Es liest sich wie eine Kampfansage mit drei Ausrufezeichen: 35 Millionen Smartphones will Samsung im abgelaufenen Weihnachtsquartal verkauft haben. Die Presselandschaft überschlägt sich und feiert die Südkoreaner als unangefochtenen Smartphone-Champion. Dabei werden zwei Dinge vergessen: Samsungs Zahlen basieren auf Schätzungen, während Apple die Ergebnisse für die vergangenen drei Monat noch gar nicht bekannt geben hat. Fest steht nur: Die Asiaten verdienen mit ihren Android-Geräten wesentlich weniger als Apple.
War's das, Apple? Nach 28 Millionen im dritten Quartal will Samsung nun 35 Millionen Smartphones zum Saisonhöhepunkt zwischen Oktober und Dezember verkauft haben. Das gab der koreanische Technologiekonzern Ende vergangener Woche bekannt – in einer eigenen Schätzung (die offiziellen Zahlen sollen Ende des Monats kommen). Demnach wurde der "der Abstand zu Apple ausgebaut", wie etwa die Frankfurter Rundschau berichtet.
Zumindest diese Einschätzung erscheint so verfrüht wie zweifelhaft. 28 Millionen Smartphones verkaufte Samsung im vorangegangen Quartal, 17 Millionen iPhones. Um die Führung auszubauen, dürfte Apple also nicht mehr als 24 Millionen iPhone im Weihnachtsquartal abgesetzt haben. Dabei gehen die Flüsterschätzungen der Analysten und Marktexperten von einer weitaus höheren Zahl aus, die tatsächlich sogar auf dem Niveau von Samsung liegen könnte, wie BTIG-Analyst Walter Piecyk vermutet.
Apple: iPhone-Gewinne so groß wie Samsungs gesamtes Konzernergebnis
Eine andere Sache ist unterdessen unstrittig: Selbst wenn Samsung zahlenmäßig mehr Smartphones als Apple abgesetzt haben sollte – die Kalifornier verdienen um Längen mehr als die Südkoreaner. So konnte Samsung zwar seinen Gewinn in vierten Quartal von 4,5 Milliarden Dollar auf 5,2 Billionen Won (3,5 Milliarden Euro oder 4,4 Milliarden Dollar) steigern – das umfasst jedoch alle Geschäftszweige, zu denen u.a. auch die Speicherchip- oder TV-Gerätesparte zählt.
Davon abgesehen verdiente Apple bereits im Sommer-Quartal allein mit dem iPhone (4,6 Milliarden Dollar) mehr als Samsung in der gesamten Konzernbilanz im traditionell weitaus stärkeren Weihnachtsquartal! Die Relationen überraschen nicht: Der mit einem Börsenwert von 150 Milliarden Dollar wertvollste Technologiekonzern Asiens fährt mit den günstigeren Android-Smartphones entsprechend auch eine weitaus schwächere Gewinnmarge ein als Apple.
Apple: 52 Prozent der Smartphone-Gewinne bei 4 Prozent Marktanteil
Wie Analyst Michael Walkley vom Research-Unternehmen Canaccord Genuity Ende vergangenen Jahres vorrechnete, fährt Apple 52 Prozent der gesamten Gewinne der Smartphone-Branche ein, obwohl der Mac-Hersteller zahlenmäßig nur auf einen Markanteil von 4 Prozent kommt. Samsung muss sich mit 29 Prozent der Gesamtgewinne zufrieden geben.
Wie Apples Gewinn- und iPhone-Absatzentwicklung im Weihnachtsquartal tatsächlich ausgefallen ist, können Anleger in rund zwei Wochen überprüfen: Apple legt am 24. Januar nach Handelsschluss für das den Dreimonatszeitraum zwischen Oktober und Dezember vor.
09.01.12 21:47
J Wendnagel
Bei allem Respekt, Herr Jacobsen: So richtig kann ich die Intention Ihres Artikels nicht nachvollziehen: Denn Apple und Samsung sind aus meiner Sicht keine "echten" Rivalen! Dafür sind sie zu unterschiedlich aufgestellt.
So bieten die Koreaner zum einen ein weitaus größeres Produktspektrum mit zwei Smartphone-Betriebssystemen (Android-Versionen und Bada!) in unterschiedlichen Gerätepreisklassen an. In der Regel sind die Gewinnmargen gerade im unteren und mittleren Preissegment deutlich stärker unter Druck als im oberen. Zudem sind Produktion und Vermarktung mehrer Smartphone-Modelle deutlich kostspieliger.
Auf der anderen Seite steht Apple, das von der Strahlkraft seiner genialen Marke, von einem bewusst eingeschränkten Produktangebot (im oberen Preissegment) sowie von seiner Fangemeinde lebt und profitiert. Nicht zu unterschätzen sind die Effekte aufgrund der selektiven Vermarktung und wegen der intelligenten Produkt-Vernetzung (u. a. über iTunes). So kann das Apfel-Unternehmen den - aus meiner Sicht zu hohen - iPhone-Preis im Markt durchsetzen und auch stabil hoch halten.
Diese Leistungen kann und wird ein Massenhersteller nie erreichen! Samsung ist es jedoch gelungen, in relativ kurzer Zeit zum führenden Smartphone-Hersteller mit dem preislich breitesten Produktangebot aufzusteigen, und dabei insbesondere Nokia zu verdrängen.
Vorteilhaft empfinde ich, dass die Koreaner auch im Luxussegment Modelle mit überzeugender Technik und Optik zu einem bezahlbaren Preis anbieten (Anm.: Ich besitze ein "Galaxy S1" ;-)).
Allerdings wird ein potenzieller Käufer, dem die Apple-Markenstrahlkraft sowie die Kompatibilität mit iPad oder MacBook wichtig sind, immer zum iPhone greifen - sofern er das Budget hat und er keine schlechten Apple-Produkt-Erfahrungen gemacht hat.
Mein Fazit: Samsung und Apple sind sehr unterschiedlich positioniert und sprechen deshalb im Großen und Ganzen auch unterschiedliche Käuferschichten und -typen an. Und noch gibt es genügend Platz für beide Unternehmen - denn schließlich klettern die Umsätze und Gewinne beider Unternehmen regelmäßig.
09.01.12 19:12
René Wagner
In diesem Fall sind mir die absoluten Verkaufszahlen deutlich lieber als Umsatz-Vergleiche. Denn WIE Apple so viel mehr mit seinen Geräten verdient, dürfte spätestens durch die Aufdeckung der Foxconn-Hungerlöhne klar sein. Laut einem ARD-Bericht könnte Apple über Foxconn sozusagen "seinen" Mitarbeitern das Zehnfache des Lohnes bezahlen und würde trotzdem noch an jedem Gerät 50 % des Verkaufspreises verdienen. Ist das immer noch so? Ich befürchte es. Jeder, der ein iPhone sooo toll findet (ich leider auch), sollte sich dessen bewusst sein. Insofern ist der ach so tolle Umsatz von Apple keine Leistung...

Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.
Folgen Sie ihm auf Twitter: @crackr
24.04.12 09:11
prefabrik prefq Web-Site
Werbung stecken, als in das Können der Produkte. dann noch den Preis verdoppeln oder besser verdreifachen und es sollte klappen.