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Freitag 08. Juni 2012 08:00

Facebook: Wie schwer wiegt der Börsenflop?

Was für einen Unterschied drei Wochen machen können: Genau solange ist es nämlich her, als Facebook mit viel Getöse an der New Yorker Technologiebörse debütierte. Nicht einmal einen Monat später steht Firmenchef Mark Zuckerberg als großer Verlierer da: Das Social Network hat einen der schlechtesten Börsengänge aller Zeiten hingelegt. Laut einer Reuters-Umfrage zeigen sich Nutzer davon durchaus beeindruckt. Ein Analyst glaubt sogar, dass Facebook bis 2020 irrelevant wird. Die Schockwellen erreichen den Sekundärmarkt.

Es war ein Debakel von der ersten Sekunde: Schon bevor der Handel mit Facebook-Aktien startete, war klar, dass etwas nicht stimmte. Eine halbe Stunde verzögerte sich die Erstnotiz der Facebook-Aktie heute vor genau drei Wochen – so groß war das Wirrwarr an der Technologiebörse Nasdaq, wer nun eine Orderzuteilung erhalten hatte und in welcher Größe.

Nicht einmal einen Monat später werden sich Anleger glücklich schätzen, wenn der Kelch an ihnen vorbeigegangen ist. Bei 26,31 Dollar schloss die Notierung der FB-Aktie gestern – das sind rund 30 Prozent weniger als zum Börsendebüt. Wohlgemerkt: Nicht 30 Prozent weniger als zum Höchstkurs, sondern zur Erstnotiz von 38 Dollar, mit der das Konto der neuen Aktienbesitzer belastet wurde. 

Facebook-Börsengang: Einer der zehn schlechtesten IPOs aller Zeiten

Damit ist Mark Zuckerberg, der sich am Wochenende darauf auf Hochzeitsreise verabschiedete, das zweifelhafte Kunststück gelungen, einen der zehn schlechtesten Börsengänge eines hochkapitalisierten Unternehmens (Mindestbörsenwert: 500 Millionen Dollar) aller Zeiten abzulegen. 32 Milliarden Dollar Börsenwert wurden bereits vernichtet. 

Glaubt man Internetaktien-Kennern wie Henry Blodget hat die Facebook-Aktie ihren Tiefpunkt angesichts der noch immer extrem hohen Bewertung damit aber längst noch nicht erreicht – Blodget sieht den fairen Wert bei etwa 20 Dollar. Beeindruckt vom Facebook-Fiasko sind auch die Kurse der anderen börsennotierten Social Media-Aktien wie Zynga oder Groupon kräftig ins Rutschen gekommen. Und auch am Sekundärmarkt privat geführter Unternehmen sind die Schockwellen spürbar: Twitter-Aktien fielen im Wochenverlauf um 15 Prozent.

Reuters-Studie: 44 Prozent denken nach Börsenflop schlechter über Facebook

Das mag die kurzfristige Einschätzung der Finanzwelt sein. Dass das Börsenfiasko aber auch in der Wahrnehmung des Social Networks in der realen Welt nicht spurlos vorbei geht, arbeitete diese Woche eine Studie des Marktforschers Ipsos im Auftrag von Reuters heraus. Alarmierendes Ergebnis: 44 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten aufgrund des Börsenfiaskos eine weniger gute Meinung über das Social Network!

Dabei liegt nach Erhebungen von Ipsos auch fundamental einiges im Argen: 34 Prozent der Befragten Nutzer gaben an, inzwischen weniger Zeit auf dem Social Network zu verbingen. Vier von fünf der Befragten gaben zudem an, dass Werbeanzeige nicht zu einem Kauf führen würden. Beruhigende Studienergebnisse klingen anders.

Fondsmanager: "Facebook wird irrelevant"

Mancher Analyst wagt angesichts der jüngsten Facebook-Dämmerung gar ein apokalyptisches Szenario: "In fünf bis acht Jahren wird Facebook verschwinden so wie Yahoo verschwunden ist", erklärte der renommierte Vermögensverwalter Eric Jackson Anfang der Woche auf CNBC. "Yahoo verdient zwar weiter Geld, ist aber nur noch ein Zehntel seiner Marktkapitalisierung von 2000 wert", so Jackson.

Warum Facebook irrelevant wird? "Facebook ist der Platzhirsch der zweiten Internet-Generation so wie es Google der ersten war. Aber sie werden dieselben Schwierigkeiten beim Sprung in die dritte Generation – das mobile Zeitalter – haben, wie es Google mit der Social Media-Ära hatte", glaubt der Fondsmanager von Iron Capital. 

Dabei sieht es danach aus, als wolle Facebook dieses Schicksal unbedingt vermeiden: Gerüchte über ein Facebook-Handy, das 2013 auf den Markt kommen soll, halten sich hartnäckig. Anleger sind damit trotzdem nicht zu gewinnen. Gestern stürzte das Papier auf den zweitschwächsten Stand aller Zeiten, nur wenige Cent vom bisherigen Allzeittief entfernt, das erst in dieser Woche aufgestellt wurde.

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Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.

 

Folgen Sie ihm auf Twitter: @crackr

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