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Mittwoch 16. Mai 2012 03:00

Warum Facebooks Aktie maßlos überteuert ist

48 Stunden noch – dann wird Geschichte geschrieben. Mit Facebook debütiert nicht nur endlich der dominierende Internet-Player der Social Media-Ära – wir erleben gleichfalls den größten Börsengang der Internet-Geschichte. Lediglich drei Unternehmen sammelten zum IPO mehr Geld ein als Facebook. Keine Frage: Der 18. Mai wird zum ganz großen Jubeltag für das Social Network – der IPO ist prädestiniert, ein Erfolg zu werden. Doch er könnte nur kurz währen, denn die aktuelle Bilanz rechtfertigt die Bewertung nicht  annähernd. 

Endlich - nach Jahren des Wartens ist der große Moment da: Facebook geht an die Börse. Während für Internet-Nutzer ein Börsenlisting eher als eine numerische Randnotiz erscheinen mag, ist ein IPO tatsächlich die zweite Geburtsstunde des erst acht Jahre alten Shootingstars der Social Media-Ära.

Ab Freitag wird Facebook eine börsengelistete Aktiengesellschaft sein und beginnt sich damit in den Kreis der arrivierten Großkonzerne von Corporate America einzureihen. Aus dem Stand wird Facebook mehr als 100 Milliarden Dollar wert sein – das ist eine absolut fantastische Lebensleistung, die Mark Zuckerberg keiner mehr nehmen kann und ihn fraglos zur Internet-Ikone unserer Tage macht. Der bescheidende Harvard-Abbrecher hat allen Grund, sich am Freitag gebührend feiern zu lassen.

Immense Nachfrage macht starkes Debüt wahrscheinlich
Und das sollte Zuckerberg auch tun, denn die Börsenparty könnte schneller vorbei sein, als viele erwarten. Keine Frage: Wenn die Facebook-Aktie unter dem Tickersymbol "FB" am Freitag um kurz vor 17 Uhr deutscher Zeit den Handel aufnimmt, dann könnte eine regelrechte Kursrakete die Papiere in erstaunliche Höhen katapultieren.

Anleger haben den Film wieder und wieder und wieder gesehen – schon die Papiere von Groupon und LinkedIn zogen in den ersten Minuten ihres Börsenlistings ab wie gut betankte Boliden aus der Boxengasse. Auf zwischen 34 und 38 Dollar hob das Social Network seine Bookbuilding-Spanne aufgrund der immensen Nachfrage bereits an.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sie FB-Aktien entsprechend am oberen Ende platziert werden. 104 Milliarden Dollar wäre Facebook damit Freitagnachmittag auf Basis des Ausgabekurses offiziell wert. Dienen die rasanten Kursaufschläge von LinkedIn oder Groupon zur Handelseröffnung als Indiz, erscheinen kurzfristig Kurssprünge in die Richtung von 150 Milliarden Dollar nicht völlig abwegig.

Wahrer Geldsegen: 14 Milliarden Dollar für die Kriegskasse
Doch hier fangen die  Probleme an. Wie langjährige Anleger wissen, reflektiert der Börsenkurs keinesfalls 1:1 den Wert eines Unternehmens: Der Aktienkurs drückt vielmehr aus, welchen Wert Anleger bereit sind, einem Unternehmen zuzubilligen. Und das ändert sich täglich wie die Stimmung. Dieses Missverhältnis zwischen fairem Wert und Börsenwert macht am Ende den Reiz und die Verlockung der Börse aus.

Dumm nur, dass sie bei Facebook in einem ganz krassen Missverhältnis stehen. Seit der Internet-Blase 1999/2000 hat es ein kaum ein Unternehmen gegeben, dass das überbordende Anlegerinteresse in derart saftige Notierungen übersetzen lässt. Natürlich ist Facebooks Vorgehen legitim: Die Börse ist ein Handelsplatz, der Käufer und Verkäufer  zusammenbringt – es geht um das ewige Wechselverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. 

Die Nachfrage ist erwartungsgemäß riesig, entsprechend kann Facebook fast jeden Preis für seine Aktien verlangen – keiner zwingt die Anleger schließlich, die Papiere zu zeichnen bzw. auf diesem Niveau zu kaufen. Für Facebook ist der IPO ein wahrer Geldsegen: Eine Geldschwemme von 14 Milliarden Dollar, die die Emission in die Kasse spült, möbelt die Kriegskasse gehörig auf. Zukäufe wie Instagram müssen da längst nicht das Ende der Fahnenstange sein. 

Im euphorischen Debüt liegt der Keim des Abstiegs
Auf den zweiten Blick bleibt jedoch die Frage, ob sich Facebook mit einem dermaßen üppigen Pricing einen Gefallen getan hat. Denn was nach dem Börsenlisting am Freitag folgt, könnte die Geschichte eines langen Abstiegs sein. Nach der ersten Euphorie dürften nämlich auch bei Facebook die Gesetze der Schwerkraft greifen. 

Und die könnten den Überflieger brutal auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ganz egal, ob Facebook mit 900 Millionen Mitgliedern das größte Werbepotenzial eines Internet-Unternehmens unserer Zeit besitzt – die vorliegende Geschäftsbilanz rechtfertigt zu keinem Zeitpunkt die Mond-Bewertung, mit der Facebook ab Freitag auf Aktionäre losgelassen wird. 

KGV jenseits der 100 zum Börsenstart
Ein Blick auf die jüngste Konzernbilanz lässt den 650 Pfund-Gorilla Facebook nämlich im Vergleich zu den dominierenden Playern der Internet- und Technologie-Welt eher wie ein Fliegengewicht erscheinen – leider allerdings als eines der teuersten der Börsenhistorie.

Bei Umsätzen von 3,7 Milliarden Dollar verdiente Facebook im abgelaufenen Geschäftsjahr gerade mal eine Milliarde Dollar. Die wichtigste Kennzahl der  fundamentalen Aktienanalyse, das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), entrückt Facebook in Dimensionen, die einen schmerzlichen Abstieg geradezu heraufbeschwören: Beim Ausgabekurs von 38 Dollar würde Facebook allen Ernstes mit einem KGV jenseits der 100 den Besitzer wechseln – bei Kursaufschlägen von 20, 30 oder 50 Prozent entsprechend bei Multiplen von 120, 130 oder 150.

Facebook sieht im Verhältnis zur Peer Group hoffnungslos überteuert aus
Ein Blick auf die jüngere und ältere Börsengeschichte lehrt, dass solche Missverhältnisse am Ende selten gutgehen. Vor allem in dem bereits  relativ reifen Geschäftsstadium, in dem sich Facebook befindet – und erst recht beim Blick auf die Peer Group. 

Google, der natürliche Rivale beim Kampf um die Vorherrschaft im Internet ist die größte Warnung für Facebook-Aktionäre. Google geht es gut, Google hat es verstanden, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen, das sich Quartal für Quartal bislang weitaus effektiver monetarisieren lässt als das von Facebook – und doch wechselt Google mit einem KGV von aktuell 15 gerade für einen Bruchteil der Mond-Bewertung von Facebook den Besitzer. Der Vergleich zu Apple, das sogar in der aktuellen Größe immer noch schneller wächst als Facebook (!), ist mit einem KGV von 12 noch absurder. 

Mahnender Börsenvergleich mit Google
Vor allem jedoch die Börsenentwicklung von Google muss potenzielle Facebook-Aktionäre in Alarmbereitschaft versetzen:  Auch die Internetsuchmaschine debütierte 2004 mit einem relativ üppigen KGV von 60, um dann nach einem schnellen Kursanstieg von 500 Prozent binnen zwei Jahren gar nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Bei aktuell 600 Dollar laufen frustrierte Google-Aktionäre immer noch den Hochs von 2007 bei 747 Dollar nach! 

Dabei laufen Googles Geschäfte heute natürlich weitaus besser als 2007 – der mit knapp 200 Milliarden Dollar wertvollste Internetkonzern verdient im Vergleich zu vor fünf Jahren ein Vielfaches und erzielt immer noch Umsatzsteigerungen von mehr als 20 Prozent. Allein: Die Börse ist nicht mehr bereit, dieselben Multiplen zu bewilligen  wie noch vor fünf Jahren, da Google ein heute reiferes Unternehmen geworden ist. 

Dieser Abstieg vom Olymp steht auch Facebook unweigerlich vor – eine Bewertung  mit einem KGV von 100 für ein 100 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, dessen Umsätze zuletzt nur noch um 45 Prozent wuchsen und dessen Gewinne sich in jüngsten Quartal gar rückläufig entwickelten, ist weder darstellbar noch an der Wall Street durchzuhalten. Bei allem Potenzial, das im weltgrößten Social Network, das für fast eine Milliarde Dollar zum Synonym des Internets geworden ist, stecken mag: kommende Facebook-Aktionäre sollten wissen, auf welche Wette sie sich einlassen – und die Grundrechenarten nicht aus den Augen verlieren.

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Dienstag 15. Mai 2012 01:05

Börsengang: Facebook hebt Kursspanne an

Schönes Geschenk am 28. Geburtstag von Mark Zuckerberg: Der große Börsengang von Facebook wird wohl noch ein bisschen größer. Nach übereinstimmenden Agenturberichten will das weltgrößte Social Network die sogenannte Bookbuildingspanne, mit der der Ausgabekurs taxiert wird, deutlich anheben. So dürften Facebook-Aktien nun zwischen 34 und 38 Dollar kosten. Ergebnis: Das soziale Netzwerk ist noch ein bisschen teurer geworden – und debütiert nun wohl zu über 100 Milliarden Dollar an der Börse.

Der Hype schwillt weiter an. Keine Spur von Anleger-Zurückhaltung, wie in der vergangenen Woche noch bei Bloomberg zu lesen war, als einige Analysten nach der Roadshow offenbar den Kopf schüttelten. Rationale Argumente um turmhohe Bewertungen oder überzogene Erwartungen zählen in den letzten Tagen vor dem Börsengang bei zeichnungswilligen Anlegern offenbar längst nicht mehr – jeder will Facebook-Aktien von Tag eins an besitzen, das signalisiert die Nachfrage. 

Wenig überraschend ist der Börsengang von Facebook daher nun auch komplett überzeichnet. "Sie werden mit Zeichnungsaufträgen geflutet", erklärt John Merriman, CEO der Investmentfirma Merriman Holdings gegenüber Bloomberg. Ergebnis: Im Zuge der überbordenenden Nachfrage wird die Preistaxe mal eben angehoben.

Facebook könnte aus dem Stand mit 104 Milliarden Dollar debütieren

Statt der ursprünglich avisierten 28 bis 35 Dollar werden Facebook-Aktien nun zwischen 34 bis 38 Dollar kosten. Am oberen Ende der Preisspanne wäre das weltgrößte Social Network damit aus dem Stand stolze 104 Milliarden Dollar wert!

Wegen der überwältigenden Nachfrage wird Facebook die eigentlich bis Donnerstag geplante Zeichnungsfrist wohl verkürzen – und schon heute schließen, berichtet Reuters. Der Countdown für den größten Börsengang eines Internet-Unternehmens aller Zeiten geht damit in die letzten drei Tage – die Zulassung für das Listing an der Technologiebörse Nasdaq unter dem Tickersymbol "FB" erfolgte gestern. 

Börsenstart von zu Hause

Wie sooft wird der CEO eines Börsendebütanten am Freitag am Tag des Listings die Eröffnungsglocke der Wall Street läuten. Allerdings wird Mark Zuckerberg die Wall Street nicht persönlich beehren – er wird es aus dem Facebook-Hauptquartier in Menlo Park tun. 

Viel mehr Missachtung für die Gepflogenheiten der Investmentbranche geht nicht. Gut möglich, dass Mark Zuckerberg zur Feier des Tages wieder einen Kapuzenpulli trägt...

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Sonntag 13. Mai 2012 23:30

Apple: Übernahme-Posse um Loewe

Es klang nach einem echten Übernahmecoup: Das Apple-Blog AppleInsider berichtete am Wochenende von einer möglichen Akquisition des deutschen Traditionsfernsehherstellers Loewe. Die Kronacher schienen ins Konzept des wertvollsten Unternehmens der Welt zu passen: Wie auch Apple setzt Loewe auf edles Lifestyle-Design und bietet sogar bereits mit Apple kompatible Accessoires wie Lautsprecher an. Am Sonntag kam die Ernüchterung: Loewe dementierte sämtliche Übernahme-Gerüchte.

Es wäre wieder einmal eine Überweisung aus der Portokasse gewesen: 87 Millionen Euro oder umgerechnet 112 Millionen Dollar wolle Apple für ein deutsches Traditionsunternehmen bieten, vermeldete das US-Blog AppleInsider am Wochenende. Die Loewe AG wolle bis Freitag über die Übernahmeofferte entscheiden. 

Für den wertvollsten Konzern der Welt hätte die Akquisition mit sprichwörtlichen Peanuts bezahlt werden können: Die kolportierten 112 Millionen Dollar, die einem marktüblichen Aufschlag von knapp 50 Prozent gegenüber dem aktuellen Börsenwert vom Freitag entsprechen, hat Apple im vergangenen Quartal an nicht einmal einem Tag verdient.

Loewe produziert bereits Lösungen für Apple-Geräte
Und der Deal schien Sinn zu machen: Wie Apple-Produkte zeichnen sich auch die TV- und Peripherie-Angebote des 1929 gegründeten fränkischen Traditionskonzerns durch minimalistisches Design und durchaus knackige Preise aus. Dieses Jahr verkündete Loewe dann auch eine engere Kooperation mit Apple mit Lautsprechern, die speziell auf Apples AirPlay-Techologie im iPad oder iPhone abgestimmt waren.

Entsprechend schienen die Übernahmegerüchte gut zu Apples wahrscheinlichem Einstieg in den TV-Markt zu passen. Erst Ende vergangener Woche hatte Foxconn-Chef Terry Gou durchblicken lassen, die Produktion eines Apple-Fernsehers laufe demnächst an. 

"Da ist nichts dran"
Der schlingernde deutsche Nischenplayer, der 2010 aus dem SDax geflogen und in den vergangenen beiden Jahren kleinere Verluste eingefahren hatte, wäre allerdings wohl kaum der geeignete Partner für die millionenfache Massenproduktion von TV-Geräten für den mit Abstand wertvollsten Konzern der Welt. 

"Überhaupts nichts" sei an den Gerüchten dran, wiegelte ein Loewe-Sprecher am Sonntag ab. Ob ein gut gestreutes Gerücht in Richtung von AppleInsider oder pure Erfindung – etwas von Apples Strahlkraft können die Kronacher beim Kampf um die schwarze Null fraglos gut gebrauchen. 

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Freitag 11. Mai 2012 13:10

Nachfrage schwächelt: Floppt der Facebook-IPO?

Erstaunliche Wendung beim größten Börsengang eines Internet-Unternehmens: Wie Bloomberg berichtet, fällt die Nachfrage vor dem Facebook-IPO von Seiten institutioneller Investoren offenbar geringer aus als erwartet. Das weltgrößte Social Network habe auf seiner Roadshow durchblicken lassen, dass es die optimistischen Umsatzerwartungen möglicherweise nicht erfüllen könne, berichtet Bloomberg. Bereits vor Wochen hatte Facebook Anleger mit seinen Geschäftszahlen fürs erste Quartal verunsichert.

Der Affront schien kalkuliert. Zu Beginn der Roadshow am Montag schlug Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in bekannter Bekleidung auf – nämlich im allseits bekannten Kapuzenpulli? Das gefiel nicht jedem Investmentbanker. Michael Pachter von Wedbush Securities warf dem 27-jährigen Firmengründer schlicht "Respektlosigkeit" vor. 

Ein anderer Vorwurf könnte für angehende Facebook-Aktionäre unterdessen schwerer wiegen. Wie der Finanzinformationsdienst Bloomberg berichtet, soll das Interesse einiger institutioneller Investoren nach der Präsentation auf der Roadshow geschwunden sein.

Schwächere Umsatzentwicklung als erwartet?

Facebook habe am Mittwoch verkündet, dass das Wachstum der Werbeerlöse nicht mit dem Nutzerwachstum Schritt halte, zitiert Bloomberg mit der Roadshow vertraute Personen. Das weltgrößte soziale Netzwerk habe vor Analysten gar durchblicken lassen, dass es möglicherweise die optimistischen Umsatzprognosen nicht werde halten können. Das Interesse institutioneller Investoren falle daher bisher geringer aus als erwartet.  

Kurz vor dem Börsengang erscheint eine versteckte Umsatzwarnung allerdings fragwürdig. Wenn Facebook tatsächlich bestimmte Umsatzziele zu korrigieren hat, müsste dies in einer gesonderten Pflicht-Mitteilung an Investoren kommuniziert werden. Die von Bloomberg zitierten Quellen erscheinen daher etwas vage.

"Die Erwartungen sind viel zu hoch"

Immer deutlicher wird allerdings, dass die in Facebook gesetzten turmhohen Erwartungen mit einer Bewertung von knapp 100 Milliarden Dollar sehr ambitioniert sein könnten. "Die Erwartungen sind viel zu hoch", glaubt etwa der japanische Analyst Mitsuo Shimizu von Iwai Cosmo Securities. 

In einer Woche – am 17. oder 18. Mai – will Facebook an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq debütieren und dabei über 10 Milliarden Dollar erlösen. Nach Ausübung von Wertpapierreserven ("Greenshoe") könnte das Volumen gar auf 13,6 Milliarden Dollar anschwellen – vorausgesetzt, das Anleger-Interesse nimmt bis dahin nicht ab.

Reuters will unterdessen das Gegenteil erfahren haben: Die Nachrichtenagentur berichtet bereits von einer Überzeichnung der Aktien. 

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Donnerstag 10. Mai 2012 01:45

Facebook: Analyst startet Kaufempfehlung

Mark Zuckerberg scheint alles zu tun, um seinem Rockstar-Image gerecht zu werden: Auf der Roadshow vor Investoren kreuzte der Facebook-Gründer  wieder einmal im Kapuzenpulli auf. Für einen Analysten eine eindeutige Botschaft:  Michael Pachter von Wedbush kritisierte den Facebook-Gründer offen für seine Respektlosigkeit. Ironischerweise sprach die Investmentbank vergangene Woche bereits eine Kaufempfehlung aus, die weit höher als der Ausgabekurs der Facebook liegt, die Freitag nächster Woche gehandelt werden soll.

Der Countdown läuft: Neun Tage noch – dann soll der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens aller Zeiten über die Bühne gehen. Die Werbetrommel wird von Facebook entsprechend bereits kräftig gerührt. Nur vielleicht nicht ganz im Sinne der Gepflogenheiten der Wall Street.

Am Montag schlug der 27-Jährige Firmengründer vor Investoren gerne so auf, wie er es immer tut: Im Freizeitlook, nämlich Kapuzenpulli. Das stieß Investmentbankern wie Michael Pachter von Wedbush Securities ziemlich sauer auf. "Das ist ein Zeichen von mangelnder Reife", findet Pachter. "Er zeigt Investoren damit, dass er sich um sie nicht wirklich kümmert", so das vernichtende Urteil des Wedbush-Analysten. 

Kein Respekt, aber trotzdem Kaufempfehlung

"Zuckerberg möchte, dass Anleger ihr Geld in Facebook investieren. Da wäre es angemessen, wenn er ihnen genau soviel Respekt entgegenbringt, wie man es für gewisse Institutionen tun würde – wie etwa im Falle von Hochzeiten, Todesfälle oder Kirchengängen", so Michael Pachter. 

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Wenige Tage zuvor hatte derselbe Analyst bereits die erste Kaufempfehlung ausgesprochen, bevor Facebbok überhaupt an der Börse gegangen ist. Bei 44 Dollar sieht Wedbush den fairen Wert der Facebook-Aktie in den kommenden zwölf Monaten. Das wären zumindest 25 Prozent über dem Maximalausgabekurs. 

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Mittwoch 09. Mai 2012 16:45

next12: Nach Berlin ist vor Moskau

Berlin formiert sich zur kommenden Internet-Hauptstadt Europas – das ist der Tenor der Berlin Web Week. In der Zukunft könnte jedoch noch ein neuer Rivale erwachsen, den derzeit noch die wenigsten Gründer auf dem Zettel haben. Nicht aus London, Paris oder Barcelona könnte die nächste Startups-Welle kommen, sondern aus Moskau. Das ist das Fazit des Panels "Looking East" am zweiten Tag der next-Konferenz. Treiber der Entwicklung: Der aktuell ziemlich schier unerschöpfliche Kapitalzufluss in der russischen Hauptstadt.

Es gibt viele gute Gründe, um Moskau näher kennen zu lernen – kulturelle etwa. Oder Zwischenmenschliche. "Die russischen Frauen sind ziemlich hübsch", bemerkt die Französin Maelle Gavet leicht schnippisch am zweiten Tag der Digitalkonferenz next. 

Gavet ist aus anderen Gründe nach Moskau gekommen – das Business lockt. Die 33-Jährige leitet als CEO die Geschäfte des heißesten Online-Shopping-Portal des russischen Riesenreichs – Ozon. Der bereits 1998 gegründete E-Commerce-Anbieter konnte im vergangenen September erst eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen abschließen und wird bereits als nächstes Milliarden-Unternehmen gehandelt.

"Kreativtalente aus dem Westen, Geld aus dem Osten"
Keine Frage: Der russische Markt boomt – nur kaum einer bekommt es mit. Mit 53 Millionen Nutzer kommt Russland noch vor Deutschland auf die meisten Internet-Nutzer. Mit Yandex, das im vergangenen Jahr an der amerikanischen Technologiebörse debütierte, kommt zudem der wertvollste europäische Internet-Konzern aus dem russischen Riesenreich, während Digital Sky Technologies (DST) als früher Groß-Investor von Facebook auffiel. 

Schnell wird klar: Geld ist nicht das Problem in Moskau, wie Gavet auf der next-Konferenz bestätigt: "Davon gibt es mehr als genug." Woran es mangelt: Zu wenig fähige Fachkräfte und die echte Aufbruchsstimmung.

"Kreativtalente aus dem Westen, Geld aus dem Osten, das ist der Erfolgsrezept für Internet-Startups in Moskau", erklärt etwa Panel-Teilnehmer Stefan Erschwendner vom digitalen Think Tank LHBS. Eine Erkenntnis der next12: Im Osten gibt es einiges Neues - Berlin ist sexy, in Moskau sitzt das Geld. 

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Nils Jacobsen
ist Wirtschaftsjournalist und Internetexperte in Hamburg. Der studierte Germanist und Medienwissenschaftler berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Entwicklung der Aktienmärkte und Internet-Wirtschaft - u.a als Chefredakteur der Portale clickfish.com, US FINANCE.de und YEALD.de. In dieser Tradition schreibt, analysiert und bloggt Jacobsen für MEEDIA über das Beste der beiden Welten Internet und Wirtschaft.

 

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