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Dienstag 10. Juli 2012 23:55

Apples iPad soll jetzt auch China erobern

Während alle Welt über ein kleines iPad spekuliert, steht ein anderer Launch zunächst einmal bevor: Endlich kommt die dritte Generation von Apples Bestseller ins Reich der Mitte. Am 20. Juli ist der China-Start so weit. Einerseits wollte Apple beim endlosen Namensrechtsstreit mit Proview wohl kein Risiko gehen und mit möglicher Beschlagnahmung negative PR auf sich ziehen. Andererseits erscheint das Timing alles andere als Zufall: Im Quartal vor dem neuen iPhone braucht Apple einen Joker.

Die gewaltigste Wachstumsstory der Wirtschaftswelt befeuert die gewaltigste Wachstumsstory der Technologie-Welt: So und nicht anders sieht es aus, wenn der wertvollste Konzern in den am schnellsten wachsenden Markt der Welt sein am schnellsten wachsendes Produkt exportiert. 

Passieren wird das schon nächste Woche Freitag – am 20. Juli. Mehr als vier Monate musste der größte Verbraucherelektronikmarkt der Welt auf den Launch von Apples Tablet-Bestseller warten. Warum? Einerseits bringt Apple seine neusten Geräte meist leicht verzögert ins Reich der Mitte, andererseits hatte das Kultunternehmen aus Cupertino über Monate einen erbitterten Rechtsstreit auszufechten, der erst vorige Woche zu Ende ging.

Beendigung des Rechtsstreits mit Proview

Seit Februar lieferten sich der chinesische Display-Hersteller Proview und die Anwälte von Apple einen heftigen Schlagabtausch. Beide Seiten beanspruchen die Namensrechte "IPAD" für sich – obwohl Apple diese im Vorfeld seines Tablet-Launchs eigentlich erworben zu haben glaubte. Es folgte eine monatelange Verhandlungsposse, Beschlagnahmung von iPads in Apple Stores in Festlandchina inklusive. Es erscheint nachvollziehbar, dass Apple noch mehr Negativ-PR mit dem Start der nächsten iPad-Generation nicht provozieren wollte. 

Anfang vergangener Woche nun der Befreiungsschlag: Apple einigte sich endlich mit Proview und zahlt 60 Millionen Dollar – eine zwar bemerkenswerte Summe für Markenrechte, die man scheinbar bereits besaß. Andererseits sind das aber auch Peanuts für den wertvollsten Konzern der Welt, der die Vergleichssumme in einem halben Tag verdient, dafür aber nun endlich Planungssicherheit hat. 

Apples enorme China-Erfolgsstory – bereits 20 Prozent Umsatz aus Reich der Mitte

Also kann die große Erfolgsgeschichte des iPad weitergeschrieben werden: Kein Produkt in der Wirtschaftsgeschichte verkaufte sich schneller besser, während kein Konzern von der Wachstumsstory China bisher mehr profitierte als Apple. Im Vorquartal explodierten Apples Umsätze in China gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sensationelle 440 Prozent. 

"20 Prozent Umsatz aus China sind ein fantastischer Anteil", lobte darauf Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill, der einst das BRIC-Konzept erfunden hatte, Apples März-Quartal, in dem seinerzeit das iPhone 4S in China debütierte.

China-Boom des iPad, um iPhone-Rückgänge auszugleichen

Einen ähnlichen Boom aus China dürfte CEO Tim Cook fest im laufenden Geschäftsquartal einkalkuliert haben, schließlich ist es das letzte vor dem mutmaßlichen Launch eines neuen iPhone. Was in anderen Worten bedeutet: Käufer dürften sich in den Monaten vor einem wahrscheinlichen Oktober-Start eher zurückhalten. 

Diese vermeintliche Schwäche, die bereits im vergangenen Jahr bei einer raren Ergebnisverfehlung zu besichtigen war, könnte mit einem explosiven China-Launch des iPad möglicherweise überdeckt werden. Doch diese Spekulationen greifen ohnehin zu weit: Wichtig wird für Apple-Aktionäre zunächst der 24. Juli werden, wenn der iPhone- und iPad-Hersteller Rechenschaft über den abgelaufenen Dreimonatszeitraum abliefert. 

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Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.

 

Folgen Sie ihm auf Twitter: @crackr

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