufbereitet sind. Im Falle von „Little Crow“ war es offenbar vor allem die Idee, die Reportage wie eine spannende Geschichte aus Indianer-Perspektive aufzuziehen, die gezündet hat. Viele Leser wurden durch den ersten Teil in der Zeitung und auf der Website angefixt und wollten sofort wissen, wie es weitergeht.

- Zusatzelemente sind nett - aber nicht entscheidend. Dass eine Story wie „Little Crow“ mit Videos oder Infografiken aufgemotzt wird, ist ein hübsches zusätzliches Feature, das im Zweifel aber nicht kaufentscheidend ist. Die Leser interessieren sich in erster Linie für die Story, nicht für Multimedia-Klimbim. Eigentlich eine gute Nachricht.

- Medienunternehmen sollten lernen, Archive zu nutzen und digital neue Vertriebswege zu gehen. Es gibt nämliche eine digitale Welt jenseits von Web und iPad-App. E-Books sind eine hervorragende Möglichkeit, hochwertige Inhalte in neuer Verpackung an neue Leserschichten zu bringen. Man kann sich zum Beispiel überlegen, nach dem Vorbild von „Little Crow“ interessante Artikelserien zusätzlich als E-Book zu veröffentlichen. Oder man schnürt Themen-Pakete aus Archivmaterial. In Archiven lagern oft Content-Schätze, für die sich in manchen Fällen gewiss ein interessiertes und zahlendes Publikum finden würde.

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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