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Mittwoch 05. November 2008 08:45

Die Wahlberichterstattung im US-Fernsehen: schwach


Es versprach einer der interessantesten Fernseh-Abende der US-Geschichte zu werden – das Ergebnis war eine ziemlich langweilige, zähe Wahlberichterstattung auf allen TV-Kanälen 

  • zunächst schaffte es kein Sender, gefühlt länger als 5 Minuten ohne Werbe-Unterbrechung auszukommen. „Stick around, we take another break“ war der Satz des Abends. Ein großer Teil der Wahlberichterstattung wurde so von Prostata-Pillen, Versicherungen und Autowerbung aus Japan bestimmt.
  • dann wirkten die Moderatoren der großen Networks erstaunlich blaß. Brillierten vor vier Jahren noch die Anchor-Dinosaurier Peter Jennings (ABC), Dan Rather (CBS) und Tom Brokaw (NBC), so fehlt deren Nachfolger, allesamt in der 10 Mio. Dollar-Gehaltsklasse, einfach das Charisma und die Souveränität. 
  • normalerweise schaffen es die US-Networks besser als ihre deutschen Kollegen, große Ereignisse populär und dramatisch aufzubereiten. Im US-Fernsehen weht bei Live-Übertragung häufig ein Hauch von Hollywood. In der letzten Nacht wurden die Zuschauer aber mit langatmigem Gerede, unendlichen Zahlen und schwer verständlichen Charts erschlagen.

PS. Ich hab den Wahlabend in Chicago erlebt. Die Begeisterung der Menschen für Obama war unglaublich. Manche Anhänger standen 7 Stunden lang in Schlangen vorm Grant Park, um einen Platz bei Obamas „Victory Speech“ zu ergattern. Zur Zeit – es ist 1 Uhr nachts – wird  auf den Straßen noch immer gefeiert und getanzt. Chicago erlebt die größte Party in seiner Geschichte. 

Aber man kann hier in Chicago auch sehen, wieviel Arbeit auf den neuen Präsident zukommt. Die Geschäfte und Restaurants sind gespenstisch leer. Leute sparen, wo immer es nur geht. Der Tourismus ist zusammengebrochen, die Hotels sind schlecht besucht. Man hat das Gefühl, die Amerikaner befinden sich im Konsumstreik.

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Kategorie: Fernsehen, Barack Obama

Dienstag 04. November 2008 08:22

Zwei Geheimtipps zur US-Wahl


News-Aggregatoren sind in den USA bekanntlich groß in Mode. Jeder kennt die „Huffington Post“ oder den „Drudge Report“ . Hier kommen zum heutigen Wahltag in den USA zwei politische „Sammelseiten“, von denen in Deutschland kaum jemand etwas gehört haben dürfte: 
 
Real Clear Politics: 

„Some people wake up every morning with a raw egg and exercise. I wake up every morning with RealClear Politics.com. It’s the perfect one-stop shopping for the smartest commentary on politics and life“, sagt David Brooks, einer der bekanntesten Journalisten der „New York Times“. 

Der im August 2000 gegründete News-Aggregator gilt als „gold standard for political junkies“. Hier bekommt man auf einem Blick die interessantesten politischen Artikel und Kommentare aus On- und Offline-Quellen zusammengestellt. Außerdem kann man sich eine Übersicht über die letzten Umfrage-Ergebnisse verschaffen.  

Zur Wahl ist die Site eine Partnerschaft mit Intrade eingegangen, „the worlds leading prediction market“. In der Rubrik „Fantasy 08“ erhält der User Spielgeld in Form von 10.000 RCP-Dollars und kann damit wie an der Börse auf den nächsten Präsidenten (88% tippen auf Obama) oder auf die Zusammensetzung des Repräsentanten-Hauses und des Senats wetten.  

Im November letzten Jahres hat sich Forbes mit 51% an RCP beteiligt. Die Gründer John McIntyre, ein ehemaliger Börsenmakler und Tom Bevan, ein ehemaliger Werber halten die restlichen 49%. Über 1 Mio Unique Visitors nutzen RCP 
 
The Page

Das 2007 gelaunchte Blog firmiert als „one stop-shopping site for everything that is important in the political world“. Es ist ein Lichtblick innerhalb der Website von Time Magazine, die insgesamt eher eine enttäuschende Vorstellung abgibt. Verantwortlicher Redakteur von „The Page“ ist der ehemalige Political Director von ABC News Mark Halperin, der auch das Buch „The Undecided Voter’s Guide to the Next President“ geschrieben hat. 

Der Time-Blog sieht im Gegensatz zu RCP sehr sauber und übersichtlich aus. Während RCP vor allem zur Lieblingssite der US-Presse geworden ist, wendet sich „The Page“ an ein breiteres Publikum. 

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Kategorie: Internet, Barack Obama

Montag 03. November 2008 08:20

Warum ein Obama-Sieg zu einem großen Problem für Google werden könnte


Morgen ist es soweit. Wenn nicht noch ein Wunder passiert, dann heißt der 44. Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama. Nach acht Jahren Georg W. Bush wird die Welt aufatmen und Amerika wieder in einem freundlicheren Licht sehen. 

Aber – die Wahl des Senators aus Illinois könnte zu einem Problem für Google werden. Es geht nämlich das Gerücht um, daß Google-Chef Eric Schmidt in einer Obama-Regierung den Posten eines „Chief Technology Officer“ übernehmen könnte. 

Dieses neu geschaffene Amt soll vor allem die Verbreitung des Broadband-Netzes vorantreiben. In den USA haben nur 23 von 100 Haushalten Zugang zum Broadband-Netz, damit liegen die USA weltweit nur auf Platz 15. Außerdem hätte der „CTO“ ein 50 Mrd. Venture-Etat zur Verfügung, mit dem Obama „technology friendly energy“ vorantreiben will. 

Vieles spricht dafür, daß Schmidt diese Aufgabe reizt. Er hat sich die letzten Wochen im Wahlkampf für Obama engagiert, wobei er immer wieder betont hat, daß er dies aus privaten Gründen macht: „I’m doing this personally. Google is officially neutral“. 


Nach 7 Jahren rastlosem Einsatz als CEO bei Google könnte man sich vorstellen, daß Schmidt etwas müde ist. Er hat dort eine beispielhafte Karriere hingelegt und ist einer der reichsten Männer der USA geworden. Sein privates Vermögen schätzte „Forbes“ im August auf 5,9 Mrd. Dollar. Zwar verneint Schmidt offiziell irgendwelche Ambitionen auf einen Posten in der Obama-Regierung („I am actually very busy running Google“), aber das muß nichts heißen. 

Wenn es wirklich so kommen sollte, wäre es für Google ein herber Verlust. Schmidt gilt in den USA als gewiefter Stratege und optimales Bindeglied zwischen den nicht ganz einfachen Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin.

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Kategorie: Internet, Barack Obama, Google

Sonntag 28. September 2008 13:25

Die Mehrheit der US-Medien ist für Barack Obama

Auch wenn die erste TV-Debatte am Freitag-Abend keinen klaren Sieger brachte und der Wahlausgang nach wie vor total offen ist, die Mehrheit der US-Medien steht auf der Seite von Obama.  

Als „liberal media bias“ bezeichnet man die „love affair“ der amerikanischen Presse mit dem demokratischen Hoffnungsträger. An der Spitze der Obama-Sympathisanten agieren dabei die „New York Times“ und der Fernsehsender NBC, bzw. sein Kabelableger MSNBC.  

„Zu 150 Prozent ein Pro-Obama-Kampfblatt“ sei die New York Times , ließ John McCain erklären. Zwischen dem republikanischen Kandidaten und der linksliberalen Zeitung gibt es einen tiefen Riss, nachdem die „Gray Lady“ im Februar McCain eine angebliche Sexaffäre mit einer Lobbyistin andichten wollte. Bis heute blieb die Zeitung aber dafür jeden Beleg schuldig. Aktuell wirft die New York Times McCain und seinem Team vor, Verbindung zur Gambling-Industrie zu unterhalten.

Beim Fernsehsender MSNBC – laut McCains Wahlkampf-Manager „ein Organ der Demokratischen Partei“ - sind es vor allem die populären Kommentatoren Chris Matthews und Keith Olbermann, die Stimmung für Obama machen. So spendet Olbermann für jede öffentliche Lüge von Sarah Palin 100 Dollar an eine wohltätige Organisation. Und schrieb letzte Woche live in seiner Sendung einen ersten Check über 3700 Dollar:

Fest im Obama-Lager steht natürlich auch die linksliberale Internet-Zeitung „Huffington Post“, die nach der eher ausgeglichen Debatte sofort die Headline brachte; „debate reviews tilt heavily toward Obama“.

Keinen leichten Stand haben die Republikaner aber auch bei den drei großen TV-Sendern ABC, CBS und CNN, die sich zwar vordergründig neutral geben, sich aber die letzten Wochen kräftig auf Sarah Palin eingeschossen haben.  Einen neuen Feind hat sich John McCain im populären Talkshow-Host David Letterman (CBS) gemacht, weil der Politiker ihm kurzfristig absagte, angeblich um zum Krisengipfel nach Washington zu fliegen. In Wirklichkeit aber ließ er sich ein paar Zimmer weiter im Nachrichtenstudio der CBS News interviewen:


Wie gut, daß sich da McCain wenigsten auf seinen alten Freund Rupert Murdoch verlassen kann. Der mächtige Verleger hat die letzten Monate eine erstaunliche Kehrtwendung gemacht. Zunächst schien er Obama zu bewundern: „He is a rock star. It’s fantastic...he will win the election“. Inzwischen hört sich das deutlich anders an. Murdoch über Obama “His policy is really very, very naïve, old-fashioned, 1960s”:


Wo Murdoch das gesagt hat? Natürlich auf seinem eigenen Nachrichten-Sender Fox News, der seine Politiberichterstattung zwar als „fair and balanced“ tituliert, in Wirklichkeit aber genau das Kontrastprogramm zu MSNBC bringt. Vor allem der erzkonservative Moderator Bill O’Reilly hat hier eine große Fangemeinde.

Unterstützt wird McCain auch von den Murdoch-Blättern „Wall Street Journal"  und „New York Post“. Das WSJ gibt zwar generell keine Wahlempfehlung ab, steht aber als Blatt der Besserverdienenden traditionell eher der Republikanischen Partei nahe. Unter Murdoch und dessen Chefredakteur Robert Thomson hat die Wirtschaftszeitung politisch deutlich an Kontur gewonnen, die Meinungsseiten wurden ausgebaut und es kommen auch mehr liberale und linke Stimmen zu Wort. Beim Boulevard-Blatt „New York Post“ gibt es dagegen keine zwei Meinungen, die Zeitung hat sich – auf Druck von Murdoch? - ganz klar für McCain ausgesprochen.

Aber solche klaren Empfehlungen sind die Ausnahmen. Wenn es nach der Mehrheit der US-Presse geht, dann heißt der Sieger im November Barack Obama  – hoffentlich.

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Kategorie: Internet, Fernsehen, Print, Barack Obama

Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 

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