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Montag 26. April 2010 06:04

Imposanter Relaunch von BusinessWeek

Es kommt nicht häufig vor, dass man im Internet-Zeitalter Positives über Print-Produkte berichten kann. In den USA ist gerade das Wochenmagazin BusinessWeek als Bloomberg Businessweek (BB) neu an den Start gegangen – und der Relaunch des 80 Jahren alten Wirtschaftsblattes beeindruckt. BB zeigt, wie die Zeitschrift der Zukunft aussehen könnte: "more news for shorter attention spans" und "multiple entry points" heißen die Stichworte.

Den Wirtschaftsmagazinen geht es auch in den USA ziemlich schlecht. Condé Nast hat im letzten Jahr seine ambitionierte Neugründung Portfolio einstellen müssen und bei diesem Abenteuer mal eben rund 150 Mio. Dollar in den Sand gesetzt. Fortune hat jüngst seine Erscheinungsweise von 25 auf 18 Ausgaben zurückgenommen, Forbes kommt nur noch 20 statt 24mal. Und beide Titel schreiben tiefrote Zahlen. Wie natürlich auch das Wochenmagazin BusinessWeek, das allein im letzten Jahr rund 60 Mio Dollar verloren hat.

Aber all das hat die Financial News Company von Michael Bloomberg nicht davon abhalten können, im Herbst letzten Jahres das ehemalige McCraw-Hill-Flaggschiff zu kaufen. Der offizielle Kaufpreis betrugt 5 Mio. Dollar, aber in Wirklichkeit war die Übernahme deutlich teurer, denn Bloomberg hat auch für Altschulden und Pensionszusagen geradestehen müssen. Insider meinen, der Spaß hätte eher 50 Mio. Dollar gekostet.

Aber das ist Kleingeld für ein Unternehmen, das in den Zeiten des Börsenbooms Milliarden verdient hat. Bloombergs Rendite soll viele Jahre lang 35 Prozent betragen haben. Heute liegt der Umsatz bei 8 Mrd. Dollar. Längst ist das 1981 gegründete Unternehmen mehr als nur eine reine Finanzdaten-Agentur. Zum Konzern gehören inzwischen ein Fernsehsender sowie Radio- und Internet-Aktivitäten. 

Seit 2001 ist Firmengründer Michael Bloomberg im Tagesgeschäft nicht mehr aktiv. Der Verleger, der 85 Prozent der Anteile hält, hat sich einen neuen Job gesucht, der ihm mehr Öffentlichkeit und mehr Schlagzeilen garantiert. Er ist Bürgermeister von New York geworden und damit Nachfolger vom legendären Rudolph Giuliani. 

Das Ego von Bloomberg war es auch, das sein Unternehmen dazu verleitet hat, BusinessWeek zu kaufen. Schon der neue Name ist vielsagend. Aus BusinessWeek wurde Bloomberg Businessweek und die Ambitionen des "kleinen Mike" sind riesengroß. Er will aus seinem Kauf "the most influentail business magazine in the world" machen. 

Dafür hat er kräftig Geld in die Hand genommen und dem Magazin gegen den allgemeinen Branchentrend 25 Prozent mehr Heftumfang spendiert. Und der Relaunch wird mit einer gewaltigen Werbekampage begleitet. Slogan: "The new Bloomberg Businessweek. Reimagined. Redesigned. Reinvented".

Viel beeindruckender aber als das viele Geld und die großen Worte ist das Produkt, das es seit dem Wochenende überall in den USA zu besichtigen gibt: BusinessWeek hat eine Formel gefunden, die auch im Internet-Zeitalter funktionieren könnte.

Auf den ersten Blick gibt es im Magazin unendlich viele Geschichten. Man hat das Gefühl, man bekommt reichlich Text für sein Geld. Die Heftstruktur wirkt deutlich kleinteiliger als man das früher von erfolgreichen Zeitschriften gewohnt war.

Chefredakteur Josh Tyrangiel: "We basically have 50 Percent more stories. It was about creating an architecture for really delivering a lot of information in a way that people can navigate quickly."

Das Magazin ist zweigeteilt: im vorderen Teil gibt es 6 Kapitel mit jeweils vielen kleinen Stories, im hinteren Teil – "Features" genannt -  dominiert analytischer Background. Eine Story lautet dabei "Apple’s Endlessly Expanding Universe" und hat gewisse Parallelen zu der aktuellen Spiegel-Titelgeschichte.

Auffallend ist, dass bei kurzen Artikeln die Vorspänne durch "Bullet Points" ersetzt werden. So will man den Leser schneller in eine Story ziehen. "Multiple entry points" nennen das die Verantwortlichen.

Interessant ist auch, wie zurückgenommen das neue Design daherkommt. Das Erscheinungsbild ähnlich dem englischen The Economist. Tyrangiel: "The design doesn’t dominate. The story is what’s important".

Deutsche Blattmacher sollten sich die neue Bloombergs BusinessWeek kommen lassen. Es lohnt sich.

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Dienstag 06. April 2010 09:04

Game-Changer? Das iPad im Test

Während von einigen Monaten die Zukunft der Medienkonzerne noch trostlos erschien , könnte das neue iPad zum „Game-Changer“ werden. Plötzlich produzieren sie nicht mehr Produkte, die altmodisch und ohne Perspektive wirken. Plötzlich haben sie die Chance, wieder richtig sexy zu werden. MEEDIA-Herausgeber Dirk Manthey hat das iPad drei Tage lang getestet und sieht enorme Chancen für die Medienindustrie. Warum das iPad für Business-Leute eine Enttäuschung und dennoch das Beste ist, was Apple je erfunden hat.

Beim Auspacken bin ich erst einmal enttäuscht. Das iPad ist kleiner und schwerer, als ich es nach den Presseberichten erwartet hab. Na ja, und dann hat es kein richtiges Keyboard und auch kein Flash. Besonders angetan bin ich auf dem ersten Blick nicht.

Bevor ich irgendwelche Vorteile sehe, werden mir erst einmal die Nachteile klar: die Touchscreen-Tastatur ist für Leute, die viel schreiben müssen, nicht gut genug. Das iPad ist kein Notebook-Ersatz. Für Business-Leute ist das Gerät eher eine Enttäuschung.

Nach fünf Minuten verbessert sich mein Eindruck. Ich surfe etwas im Internet. Die Handhabung vom iPad ist so einfach, so intuitiv, daß man keine Gebrauchsanweisung benötigt. Und im Gegensatz zum Notebook, das mit der aufgeklappten Tastatur immer etwas sperrig wirkt, liegt das iPad ideal in der Hand.

Und dann wird es richtig toll. Ich lade Apps herunter, sehe mir Videos bei YouTube und im Podcast („Heute Journal“) an und blättere in „iBooks“: IT BLOWS YOU AWAY! Das ist unglaublich, das ist genial – das ist das Beeindruckendste, was ich in den letzten 20 Jahren beim Thema Computer & Internet erlebt hab.

Das iPad, das wird einem ganz schnell klar, eine gigantische Unterhaltungsmaschine. Und die Chance für die Medienkonzerne, denn von Unterhaltung verstehen sie etwas.

Hier einige erste Eindrücke:

- Wenn man das iPad mit dem Notebook vergleicht, hat man das Gefühl, das iPad müsste mittelfristig eigentlich erfolgreicher werden. Das iPad ist so etwas wie das Fernsehen von morgen. Das Notebook und den PC wirken dagegen altmodisch und wird man irgendwann nur noch zum Schreiben nehmen

- Das iPad braucht Apps. Die normalen Webseiten erscheinen auf dem relativ kleinen Bildschirm zu lang und überladen. Man kann jedem Medienunternehmen nur raten, seinen Webauftritt über eine App auf den kleineren iPad-Bildschirm anzupassen.

- Richtig sexy wird eine App, wenn man Text, Video und Ton (und später noch GPS) verknüpft. Das Wall Street Journal macht das so, USA Today auch. Wow, plötzlich kommt eine Zeitung zum Laufen! Das hat was.

- Auf keinen Fall sollte man fürs iPad eine Zeitschrift 1:1 umzusetzen. Time Magazine hat das versucht, und erleidet damit gerade Schiffsbruch. Wen interessiert bei einem so schnellen Medium schon, was Redakteure vor 10 Tagen bei Redaktionsschluss geschrieben haben. Und für diesen alten Kram soll man noch 4,99 Dollar zahlen. Forget it!

- Die iPad-Apps brauchen eine eigene, neue Navigation. Die BBC zeigt, wie das geht. Und bei den journalistischen Apps setzt sich immer mehr eine Story-to-Story Navigation durch. Das heißt, man „wischt“ sich horizontal von einer Story in die nächste.

Ich glaube, nur wenige Verlage wie die New York Times können sich erlauben, Bezahl-Apps anzubieten. Dazu ist die Kostenlos-Gesellschaft zu weit fortgeschritten. Aber das iPad bietet so viele kreative Möglichkeiten, Werbung in den Content einzubauen, dass man den Verlegern fast raten sollte, auf Bezahl-Apps zu verzichten. Die Werbung wird es bringen.

Und last, but not least: Meiner Meinung nach ist jeder Versuch, das iPad und den iTunes Store zu umgehen, zum Scheitern verurteilt. Dieses iPad ist genial, sexy, unschlagbar – mit das Beste, was Apple je herausgebracht hat. Deutsche Medienunternehmen sollten sich deshalb hüten, eigene Wege zu gehen. If you can’t beat them, join them.

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Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 

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Herr Weber hat Recht: Die Verlage beklagen sich allenthalben über rückgängige Verkaufszahlen. Natürlich [...] Zum Artikel dieses Kommentars
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Alles schön und gut. ABER: Die besten digitalen Magazine fürs iPad, die ich kenne und nutze, kommen [...] Zum Artikel dieses Kommentars
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Im Rahmen einer Zuweisung für die Forschung habe ich einen Artikel mit relevanten Informationen zu diesem [...] Zum Artikel dieses Kommentars

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