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Montag 26. Januar 2009 18:38

DLD: Hubert Burdas Plädoyer für Print

Michael Arrington war "snobby" wie immer. Nur das Drumherum hat sich verändert. Der TechCrunch-Gründer sagte wie schon so oft: Print hat keine Zukunft, „Print has to go away“. Noch vor einem Jahr hätte wohl niemand widersprochen. Nicht so am 26. Januar 2009 beim „Digital Life Design“ von Hubert Burda Media in München. Ausgerechnet der Gastgeber griff zum Mikro und donnert Arrington entgegen: „You get lousy Pennies on the Web!“ Damit brachte Hubert Burda die allgemeine Stimmungslage auf den Punkt.

Das Interesse am Internet-Business ist beim „DLD“ ungebrochen, doch kaum einer verspürt große Neigung zu übergroßer Web-Euphorie wie in den letzten Jahren. Hubert Burda verwies auf das Portal HolidayCheck, das die Nachrichtensite Focus Online mitfinanziere. Die Frustration, dass bei megaerfolgreichen Startups wie Facebook oder YouTube trotz mehr als 100 Millionen Unique Visitors die Vermarktung nur schleppend läuft, war allenthalben zu spüren. Print mag schwach sein und vielleicht irgendwann auch tot: Aber Print hat ein bewährtes Geschäftsmodell, das viele im Internet noch suchen.

Nicht jeder, der beim „DLD“ auf dem Podium sitzt, lässt diese Zerrissenheit der Branche an sich heran. So treffen hier Poser auf Realos. Randi Zuckerberg, Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, und beim Netzwerk fürs Marketing zuständig, gehört zur ersten Fraktion. Sie erwartet, dass bald die erste Facebook-Partei gegründet wird, und das sei doch „fantastic“.  Fragen aus dem Publikum nach fehlendem Datenschutz oder danach, ob eine solche Partei nicht Besitztum von Facebook wäre, stoßen bei ihr auf Unverständnis. Eine Antwort bleibt sie schuldig.

Randi war bei „Internet Politics“ zunächst nicht als Speaker gesetzt. Sie sprang für Arianna Huffington ein, die am Dienstag gleich bei zwei Podiumsdiskussionen fehlte. Dabei hätte sie eine wirkliche Erfolgsgeschichte präsentieren können, legte ihr Polit-Blog doch durch die US-Wahl beflügelt im Dezember um 244 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Die „Huffington Post“ erreicht inzwischen 6,3 Millionen Unique Visitors, gut eine Million mehr als etwa Spiegel Online.

Natürlich hat der Obama-Wahlkampf dem Segment Social Media einen ungeheuren Schub gegeben. Doch an der fehlenden Monetarisierungs-Strategie ändert dies nichts. Für Business Angel Stephan Glänzer (Last.FM) ist dies aber nur eine Frage der Zeit: „Das Geld folgt den Augen.“ Die Frage ist, wie lange das dauert und wer sich den Luxus leisten kann, darauf zu warten. „Wer heute kein klares Revenue-Modell hat“, hält ein Teilnehmer im Foyer dagegen, „der wird die nächsten zwei Jahre nicht überleben.“ Dies ist auch den Investoren nicht verborgen geblieben. In den nächsten Monaten, so ein Investment-Banker, „wird es die Gelegenheit zu einigen spannenden Deals geben“. Einer, der mit Web-Deals schon ein Vermögen gemacht hat, hat auch schon einen guten Vorsatz für das junge Jahr gefasst: „Noch billiger kaufen, noch teurer verkaufen.“

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Montag 26. Januar 2009 07:33

Zeitungsabos für 18-Jährige – ein Modell?

Ein Jahr lang jeden Tag eine Qualitätszeitung lesen – und dafür null Euro bezahlen. Diese ungewöhnliche Experiment gegen den Auflagenverfall könnte schon bald in Frankreich starten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Zeitungen an Jugendliche verschenken, damit sie nicht nur das Internet als Informationsquelle benutzen. Die Frei-Abos sollen von den Verlagen bezahlt werden, für den Vertrieb will der Staat mit Subventionen in Höhe von 70 Mio. Euro einstehen. Ein Modell auch für Deutschland?

Der Vorschlag von Nicolas Sarkozy erstaunt schon deshalb, weil er zuletzt als Gefahrenherd für die freie Presse eingestuft worden war, nicht zuletzt, weil er dem staatlichen Fernsehen ein Werbeverbot auferlegte. Doch offenbar liegen ihm die Printmedien am Herz. „Die Gewohnheit, Zeitungen zu lesen, nimmt man im jungen Alter an“, sagte er. Ob der Versuch, Jugendliche via Gratis-Abo ans Zeitungslesen heranzuführen, Erfolg haben wird, ist auch für Sarkozy ungewiss. Falls die subventionierten Gratis-Angebote nicht angenommen werden, will er die Aktion „sofort beenden“.

Auch in Deutschland ist der Trend klar: Jugendliche nutzen das Internet als Haupt-Informationsquelle und lesen immer seltener Zeitungen. Selbst das Fernsehen finden die meisten weniger wichtig als das Web. Bislang gibt es aber von den Verlagen keine
Strategien, dieser Entwicklung vehement entgegenzuwirken. Das französische „Business-Modell“ sieht vor, dass die Medienhäuser die Abos kostenlos bereitstellen, der Staat für den Vertrieb aufkommt. So sollen rund 18.000 Minijobs für Austräger geschaffen werden. Zu dem will der Präsident bei den Verlagen Anzeigen schalten und auch in Druckereien investieren.

Nach Ansicht von Sarkozy sind die Zeitungsverlage gehalten, ihre Webangebote zu verbessern und auf jüngere Zielgruppen zuzuschneiden. Die staatlichen Zuschüsse rechtfertigt Sarkozy damit, dass durch die Maßnahme neue Stellen für Zeitungsboten geschaffen werden sowie durch das Argument, dass die Zeitungskrise durch die Finanzkrise verschärft werde. In Frankreich ist die Reaktion der Medien durchweg positiv. Wer allerdings annimmt, dass Sarkozy sich damit quasi im Nebengeschäft auch selbst eine gute Presse verschaffen will, dürfte nicht falsch liegen. Eine interessante, weil kreative Idee bleibt das Frei-Abo auf Staatskosten dennoch.

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Donnerstag 22. Januar 2009 11:23

G+J-Wirtschaftschef wildert beim "MM"

Gruner + Jahrs Super-Chefredakteur für die Wirtschaftsmedien hat erste Details über die neue Zentralredaktion vorgestellt. In einer Rede vor Hamburger Wirtschaftsjournalisten erklärte Steffen Klusmann laut „FAZ“, dass nur 30 der 110 in Köln und München vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter bereit seien, nach Hamburg umzuziehen. Da insgesamt 90 Stellen neu zu besetzen seien, will Klusmann Redakteure bei Konkurrenztiteln abwerben. Ganz oben auf der Wunschliste: Autoren vom „Manager Magazin“.

Als Grund nannte Klusmann seinen Plan, das Anleger-Magazin „Capital“ konzeptionell neu auszurichten. Es soll künftig weniger Tipps für Aktienkäufe bieten und statt dessen verstärkt investigative Stories bringen. Dafür will sich der 42-Jährige für ein bis zwei Jahre ganz auf die Führung des Traditionstitels konzentrieren und das operative Geschäft der „Financial Times Deutschland“ seinen Stellvertretern überlassen.

Dabei sieht Klusmann die Zukunft der gedruckten „FTD“ kritisch. In „fünf bis zehn Jahren“ werde das Segment der Tageszeitungen untergehen, weil die Leser Informationen einfacher über mobile Endgeräte wie das iPhone abrufen könnten. Eine Prognose, die in dieser Radikalität in der Branche nur von wenigen geteilt wird. Möglicherweise ist Klusmanns Wahrnehmung auch von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des eigenen Blattes geprägt: Die „FTD“ ist seit dem Launch im Jahr 2000 aus den roten Zahlen nicht herausgekommen. 2007 sollen die Verluste nach Insiderschätzungen mindestens acht Millionen Euro betragen haben, einzelne Quellen vermuten sogar mehr als zehn Millionen Euro.

Unklar scheint nach wie vor die Mathematik der Stellenbesetzungen. Mal war von 250 Mitarbeitern im neuen Redaktions-Pool die Rede, dann von 230. Hieß es anfänglich, die 110 noch zu kündigenden Mitarbeiter von „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ könnten sich auf 60 neue Stellen in Hamburg bewerben, ist nun von 90 Stellen die Rede. Dies nährt Spekulationen, dass bei der „FTD“ mehr als die 10 ursprünglich angekündigten Stellen wegfallen könnten. Da die neue Redaktion am 1. März ihre Arbeit aufnehmen soll, glaubt Klusmann laut „FAZ“ selbst: „Am Anfang wird’s wackeln.“

Auch das „Wildern“ nach Autoren beim „Manager Magazin“ könnte sich zum Politikum entwickeln. Immerhin ist Gruner + Jahr dort direkt und über den Spiegel-Verlag mit rund 37 Prozent als Gesellschafter beteiligt. Beim „Spiegel“ dürfte man die zu erwartende Unruhe nicht schätzen. Zudem ist zu erwarten, dass wechselwillige „MM“-Autoren wohl nur durch einen Risiko-Zuschlag auf ihr Gehalt bereit sein dürften, das Abenteuer Zentralredaktion auf sich zu nehmen.

Bei der Veranstaltung äußerste sich der frühere Chefredakteur des „Manager Magazins“, Wolfgang Kaden, pessimistisch, dass das neue G+J-Konzept funktionieren werde, weil täglicher Wirtschaftsjournalismus und Magazindenken zu unterschiedlich seien. Klusmann glaubt dies durch den Einsatz von „Magazinern“ abfedern zu können, die auf die zehn Großressorts verteilt würden und zunächst die inaktuellen Titel beliefern sollen. Je nach Nachrichtenlage könnten ihre Informationen und Artikel aber auch vom täglichen Medium „FTD“ genutzt werden und zudem „FTD“-Redakteure auch Magazin-Geschichten schreiben. Klingt kompliziert, soll aber im Ergebnis jährlich zehn Millionen Euro sparen.

900 Bewerbungen sind Klusmann zufolge für die neue Wirtschafts-Unit eingegangen – ihm bleiben noch fünf Wochen, daraus und aus den bereits vorhandenen Abteilungen eine schlagkräftige und strukturiert arbeitende Redaktion zu formen.

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Freitag 16. Januar 2009 16:59

"Spiegel"-Chef korrigiert seinen Vorgänger

In dieser Woche legte „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe in einem Interview dar, wie der Verlag in der Anzeigenkrise gegensteuern will. Interessant erscheint dabei der rote Faden, der sich durch die bisherigen Entscheidungen des Top-Managers zieht. Mit seiner Überlegung, den Sonntagsvertrieb einzustellen und die „Wissen“-Kooperation mit Bertelsmann zu kündigen, hat Saffe in wenigen Monaten praktisch alle von Vorgänger Mario Frank getroffenen Entscheidungen pulverisiert und rückgängig gemacht.

Damit erscheint die Amtszeit von Mario Frank beim „Spiegel“ vollends als unternehmensstrategische Nullrunde. Von Januar 2007 bis Sommer 2008 wirkte er als Verlags-Chef an der Brandstwiete. Von den Impulsen, die er setzte, ist praktisch nichts geblieben. Was nicht am Widerstand im eigenen Hause scheiterte, wurde nachträglich korrigiert. Hier Beispiele:

Sonntags-Vertrieb des Magazins
Als „wirtschaftlich nicht darstellbar“ bezeichnete Ove Saffe in dieser Woche die Vorverlegung des Erstverkaufs in deutschen Städten. Was vielerorts in den letzten Monaten bereits eingestellt wurde, soll nun auch in Berlin, Dresden und Lübeck aufgegeben werden. Frank hatte noch im Februar 2008 behauptet, ab 2009 könnten 70 Prozent der Auflage sonntags ausgeliefert werden. Das fehlgeschlagene Experiment verteuert sich durch die Entscheidung Franks, langfristige Verträge mit einem zusätzlichen dritten Prinovis-Druckstandort in Nürnberg zu schließen, bevor die Testphase beim Sonntagsverkauf überhaupt begonnen hatte. Der Vertrag mit dem Dienstleister Prinovis vom Juli 2007 läuft noch bis 2013, ohne dass der dritte Standort vertriebstechnisch nötig ist.

„Spiegel Wissen“

Nach nur einem Jahr löst Ove Saffe die Zusammenarbeit mit Bertelsmann und lenkt damit das von Mario Frank angeschobene Projekt aufs Abstellgleis. Saffe dazu gegenüber „Horizont“ lapidar: „Wir führen das effizienter alleine unter dem Dach von Spiegel Online weiter.“

„Financial Times Deutschland“
Der von Frank betriebene Ankauf der Pearson-Anteile an der „FTD“ scheiterte am Veto der Mitarbeiter KG. Damit die über die Jahre hochdefizitäre Wirtschaftszeitung überhaupt eine Perspektive hat, legt Gruner + Jahr derzeit die Redaktionen der Wirtschaftspresse mit der „FTD“ zusammen. Mit seiner Einschätzung, dass die „Perspektiven positiv“ seien, stand Frank allein da – damals wie heute.

„Spiegel Geschichte“

Ove Saffe bringt die Print-Extension „Spiegel Geschichte“ auf den Markt, Frank hatte dies als Geschäftsführer verhindert. Zur „SZ“ sagte er im Februar 2008: „Ein Heft ‚Spiegel Geschichte’ käme zum Beispiel nicht in Betracht, weil es das Nachrichtenmagazin behindern würde. Geschichtsthemen sind unsere auflagenstärksten Titel.“ Saffe sieht in den hochpreisigen, zusätzlichen Heften eine wichtige Erlösquelle. Konträre Ansichten.

Schweiz-Ausgabe des „Spiegel“

Frank sah im Nachbarland einen spannenden neuen Markt für das Magazin. Mit einem Schweiz-Ressort im Print-Titel wollte er neue Käuferkreise erschließen. Das Projekt scheiterte nach einem Testlauf an zu hohen Kosten.

Einstieg ins Kongress-Geschäft
Nach Willen von Frank sollte das „Manager Magazin“ als Veranstalter von Kongressen auftreten und damit das Kerngeschäft der Produktion von Inhalten für Print und Online verlassen. Ove Saffe findet die Idee offenbar nicht wirklich überzeugend und stoppte alle Planungen in diesem Bereich.

Dass Saffe nach seinem Antritt als Verlags-Chef Mitte September auch die von Mario Frank geschaffene Position des „Kaufmännischen Leiters“ ersatzlos strich und den dort tätigen Frank-Vertrauten Christof Herbers entliess, wirkt da eher wie eine Fußnote, ebenso wie Franks irrige Ansicht, der „Spiegel“ könne mit aufgeklebter DVD zwei Euro teurer verkauft werden. Oder die aufwändige Umstrukturierung von Spiegel TV, deren Sinn sich Verlagsinsidern bis dato nicht recht erschließen will.

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Freitag 16. Januar 2009 10:11

'Downtime' bei MEEDIA: In eigener Sache

Seit Monaten registrieren wir bei MEEDIA stetig wachsende Besucherzahlen und freuen uns über immer mehr regelmäßige Leser. In dieser Woche wurden die hohen Nutzerzahlen zum Problem. Mehrfach brach der Server unter der enormen Last gleichzeitiger Visits zusammen. Die Folge: Lange Ladezeiten und sogar „Downtime“ – Minuten, in denen die Site nicht erreichbar war. „Down again? Der Erfolg frisst seine Kinder?“ twitterte „Handelsblatt“-Blogger Thomas Knüwer. MEEDIA verspricht: Das Problem wird gelöst.

Unser Hosting-Partner ermittelte, dass die technisch kalkulierten Maximalkapazitäten zeitweise ums 70-fache überschritten wurden. Sofort eingeleitete Maßnahmen und die Vergrößerung der Arbeitsspeicher brachten eine vorübergehende Entspannung, lösten das Grundproblem jedoch nicht. In Zusammenarbeit mit unseren technischen Dienstleistern werden wir in Kürze eine neue Server-Konfiguration installieren, die minimale Ladezeiten auch bei hohem Traffic gewährleistet.

Bis dahin bitten wir um Geduld, wenn MEEDIA mal „eine lange Leitung“ haben sollte. Wir hoffen, dass Sie unser junges Portal weiter nutzen: Wir werden unsere tägliche aktuelle Berichterstattung noch ausbauen und Ihnen in den nächsten Wochen neue nützliche Features präsentieren.

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Donnerstag 15. Januar 2009 11:05

Bei Burda braut sich was zusammen

Zum ersten Mal seit seiner Berufung als Burda-Vorstand hielt Philipp Welte am Mittwoch eine Neujahrsansprache – und was für eine. Der 46-Jährige stimmte das Haus auf harte Zeiten ein. „Wir stehen vor einer Medienkrise mit einer unbekannten Dimension. So etwas haben wir alle noch nicht erlebt.“ Die Burda-Inlandsverlage hätten 2008 ein deutliches Minus gemacht, 2009 sei die Buchungssituation bei Anzeigen weiter rückläufig. Als Konsequenz forderte er „einen klaren Schnitt mit der Vergangenenheit“.

Man wird wohl nicht lange rätseln müssen, was das heißt. Im Gegensatz zu anderen Großverlagen hat Hubert Burda Media bislang noch kein umfassendes Krisenkonzept präsentiert. Dabei ist das „Zeitfenster“ für konsolidierende Maßnahmen auch in München begrenzt, wenn sich diese im laufenden Jahr auswirken sollen. Welte legte nach MEEDIA-Informationen beim Neujahrsempfang am Mittwoch vor Führungskräften aktuelle Schätzungen vor, wonach der Werbemarkt 2009 erneut um „um mindestens sechs Prozent“ schrumpfen werde. Offenbar ist jedoch entgegen anderslautenden Gerüchten bislang vom Vorstand keine Entscheidung über eine neue "Kostenrunde" gefallen.

Darüber hinaus, so Welte weiter, beschleunige die Krise den strukturellen Wandel ins Internet: „Um hier zu bestehen, müssen unsere Online-Marken mehr Reichweite und höhere Werbeumsätze erzielen und ihre Erlösstrategien diversifizieren." Im Printbereich sicherten nur wenige Marken das Konzernergebnis. „Wir brauchen Veränderungen und einen klaren Schnitt mit der Vergangenheit", forderte der Verlagsvorstand. Weltes Schwerpunkte sind „Effektivität, Innovation und Integration“. Der Neu-Vorstand: „Wir müssen Mauern abbauen und wieder zusammenwachsen, um zusammen wachsen zu können." Es gehe nun darum, Burdas führende Position auf dem nationalen Zeitschriftenmarkt ausbauen und Marktanteile gewinnen. Welte gab sich kämpferisch: „Ich glaube an die Zukunft unserer Medien und Marken und an die Zukunft unseres Unternehmens."

Verleger Hubert Burda hob die Umstrukturierungen der vergangenen Jahre und die Erweiterung von zwei auf fünf Geschäftsfelder hervor, erklärte aber auch, dass 2009 weitere Veränderungen notwendig seien: „Wir müssen die Kosten den Umsätzen anpassen und Synergien schaffen." Die Konkurrenz sieht Burda weniger bei anderen Medienunternehmen, Ausgaben für mobile Dienste und Internet würden stattdessen das Budget für Zeitschriften verkleinern. Da das Medienhaus allerdings im Vergleich zu anderen Großverlagen weniger abhängig von der Anzeigenkonjunktur ist, dürfte die Krise bei den Münchner nicht ganz so hart durchschlagen. Zudem hat es in letzter Zeit bereits Maßnahmen zur Kostensenkung gegeben, zuletzt war im Herbst eine Reduzierung der Budgets aller verlagsnahen Bereiche um fünf Prozent verfügt worden.

Auch Geschäftszahlen wurden präsentiert. Finanzvorstand Paul-Bernhard Kallen bezifferte den Außenumsatz 2008 auf vorläufig 1,72 Milliarden Euro. Wachstumsfelder seien die Auslandsverlage und das Digitalgeschäft, rückläufig sei die Entwicklung neben den Sparten Druck und Direktmarketing vor allem bei den Inlandsverlagen. Zahlen zu Gewinnen und Verlusten legt das Familienunternehmen traditionell nicht vor.

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Georg Altrogge ist Chefredakteur von MEEDIA und sammelte in leitenden Funktionen fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Print-Business, unter anderem als Chefredakteur von „Tomorrow“. Hier beschreibt er Außen- und Innenansichten einer Branche im Nahkampf mit den digitalen Medien.

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