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Mittwoch 18. August 2010 12:37

Hyperlocals – eine Chance für Journalisten

Sie heißen „EveryBlock“, „Patch“, „Outside.in“ und  „Placeblogger“ - und sie haben eins gemeinsam. Sie geben Antwort auf die Frage: „What is happening in your neighborhood?“. Hyperlocals, heißt es, sollen die Zukunft des Lokaljournalismus sein. AOL investiert gerade 50 Mio. Dollar und will seine Online-Community Patch von momentan 100 auf 500 Ableger ausbauen. Journalisten können sich freuen, aber das Geschäftsmodell der Hyperlocals erscheint fraglich.

Vor einigen Tagen konnte man in der US-Branchenpresse lesen, dass das Boulevardblatt „Newsday“ in Long Island 34 Journalisten einstellen will – um seine Lokalberichterstattung auszubauen. Manch einer wird sich da verwundert die Augen gerieben haben. Neue Arbeitsplätze für Journalisten in Zeiten der Zeitungskrise?

In den nächsten Monaten kommt es noch besser. AOL sucht mehr als 500 Journalisten, um seine Online-Community Patch von jetzt 100 auf 500 Ableger zu erweitern. 50 Mio. Dollar hat AOL-Chef Tim Armstrong für diese Expansion bereitgestellt. Im Blickfeld hat er vor allem Gemeinden mit 15.000-75.000 Einwohnern. Jeder Patch-Seite wird von einem fest angestellten Redakteur betreut, der bis zu 10 freie Mitarbeiter beschäftigen darf.

Zusammen mit Yahoo plant die Kaffeekette Starbucks, für jeden seiner 6.800 Kaffeeshops eine eigene Webseite zu kreieren, die auf lokalem Content basiert. Diese Seite bekommt der Kunde dann zuerst zu sehen, wenn er bei Cappuccino oder Tazo Tea ins Internet gehen will. „Because we know what store you're in, we can give you hyperlocal news. We can provide you with something of value they can't get anywhere else“, sagt Adam Brotnam, Vice President von Starbucks gegenüber der Los Angeles Times.

Lokalberichterstattung liegt in den USA im Trend. Aus „All news is local“ wird im Internetzeitalter „Community first“. Grund für Time Magazine zu fragen: „Are Hyperlocal News Sites replacing Newspapers?“

Die Community-Websites funktionieren für die User denkbar einfach: man tippt seine Stadt und Straße ein und erfährt dann, wie aus einer Zeitung, ob um die Ecke ein neues Restaurant eröffnet hat, ob es einen Einbruch in der Nachbarschaft gegeben hat oder welche neuen Bauprojekte geplant sind. „A news feed for your block“ nennen die Macher diesen Service und reichern ihren meist kargen Inhalt mit Flickr-Fotos und YouTube-Videos an.

Der Vorreiter der Hyperlocals ist EveryBlock, vor 3 Jahren in Chicago gegründet, seit einem Jahr im Besitz von MSNBC. 16 Städte deckt EveryBlock inzwischen ab.

„No one claims EveryBlock represents the new face of local news in its entirety. But five minutes is enough to convince you it's a critical part.“, schreibt die Website „Straight Dope Chicago“. Und die Chicago Magazine meint: „So far, the site seems to be beating local newspapers in finding an innovative way to give citizens timely, relevant, hyperlocal information with relatively light manpower.“

Ein anderes interessantes Lokal-Projekt ist Outside.in, das sich als „leading hyperlocal content platform“ bezeichnet und angeblich 50.000 US-Communities erreicht. Unter den Investoren, die 7,5 Mio. Dollar aufgebracht haben, befindet sich die bekannte Venture Capital-Firma Union Square Ventures sowie CNN. Allerdings veröffentlich Outside.in keinen eigenen Content, sondern sammelt lediglich lokale Artikel und Blogeinträge und scannt sie nach Orten.

Ansehen sollten sich deutsche Medieninteressierte auch einmal TwitZip, eine Art „Hyperlocal Twitter“. Das Unternehmen ist gerade mit Outside.In eine Kooperation eingegangen.

Bei aller Euphorie nach "Hyperlocalnews" bleibt die Frage aller Fragen: kann man damit Geld verdienen? Laut Businessmagazin „Fast Company“ wartet auf diese Sites in den USA angeblich ein lokaler 100 Milliarden-Anzeigenmarkt.  

Alle diese Startups träumen von „precision targeted advertising for small businesses“, aber es dürfte ein langer Weg sein, bis man den Blumenhändler um die Ecke davon überzeugen kann, Werbung auf Hyperlocal-Seiten im Internet zu machen.

“When you slice further and further down, you get smaller and smaller audiences,” sagt Analyst Greg Sterling. “Advertisers want that kind of targeting, but they also want to reach more people, so there's a paradox.”

Die eigentliche Frage dürfte sein: schaffen es die Hyperlocals, auf Dauer einen so interessanten Inhalt zu bieten, dass die User diesen Service wirklich annehmen? Ich bin da skeptisch.

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Montag 07. Juni 2010 12:36

Hilfe! Mein iPad setzt Staub an

Seit 3 Monaten hab ich nun ein iPad. Hier in den USA ist der Hype um das neue Gerät nach wie vor ungebrochen. Der Tablet-Computer ist praktisch ausverkauft. In den meisten Apple-Stores ist er noch immer vergriffen, und bei Bestellungen im Internet muß man Wochen warten, bis das iPad schließlich ankommt.

Anfangs war ich von meinem iPad begeistert. Es ist schon toll, wie leicht man mit dem Finger navigieren kann und wie schnell sich die Internet-Seiten aufbauen.
 
Aber inzwischen fällt mir auf, dass ich mein iPad kaum nutze. Warum? Das neue Wundergerät hat für mich eine große Schwachstelle: ich kann darauf nicht schnell genug tippen. Wer in der Lage ist, flott auf einem herkömmlichen Computer zu schreiben, der verfällt auf dem iPad zurück ins Schneckentempo. Klar, man könnte eine externe Tastatur anschließen, aber dann verliert das iPad seinen Sex.

Der große Bruder vom iPod ist für mich ein reines Lesegerät. So etwas wie ein besserer Kindle. Oder wie ein kleiner flacher Fernseher, den man überall mitnehmen kann. Aber zum Schreiben ist das iPad ungeeignet. E-Mails zu beantworten, dauert mir viel zu lange. Und wenn ich meine Mails dann weiterhin am Notebook schreibe, dann wechsele ich nicht das Gerät, um ins Internet zu gehen. Die Folge: mein iPad setzt Staub an.

Wenn es anderen auch so geht, dann könnte das ein Rückschlag für die Medien-Industrie bedeuten. Denn die Verlage werden mit dem iPad nur ein Geschäft machen, wenn er auch intensiv genutzt wird. Meine Prognose: Leute, die beruflich viel am Computer sitzen, werden das iPad nur wenig nutzen.

PS: Ich kenne jemand, für fast täglich zum iPad greift: meine Mutter, die die letzten Monate bei uns in Kalifornien zu Besuch war. Sie guckt sich auf dem iPad stundenlang unsere Familienfotos an und hat auch angefangen, darauf Zeitungen zu lesen. Aber mit ihren über 80 Jahren ist sie nicht unbedingt die Traumzielgruppe der Medienindustrie...

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Montag 26. April 2010 06:04

Imposanter Relaunch von BusinessWeek

Es kommt nicht häufig vor, dass man im Internet-Zeitalter Positives über Print-Produkte berichten kann. In den USA ist gerade das Wochenmagazin BusinessWeek als Bloomberg Businessweek (BB) neu an den Start gegangen – und der Relaunch des 80 Jahren alten Wirtschaftsblattes beeindruckt. BB zeigt, wie die Zeitschrift der Zukunft aussehen könnte: "more news for shorter attention spans" und "multiple entry points" heißen die Stichworte.

Den Wirtschaftsmagazinen geht es auch in den USA ziemlich schlecht. Condé Nast hat im letzten Jahr seine ambitionierte Neugründung Portfolio einstellen müssen und bei diesem Abenteuer mal eben rund 150 Mio. Dollar in den Sand gesetzt. Fortune hat jüngst seine Erscheinungsweise von 25 auf 18 Ausgaben zurückgenommen, Forbes kommt nur noch 20 statt 24mal. Und beide Titel schreiben tiefrote Zahlen. Wie natürlich auch das Wochenmagazin BusinessWeek, das allein im letzten Jahr rund 60 Mio Dollar verloren hat.

Aber all das hat die Financial News Company von Michael Bloomberg nicht davon abhalten können, im Herbst letzten Jahres das ehemalige McCraw-Hill-Flaggschiff zu kaufen. Der offizielle Kaufpreis betrugt 5 Mio. Dollar, aber in Wirklichkeit war die Übernahme deutlich teurer, denn Bloomberg hat auch für Altschulden und Pensionszusagen geradestehen müssen. Insider meinen, der Spaß hätte eher 50 Mio. Dollar gekostet.

Aber das ist Kleingeld für ein Unternehmen, das in den Zeiten des Börsenbooms Milliarden verdient hat. Bloombergs Rendite soll viele Jahre lang 35 Prozent betragen haben. Heute liegt der Umsatz bei 8 Mrd. Dollar. Längst ist das 1981 gegründete Unternehmen mehr als nur eine reine Finanzdaten-Agentur. Zum Konzern gehören inzwischen ein Fernsehsender sowie Radio- und Internet-Aktivitäten. 

Seit 2001 ist Firmengründer Michael Bloomberg im Tagesgeschäft nicht mehr aktiv. Der Verleger, der 85 Prozent der Anteile hält, hat sich einen neuen Job gesucht, der ihm mehr Öffentlichkeit und mehr Schlagzeilen garantiert. Er ist Bürgermeister von New York geworden und damit Nachfolger vom legendären Rudolph Giuliani. 

Das Ego von Bloomberg war es auch, das sein Unternehmen dazu verleitet hat, BusinessWeek zu kaufen. Schon der neue Name ist vielsagend. Aus BusinessWeek wurde Bloomberg Businessweek und die Ambitionen des "kleinen Mike" sind riesengroß. Er will aus seinem Kauf "the most influentail business magazine in the world" machen. 

Dafür hat er kräftig Geld in die Hand genommen und dem Magazin gegen den allgemeinen Branchentrend 25 Prozent mehr Heftumfang spendiert. Und der Relaunch wird mit einer gewaltigen Werbekampage begleitet. Slogan: "The new Bloomberg Businessweek. Reimagined. Redesigned. Reinvented".

Viel beeindruckender aber als das viele Geld und die großen Worte ist das Produkt, das es seit dem Wochenende überall in den USA zu besichtigen gibt: BusinessWeek hat eine Formel gefunden, die auch im Internet-Zeitalter funktionieren könnte.

Auf den ersten Blick gibt es im Magazin unendlich viele Geschichten. Man hat das Gefühl, man bekommt reichlich Text für sein Geld. Die Heftstruktur wirkt deutlich kleinteiliger als man das früher von erfolgreichen Zeitschriften gewohnt war.

Chefredakteur Josh Tyrangiel: "We basically have 50 Percent more stories. It was about creating an architecture for really delivering a lot of information in a way that people can navigate quickly."

Das Magazin ist zweigeteilt: im vorderen Teil gibt es 6 Kapitel mit jeweils vielen kleinen Stories, im hinteren Teil – "Features" genannt -  dominiert analytischer Background. Eine Story lautet dabei "Apple’s Endlessly Expanding Universe" und hat gewisse Parallelen zu der aktuellen Spiegel-Titelgeschichte.

Auffallend ist, dass bei kurzen Artikeln die Vorspänne durch "Bullet Points" ersetzt werden. So will man den Leser schneller in eine Story ziehen. "Multiple entry points" nennen das die Verantwortlichen.

Interessant ist auch, wie zurückgenommen das neue Design daherkommt. Das Erscheinungsbild ähnlich dem englischen The Economist. Tyrangiel: "The design doesn’t dominate. The story is what’s important".

Deutsche Blattmacher sollten sich die neue Bloombergs BusinessWeek kommen lassen. Es lohnt sich.

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Dienstag 06. April 2010 09:04

Game-Changer? Das iPad im Test

Während von einigen Monaten die Zukunft der Medienkonzerne noch trostlos erschien , könnte das neue iPad zum „Game-Changer“ werden. Plötzlich produzieren sie nicht mehr Produkte, die altmodisch und ohne Perspektive wirken. Plötzlich haben sie die Chance, wieder richtig sexy zu werden. MEEDIA-Herausgeber Dirk Manthey hat das iPad drei Tage lang getestet und sieht enorme Chancen für die Medienindustrie. Warum das iPad für Business-Leute eine Enttäuschung und dennoch das Beste ist, was Apple je erfunden hat.

Beim Auspacken bin ich erst einmal enttäuscht. Das iPad ist kleiner und schwerer, als ich es nach den Presseberichten erwartet hab. Na ja, und dann hat es kein richtiges Keyboard und auch kein Flash. Besonders angetan bin ich auf dem ersten Blick nicht.

Bevor ich irgendwelche Vorteile sehe, werden mir erst einmal die Nachteile klar: die Touchscreen-Tastatur ist für Leute, die viel schreiben müssen, nicht gut genug. Das iPad ist kein Notebook-Ersatz. Für Business-Leute ist das Gerät eher eine Enttäuschung.

Nach fünf Minuten verbessert sich mein Eindruck. Ich surfe etwas im Internet. Die Handhabung vom iPad ist so einfach, so intuitiv, daß man keine Gebrauchsanweisung benötigt. Und im Gegensatz zum Notebook, das mit der aufgeklappten Tastatur immer etwas sperrig wirkt, liegt das iPad ideal in der Hand.

Und dann wird es richtig toll. Ich lade Apps herunter, sehe mir Videos bei YouTube und im Podcast („Heute Journal“) an und blättere in „iBooks“: IT BLOWS YOU AWAY! Das ist unglaublich, das ist genial – das ist das Beeindruckendste, was ich in den letzten 20 Jahren beim Thema Computer & Internet erlebt hab.

Das iPad, das wird einem ganz schnell klar, eine gigantische Unterhaltungsmaschine. Und die Chance für die Medienkonzerne, denn von Unterhaltung verstehen sie etwas.

Hier einige erste Eindrücke:

- Wenn man das iPad mit dem Notebook vergleicht, hat man das Gefühl, das iPad müsste mittelfristig eigentlich erfolgreicher werden. Das iPad ist so etwas wie das Fernsehen von morgen. Das Notebook und den PC wirken dagegen altmodisch und wird man irgendwann nur noch zum Schreiben nehmen

- Das iPad braucht Apps. Die normalen Webseiten erscheinen auf dem relativ kleinen Bildschirm zu lang und überladen. Man kann jedem Medienunternehmen nur raten, seinen Webauftritt über eine App auf den kleineren iPad-Bildschirm anzupassen.

- Richtig sexy wird eine App, wenn man Text, Video und Ton (und später noch GPS) verknüpft. Das Wall Street Journal macht das so, USA Today auch. Wow, plötzlich kommt eine Zeitung zum Laufen! Das hat was.

- Auf keinen Fall sollte man fürs iPad eine Zeitschrift 1:1 umzusetzen. Time Magazine hat das versucht, und erleidet damit gerade Schiffsbruch. Wen interessiert bei einem so schnellen Medium schon, was Redakteure vor 10 Tagen bei Redaktionsschluss geschrieben haben. Und für diesen alten Kram soll man noch 4,99 Dollar zahlen. Forget it!

- Die iPad-Apps brauchen eine eigene, neue Navigation. Die BBC zeigt, wie das geht. Und bei den journalistischen Apps setzt sich immer mehr eine Story-to-Story Navigation durch. Das heißt, man „wischt“ sich horizontal von einer Story in die nächste.

Ich glaube, nur wenige Verlage wie die New York Times können sich erlauben, Bezahl-Apps anzubieten. Dazu ist die Kostenlos-Gesellschaft zu weit fortgeschritten. Aber das iPad bietet so viele kreative Möglichkeiten, Werbung in den Content einzubauen, dass man den Verlegern fast raten sollte, auf Bezahl-Apps zu verzichten. Die Werbung wird es bringen.

Und last, but not least: Meiner Meinung nach ist jeder Versuch, das iPad und den iTunes Store zu umgehen, zum Scheitern verurteilt. Dieses iPad ist genial, sexy, unschlagbar – mit das Beste, was Apple je herausgebracht hat. Deutsche Medienunternehmen sollten sich deshalb hüten, eigene Wege zu gehen. If you can’t beat them, join them.

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Mittwoch 31. März 2010 09:43

Bundesliga live im Flieger über den USA

Das Internet beschert uns manch wundersame Dinge. Ein besonderes Aha-Erlebnis ist es, wenn man während eines Fluges quer über die USA in 10.000 Metern Höhe live deutsches Fernsehen sieht. MEEDIA-Herausgeber Dirk Manthey hat es ausprobiert, es funktioniert problemlos. Zum Beispiel Fußball Bundesliga wireless, in technisch bester Qualität auf der anderen Seite der Welt. Möglich macht das die neuen Internet-Verbindungen auf den US-Fliegern und eine sogenannte Slingbox in Deutschland. 

„Aus! Bayern 2, Manchester United 1“. Der Sprecher von SAT 1 überschlägt sich fast vor Freude. Eben hat Olic in der zweiten Minute der Nachspielzeit das entscheidende Tor erzielt.

Ich schaue aus dem Fenster meines Hotels auf den Central Park. In New York regnet es mal wieder in Strömen. Wie so häufig in diesem Winter, wenn es an der East Coast nicht gerade schneit. Das war schon ein tolles Spiel in München, das ich eben live auf meinem Notebook gesehen hab.

Möglich macht das eine kleine Box, die ich in Hamburg stehen habe. Sie heißt „Slingbox“ und bereit das heimische TV-Signal für das Internet auf. Ich hab mir davon gleich zwei solcher Boxen besorgt, eine für ARD, ZDF & Co und eine für Sky.  

Während man die Slingbox in Deutschland kaum kennen dürfte, ist sie in den USA ein Hit. Sie verteilt das Fernsehen innerhalb eines Hauses auf die heimischen Computer. Und ermöglicht Geschäftsreisende, via Notebook überall in den USA den heimischen Fernseh-Sender anzuwählen. So kann man unterwegs z.B. das Baskeball-Game vom Hometeam sehen, auch wenn es in anderen Städten der USA überhaupt nicht übertragen wird.

Dank der Sling-Box ist deutsches Fernsehen für uns in Kalifornien nichts Besonderes mehr. Wir sehen es fast täglich. Und längst nicht mehr nur auf dem Notebook, sondern über ein Zusatzgerät auch auf unseren Fernsehern. Allerdings schauen wir es wegen der Zeitverschiebung fast nie live, sondern wir zeichnen die Sendungen zunächst auf unseren Videorecorder in Hamburg auf. Auch das kann die Slingbox, diese kleine Wundergerät.

Am Sonntag bin ich von Los Angeles nach New York geflogen. Auf dem Flug bot American Airlines für 12,95 Dollar eine Internet-Verbindung an. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, der Flug ist ja immerhin 5 Stunden lang. Der Bestellvorgang dauerte keine Minute, der Web-Empfang war erstaunlich gut, die Verbindung während des ganzen Flugs stabil.

Die ersten 2 Stunden hab ich zunächst gegen meine eMails angekämpft. Dann fiel mir ein, ich könnte ja mal versuchen, meine Slingbox in Hamburg anzusteuern. Wow! Das funktionierte auch im Flugzeug. So hab ich in 10.000 Meter Höhe über den Rocky Mountains live bei Sky das Spiel vom HSV in Gladbach gesehen.  
Mal davon abgesehen, daß das Gekicke grausam war - es war ein himmliches Erlebnis.

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Montag 21. Dezember 2009 09:31

Meine Medientrends für 2010

Weil man sich mit kaum etwas so schön blamieren kann wie mit einem Blick in die Zukunft, hier zehn Prognosen für das Mediengeschäft 2010 – mehr aus dem internationalen als dem nationalen Blickwinkel gesehen. Mit der Gewissheit, dass vieles bestimmt mal wieder ganz anders kommen wird....

1. Paid Content wird viele Enttäuschungen bringen

"Information wants to be free" hieß bisher die Regel im Internet. Das soll sich 2010 bekanntermaßen ändern. Ich fürchte, dieser Plan wird ein ziemlicher Flop. Was für spezialisierte Wirtschaftszeitungen wie "Wall Street Journal" oder "Financial Times" oder auch für ganz starke Marken wie die "New York Times" gerade noch funktionieren dürfte, wird meiner Meinung nach bei der breiten Masse der redaktionellen Angebote grandios scheitern.

Das Thema Paid Content wird für mich viel zu sehr aus der Sicht der Verlagskasse gesehen und zu wenig durch die Augen der Konsumenten. Starke Angebote im Web, wie der "Guardian" in Großbritannien oder auch "Spiegel Online", wären schlecht beraten, wenn sie ihren Erfolg, der sich mittelfristig auch in der Kasse niederschlagen wird, jetzt mit einer PayWall aufs Spiel setzen würden.

Die Lösung für Verleger sollte eher heißen: bessere Websites mit unverwechselbarem Content machen. Solange die Webangebote der Verlage inhaltlich austauschbar sind, werden Pay-Modelle bis auf wenige Ausnahmen nicht funktionieren.

2. Markenartikel werden auf breiter Front ins Internet gehen

Wer von der Werbung lebt, wird froh sein, wenn 2009 zu Ende geht. Die Vorzeichen für 2010 stehen besser, auch wenn die Wirtschaft diesseits und jenseits des Atlantiks noch für manch unangenehme Überraschungen gut sein dürfte. In den USA wird es mit ziemlicher Sicherheit ein deutliches Plus bei den Werbespendings geben. Und auch in Deutschland müsste es nach dem guten 4.Quartal eigentlich wieder bergauf gehen...

Der große Winner wird auch 2010 das Internet sein. "Brand advertisers shift their advertising dollars from offline to online", heißt der Trend in der Madison Avenue in New York. Und das dürfte auch für Deutschland gelten. Die Werbung folgt also den Konsumenten, allerdings mit einigen Jahren Verspätung. Profitieren werden davon vor allem Sites, die ein für Markenartikel geeignetes Umfeld bieten. Premium Content ist also gefragt.

Vor allem Video Ads werden boomen. Zur Zeit schieben die Werbekunden noch ihre TV-Spots ins Internet. Aber das wird sich ändern. Im nächsten Jahr dürfte man vermehrt speziell fürs Web konzipierte Werbespots sehen, die interaktiv sind und sich klicken lassen.

3. Der ganz große Trend heißt Mobiles Internet

In den USA geht man davon aus, dass in wenigen Jahren mehr Leute "mobile" ins Internet gehen als über ein Standgerät. "Ramping Faster than Desktop Internet, the Mobile Internet Will Be Bigger than Most Think" lautet die Zusammenfassung eines aktuellen Reports von Morgan Stanley.

Dieser Trend wird vor allem von US-Companies wie Apple, Google und Amazon vorangetrieben. "Silicon Valley competitve juices show no signs of letting up". Begünstigt wird diese Entwicklung dadurch, dass die Preise für das "Surfen unterwegs" weltweit deutlich sinken, auch in Deutschland. Zu Beginn von 2009 lagen sie noch bei 19,80 Euro im Monat, heute sind sie auf 14,80 Euro gefallen, das hat der Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW) ausgerechnet.

Auch Handywerbung wird immer interessanter werden. Der Vorteil: hier kann man seine Zielgruppen (vor allem Jugendliche) punktgenau erreichen. Das funktioniert aber nur mit Einwilligung des Empfängers, die man sich vorher mit finanziellen Vorteilen erkaufen muss. Die Aussichten dafür sind rosig: In wenigen Jahren soll "mobile advertising" in den USA ein Zehn-Milliarden-Dollar-Markt werden.

4.Das iPhone wird weltweit Smartphone Nr. 1 – trotz Google

Fasten your Seatbelts, 2010 kommt es zur "Mutter aller Kämpfe": Apple vs. Google. Vermutlich schon im Januar wird Google sein eigenes Smartphone "Nexus One" anbieten, das eine Reihe von neuartigen Features bringt und der einzig ernsthafte Konkurrent für Apples iPhone werden dürfte.

Das iPhone hat in den USA mittlerweile einen Anteil von über 30 Prozent am Markt der Smartphones, nur der Blackberry liegt mit 40 Prozent noch besser. Aber alles spricht dafür, daß Apple im nächsten Jahr die Nr. 1 wird. Vor allem die vielen Apps geben dem iPhone einen enormen Wettbewerbsvorteil. Wenn Apple 2010 dann in den USA seinen Exklusivvertrag mit AT&T kündigt und zusätzlich über Verizon vertreibt, wie man es ähnlich bereits in Frankreich und England gemacht hat, dann wartet allein in den Staaten ein neuer Markt von 85 Mio. Kunden auf das iPhone.

Der Verlierer im Kampf dieser Giganten steht heute schon fest: es ist Nokia, mit 37 Prozent Marktanteil noch der führende Handy-Hersteller der Welt. Aber die Betonung liegt auf "noch". Gegen Apple & Google dürfte Nokia chancenlos sein. In den USA heißen die Nokia-Handies inzwischen "Dumb-Phones". Und die Nokia-Flagship Stores in New York und Chicago werden gerade geschlossen...

5. Das Print-Sterben wird auch 2010 weitergehen

Wenn man in den USA eine Zeitschrift in die Hand nimmt, überkommt einem das Mitleid. Die Wochenblätter "Time" oder "Newsweek" haben in der Regel nur noch 60 bis 70 Seiten Umfang. In diesem Jahr wurden rund 400 Zeitschriften eingestellt, darunter einige Titel, die offiziell zuletzt noch immer um die eine Mio. Exemplare verkauft (oder muss man sagen: verschenkt) haben.

Kein Deut besser sieht es bei Tageszeitungen aus. Von der "New York Times" hört man eine "bad News" nach der anderen, die "Los Angeles Times" ist so gut wie tot, viele große Städte in den USA haben inzwischen keine eigene Zeitung mehr. 15.000 Leute, schätzt die "Huffington Post" haben 2009 ihren Job in der Zeitungs-Industrie verloren. Die Printbranche wird mal "dead man walking", mal "dead tree industrie" genannt. Aber immer ist das Wort "dead" enthalten.

Dagegen ist Deutschland (noch) ein Print-Paradies, auch wenn die Branche stöhnt und spart. Bei "Stern" und "Spiegel" dürfte der Gewinn um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sein, aber die Blätter schreiben immerhin noch schwarze Zahlen. Bei der Mehrheit der Zeitschriften weltweit dürfte das nicht mehr allzu lange der Fall sein.

Gibt es einen Grund, warum das Printsterben 2010 aufhören sollte? Ich wüsste leider keinen...

6.Verlage konzentrieren sich auf Internet-Only-Produkte

Was 2010 der Klambt Verlag mit "Look" wagt, dürfte weltweit eine der großen Ausnahmen sein. Neustarts mit einem Investitionsvolumen über zehn Mio. Euro gibt es im Print praktisch nicht mehr. Die Erfolgschancen sind einfach zu gering.

Die neuen Abenteuer der Verlage werden digital stattfinden. Ein Stichwort heißt da "Internet Only"-Produkte, also Websites, die ähnlich aufgebaut sind wie eine Zeitschrift oder eine Zeitung. Besonders erfolgsversprechend erscheinen dabei Kooperationen mit großen Portalen. Etwa so, wie es Springer mit United Internet bei Top.de vormacht.

Und auch dann gilt, das Konzept muß stimmen: Me-too ist chancenlos. Neue Produkte müssen eine echte Marktlücke füllen und den Konsumenten überzeugen. Eine Marke im endlosen Word Wide Web aufzubauen ist verdammt schwer. Die Idee zählt, nicht die Marktmacht. Das sind gute Zeiten für Kreative...

7. Digitale Lesegeräte schaffen 2010 den Durchbruch

In den USA tobt ein Kampf der digitalen Lesegeräte. Den Kindle gibt es inzwischen in der zweiten Generation, Sony und die Buchhandelskette Barnes & Noble haben Konkurrenzprodukte herausgebracht. Aber was man dabei schnell übersieht: Die effektiven Absatzzahlen dieser Geräte sind noch gering, ihre Preisen von 199 bis 489 Dollar zu teuer. Hinzu kommt, dass die Lesegeräte noch technische Macken haben. Massenprodukte sehen eigentlich anders aus.

Aber das kann sich ändern, wenn im April Apple nach vier Jahren Entwicklungszeit mit seinem Tablet PC herauskommt. Speziell für dieses Gerät haben die US-Verlage Condé Nast, Hearst, Meredith, News Corp. und Time Inc ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das eine Art digitalen Kiosk betreiben soll. Wie der Tablet PC funktioniert und die Zeitschrift der Zukunft aussehen soll, kann man hier sehen.

Auf den Tablet PC werden Kindle & Co reagieren müssen. Die Preise werden fallen, die Technik dürfte besser werden. Und ein farbiger Bildschirm wäre auch nicht schlecht 2010 könnte das Jahr der digitalen Lesegeräte werden...

8. Der Widerstand gegen Google dürfte stärker werden

Während die großen Medienkonzerne von Jahr zu Jahr schlechtere Ergebnisse machen und immer häufiger mit roten Zahlen kämpfen, fährt Google ein Traumergebnis nach dem anderen ein. Allein in einem Quartal macht der "größte Datensammler der Menschheit" mal eben schnell 1,5 Milliarden Dollar Gewinn und kommt dabei auf eine Umsatzrendite von über 25 Prozent!

Aber das reicht Google anscheinend nicht. Der Konzern wird immer expansiver, immer aggressiver. In atemberaubender Geschwindigkeit bringt Google eine Innovation nach der anderen. Jüngste Beispiele sind das Google-Phone "Nexus One", oder die Handysoftware Google Goggles. Google ist in den vergangenen Monaten eine echte Innovationsmaschine geworden. Der Konsument hechelt hinterher und man fragt sich: Warum plötzlich dieses Tempo?

Ganze Industrien werden mittlerweile "ge-googelt" und an den Rand des Ruins gedrückt. Dabei lautet das Motto des Konzerns mit dem harmlosen Logo in Legostein-Farben eigentlich doch "Dont’t be evil". Wenn Google nicht irgendwann einen Gang zurück schaltet, wird der Ruf nach Zerschlagung und Regulierung größer werden. So kann es eigentlich nicht weitergehen...

9. Echtzeitsuche wird keine große Rolle spielen

"What is happening right now?" Nachdem Microsofts neue Suchmaschine Bing vor einigen Monaten begann, Twitter in Echtzeit zu durchsuchen, ist nun auch beim englischsprachigen Google das Durchsuchen von Real Time Information möglich. In Deutschland wird dieser Service im ersten Quartal 2010 eingeführt.

Zu einem Suchbegriff kann sich der User dann die "Latest results" angezeigt lassen. Das sieht dann so aus. Für diesen neuen Service hat Google nicht nur eine Vereinbarung mit Twitter geschlossen, sondern auch mit Facebook und MySpace. Google sagt, dass man am Tag über eine Milliarde Echtzeit-Dokumente durchsuchen werde.

Ich glaube, die breite Masse wird diesen Service nicht annehmen. Wer bitte kann und will diese Informationsmengen verarbeiten? Eigentlich müsste der Weg genau andersrum sein: Die Suchmaschinen sollten nicht mehr, sondern bessere Informationen liefern. Das wäre doch mal eine Innovation.

10. Noch ein Winner für 2010: Foursquare

Noch nie etwas von Foursquare gehört? Vieles spricht dafür, dass sich das 2010 ändern wird. Manche meinen sogar davon, dieses neue ortsbasierte Network wäre "the next big thing".

Foursquare arbeitet nach dem Motto: "Check in, Find your Friends, Unlock your city". Hier können Mitglieder unterwegs Freunde entdecken oder gute Adressen austauschen. Es sei das neue Twitter für die iPhone Generation, meint Kollege Nils Jacobsen. Und er muss es wissen.

Das sind also die neuen Zeiten: Jugendliche lesen weder Zeitschrift noch Zeitung, kaufen auch kaum noch Bücher oder sehen TV, weil sie dafür einfach keine Zeit haben. Dafür bearbeiten sie stundenlang ihr Facebook-Account, simsen, twittern oder sind bei Foursquare – und denken im Traum nicht daran, für Musik- oder Verlagsprodukte etwas zu zahlen.

Welcome to the new World!

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Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 

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