Der Absturz von Groupon hat immer noch kein Ende gefunden. Eine Woche nach den enttäuschenden Quartalszahlen ist die Aktie des Schnäppchenportals weiter im freien Fall. Bei nur noch 4,50 Dollar wurde gestern fast schon standesgemäß eines neues Allzeittief markiert. Groupons Börsenwert ist mit gerade mal drei Milliarden Dollar inzwischen so weit gesunken, dass Übernahmespekulationen offen diskutiert werden. Ein potenzieller Kandidat könnte Yahoo sein – schließlich braucht die neue Chefin Marissa Mayer schnelle Erfolge.
Der Leidensweg scheint kaum begrenzt: Nachdem Groupon noch im November vergangenen Jahres mit einer Rallye von der in der Spitze über 50 Prozent am ersten Handelstag glanzvoll zugelegt hatte, geht es nur noch bergab. Doch so stark bergab?
Vor neun Monaten schien das Ausmaß des Einbruchs kaum vorstellbar: Erst der Ausgabekurs von 20 Dollar wurde nach den wenigen Tagen gerissen, dann folgte der Kurssturz in Minus. Nicht die Hälfte des Einsatz, nicht mal ein Drittel, nicht mal ein Viertel des Einsatz ist Groupon-Aktionären, die seit dem ersten Tag dabei sind, inzwischen geblieben. Spötter könnten behaupten, die Groupon-Aktie wird mit einem Discount von inzwischen 77 Prozent zum Ausgabekurs unter den Schnäppchenniveaus der eigenen Rabatteangebote gehandelt, die laut Website bis zu 70 Prozent betragen.
Yahoo war unter Carol Bartz bereits in Übernahmegesprächen
Ob Groupon damit selbst ein Schnäppchen für Groß-Investoren ist, dürfte derzeit eine meistdiskutierten Denksportaufgaben des Silicon Valley sein. Knapp 20 Milliarden Dollar war Groupon für einen Augenblick mal am ersten Handelstag im vergangenen November wert – gerade noch drei Milliarden Dollar sind es neun Monate später.
Angesichts der Kaufofferte von Google Ende 2010 für kolportierte sechs Milliarden Dollar könnte also nun die Stunde der Übernahme-Interessenten schlagen. Ein möglicher Kandidat: Yahoo, mutmaßt das Branchenportal excitingcommerce. Vor knapp zwei Jahren gab es bereits unter der damaligen Yahoo-Chefin Carol Bartz mit Gründer Andre Mason Gespräche, die jedoch scheiterten. Damaligs kolportierter Kaufpreis: 3 bis 4 Milliarden Dollar.
Marissa Mayer wollte Groupon schon 2010
Mit einem Aufpreis von 25 Prozent zum aktuellen Kursniveau könnte der Deal zu 2010er-Preisen durchaus erneut diskutiert werden. Die frühere Google-Managerin Marissa Mayer sei seinerzeit schon "scharf" auf Groupon gewesen, berichtete der Business Insider damals.
Passen könnte eine Übernahme des einstigen Internet-Überfliegers in die Rundum-Erneuerungsstrategie der neuen Yahoo-Chefin, die schließlich schnelle Erfolge braucht. Und Geld ist genug vorhanden: Yahoo sitzt auf Barreserven von mehr als drei Milliarden Dollar zuzüglich der Erlöse von sieben Milliarden aus dem Verkauf der China-Tochter Alibaba.
Marc Andreessen: "Groupon-Verkauf an Yahoo dank Marissa Mayer wahrscheinlicher"
Bleiben am Ende zwei Fragen: Ob die Übernahme des gestrauchelten Internet-Shootings an der Börse gut ankommt, denn daran muss sich Mayer am Ende immer messen lassen – an einem steigenden Aktienkurs. Und ob das Groupon-Management einem denkbaren "Firesale" auf Allzeittiefs überhaupt zustimmen würde.
Der frühere Netscape-Gründer Marc Andreessen, der sich im Juni von seinen Groupon-Anteilen noch mit einem zweistelligen Plus trennte, glaubt, dass Yahoo unter Mayer für Groupon-Gründer Andrew Mason für eine Übernahme interessanter geworden sein könnte: "Wegen ihrem Background und ihren Qualitäten würde Mason eher verkaufen."

Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.
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04.09.12 21:46
Julia Stahmer Web-Site
Das Auftreten von Groupon den Kunden gegenüber zeugt bereits davon, dass man nicht auf sich vertraut. Ich hatte vor langem einmal einen Newsletter bestellt und später wieder abbestellt, weil mir die dauernden Angebote zu viel waren. Obwohl ich es verschiedenen Ebenen immer wieder, sogar mit gerichtlichen Drohungen versucht habe, hat man meiner Bitte um Beendigung des Newsletter-Abos nicht entsprochen, nur um weiter hohe Abozahlen präsentieren zu können.