Die Bundesregierung erregt mit ihrem Youtube-Kanal mehr Aufmerksamkeit, als ihr lieb sein dürfte. Zuerst fragte der Deutsche Hanf-Verband, wann Cannabis legalisiert werde. Jetzt vermarktete sich die Bundeswehr mit einem actionreich inszenierten Imagevideo. Sie will die Generation Youtube für die Berufsarmee begeistern – und verärgert damit die Regierung. Die ordnete den schnellen Rückzug an. Kritiker nannten das Video „gewaltverherrlichend“ wie ein Ballerspiel.
Die Grünen-Sprecherin für Abrüstungspolitik, Agnieszka Malczak, hat die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr im Internet kritisiert. „Dieses Video stellt eine Verherrlichung militärischer Gewalt und kriegerischer Auseinandersetzungen dar. Bilder und Musik gleichen teilweise einem Ego-Shooter und entwerfen so ein Zerrbild des Dienstes bei der Bundeswehr.“ Das Video passe nicht zu den Ankündigungen der Regierung, mit den laufenden Bundeswehreinsätzen zur Schaffung von Stabilität und Frieden beitragen zu wollen. „Nach der Aussetzung der Wehrpflicht stellt sich jetzt die Frage, wer sich künftig für einen Dienst bei der Bundeswehr entscheidet. Dieses Video spricht hier sicherlich nicht die gewünschte Zielgruppe an“, sagte Malczak.
Auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, kritisierte, der Spot schade „massiv dem Ansehen und dem guten Ruf der Bundeswehr. Es wird eine Klientel angesprochen, die anfällig für Gewaltbereitschaft ist, und sich nicht um die besondere Bedeutung der Bundeswehr in der Gesellschaft kümmert.“
In dem 100-Sekunden-Imagevideo war die deutsche Nationalhymne in Heavy-Metall-Rhythmen begleitet vom Abschuss von Raketen und dem Einschlag detonierender Bomben bei Sirenengeheul eingebettet. Auch schwerbewaffnete Soldaten, Hubschrauber und Panzer waren im Regierungs-Kanal zu sehen.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums rechtfertigte zuerst: „Mit schnellen Schnittfolgen und moderner Musik entspricht der Beitrag dem Stil zeitgemäßer Youtube-Clips.“ Doch die Kritik wurde der Bundeswehr dann offenbar doch zu viel: Gegenüber n-tv sagte der Sprecher, der Film sei von der Videoplattform gelöscht worden.
Übrigens: Heute, ab 12.00 Uhr, will Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Fragen antworten, die Nutzer via Youtube eingesendet haben. Dabei wird sie auch auf die Frage des Deutschen Hanf-Verbands eingehen müssen, der wissen will, wie sie zu einer Legalisierung von Cannabis steht.
Update 12.48 Uhr: Unser Leser Tobias Mandelartz hat das gelöschte Bundeswehr-Video wiederentdeckt und in seinem Blog eingebunden. Wir haben das Video, das sich auch bei Youtube finden lässt, ebenfalls in unseren Artikel integriert.
18.11.11 16:48
Dupont Duplo
Das Video mit einem Egoshoter-Trailer zu vergleichen ist ziemlich weit entfernt... Da ist jeder Trailer "schnittiger" und besser gemacht. Nach meiner Ansicht hätte das Video schnelle und bessere Efekte haben können. Wirkt eher wie "möchtegern" cool und wirkt schon fast etwas komisch... Die Aufregung um das Video ist lächerlich und bietet nur denen, die langweile haben etwas Futter für ihre Blogs oder für die Profilierung von politischen Hinterbänklern...
18.11.11 15:39
Thomas Wiegold Web-Site
Vor allem gibt es abseits der großen Medien eine sehr rege Diskussion, nicht zuletzt mit Wortmeldungen der Betroffenen und einer Diskussion mit einem der kritisierenden Politiker.
http://augengeradeaus.net/20[..]
18.11.11 12:12
Tobias Mandelartz Web-Site
das ist wahrlich ziemlich eklig! Da das Internet aber so schnell nicht vergisst kann man sich den unsäglichen "Image-Film" gerne noch mal reinziehen unter
http://absolutobsolet.blogspo[..]

Henning Ohlsen wuchs mit Nintendo und Sega auf. Hier schreibt er über Computer- und Videospiele, Social Gaming und Trends, die die Branche bewegen.
27.03.12 21:47
never Enegy
@Dupont Duplo
Halt Doch die Fresse Du Arschloch!