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Sonntag 17. Juni 2012 23:15

Facebooks Börsenflop macht Branche Angst

Einen Monat ist Facebook nun an der Börse – und das Ergebnis ist für Aktionäre alles andere als erfreulich. Trotz einer zweistelligen Comebackrally in der vergangenen Woche hat die Aktie Anlegern im ersten Monat an der Wall Street Verluste von mehr als 20 Prozent beschert. Doch der Schaden für den Aktienmarkt ist weitaus größer: Nach dem Facebook-Fiasko wagten sich kaum noch neue Unternehmen an die Wall Street. Im Juni stehen gar so wenig Börsengänge wie seit 37 Jahren an – nämlich: überhaupt keine.

Es war ein Monat zum Vergessen – und das trotz zweistelliger Kursgewinne auf den letzten Metern. Immerhin die ‚3’ sehen Facebook-Aktionäre wieder auf den Kursnotierungen stehen. Nach einer furiosen Rallye in der letzten halben Stunde des Freitagshandels konnte die Facebok-Aktie erstmals seit drei Wochen wieder die 30-Dollar-Marke zurückerobern. Das ist die gute Nachricht, die mehrere Vermögensverwalter bereits vorhergesagt hatten, wie MEEDIA berichtete. 

Die schlechte: Wer Anteilsscheine von Facebook zum Ausgabepreis von 38 Dollar zugeteilt bekam, sitzt immer noch auf Verlusten von mehr als 21 Prozent. Damit hat Facebook den drittschlechtesten ersten Monat eines Börsendebütanten abgeliefert, der dabei Erlöse von zumindest einer Milliarde Dollar einsammelte.

Facebook-IPO "Schande eines Anlegerlebens"

Als "die Schande eines Anlegerlebens", geißelte Börsen-Legende James Cramer den verpfuschten Börsengang des weltgrößten Social Networks, der in Spitze einen Börsenwert von 35 Milliarden Dollar vernichtete. Doch der frühere Hedgefondsmanger und heutige CNBC-Starmoderator meint damit nicht nur den Schaden, den Facebook für seine neuen Aktionäre, sondern für den gesamten Sektor, ja für den ganzen Aktienmarkt angerichtet  hat. 

"Jeder hätte bei diesem Deal gewinnen sollen", erklärt Cramer – doch dann kam es im Vorfeld des Börsengangs zu Indiskretionen durch die konsortialführende Bank Morgan Stanley, und Analysten stuften die Aktie kurzfristig überraschend herunter und haben ihre Kursziele zurück. Der Schaden war angerichtet. 

Nach dem Facebook-Fiasko: Keine Börsengänge mehr im Juni

Das Ausmaß des Fiaksos indes wird nun erst im Rückblick klarer: Social Media-Aktien sind synchron mit Facebook abgestürzt, private geführte Internet-Unternehmen wie Twitter brachen am Sekundärmarkt ein, Silicon Valley-Veteranen verschickten Warnungen und äußerten sich besorgt über künftige Finanzierungsrunden.

Wie dramatisch der Markt für Neuemissionen vom Facebook-Fiasko tatsächlich betroffen ist, verdeutlicht nun eine Erhebung von Dealogic. Kein einziges Unternehmen wagte sich bisher im Juni an die US-Börse. Roadshows, die einen IPO traditionell 10 bis 14 Tage vorausgehen, stehen aktuell auch nicht an, wie Business Insider berichtet.

Dealogic hatte einen Juni ohne Börsengang zuletzt 1975 in der Statistik ausgemacht. Der Markt für Börsengänge von Internet-Unternehmen scheint unterdessen zumindest bis zum Herbst tot, mutmaßt Goldman Sachs bereits.  

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 3 von 3

19.06.12 11:15

Paul Müller

"Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes" - so lautet die Börsenweisheit. Und im Facebook-Fall hat das SN das Geld der Anleger erstmal eingesammelt.Dass bei dem Deal jeder hätte gewinnen können wird als Aussage nicht richtiger, nur weil ein nur weil es eine vermeintliche Börsenlegende sagt.

19.06.12 09:31

Benno C

Sobald Namen wie Morgan Stanley und Goldman Sachs fallen - zwei der größten und kriminellsten Bankhäuser der Welt - sollten bei Leuten, die etwas von der Materie verstehen, sofort die Alarmglocken dröhnen. Es würde mich nicht überraschen, keine Sekunde, wenn die (von, oh wunder, Morgan Stanley ausgehenden) "Indiskretionen" ganz gezielte Aktionen waren, um Internetfirmen von Börsengängen abzuhalten. Warum? Das mag jeder Leser für sich selbst entscheiden. Wenn ich jetzt behaupten würde, es könnte mit der Abneigung der mit MStanley und GSachs verquickten politischen Gruppen gegenüber dem Internet zusammenhängen, stünde ich ja als Verschwörungstheoretiker da. Welch ein Spinner!
Nee, ich lasse es lieber. Außerdem sitze ich gerade auf einem Berg an Bildern, die ich noch kategorisieren muß ...

18.06.12 18:03

Jutta Seitz Web-Site

Facebook zeigt mal wieder, dass es dem Unternehmen gar nicht so gut geht. 900 Millionen User ein ein Gewinn von 1 Milliarde ( diese Zahl habe ich mal gelesen ). Rechnet man das um, dann verdient Facebook nun wirklich nicht viel mit jedem User. Die sollten mal das mobile Geschäft etwas ankurbeln, damit man dort auch Geld macht. Sonst wird das nix mehr mit den Aktien.

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Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.

 

Folgen Sie ihm auf Twitter: @crackr

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