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Montag 12. Oktober 2009 14:44

"Beef!" Kampfansage an die heile Küchenwelt

Bei G+J sind diese Woche die Kerle dran: Gleich drei Männer-Titel liegen erstmals am Kiosk und hoffen auf eine vom Zeitschriftenmarkt vernachlässigte Zielgruppe. Lifestyle ist die DNA für alle drei Titel, die Themenwelten reichen von Stil („Gala Men“) über Karriere („Business Punk“) bis zum Kochen („Beef!“). Zumindest bei letzterem ist der Macho-Faktor immens – wenn der Männerkochklub tagt, haben Frauen und Kinder am Herd nichts zu suchen. MEEDIA hat die etwas andere Food-Zeitschrift geblättert.

Der Abräumer beim verlagsinternen Ideen-Wettbewerb "Grüne Wiese" hat mit den gängigen Koch-Magazinen in etwa soviel gemein wie ein Thaibox-Event mit einer Ballett-Vorstellung. An allen Ecken und Enden blitzen scharfe Klingen, rohes Fleisch, wohin das Auge blickt. Schon auf Seite 11 muss ein Karnickel dran glauben, und die "BEEF!"-Macher bekennen: "Das war es uns wert. Weil wir jetzt wissen, wie man ein Kaninchen küchenfertig macht."

Solche Kollateralschäden gehören bei "Beef!" zum Konzept, das Machtverhältnisse in der Küche neu definiert – nicht immer, aber immer öfter. Chefredakteur Jan Spielhagen (u.a. "Healthy Living", "Men's Health") nennt "Beef!" ein Magazin "für Christoph, Jörn, Thomas, Fabian, Matze" und meint damit seinen Freundeskreis von "Feinköchen", die genau so eine Zeitschrift "vermisst haben" und natürlich auch "all die anderen".

Damit folgen Spielhagen (und G+J) einem Trend, der im Verlagshaus immer offensichtlicher wird: Neuen Magazin-Ideen wird immer dann großes Potenzial zugetraut, wenn es sich um "Lebensgefühlshefte" handelt. Also jenen Zeitschriften, die das zum Thema machen, was die Macher in ihrem Leben bewegt. "Neon" ist der erfolgreiche Prototyp, "Nido" oder "Dogs" sind weitere Beispiele.

Das Lebensgefühl, das "Beef!" zugrunde liegt, ist ebenso puristisch wie verschwenderisch. Das Auswahlkriterium scheint von Oscar Wilde entlehnt: Wir  können auf alles verzichten, außer auf Luxus. Vor allem bei Produkten wird nicht gekleckert: das handgeschmiedete Sashimi-Messer für 3800 Euro, ein Whisky für 96 Euro, Designer-Stühle für 510 Euro das Stück, ein Fläschchen Wein zum Schnäppchenpreis von 8000 Euro, der Heavy-Metal-Herd von Bertazzoni "um" 11200 Euro undundund. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mancher in der angepeilten Zielgruppe wird diese Materialschlacht eher nervig finden, aber das "Posing" scheint bei "Beef!" zum Credo zu gehören wie die Prämisse, dass man "mit Frauen besser nicht kocht". Deshalb ist auch schnell klar, dass "Kochen mit Eiern" mit Hühner-Erzeugnissen nichts zu tun hat oder dass "Penisspieße vom Schaf" für Beeflinge kein kulinarisches No-Go sind. Und ob die Bildzeile unter dem an den Hinterläufen aufgehängten Schlachtkaninchens "Kopfüber ins Vergnügen" nicht von Geschmacksverirrung zeugt, muss der Leser für sich entscheiden.

"Beef!" ist nichts für Zartbesaitete und eine Kampfansage an die heile Welt des Kochens und Backens. Ein Mix aus Style, Nutzwert und blitzblanker Kitchen-Fashion. "An die Töpfe, fertig, los!" lautet die Devise von Chefkoch Spielhagen. Auf 176 Seiten werden alle Register der Zielgruppenansprache gezogen: "Beef!" ist ein Küchenruf mit Donnerhall, ganz nach dem Gusto der Supersize-Egos seiner Premium-Zielgruppe. Eine ganze Reihe witziger Ideen findet sich allemal, und der Werbemarkt scheint "Beef!" zu lieben: rund 20 Anzeigenseiten finden sich in der Debütausgabe; ein im Krisenjahr guter Wert; der ambitionierte Copy-Preis von 9,80 Euro dürfte im Erfolgsfall ebenso einen ordentlichen Deckungsbeitrag leisten.

"Kann man eine Frau ins Bett kochen?" fragt "Beef" auf dem Cover und antwortet sich selbst: "Natürlich kann man." Im sechsseiten Interview mit einem französischen "Gastronomie-Historiker" im Heftinnern antwortet dieser allerdings wesentlich nüchterner: "Der Versuch eine Frau 'ins Bett zu kochen' (ist) genauso dumm wie der, eine Frau 'ins Bett zu schwatzen'."

Auch ein neues Magazin stellt also die Welt nicht auf den Kopf. Das mag für Christoph, Jörn, Thomas, Fabian, Matze und all die anderen eine deprimierende Nachricht sein. Aber irgendwie ist sie auch beruhigend.

 

 

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Donnerstag 01. Oktober 2009 20:03

"Bild"-Macher sind einfach nicht zu toppen

"taz" siegt im Gerichtsstreit mit "Bild" - so lautete am Donnerstag die Headline eines Sonder-Newsletters von MEEDIA. Das gab die Nachricht korrekt wieder: Der BGH hatte in einem seit 2005 laufenden Rechtskonflikt in letzter Instanz dem linken "David" der Medienwelt gegenüber Goliath Springer Recht gegeben. Der umstrittene Kino-Spot der "taz" darf weiter ausgestrahlt werden. Überraschung: Das passiert auch, und zuallererst ausgerechnet bei Bild.de - mit einer überraschenden Headline.

Das Bild.de-Team unter Chefredakteur Manfred Hart frohlockte: "Berliner 'tageszeitung' darf mit 'BILD' werben." Das ist doch toll, entspricht der Wahrheit jedoch ungefähr so wie die Formulierung "Merkel holt die FDP in die Regierung." Merke: Gegen "Bild" kann man eine Schlacht gewinnen, aber keinen Krieg. Und wenn doch, merkt es kaum einer.

Dass sich das Verhältnis von Europas größtem Boulevard-Blatt unter Chefredakteur und neuerdings "taz"-Gesellschafter Kai Diekmann zur "tageszeitung" allerdings auch deutlich entspannt hat, zeigt sich daran, dass Bild.de den zuvor verklagten (und übrigens preisgekrönten) Kino-Spot nun selbst zeigt. Und der ist einfach witzig.

Dass die humorlose Klage des Konzerns überhaupt angestrengt wurde, ist, wie man aus Berlin hört, von Anfang an im eigenen Haus umstritten gewesen. Immerhin siegte "Bild" in zwei Instanzen, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass vergleichende Werbung in der Republik seit jeher verpönt ist. Vielleicht gibt es nach dem höchstrichterlichen Spruch künftig mehr davon, was immerhin belegen würde: Print wirkt. Auch im Video.

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Georg Altrogge ist Chefredakteur von MEEDIA und sammelte in leitenden Funktionen fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Print-Business, unter anderem als Chefredakteur von „Tomorrow“. Hier beschreibt er Außen- und Innenansichten einer Branche im Nahkampf mit den digitalen Medien.

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