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Donnerstag 24. November 2011 08:44

James Murdoch verlässt Sun und Times

James Murdoch packt seine Sachen: Der Sohn von Rupert Murdoch wirft seine Posten als Aufsichtsratsmitglied bei der Sun und der Times hin. Er bleibt allerdings im Vorstand der Muttergesellschaft News International Group. Die Nachricht kommt passend in dieser Woche, schließlich haben reihenweise Zeugen vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss in Medienethik im Schatten des Abhör-Skandals ausgesagt, unter anderem der Schauspieler Hugh Grant und die Eltern der ermordeten Milley Dowley.

Wer sich die britischen Nachrichten-Websites anschaut, versteht, dass James Murdoch nicht mehr lange in England bleibt. Seit Montag sagen Opfer des Abhör-Skandals und unethischen Methoden seitens der Presse schon vor dem Untersuchungsausschuss unter Vorsitz des Lord Justice Leveson aus. Darunter der Star-Auftritt von Hugh Grant, der die Mail on Sunday beschuldigte, ebenfalls seine Handy-Mailbox abgehört zu haben. Die Zeitung reagierte mit einer robusten Verteidigung in den eigenen Seiten und bezichtigte Grant, „Hass auf die Medien“ zu versprühen.

Dann kam der Komiker Steve Coogan, der erzählte, wie er von einem Reporter der News of the World angerufen wurde. Dieser hatte Informationen über eine Affäre und wollte mit Coogan verhandeln. Wenn er einige Details zugebe, dann würde die Zeitung die pikanteren Details nicht drucken. Wie sich herausstellte, wurde auch diese Konversation aufgenommen - und alles gedruckt. Coogan, der unter anderem auch Reporter dabei erwischte, wie sie durch seine Mülleimer wühlten, bezeichnete Boulevardjournalisten als „Mafia“.

Und die ehemalige Assistentin des Supermodels Elle Macpherson, Mary-Ellen Field, sagte aus, wie ihr Leben von der Presse ruiniert worden sei. Macpherson beschuldigte Field, sie habe Informationen an die Presse gegeben, weil sie angeblich trinken würde. Das australische Model drohte ihrer Landsmännin mit der Kündigung, wenn sie nicht in eine harte Entzugsklinik ginge. Obwohl Field weder trank noch rauchte, erklärte sie sich einverstanden – und wurde hinterher trotzdem gefeuert. Und natürlich hatte Field nie Informationen an die Presse gegeben – die Handys der Frauen wurden abgehört.

Gestern sagten Kate und Gerry McCann aus, deren junge Tochter Madeleine in 2007 bei einem Urlaub in Portugal verschwand. Die News of the World druckte Auszüge aus dem privaten Tagebuch der Mutter, die offenbar von der portugiesischen Polizei an das Blatt gelangten. Der letzte Chefredakteur der News of the World, Colin Myler, hatte das Elternpaar zudem per Telefon beschimpft, ein Interview mit dem Wochenblatt Hello! zu machen und zwang die Eltern quasi, auch seiner Zeitung ein Interview zu geben. „Wenn man so einen Anruf bekommt fühlt man sich fast schon schuldig“, so Kate.

Mit Ethik in der Presse hat das alles nichts zu tun, und da den Murdochs mit der Sun und News of the World die beiden größten Boulevardtitel gehören (bzw. gehörten, nachdem die News of the World im Juli eingestellt wurde), gehen diese Anschuldigen direkt in die Richtung der Mediendynastie.

Der Medienausschuss des Unterhauses, das James Murdoch zweimal in diesem Zusammenhang verhört hatte, wird vermutlich zu dem Schluss kommen, dass James von seinen Zeitungsmanagern schlecht informiert wurde und nicht aktiv an Korruption beteiligt war. Ob ihm das nützen wird, ist nicht sicher. Auch wenn er in New York direkt in der Zentrale von News Corp. agieren wird, hat die Mehrheit der Aktionäre des Konzerns kein Vertrauen mehr in ihn. Aber dank des Stimmrechtes bei News Corp., wonach die Murdoch-Familie mit nur 12 % der Anteile 40 % der Stimmrechte hält, wird James wohl auch weiterhin einen sicheren Job bei Papa haben.

Der Job von Lord Justice Leveson, aus all diesen Aussagen später Empfehlungen für die Regierung in Bezug auf Presseregulierung zu kristallisieren, wird da schon schwieriger. Und Levesons Untersuchungen haben gerade erst richtig begonnen.

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Donnerstag 10. November 2011 17:52

James Murdochs schwarzer Donnerstag

Der Chairman von News Corp EMEA, James Murdoch, musste heute zum zweiten Mal vor den Medienausschuss des britischen Unterhauses treten, um Fragen zum Abhörskandal zu beantworten. Dem Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch wurde keine Chance gegeben, mit erhobenem Haupt aus dem Saal zu gehen: Entweder wusste er tatsächlich nichts von den Machenschaften bei der inzwischen eingestellten News of the World, was an seiner Kompetenz zweifeln ließe. Oder er log den Ausschuss bei seinem ersten Auftritt an.

Seit seiner ersten Aussage vor dem Komitee zusammen mit seinem Vater im Juli (MEEDIA berichtete) ist einiges passiert. So wurde James von Colin Myler, dem letzten Chefredakteur des eingestellten Boulevardblatts, und Tom Crone, dem ehemaligen Legal Affairs Manager von News International, Falschaussage vorgeworfen. Der Chairman habe von der inzwischen berühmten ‚For Neville’-Email gewusst, so Crone und Myler, in der von weiteren Abhöraktivitäten berichtet wurde. Die Email war an den damaligen Chefreporter Neville Thurlbeck gerichtet und war das Hauptthema des heutigen Verhörs. Wenn James diese Email in 2007 gesehen hat, als er die gigantische Kompensationszahlung an das Abhöropfer James Taylor von 700.000 Pfund absegnete, muss er den Ausschuss im Juli angelogen haben. Das behaupten Myler und Crone. James lehnte das heute ab, und bezichtigte damit seine beiden ehemaligen Angestellten der Falschaussage.

Seit Juli ist zudem herausgekommen, dass der Anwalt Michael Silverleaf QC, den Myler und Crone zu Rate zogen, warnte, es gäbe ‚überwältigende Beweise’ dafür, dass mehrere Journalisten illegal Handys abgehört hätten. James bestätigte seine vorige Aussage, dass er nur von dem Einzelfall Clive Goodman gewusst habe (Der Adelsreporter wurde in 2007 zu einer Haftstrafe verurteilt, da er zusammen mit dem Privatdetektiv Glen Mulcaire Telefone des königlichen Haushalts angriffen). Die Metropolitan Police geht inzwischen von ca. 5.800 potentiellen Opfern aus, darunter auch die Anwälte von Abhöropfern selbst. James bezeichnete letzteres als ‚abscheulich’.

Und so kam es heute zu dem erwarteten Showdown zwischen dem aalglatten Medienmanager und seinem langjährigen Dorn, dem Labour-Abgeordneten Tom Watson. James bekräftigte erneut, dass er weder die ‚For Neville’-Email noch die vollständige Einschätzung von Silverleaf gesehen habe. Aber Watson hatte ein Ass im Ärmel: Erst heute morgen hatte er Neville Thurlbeck selbst gesprochen, und der schilderte ein Meeting mit Crone. Thurlbeck bat Crone, die Email nicht James zu zeigen, weil er fürchtete, er würde daraufhin gefeuert werden. Schließlich hatte James zuvor gesagt, er würde „den Krebs heraus schneiden“, also jeden feuern, der in illegales Abhören involviert war. Crone sagte, er habe James die Email zeigen müssen, weil sie durch den Newsroom ging. In dem Verhör heute wollte James sich nicht zu dieser Besprechung äußern, schließlich sei er dabei nicht anwesend gewesen.

Das verleitete Watson zum Austausch des Tages. Ob James mit Mafia-Terminologie vertraut wäre, und ob ihm ‚Omerta’ ein Begriff sei (Mafia-Schweigepflicht). „Nein“, sagte James. „Herr Murdoch, sie müssen der ersten Mafia-Boss in der Geschichte sein, der nicht wusste, dass er eine kriminelle Organisation leitet“, sagte Watson. James legte gegen diesen Tiefschlag Protest ein.

Der Abgeordnete Philip Davies griff diesen Punkt auf, war aber deutlich sachlicher und damit möglicherweise effektiver. James sei sehr rücksichtslos, was die Details der Kompensationszahlung anging. Schließlich ging es hier um 700.000 Pfund, und James hatte noch nicht einmal die Einschätzung des Anwalts gelesen. Vielleicht sei das nicht der Stil der Mafia, aber auch nicht gerade Management Today. Diese Worte werden zweifelsohne im Boardroom von News Corp widerhallen.

Über 2,5 Stunden lang musste James sich den Fragen stellen, und wandte sich nur selten an das Team von Rechtsbeiständen, die hinter ihm saßen. Und die Saga ist keinesfalls beendet. Ob seines Wissens nach andere Titel von News International involviert seien, so eine weitere Frage. Die Schwesterzeitung der News of the World, die Sun, wurde genannt, und James wollte nicht ausschließen, dass auch dieses Blatt geschlossen wird, wenn deren Reporter ebenfalls illegal Informationen beschafft haben. Währenddessen arbeitet News International allerdings intensiv an einer Sonntagsausgabe der Sun, womit die News of the World ersetzt werden soll. Die erste Dummy-Ausgabe der Sun on Sunday wurde gerade produziert und die Zahl der Mitarbeiter bei der Sun wurde fast verdoppelt.

James versuchte bei allen Angriffen seine Haltung zu bewahren. Immer wieder betonte er, dass er über die Geschehnisse nachgedacht hätte und überlegt habe, wie er hätte anders reagieren können. Aber angesichts des schlechten Informationsflusses und den ständigen Bestätigungen seitens des News International-internen Untersuchungsausschusses sowie der Metropolitan Police, dass Clive Goodman tatsächlich nur ein Einzeltäter war, wies er Anschuldigungen der Inkompetenz ab. News Corp. habe aus den Fehlern gelernt und erst letzte Woche für 1000 Mitarbeiter Nachschulungen in Compliance gehalten. Zudem müsse das Beauftragen von Privatdetektiven vom CEO persönlich abgesegnet werden und werde nur in extremen Fällen genehmigt. Und was hat er sonst noch gelernt? „Man soll es einer Redaktion nicht überlassen, sich selbst zu untersuchen.“ Wenn er das nicht schon vorher gewusst hat, ist die Kompetenzfrage damit wohl beantwortet.

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Freitag 28. Oktober 2011 14:59

Der erstaunliche Print-Erfolg von i

Print sei vorbei, die Zukunft sei digital, und die Nachfrage nach gedruckten Zeitungen würde bald auf Null fallen. An diese Warnungen von "Experten" erinnerte der Verlagschef Evgeny Lebedev angesichts des ersten Geburtstags von i nur zu gern, schließlich hat er es den Pessimisten gezeigt. Die kompakte Qualitätszeitung hat nicht nur einen neuen Markt erfunden, sie verkauft inzwischen auch mehr Exemplare als die große Schwester Independent.

Der Sohn des russischen Investors Alexander Lebedev, Evgeny Lebedev, hält sich in der Regel eher zurück, aber anlässlich des Erfolgs seines risikoreichen Projekts namens i schrieb er ein paar Zeilen für das Blatt. Er dankte den Werbekunden, der Redaktion und natürlich den Lesern. Besonders dem Enthusiasmus der letzteren Gruppe ist der Erfolg zu verdanken, die entgegen allem Zynismus täglich 20 Pence für die kompakte Ausgabe des Independent zahlen.

Auf 56 bis 64 Seiten werden Nachrichten und Analysen für Schnellleser zusammengefasst und übersichtlich in Matrizen und Graphiken aufbereitet. Auf Showbiz-Klatsch wird ganz verzichtet. i richtet sich, wie der Independent, klar an die gebildete Mittelklasse.

Den letzten offiziellen Zahlen zufolge verzeichnete i im September eine Auflage von 184.402. Nach eigenen Angaben wurde während der Krawalle im Sommer sogar die 200.000-Marke durchbrochen. Seit Anfang August verkauft i konstant mehr Exemplare als der Independent, und zusammen haben i und Independent den nächsten Konkurrenten unter den Qualitätstageszeitungen, den Guardian, locker abgelegt.

Aufgrund des Erfolges von i gibt es seit Mai auch eine Samstagsausgabe, denn Sonntag hat die Redaktion zum Ruhetag erklärt. Die iPad-Version kostet genau wie die Printausgabe 20 Pence, an einer Kindle-Ausgabe wird gebastelt.

Print ist also doch nicht tot, auch wenn die Nische von i denkbar klein ist. Im kompakten Nachrichtenformat gab es in Großbritannien bislang in erster Linie das Freesheet Metro, dass an den Londoner U-Bahn-Stationen täglich gratis zu haben ist. Nachahmer wie London Paper und London Lite waren langfristig erfolglos, nicht zuletzt aufgrund des Angriffs seitens des Evening Standards. Die Abendzeitung für London, die ebenfalls den Lebedevs gehört, wird seit gut einem Jahr gratis verteilt. Die Qualität des Blattes ließ die anderen Freesheets schnell blass aussehen, die mit drittklassigen Celebrity-News die Pendler zu unterhalten suchten. Mit 700.000 Exemplaren erreicht der Evening Standard inzwischen 1,6 Millionen Londoner, und ist damit erfolgreicher als je zuvor.

Wie gesagt, der Standard und die Independent-Titel gehören der gleichen Familie. Und die Lebedevs haben sich als mutige und kluge Verleger erwiesen. Schon von Anfang an wurde spekuliert, ob i bald auch umsonst zu haben ist oder ob der Evening Standard wieder kostenpflichtig wird (vor der Entscheidung, die Zeitung umsonst zu verteilen, kostete sie 50 Pence). Beide Titel sind beliebt bei Werbetreibenden und bei anspruchsvollen Lesern. Qualitativ hochwertige Titel gratis oder billig zu verkaufen ist ein neuer Denkansatz. Und damit vielleicht die Zukunft des Print.

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Dienstag 18. Oktober 2011 15:44

Ernie und Aktionäre rüsten gegen Murdoch

Was sollen da nur die Kinder denken, wenn der Vater von Ernie beschimpft wird? Jetzt weiten sich die anhaltenden Occupied-Proteste gegen kapitalistische Gier sogar auf die Sesamstraße aus. Während einer Konferenz in San Francisco warfen Aktivisten in Graf Zahl- und Ernie-Kostümen Rupert Murdoch vor, aus dem öffentlichen Bildungswesen Kapital zu schlagen. Aber auch die Kids des Medien-Tycons sind enttäuscht: Seinen Söhnen James und Lachlan droht das Ende ihrer Karriere an der Spitze von News Corp.

Aufgrund seiner Bevorzugung der eigenen Familie droht nun eine Aktionärsrevolte. Vor allem aber das armselige Krisenmanagement während des Abhör-Skandals erzürnt die Aktionäre.

Bei der Konferenz ‚Excellence in Action’ in San Francisco sah es zuerst so zivilisiert aus. Der 80-jährige Medienmogul hielt seine Rede vom Podium des prachtvollen Festsaals, und die Gäste schienen an jedem Wort zu hängen. Aber dann ging das Puppentheater los: Unter dem Motto ‚Occupy Sesame Street’ unterbrach eine Teilnehmerin im Ernie-Kostüm die Rede mit den Rufen „E stands for Equality in Education“(Gleichberechtigung im Bildungswesen). Dann folgten Graf Zahl und weitere unkostümierte Gäste. Rupert winkte den Protest ab mit den Worten „Das ist ok. Ein bisschen Kontroverse macht dass alles etwas interessanter.“

Wie Graf Zahl hinterher erklärte, plane Murdoch, wie man angesichts der Wirtschaftskrise Bildung weiter privatisieren kann – um den wirtschaftlichen Eigeninteressen zu dienen, schließlich besitzt News Corp den Hersteller von Bildungssoftware Wireless Generation.

Dieser Protest war allenfalls eine Trainingsrunde für den erwarteten Showdown zwischen Murdoch und News Corp Aktionären bei der Aktionsversammlung diesen Freitag. So wollen laut Independent etliche Großaktionäre gegen die Wiederwahl von fünf der 17 Vorstandsmitglieder stimmen, um der langjährigen Dominanz des Murdoch-Clans ein Ende zu bereiten. James und Lachlan Murdoch, Ruperts vertraute Arthur Sisikind und Andrew Knight, sowie Natalie Bancroft (Tochter der Familiendynastie, die Murdoch in 2007 ihr Wall Street Journal für fünf Milliarden Dollar verkauften) stehen auf der Abschussliste.

Auch wenn der Patriarch der Revolte widerstehen kann, wird sein Führungsstil an sich zu weiterem Ärger führen. Aufgrund der Aktienstruktur besitzt die Murdoch-Familie 40% der Stimmrechte, aber nur 12% der Aktien. Das Governance-System wird als undemokratisch und geschäftsschädigend kritisiert. Und Rupert Murdoch hat seine Teilhaber mit einigen strategischen Alleingängen verärgert. Die Akquisition von MySpace für 580 Millionen Dollar in 2005, das im Juni dieses Jahres für lächerliche 35 Millionen Dollar verschleudert wurde, ist nur ein Beispiel. Der Kauf des Wall Street Journals, ein langgehegter Traum von Rupert, wurde ebenfalls mehrfach kritisiert. Und dann war da noch der Rückzieher von der geplanten Übernahme des gesamten Bezahlsenders BSkyB, der aufgrund der negativen Stimmung in Großbritannien angesichts des Abhör-Skandals nicht mehr durchsetzbar war. Glücklich waren die Aktionäre damit nicht, schließlich macht BSkyB einen Milliardenprofit. Und zu guter Letzt häufen sich Anschuldigungen gegen News Corp, die auf eine fundamental unehrliche Geschäftsmoral hinweisen. Erst letzte Woche kündigte der Chef der Wall Street Journal Europe, Andrew Langhoff, aufgrund eines zweifelhafter Auflagendeals, der die Trennung von redaktionellem Inhalt und Geschäftsbeziehungen anzweifeln ließ.

Der Abhör-Skandal und die lethargische Reaktion der britischen Zeitungstochter News International könnte besonders James Murdoch zum Verhängnis werden. Sein Name steht ganz oben auf der Liste der verärgerten Aktionäre, denn er soll sich zu spät und zu wenig um den Skandal gekümmert haben. Die Kompensationszahlungen an die Opfer könnten 100 Millionen Pfund übersteigen. Auch nach seiner Aussage vor dem Medienausschuss des britischen Unterhauses im Juli ist immer noch nicht klar, seit wann James von den illegalen Praktiken bei der inzwischen eingestellten Sonntagszeitung News of the World wusste. Er bestreitet, schon jahrelang gewusst zu haben, dass illegales Abhören in der Redaktion Gang und Gäbe war. Sein ehemaliger Rechtsbeistand hat diese Darstellung angezweifelt. James wird im November aller Wahrscheinlichkeit nach erneut vor den Ausschuss treten müssen.

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Mittwoch 21. September 2011 14:17

Metropolitan Police zieht Guardian-Angriff zurück

Nur wenige Tage nachdem die Londoner Polizei den Guardian per Official Secrets Act dazu zwingen wollte, seine Informanten in Bezug auf die Meldung über das abgehörte Handy des ermordeten Schulmädchens Milly Dowler preiszugeben, zog die Met sich nun zurück.

Der Plan, das umstrittene Gesetz ausgerechnet gegen die Zeitung einzusetzen, die den Skandal aufdeckte, wurde allseits als Angriff auf die Pressefreiheit scharf kritisiert. Die Geschichte ist ein weiteres Versagen für die Polizeieinheit, die das weitgreifend kriminelle Verhalten der News of the World-Journalisten jahrelang ignoriert hat.  

Der offizielle Rückzieher war voller Entschuldigungen und Erklärungen. Man habe nie versucht, Journalisten direkt anzugreifen oder dazu zu zwingen, Informanten preis zu geben. Vielmehr sei es darum gegangen, zu ermitteln, ob ein Polizist Informationen weitergegeben hat.

Der Official Secrets Act sei in den Papieren nur in Bezug auf einen Beamten genannt worden, dem im August in Zusammenhang mit den Ermittlungen festgenommen wurde. Er ist derzeit suspendiert und wird verdächtigt, vertrauliche Informationen weiter gegeben zu haben. Vielmehr habe die Met eine Anordnung nach dem Police and Criminal Evidence Act gegen den Guardian gesucht. Und ohnehin war es offenbar ein junger Beamter, der gegen dessen Journalistin Amelia Hill vorgehen wollte, ohne seine Vorgesetzen davon zu informieren.

Diese Stellungnahme der Met lässt allerdings offen, ob man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ein Gerichtsurteil in diesem Fall anstrebt. Nach inoffiziellen Informationen, so die Zeitung ist die Angelegenheit aber vom Tisch.

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Samstag 17. September 2011 12:12

Scotland Yard geht gegen Guardian vor

Nachdem der Guardian den Abhör-Skandal bei der News of the World aufgedeckt hat, geht die Londoner Polizei nun gegen einen Journalisten aus dem Team von Alan Rusbridger vor. Scotland Yard will mittels des Official Secrets Acts die Nennung von Informanten erzwingen, die zu dem Artikel über das angezapfte Handy des ermordeten Schulmädchens Milly Dowler beitrugen. Diese Meldung hatte den Skandal im Juli eskalieren lassen und zum jähen Ende der News of the World geführt.

Scotland Yard will die Guardian-Reporterin Amelia Hill, die zusammen mit Nick Davies die Milly Dowler-Story recherchierte, dazu zwingen, ihre Quellen preiszugeben. Ihr wird vorgeworfen, Beamte der "Operation Weeting" angestiftet zu haben, ihr Informationen im Falle Dowler sowie zu den verhörten ehemaligen Chefredakteuren der News of the World Andy Coulson und Rebekah Brooks zuzuspielen.

Zudem wird ein Polizist beschuldigt, "schädliche" Informationen weitergegeben zu haben, die eine Verurteilung behindern könnten. "Operation Weeting" startete im Januar dieses Jahres unter der Leitung von Deputy Assistant Commissioner Sue Akers, nachdem vorherige Ermittlungen nach der Verurteilung des NotW-Reporters Clive Goodman und des Privatdetektivs Glen Mulcaire abgeschlossen wurden, obwohl nur ein Bruchteil der Beweismaterialien analysiert wurde.

Die Entscheidung der Polizei, gegen den Guardian vorzugehen, wurde scharf kritisiert. Die Generalsekretärin der National Union of Journalists, Michelle Stanistreet, </wbr>media/2011/sep/16/phone-<wbr></wbr>hacking-met-court-order _blank external-link-new-window>sagte gegenüber der Zeitung: „Dies ist eine sehr ernste Drohung gegen Journalisten, und die NUJ wird gegen diesen bösartigen Versuch, den Official Secrets Act zu gebrauchen, hart kämpfen. Journalisten haben die Abhör-Story untersucht und der Öffentlichkeit die Wahrheit gesagt. Man sollte ihnen gratulieren, statt sie zu jagen und vom Staat zu kriminalisieren.“

Auch der Chefredakteur des Guardians Alan Rusbridger sowie der Labour-Abgeordnete Tom Watson, der sich jahrelang für die Enthüllung des Skandals eingesetzt hat, verurteilten das Vorgehen der Polizei. Watson fügte hinzu, die Polizei habe über zehn Jahre lang versagt, das ernsthafte Fehlverhalten bei der News of the World zu untersuchen.

Der Fall wird am 23. September am Obersten Gerichtshof in London angehört werden.

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Nina May ist zwar Hamburgerin, lebt aber seit 1998 in London. Nach einem Kurzaufenthalt in der Werbewelt studierte sie Modejournalismus in London, und ging dann zum Finanzsender Bloomberg. Dort war sie Nachrichtenreporterin, zudem verantwortlich für die Modesendungen und moderierte die deutschen und englischen Ausgaben. Seit 2006 arbeitet sie als freie Korrespondentin. Twitter: @ninamay

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