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Montag 18. Mai 2009 08:18

Kauft Musik-Milliardär die "NY Times"?

Es ist im US-Mediengeschäft zur Zeit „the hottest topic on both coasts“: das Interesse vom Musik-Milliadär David Geffen an der „New York Times“.  Sprach man bisher nur von einer möglichen Übernahme eines 20% Paketes, so gibt es inzwischen Anzeichen, dass Geffen mehr vorhaben könnte. Aus seinem Umfeld hört man, er möchte eigentlich gerne den ganzen Verlag übernehmen und Nachfolger des sichtlich überforderten Verlegers Arthur Sulzberger jr. werden. Sogar die „Gray Lady“ brrichtet in eigener Sache.

„Geffen Is Seen as Still Eager for Times Stake“ hieß die Headline in der New York Times vom letzten Freitag. Dort wird davon gesprochen, daß Geffen trotz zweier Fehlversuche „seriously“ interessiert wäre, ein „major player“ in der New York Times Company zu werden. Gleichzeitig beruhigt die Zeitung aber, dass sich Geffen eher passiv verhalten und nichts unternehmen würde, was die Verlegerfamilie Sulzbergers verärgern könnte.

Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Ein paar tausend Kilometer westlich, in Los Angeles hört man nämlich, dass Geffen mit seiner Planungen sehr weit fortgeschritten sei. Er hat dort ein kleines Beraterteam um sich versammelt, „to preserve a great journalistic institution“. Sein Plan: im Falle einer Übernahme will er die NYT von allen Beteiligungen und Ballast befreien und anschließend die Zeitung in eine Nonprofit-Organisation umwandeln.

Wer ist dieser David Geffen? Zunächst ist Geffen, 66, kinderlos, jemand, der sich die Times leisten kann. Forbes schätzt sein Vermögen auf 4,5 Mrd. Dollar. Damit steht der Geffen auf Platz 110 der „World’s Billionaire“. Im Jahr davor rangierte er noch an 49. Stelle, aber während der Finanzkrise müssen ihm irgendwie 1,5 Mrd. seines Vermögen abhanden gekommen sein.

David Geffen verkörpert die typische Geschichte „Vom Tellerwäsche zum Millionär“. Oder in diesem Fall besser zum Milliardär. Er stammt aus armen Verhältnissen, ist in Brookly aufgewachsen, sein Vater war Pole, seine Mutter Russin. „His upbringing was a far cry from his billionaire lifestyle“, notierte die Financial Times.

Seine berufliche Karriere startete er in der Poststelle der bekannten Künstleragentur William Morris mit einem gefälschten Hochschulabschluss. Dann hat er sich langsam zum Musikagenten hochgearbeitet. Richtig Geld hat der „Self Made Media King“ (Financial Times) schließlich mit  Geffen Records gemacht. Dort hatte er Künstler wie John Lennon, Cher, Aerosmith, Guns N’ Roses und Neil Young unter Vertrag. 1994 gründete Geffen gemeinsam mit Steve Spielberg und Jeffrey Katzenberg das Filmstudio DreamWorks SKG, das aber nur mäßig erfolgreich war und 2005 von Viacom-Tochter Paramount Pictures übernommen wurde.

Geffen, der lange Zeit eine Affäre mit der Sängerin Cher hatte, sich inzwischen aber als homosexuell geoutet hat, gilt als Philanthrop. Er stiftete für den Ausbau vom UCLA Medical Center in Santa Monica 200 Mio. Dollar, in Los Angeles gibt es eine Kunsthalle und ein Theater mit seinem Namen. Er besitzt zwei der schönsten Häuser Kaliforniens: in Beverly Hills hat er für fast 50 Mio. Dollar die Villa von Hollywood-Legende Jack Warner gekauft, in Malibu ist sein Strandhaus größer als das von Oracle-Chef Larry Ellison, es dürfte locker 100 Mio. Dollar wert sein. Politisch unterstützt Geffen die Demokraten. Er gilt als „firm liberal“ und passt insofern gut zur „New York Times“.

Es heißt, Geffen hätte eine „genuine fascination with the dilemma facing newspapers“. So hatte er in den letzten Jahren mehrmals vergeblich versucht, die „Los Angeles Times“ zu kaufen. Als das nicht klappte, wurde die New York Times das Objekt seiner Begierde. Im April hat Geffen ein Angebot für den 19%-Anteil der Investoren-Gruppe Harbinger Capital an der New York Times gemacht. Das Problem: Harbinger hatte das Paket für 500 Millionen Dollar erworben, Geffen wollte nur den  aktuellen Börsenwert von 194 Mio Dollar zahlen.

Außerdem soll auch Geffen bereit gewesen sein, der „New York Times“ einen Kredit wie der mexikanische Milliadär Carlos Slim einzuräumen. Warum das nicht zustande gekommen ist, darüber gibt es verschiedene Versionen. Es könnte daran gelegen haben, dass Verleger Sulzberger den Mexikaner für ungefährlicher hielt. Aber ein Geffen vergisst nicht, ein Geffen lässt nicht locker.

Viele fragen sich, warum traut sich Geffen zu, den Verlag der New York Times in den Griff zu bekommen? 57 Mio. Dollar hat die Company im letzten Jahr verloren, allein in den ersten Monaten dieses Jahres sind 75 Mio. Dollar Verlust aufgelaufen.
Eine Beteiligung oder Übernahme der New York Times „seems dead on arrival“, meint „Newsweek“. Aber vermutlich geht es Geffen mehr ums Ego. Und dafür ist er bereit, notfalls ein paar hundert Millionen Dollar oder mehr zu zahlen.

Vielleicht ist ja das die Zukunft der Zeitungen: sie werden von „Self-Made-Billionaires“ aufgekauft, die ihr Engagement mehr als „Charity Case“ sehen und sich in den letzten Jahre ihres Lebens ein Denkmal setzen wollen.

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Montag 11. Mai 2009 06:55

Zeitungsretter Kindle? Keep dreaming!

Wenn man ums Überleben kämpft, greift man verständlicher Weise nach jedem Strohhalm...
Unter diesem Motto scheint des Verhalten der US-Verlage im Zusammenhang mit Amazons neuem Kindle DX („dx „steht für „deluxe“) zu stehen. Im Sommer kommt der vermeintliche Wunder-Reader auf den Markt, und jetzt schon wird er als möglicher Retter der Zeitungsbranche gepriesen. Einige Gründe sprechen jedoch dafür, dass sich es bei diesen Hoffnungen mehr um unrealistisches Wunschdenken vieler US-Verlagsmanager handelt.

Sicher, die Bildschirmdiagonale des Amazon E-Book-Readers ist von 6 auf 9,7 Zoll (24,6 cm) gewachsen, man kann damit also ein bisschen mehr von einer Zeitungsseite sehen als bei dem sehr kleinen Vorgänger-Model. Und natürlich könnten die Verlage, wenn sich der Kindle durchsetzen würde, auf den teuren Druck und den aufwändigen Vertrieb ihrer Zeitungen verzichten. Sie könnten also richtig viel Geld sparen.

Aber – und das ist der entscheidende Punkt - die Konsumenten müssen mitspielen. Und es gibt viele Gründe, warum sie es nicht tun werden:.

• Eine Zeitung auf dem Kindle wirkt monoton, grau und unattraktiv. Ein Layout, das die Artikel interessant und spannend macht, findet praktisch nicht statt. Die Fotos sind (noch immer) schwarz/weiß und auf dem matten E-Ink-Untergrund nur schwer zu erkennen. Kurz, auf Kindle kommt überhaupt kein Zeitungsgefühl auf.

• Während man eine Zeitung schnell handhaben, umschlagen und überblicken kann, ist das Navigieren mit dem Kindle schwierig. Man muss sich dort seine Zeitung mühsam erarbeiten. Eine Website auf dem Computer ist deutlich einfacher zu bedienen als eine Zeitung auf dem Kindle.

• Und dann kostet das Gerät fast 500 Dollar! Natürlich können und werden es die Verlage mit einem Zeitungsabo subventioniert (wobei Amazon in einem Anfall von Wahnsinn von den Verlagen 70% der Zeitungserlöse verlangt!). Aber wer möchte neben Fernseher, Computer/Notebook, Handy und Digitalkamera zuhause noch ein zusätzliches Gerät haben, das sich praktisch nur zum Lesen eignet? 

Viele, die Jeff Bezos Vision von der „paperless society“ übernehmen, haben sich vermutlich nie die Mühe gemacht, einmal eine Zeitung auf dem Kindle zu lesen. Wer das wie ich getan hat, verliert schnell den Glauben an dieses Gerät.

Die „New York Times“, die „Boston Globe“ und die „Washington Post“ werden in Kürze Lesern, die außerhalb des Zustellungsgebietes ihrer Zeitung leben, den neuen Kindle im Rahmen eines Pilotprogramms samt Zeitungsabo anbieten. Ich möchte wetten, das wird ein gewaltiger Flop!

Zeitungen auf dem Kindle sind nämlich kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Wenn jahrzehntelang Zeitungslesen nur auf dem Kindle möglich gewesen wäre und jetzt würde jemand erstmals Zeitungen auf Papier drucken, man würde das Papier als eine grandiose Erfindung feiern! Zeitungslesen auf dem Kindle ist etwa so, als wenn man nach Einführung von High-Definition TV noch alte schwarz-weiß Fernseher verkaufen wollte.

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Sonntag 03. Mai 2009 20:11

Der unaufhaltsame Aufstieg von „Hulu“

Wenn man zur Zeit das Mediengeschäft in den USA betrachtet, findet man jede Menge Verlierer. Aber es gibt auch Ausnahmen. Eine davon ist die im November 2007 gestartete Videoplattform „Hulu“, die in den USA inzwischen 9 Millionen Fans hat und die man mit ein paar Tricks auch in Deutschland sehen kann. Und Hulu wird immer attraktiver. Bisher war die Site ein Gemeinschaftsunternehmen von NBC Universal und  Murdochs News Corp., jetzt steigt auch noch der Disney-Konzern ein.

Damit machen drei Medien-Giganten gemeinsame Sache im Internet, von den vier Networks fehlt jetzt nur noch CBS. Das „Wall Street Journal“ spricht dann auch von einem „major step to reshape the Web-TV landscape“. 

Welche Macht und welche Möglichkeiten hier zusammenkommen, wird schnell klar, wenn man sich den Background der Player ansieht: 

- NBC Universal ist ein Zusammenschluss von NBC und der Unterhaltungsbranche von Vivendi. 80% der Anteile liegen bei GE, die restlichen 20% bei Vivendi. Hier werden z.B. die TV-Sender NBC, CNBC und MSNBC kontrolliert. 

- die Fox Entertainment Group ist ein Teil von Rupert Murdochs News Corp. Der erst 1986 gegründete Sender ist mit den „Simpsons“ groß geworden und hat CBS in der Saison 2007/08 als populärstes Network verdrängt. Zur Fox-Gruppe gehören noch Fox News, Fox Sports, Fox Kids und der wenig erfolgreiche Fox Business Channel. 

- Disney, nach Marktkapitalisierung der größte Medienkonzern der Welt, steht im Fernsehbereich nicht nur für den Disney-Channel, sondern vor allem für das Network ABC mit ABC News, ABC Family und ABC Kids und für den Sportsender ESPN. 

Jeder dieser drei Medien-Konzerne soll, wenn das Kartellamt mitspielt, 27,5% an Hulu halten, die restlichen Anteile verbleiben bei der Private Equity-Firma Providence und einigen führende Hulu-Mitarbeitern. Mit dem Disney-Einstieg wird man bei Hulu in Zukunft nicht nur ABC-Serie wie „Lost“ oder „Grey’s Anatomy“ sehen können, sondern auch große Teile vom Disney-Archiv. Nicht eingeschlossen sind allerdings die Erfolgsserien „Hannah Montana“ und „High School Musical“. Hier will Disney offensichtlich auf die in den USA so mächtigen Kabelbetreiber Rücksicht nehmen. 

Für Disney bedeutet dieser Schritt „a shift in its digital strategy“. Die Gründe liegen auf der Hand: 

  • die TV-Networks haben entdeckt, dass eine One-Stop-Site, bei der man alle Serien und Filme findet, für die Konsumenten attraktiver ist als die einzelnen Webseiten der Networks selbst. Während Hulu in kurzer Zeit schon fast 9 Mio. Unique Visitors hat, schafft die viel ältere Site abc.com nur 6,9 Mio.
  • Über Hulu erreicht Disney neue, deutlich jüngere Zielgruppen. Hulu wird z.B. eher von Männern (56%) gesehen, während die Network-Site abc.com einen Frauenanteil von 66% hat.
  • Im Gegensatz etwa zum altmodisch wirkenden YouTube verkörpert Hulu das Fernsehen von morgen. Die Flash-basierte Site ist modern gemacht, bietet erstklassige Qualität und wird von Werbekunden geliebt. An dieser Erfolgsstory will Disney teilhaben.
  • Hulu hat glänzende Perspektiven. Richtig abheben dürfte die Site erst, wenn man Internet-Sites auch auf dem Fernsehschirm sehen kann. Dann wird Hulu jedem Videorecorder, bzw. Festplattenrecorder überlegen sein, weil die Site ein gigantisches Archiv bietet und dabei sehr einfach zu bedienen ist.

Ich glaube, Hulu hat das Zeug, weltweit eines der erfolgreichsten Angebote im Internet zu werden. Die Seite ist viel leichter zu kommerzialisieren als große Namen wie YouTube, Facebook oder MySpace.  

Bitter ist diese Entwicklung für Google, die für YouTube 1,65 Mrd. Dollar bezahlt haben und es in fast 3 Jahren nicht geschafft haben, für ihre Videoplattform so etwas wie ein Geschäftsmodell zu finden. Die Startkosten von Hulu betrugen dagegen „nur“ 100 Mio. Dollar. In den USA gehen Gerüchte um, YouTube würde bei 200 Mio. Werbeeinnahmen in diesem Jahr fast 500 Mio. Dollar verlieren. Und das ist auch für Google kein Kleingeld, besonders in Zeiten der Rezession. 

Der Suchmaschinen-Gigant kommt deshalb immer mehr unter Druck, auf YouTube verstärkt Premium-Content anzubieten. Aber solange Google nur einen Anteil der Werbeeinnahmen an YouTube bietet, aber keine Equity Shares, ist das für die TV-Networks nicht interessant. Darüber hinaus: wer beteiligt sich an einem Unternehmen, das 500 Mio. Dollar im Jahr verliert und dessen Hauptcontent, die vielen Amateurfilme, bei den Werbetreibenden unbeliebt ist. 

In Mountain View dürften die nächsten Wochen etliche Krisensitzungen anberaumt werden.

PS. Wie aggressiv für Hulu geworben wird, zeigt ein neuer Werbespot mit Denis Leary („Rescue me“), der sich über „Tweety-Pages“ und „Facey-Spaces“ lustig macht. Dieser Spot hatte am Wochenende im US-Fernsehen Premiere:

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Kategorie: Internet

Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 

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