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Montag 22. Dezember 2008 06:04

Murdoch & Google die großen Verlierer 2008

Zwei der schillerndsten Namen aus dem Medien- und Technologie-Sektor zählen in den USA zu den großen Verlierern dieses Jahres: Rupert Murdoch’s News Corp und Google. Man sollte es kaum glauben, aber beide Unternehmen haben 2008 im MEEDIA-Ranking mehr als die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt. Noch schlimmer erging es den Zeitungsverlagen und dem Fernseh-Sender CBS. Der prozentual größte Verlierer des Jahres in Deutschland: Sat1ProSieben büßte über 90% an Börsenwert ein. 

Der Grund, warum Murdochs Unternehmen aus Sicht der Anleger eine so negative Entwicklung (2008: -57%)  genommen hat, dürfte vor allem im Kauf vom „Wall Street Journal“ liegen. Zwar hat sich die Zeitung unter dem neuen Eigentümer gut entwickelt und im Einzelverkauf sogar 20% zugelegt, aber die Anleger halten den Kauf einer Zeitung offenbar für wenig zeitgemäß. Der völlig überhöhte Preis von 5 Mrd. Dollar bewirkt natürlich ein Übriges. Auch Murdochs Engagement beim deutschen Pay TV-Sender „Premiere“ dürfte bei den Aktionären für keine Begeisterung gesorgt haben, denn dort hat der Verleger bereits 360 Mio. Euro abschreiben müssen. Als Handicap für die Börse gilt auch, dass der 77jährige Murdoch seine Nachfolge-Frage innerhalb der Familie noch immer nicht endgültig geregelt hat. 

Bei Google, laut Marktforschungsinstitut Millward Brown inzwischen noch vor Coca Cola die wertvollste Marke der Welt, schlägt zu Buche, dass alle Expansionen außerhalb vom Suchmaschinen-Business ziemlich nach hinten losgegangen sind. Die Versuche, Werbung im Bereich Fernsehen, Radio und Print zu verkaufen, waren wenig erfolgreich. Auch Android, dem neuen Betriebssystem für Handys traut man nicht zu, sich gegenüber dem iPhone durchsetzen zu können. Unterm Strich hat das Unternehmen aus Mountain View in diesem Jahr 55% vom Börsenkurs verloren. Autsch! 

Prozentual die größten Verlierer des Jahres sind in den USA die Zeitungsverlage: McClatchy verlegt 31 Tageszeitungen, darunter den „Miami Herald“ und hat 2006 den Zeitungsverlag Knight Ridder erworben. Eine solche Kombination ist heutzutage für die Börse Gift, denn an das Geschäftsmodell Zeitung glaubt im Internet-Zeitalter kaum noch jemand. Besonders ärgerlich für die Verlage: die lukrativen Kleinanzeigen sind mittlerweile ins Web abgewandert. Folge: an der Börse hat McClatchy in diesem Jahr unglaubliche 91% an Wert verloren. 

Nicht viel besser geht es Gannett, dem Eigentümer der USA Today, der in der MEEDIA-Aufstellung auf ein Minus von 80% kommt. Zwar hält sich die nach Auflage größte Zeitung des Landes recht gut, aber Gannett besitzt weitere 100 kleinere Regionalzeitungen in den USA und auch Großbritannien – und das gefällt der Börse nicht 

Die Probleme der „New York Times“ (Platz 4, minus 59%) sind hinlänglich bekannt. Zum einen gibt es viele Experten, die nicht mehr daran glauben, dass die Gray Lady in ein paar Jahren noch auf Papier gedruckt wird, zum anderen hat die Mutter-Company viele kleinere Zeitungen gekauft, bzw. sich daran beteiligt. Und damit genau die gleichen Fehler wie McClatchy und Gannett gemacht. So ist die New York Times Company zum echten Sanierungsfall geworden. Besonders bedrohlich: ihr geht langsam die Liquidität aus. 

Die kürzlich in die Insolvenz gegangene Tribune Verlag ist in dieser Aufstellung nur deshalb nicht berücksichtigt, weil die Company vom Immobilienmagnaten Sam Zell privat gehalten wird, also nicht an der Börse notiert ist. 

Einer der großen Verlierer des Jahres ist auch Fernsehsender CBS, der ein Minus von 69% gemacht hat. Als Gründe gelten das schwache Werbegeschäft und die Liquiditätsprobleme von Eigentümer Sumner Redstone. Er musste schon CBS-Aktien im Werte von mehr als 200 Mio. Dollar verkaufen. Auch der Kauf von Internet-Network CNET gilt mit 1,8 Mrd. Dollar aus heutiger Sicht als total überbezahlt.  

Vergleichsweise gut halten sich dagegen Disney (-29%) und Time-Warner (-37%). Beide Unternehmen haben weniger verloren als der Marktdurchschnitt. 

Hier das aktuelle MEEDIA-Ranking der größten Verlierer 2008 bei den Medien- und Technologie-Aktien in den USA – auf Basis des Börsenkurses:

1) MCCLATCHY: -91%
Januar: 11 Dollar
Dezember: 1 Dollar

2) GANNETT: -80%
Januar: 34 Dollar
Dezember: 8 Dollar  

3) CBS: - 69%      
Januar: 26 Dollar;
Dezember: 8 Dollar

4) NEW YORK TIMES: - 59% 
Januar: 17 Dollar
Dezember: 7 Dollar

5) NEWS CORP: - 57%   
Januar: 21 Dollar
Dezember: 9 Dollar

6) EBAY: - 56%  
Januar: 32 Dollar
Dezember: 14 Dollar

7) GOOGLE: - 55%
Januar: 688 Dollar
Dezember: 310 Dollar

8) APPLE: - 54%
Januar: 195 Dollar
Dezember: 90 Dollar  

9) WASHINGTON POST: - 51%
Januar: 795 Dollar
Dezember: 394 Dollar

10) MICROSOFT: - 46%
Januar: 35 Dollar
Dezember: 19 Dollar

11) YAHOO: - 46%
Januar: 24 Dollar
Dezember: 13 Dollar

12) AMAZON: - 45%
Januar: 92 Dollar
Dezember: 51 Dollar  

13) MCGRAW HILL: - 43%
Januar: 42 Dollar
Dezember: 24 Dollar

14) TIME WARNER: - 37%
Januar: 16 Dollar
Dezember: 10 Dollar

15) DISNEY: - 29%
Januar: 31 Dollar
Dezember: 22 Dollar

Ganz interessant ist der Vergleich mit Deutschland. Dort hat ProSiebenSat1 in diesem Jahr inzwischen sagenhafte 91% an Wert verloren, also prozentual noch deutlich mehr als CBS. Am Anfang des Jahres stand die ProSiebenSat1-Aktie bei 17 Euro, heute dümpelt sie um die 1,50 Euro. Auch der Pay TV-Sender „Premiere“ sieht mit einem Minus von 66% nicht gut aus. Springer ist um -54% billiger geworden und liegt damit im internationalen Trend. 

Welch ein katastrophales Jahr!

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Kategorie: Google, Murdoch, Konzerne

Donnerstag 30. Oktober 2008 10:25

Der überraschende Erfolg von „Hulu“


Fernsehen war gestern, heute ist „Hulu“. Zugegeben, der Name klingt etwas bescheuert, aber das neue Videoportal von Rupert Murdochs News Corp. und NBC Universal hat viele Kritiker Lügen gestraft und ist ein Jahr nach Start in den USA recht erfolgreich. Allein im September wurden dort über 150 Mio. Videos abgerufen.

Im Gegensatz zu „YouTube“ zeigt Hulu keine Amateurvideos, sondern ausschließlich professionellen Premium-Content:

  • TV Serien wie „House“, „The Office“, „Ugly Betty“, „24“ oder „The Simpson“

  • TV Shows wie „The Daily Show with Jon Stewart“ und „The Colbert Report“

Sportübertragungen wie komplette College-Fotball, NBA- und NHL-Spiele und sogar Spielfilme wie „Basic Instinct“ oder „Men in black“. Dieses Angebot gibt es für den Internet-User kostenlos – „in their full and uncut glory“ (USA Today).  Finanziert wird es über Werbung. Für manche Konsumenten ist es so attraktiv, dass sie ihren teuren Fernseh-Kabelanschluß abbestellen und lieber kostenlos im Netz „Hulu“ sehen, wie die „Los Angeles Times“ heute berichtet. 

Neben dem Content gibt es meiner Ansicht nach drei weitere Gründe für den Hulu-Erfolg:

  • die Seite beschränkt sich auf „limited commercial interruptions“. Vor dem Abspielen eines Videos werden kurze Werbebotschaften eingespielt, die aber kaum stören. Im Fernsehen werden die Shows und Filme dagegen alle paar Minuten von relativ langen und nervigen TV-Blöcken unterbrochen

  • die Video-Technik von Hulu ist erstklassig. Nach Meinung von Experten ist Hulu da weiter als die Konkurrenz. Die Bildqualität z.B. deutlich besser als bei YouTube

  • der ganze Aufbau der Seite ist sehr ruhig und übersichtlich gehalten und macht einen besseren Eindruck als z.B. die Mediatheken von ARD oder ZDF

Zwar ist Hulu offiziell nur über eine amerikanische IP-Adresse zu empfangen. Wie man aber auch von Deutschland aus einen Blick auf die Seite werfen kann, zeigen die Kollegen von Netzwelt.

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Kategorie: Internet, Murdoch

Freitag 12. September 2008 12:03

Übernimmt Murdoch demnächst "Premiere" komplett?

"I'm not ready to die", sagt Rupert Murdoch in einem großen Porträt in der gestern erschienenen Oktober-Ausgabe vom "Esquire". Der 77jährige fügte hinzu: "I love competition. I want to win."

Aktionäre vom deutschen Pay TV-Sender "Premiere" werden das mit Freude hören, denn in den USA verstärkt sich der Eindruck, als wenn Murdoch in gar nicht so ferner Zukunft den schlingernden deutschen Bezahlsender ganz übernehmen könnte. Bisher hält er eine Sperrminorität von 25,01 %.

Ausgelöst wurden die Gerüchte durch die Auswechslung vom Premiere-Vorstandschef Michel Börnicke gegen Murdochs Finanzmanager Mark Williams. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß Murdoch gerade dabei ist, seine russische Werbefirma News Outdoor zu verkaufen und so die Kriegskasse um über eine Mrd. Dollar zu füllen.

Eine mögliche Übernahme von Premiere muß man vor folgenden Hintergründen sehen:

  • Deutschland ist aus Sicht von Amerikanern so etwas wie ein Pay TV-Entwicklungsland. In den USA sind Filmkanäle wie "Starz" (Liberty) in über 100 Mio US-Haushalten empfangbar. Premium-Anbieter wie "HBO" und Schwesterkanal "Cinemax" (beide Time Warner) kommen auf fast 40 Mio, die Konkurrenten "Showtime" und "The Movie Channel" (beide CBS) immerhin auf 20 Mio. Abonnenten.
  • Werbeabhängiges Fernsehen geht in den USA schweren Zeiten entgegen. Zwar ist Murdochs Fox-Network noch immer ausgesprochen erfolgreich, aber ein höherer Pay TV-Anteil im Konzern macht bei der weltweit unsicheren Wirtschafts- und Werbelage durchaus Sinn.
  • Murdoch hat mit seinen Pay TV-Engagements in Europa gute Erfahrungen gemacht: In Großbritanien erreicht Sky 9 Mio Abonnenten und ist hoch profitabel, in Italien hat Sky Italia 4,6 Mio Abonnenten und macht ebenfalls Gewinn.

Allgemein nimmt man in den USA an, daß News Corp.-Manager Williams bei Premiere vor allem die Aufgabe hat, die Bücher zu prüfen und vor Ort eine "Due Diligence" durchzuführen. Anhand dieser Ergebnisse dürfte Murdoch dann entscheiden.

Ich könnte mir vorstellen, daß sich Murdoch bei einem neuen Engagement in Deutschland eine blutige Nase holt. Bezahlfernsehen in Deutschland hat es deutlich schwerer als anderswo. Die Gebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die werbefreie Primetime bei ARD und ZDF , die vielen kostenlosen Spielfilme auf allen Kanälen und dann noch die zeitnahe Zusammenfassung der Fußball-Bundesliga im "Free TV" - das alles sind Faktoren, die gegen einen Erfolg von Pay TV in Deutschland sprechen.

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Kategorie: Fernsehen, Murdoch

Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 

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