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Freitag 12. September 2008 12:03

Übernimmt Murdoch demnächst "Premiere" komplett?

"I'm not ready to die", sagt Rupert Murdoch in einem großen Porträt in der gestern erschienenen Oktober-Ausgabe vom "Esquire". Der 77jährige fügte hinzu: "I love competition. I want to win."

Aktionäre vom deutschen Pay TV-Sender "Premiere" werden das mit Freude hören, denn in den USA verstärkt sich der Eindruck, als wenn Murdoch in gar nicht so ferner Zukunft den schlingernden deutschen Bezahlsender ganz übernehmen könnte. Bisher hält er eine Sperrminorität von 25,01 %.

Ausgelöst wurden die Gerüchte durch die Auswechslung vom Premiere-Vorstandschef Michel Börnicke gegen Murdochs Finanzmanager Mark Williams. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß Murdoch gerade dabei ist, seine russische Werbefirma News Outdoor zu verkaufen und so die Kriegskasse um über eine Mrd. Dollar zu füllen.

Eine mögliche Übernahme von Premiere muß man vor folgenden Hintergründen sehen:

  • Deutschland ist aus Sicht von Amerikanern so etwas wie ein Pay TV-Entwicklungsland. In den USA sind Filmkanäle wie "Starz" (Liberty) in über 100 Mio US-Haushalten empfangbar. Premium-Anbieter wie "HBO" und Schwesterkanal "Cinemax" (beide Time Warner) kommen auf fast 40 Mio, die Konkurrenten "Showtime" und "The Movie Channel" (beide CBS) immerhin auf 20 Mio. Abonnenten.
  • Werbeabhängiges Fernsehen geht in den USA schweren Zeiten entgegen. Zwar ist Murdochs Fox-Network noch immer ausgesprochen erfolgreich, aber ein höherer Pay TV-Anteil im Konzern macht bei der weltweit unsicheren Wirtschafts- und Werbelage durchaus Sinn.
  • Murdoch hat mit seinen Pay TV-Engagements in Europa gute Erfahrungen gemacht: In Großbritanien erreicht Sky 9 Mio Abonnenten und ist hoch profitabel, in Italien hat Sky Italia 4,6 Mio Abonnenten und macht ebenfalls Gewinn.

Allgemein nimmt man in den USA an, daß News Corp.-Manager Williams bei Premiere vor allem die Aufgabe hat, die Bücher zu prüfen und vor Ort eine "Due Diligence" durchzuführen. Anhand dieser Ergebnisse dürfte Murdoch dann entscheiden.

Ich könnte mir vorstellen, daß sich Murdoch bei einem neuen Engagement in Deutschland eine blutige Nase holt. Bezahlfernsehen in Deutschland hat es deutlich schwerer als anderswo. Die Gebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die werbefreie Primetime bei ARD und ZDF , die vielen kostenlosen Spielfilme auf allen Kanälen und dann noch die zeitnahe Zusammenfassung der Fußball-Bundesliga im "Free TV" - das alles sind Faktoren, die gegen einen Erfolg von Pay TV in Deutschland sprechen.

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Kategorie: Fernsehen, Murdoch

Dirk Manthey
hat 2008 MEEDIA gegründet. Zuvor hatte er die Verlagsgruppe Milchstraße aufgebaut und dort Zeitschriften wie TV SPIELFILM, FIT FOR FUN, CINEMA und die deutsche Ausgabe von MAX entwickelt. Manthey lebt heute in Kalifornien und arbeitet an seinem neuen Objekt EAT SMARTER.

 

 

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