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Mittwoch 28. Januar 2009 18:27

Deloitte-Prognose zur Medien-Entwicklung

Ganz schön spät dran: Normalerweise erscheinen Jahres-Prognosen zum Jahreswechsel. Deloitte, die in über 140 Ländern agierende Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, hat sich gehörig verspätet. Dafür sind die vor ein paar Tagen veröffentlichten „2009 Global Predictions for Media“ eine wirklich lohnende Lektüre. Die Deloitte-Studie geht weit über das zur Zeit übliche Krisengerede hinaus. 2009 boomen Fernsehen, Mobile Werbung und 3-D-Filme.  

Zwar schreibt auch Deloitte zunächst, dass die Verlagsbranche ein neues Geschäftsmodell benötige und sieht Chancen für Online Only-Publikationen, kommt dann aber mit einigen Trends, die man anderswo noch nicht unbedingt hat lesen können:

  • Mobile Advertising wird immer beliebter

Während sich das Werbeklima weltweit verschlechtern würde und man vielerorts zweistellige Rückgänge erwartet, könnte 2009 das Jahr der Werbung auf dem Handy werden. Deloitte: „There is a more mature understanding of what mobile can and cannot deliver in advertising“. Als Vorbild gilt die Text Messaging-Kampagne von Barack Obama.

  • 2009 wird mehr ferngesehen

Dieses Jahr könnten wir laut Deloitte eine Renaissance vom Fernsehen erleben. Als Grund wird angegeben, dass sich die Zuschauer bei all den Wirtschaftskrisen nach Ablenkung sehnen. Und selbst das Pay TV wird davon profitieren, weil es im Vergleich zum Restaurant-, Kino- oder Theaterbesuch noch immer preiswert ist. Im Schnitt erwartet Deloitte, dass Konsumenten in der Woche 30 Minuten mehr fernsehen.

  • Das kostenlose Uploaden von User Content geht zu Ende 

Das Vorhalten eingesandten Videos wird für die Webseiten immer teuer. Die größten Sites würden dafür pro Jahr über 100 Mio. Dollar aufwenden, ohne dies im ausreichenden Maße refinanzieren zu können. Das Problem ist bekannt: Anzeigenkunden stehen ungerne neben User Generated Content, weil sie Angst haben, dass die Inhalte nicht genügend kontrolliert werden 

  • Kinofilme in 3 D sind im Kommen

In Hollywood werden immer mehr Filme in 3 D-gedreht. Dadurch bietet das Kino einen größeren Unterhaltungswert und setzt sich mehr vom Fernseher und Computer ab. Einige bekannte Regisseure würden ihre nächsten Film in 3 D planen. Ein Problem sei allerdings, dass viele Kinos solche Filme nicht abspielen können und dafür in neue Technik investieren müssen. Und das sei in dem momentanen wirtschaftlichen Klima nicht einfach.

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Kategorie: Internet, Fernsehen, Werbung

Montag 26. Januar 2009 09:31

Printed Blog: „Internet saves newspaper“

Schwierige Zeiten produzieren interessante Ideen. Morgen hat in Chicago und San Francisco eine Gratis-Zeitung Premiere, deren Inhalt ausschließlich aus Blogs recycelt wird. „The Printed Blog“ heißt das Unternehmen und bezeichnet sich als „a revolutionary newspaper that reads and functions like a web feed – yet can still be enjoyed on the train and spreads across the breakfast table“. 

Dass Print-Inhalte ins Internet wandern, ist nichts Neues. Joshua Karp, ein Software-Experte, wills jetzt einmal andersrum versuchen. „Why hasn’t anyone tried to take the best web content and bring it offline?“  Er überschreibt seine Pressemeldung reichlich großspurig mit „Internet saves Newspaper“

Der Schwerpunkt der neuen Gratis-Zeitung liegt auf lokaler Berichterstattung, finanzieren soll sie sich durch lokale Werbung. Zunächst startet „The Printed Blog“ auf Wochenbasis, aber Karp hat ambitionierte Pläne: Er träumt davon, dass seine Zeitung einmal über ganz Amerika in hundert von verschiedenen Ausgaben erscheint, möglichst sogar zweimal am Tag.  

Die „New York Times“ berichtet, Karp habe sich zum Start immerhin die Unterstützung von 300 Bloggern sichern können, die einen Share an den Anzeigeneinnahmen erhalten. Attraktiver als die paar Cents dürfte für die Blogger dabei die kostenlose Werbung sein. 

Die Zeitung besteht aus 6 Seiten im Format 11x17 Inches (28x44 cm) und macht auf den ersten Blick einen durchaus ansehnlichen Eindruck. Verteilt soll sie morgen zunächst an drei Bahnstationen in Chicago und San Francisco sein. Eine New Yorker-Ausgabe soll in Kürze folgen.  

So interessant sich dieses Experiment anhört, in der Praxis stellen sich viele Fragenzeichen: 

  • Gratiszeitungen leben vom Anzeigeneinnahmen. Kann eine Zeitung mit einer simplen Zweitverwertung von Blogartikeln genügend Anzeigenkunden überzeugen? Wirkt eine Zeitung ohne eigene Redaktion nicht etwas seltsam?
  • Auch wenn Karp keine Redaktionskosten hat, er muss immer noch für Papier, Druck und Distribution zahlen. Und hat Verwaltungsaufwand. Es wird nicht leicht werden, diese Kosten mit Anzeigen wieder einzuspielen. 
  • Es hat in den letzten 20 Jahren wohl kaum einen schlechteren Zeitpunkt gegeben, ein innovatives Medienprojekt zu starten. Das Unternehmen hat angeblich nur 12.000 Dollar Eigenkapital und hofft bei ersten Erfolgen auf Venture Capital. Aber ob Risikokapitalgeber in der heutigen Zeit eine Zeitung unterstützen, erscheint sehr fragwürdig. 

Auch wenn dieses Projekt aus diesen Gründen vermutlich scheitern wird,  es ist ein interessanter Ansatz. Ich kann mir vorstellen, dass man in den nächsten Jahren mehr zum Thema „From Web to Print“ hören wird.

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Kategorie: Internet, Print

Donnerstag 22. Januar 2009 10:19

Die Probleme des Michael Arrington

Müde, verbittert und frustriert: so beschreiben Freunde inzwischen den bekanntesten Tech-Blogger der Welt. Die Ränder unter den Augen sprechen eine deutliche Sprache. Michael Arrington hat lange über die Millionen-Deals der Szene geschrieben, selbst aber den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf seines „TechCrunch“-Imperiums verpasst. Mit dem Niedergang des Web 2.0 kommen schwere Zeiten auf ihn zu. Wieder einmal bestätigt sich: Blogs haben inzwischen zwar einen immensen Einfluss, sie sind aber auch schwer verkäuflich.

In Atherton, 40 Minuten südlich von San Francisco, ist nicht viel los. Ein eher verschlafenes Örtchen mit viel Grün, das zu den reichsten Gemeinden Amerikas zählt. Eric E. Schmidt lebt hier, der CEO von Google. Und Meg Whitman, die ehemalige Chefin von Ebay. Von Atherton ist es ein Katzensprung nach Palo Alto, wo rund um die Stanford University Hunderte von Internet-Start-ups sitzen. Zum Beispiel Facebook oder direkt gegenüber Ning. Zu Google nach Mountain View fährt man zehn Minuten.

Michael Arrington, der hier mitten im Silicon Valley sitzt, ist einer der bestinformierten Internet-Experten der Welt, sein "TechCrunch" mit über 1 Mio RSS-Abonnenten die Bibel der amerikanischen Start-up-Szene. "He's smart, sourced up, and ahead of the curvel. He is a textbook example of how to turn intelligence, tenacity and arrogance into an Internet brand" ("Wired").

Aus dem 2005 gestarteten Solo-Blog ist längst ein kleines Medien-Imperium geworden, aus dem ehemaligen Justitiar ein "Serial Entrepreneur". Im TechCrunch-Network gibt es inzwischen eine englische, französische und japanische Ausgabe. "MobileCrunch" berichtet über Mobile Computing, "CrunchGear" über neue Produkte und Gadgets. "TalkCrunch" ist ein Podcast über Web 2.0, im "CrunchBoard" werden Jobs angeboten. Und einmal im Jahr veranstaltet Arrington in San Francisco die “TechCrunch50”, auf der sich Start-ups der Öffentlichkeit stellen. Über 1000 Web-Firmen wollten in den letzten Jahren dabei sein.

Arrington ist heute weit mehr als ein Journalist. Mal wird er "Gatekeeper", mal "Kingmaker" genannt. Vor allem ist er ein "Power Broker", der Unternehmen zusammenbringt. "Between any two companies in Silicon Valley, there's probably a path to them through Arrington", berichtet ein Beobachter. “Time” zählte ihn im letzten Jahr zu den "100 Most Influential People in the World" - neben Barack Obama, Hillary Clinton, Rupert Murdoch und Steve Jobs.

Aber Vorsicht: Ein Arrington ist nicht leicht zu nehmen, er kann arrogant und aufbrausend sein. Die "Los Angeles Times" nannte ihn "an animal" und "Silicon’s Valley wild man". Der fast zwei Meter große Single ist vor allem chronisch überarbeitet, "a large man on the verge of losing his cool. He is prone to excess and uncontrolled outbursts – of temper, partying and work" ("Wired").

Dreieinhalb Jahre tägliches Bloggen, häufig bis spät nach Mitternacht, haben Arrington müde gemacht. Unheimlich müde. Und manchmal depressiv, berichten Freunde. Die Ränder unter den Augen sprechen eine deutliche Sprache. Das Web 2.0, das er wie kein anderer verkörperte, liegt im Sterben. “Fallen off a cliff”, würde er sagen.

Wie dünn mittlerweile seine Nerven geworden sind, zeigte jüngst ein lächerlicher Auftritt auf der LeWeb-Konferenz in Paris. Dort empfahl er den Europäern, nicht zwei Stunden Mittag zu essen, sondern lieber etwas mehr zu arbeiten. Und im Anschluss legte er sich mit dem Organisator an…

Seit langem will Arrington sein Blog-Imperium verkaufen. Aber er findet einfach keinen Käufer, wenigstens nicht zu seinen Preisvorstellungen. Das Problem: wer kauft schon ein Blog, das so vom Engagement des Gründers abhängt wie TechCrunch? „We’re worried about buying it and him leaving, we’re worried about buying it and him staying“, sagte ein Kaufinteressent.

20 bis 30 Millionen Dollar hätte AOL im letzten Sommer geboten, heißt es. Arrington war das zu wenig. Ein folgenschwerer Fehler. Danach hat Arrington mit Murdochs Fox Interactive geflirtet, aber auch daraus wurde nichts. Jetzt ist in den USA die Rezession da, und die Preise für Internet-Companies sind dramatisch gesunken. Was Arringtons Unternehmen heute wert ist? Vielleicht 3 bis 5 Millionen Dollar, wenn er Glück hat. Das ist herzlich wenig für jemanden, der von 100 Millionen Dollar und mehr geträumt hat. Und ständig über Milliarden-Deals von anderen geschrieben hat.

Immer wieder sagt er im kleinen Kreis, er sehne sich nach Hawaii. Wolle mit dem ganzen Tech-Kram nichts mehr zu tun haben. Verbittert und frustriert bezeichnen ihn Weggefährten heute. Die Konkurrenz von "ValleyWag" nennt ihn einen „Has been“ und fügt ein respektlos hinzu: „It’s over“.
Das ist sicherlich Wunschdenken, aber Arrington macht den Eindruck eines Sprinters, der gerade gemerkt hat, dass er eine Marathonstrecke bewältigen muss.

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Kategorie: Silicon Valley

Montag 19. Januar 2009 08:42

TimeWarner schon bald ohne Zeitschriften?

Was sind das nur für Zeiten? Die „New York Times“, für viele die „beste Zeitung der Welt“, kämpft ums Überleben, und der zweite große Name im US-Mediengeschäft, der TimeWarner-Konzern überlegt, sich komplett aus dem Verlags-Geschäft zurückzuziehen. CEO Jeff Bewkes kündigte gerade an, dass man die Zeitschriften-Sparte verkaufen wird, wenn sie nicht weiter wächst. Bei der aktuellen Marktlage ein fast unmögliches Unterfangen. So könnte sogar Time.Inc bald einen neuen Besitzer bekommen.

So hat CEO Jeff Bewkes letzten Freitag in New York auf einem Shareholder Meeting gesagt: „We have told investors regulary that we need earnings growth in all our divisions, not flatness, to sustain a public stock. So we need the publishing business to be growing earnings at a clip that can satisfy shareholders, or it has to be monitized in another way“. Auf deutsch: wenn die Zeitschriften-Sparte von TimeWarner  nicht wächst, dann wird sie verkauft.  

Das Wort „flatness“ im Zusammenhang mit dem Verlagsgeschäft zu gebrauchen ist dabei schon fast geprahlt. Insider wissen, dass viele Zeitschriften – nicht nur in den USA – mittlerweile jährliche 10% und mehr an Umsatz verlieren. Und das wird sich sobald kaum ändern. Deshalb ist ein Verkauf von Time Inc., dem größten Zeitschriften-Verlag der USA, durchaus wahrscheinlich. Time-Warner stände dann ohne Flaggschiff „Time“ da und könnte eigentlich mal wieder seinen Namen ändern. 

Von 2001-2003 hießt der Konzern ja „AOL TimeWarner“. Das erinnert an die missglückte Fusion mit AOL, wegen der man 2001 einen Verlust von 99 Mrd. Dollar ausweisen musste. Und die Probleme mit AOL sind für TimeWarner noch heute nicht gelöst. Diverse Fusionsgespräche mit Yahoo liefen im letzten Jahr ins Leere.  

So passt es ins Bild, daß TimeWarner für das Geschäftsjahr 2008 wohl einen Verlust bilanzieren muss. Grund sind einmalige Abschreibungen in Höhe von 25 Mrd. Dollar. Genaue Zahlen gibt es Anfang Februar auf der Bilanzpräsentation. 2007 hatte man noch einen Gewinn von rund 9 Mrd. Dollar gemacht.  

TimeWarner galt lange Zeit als der größte Medienkonzern der Welt. In den Statistiken vom Werbemagazin „AdAge“ hat der Konzern seit 1995 stets den ersten Platz innegehabt. Das wird sich aber demnächst ändern, wenn sich das Unternehmen von seiner börsennotierten Tochter TimeWarner Cable trennt, an der man 84% hält. Dann wird der Telekommunikationskonzern Comcast Corp. die Top-Postion unter den Medienkonzerne übernehmen.  

TimeWarner in den letzten 10 Jahren ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. Und es dürfte für Bewkes auch nicht so leicht werden, den „Publishing Arm“ zu einem akzeptablen Preis zu verkaufen. Zwar sind im Time Inc-Portfolio hochprofitable Magazine wie „People“ oder „Instyle“, aber schon bei der Rentabilität von Flaggschiff „Time“ werden jedem Interessenten Fragezeichen kommen.

Um die Chancen zu verbessern, will Bewkes mit einem Verkauf der Zeitschriften-Tochter wohl warten, bis die Rezessions in den USA überwunden ist.  

TimeWarner ohne Time Inc. - das wäre dann wie Bertelsmann ohne Gruner+Jahr. Aber auch das erscheint heute ja gar nicht mehr so unmöglich...

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Kategorie: Print

Mittwoch 14. Januar 2009 09:42

Traurige Jahresbilanz bei US-Zeitschriften

Nach der gestern veröffentlichten Statistik des Publishers Information Bureau haben US-Zeitschriften im letzten Jahr 11,7% im Anzeigengeschäft verloren – und die Aussichten für 2009 sind alles andere als gut. 

„Many publishers would like to forget 2008 ever happened“, meint das Branchenmagazin „Folio“. Und das Werbemagazin „Adweek“ schreibt: „These numbers confirmed the pain that publishers have been feeling for the last 12 months“. 

Bei genauerer Betrachtung sehen die Zahlen sogar noch schlimmer aus: die 11,7% bezieht sich nämlich nur auf die Anzahl der Anzeigenseiten. Insider gehen davon aus, dass die Anzeigenerlöse (also das Geld, das die Verlage in die Kasse bekommen) noch deutlich stärker gefallen sind. Zwar sind die offiziellen Preise in den „Rate Cards“ über das Jahr nur um 7,8 Prozent zurückgegangen, aber das sagt nichts darüber aus, welche Rabatte die Verlage hinter den Kulissen gegeben haben. Bei den immensen Wirtschaftsproblemen in den USA kann man davon ausgehen, dass die Rabatte immens gewesen sind. Und dass die Verlage deshalb unter dem Strich noch mehr als nur 11,7% verloren haben. 

Auffallend bei den gerade veröffentlichten Zahlen sind folgende Entwicklungen: 

  • das vierte Quartal war besonders schlimm. So fielen die Anzeigenseiten von Oktober bis Dezember sogar um 17,1% gegenüber dem Vorjahr. 
  • alle 12 großen „Ad categories“, die 85% des Werbevolumens in Print-Magazinen ausmachen, haben verloren. Es gibt darunter keinen Gewinner.
  • Am schlimmsten hat es die Auto-Industrie erwischt. Sie hat im Vergleich zum Vorjahr 24% weniger Anzeigen geschaltet. Aber auch der Finanz- und Immobiliensektor hat 17% weniger geworben, wobei der Rückgang im 4. Quartal sogar über 36% betrug.

Die meisten Anzeigenseiten verkaufte das TimeWarner-Blatt „People“ (3422 Seiten, das macht ein Minus von 12%), die Sonntags-Beilage der „New York Times“ landete auf Platz 2 (3379 Seiten). Und das „New York Magazine“ – für mich die bestgemachte Zeitschrift der USA – schaffte 3134 Seiten, was nur ein Minus von 6,3% bedeutet. Redaktionelle Qualität scheint sich also auch in der Krise auszuzahlen. 

Hier noch die Minuszahlen von ein weiteren paar prominente Zeitschriften: 

Time                      -  19,1%

Newsweek             -  19,0%

BusinessWeek       -  16,1%

Vanity Fair          -    15,5%

Vogue                  -      9,7% 

Wer mehr wissen will, dem sei die Statistik der „Magazine Publishers of America“, der MPA empfohlen. 

Kurzes Fazit: Was in den USA das Zeitschriften-Geschäft so desaströs macht, ist die Tatsache, dass nicht nur der Anzeigensektor, sondern auch der Vertriebsmarkt stark rückläufig ist. In beiden Märkten verlieren die Verlage zweistellige Prozentsätze. Und das wird auch in diesem Jahr nicht besser sein. Es wäre deshalb ein Wunder, wenn 2009 in den USA nicht das Jahr des großen Zeitschriften-Sterben wird. 

In Deutschland dagegen sieht es für Zeitschriften nicht ganz so schlimm aus. Zwar ist auch von Kiel bis Konstanz der Anzeigenmarkt schwach, aber der Vertriebsmarkt ist vergleichsweise stabil. Und den Verlagen gelingt es, mit Copypreis-Erhöhungen (die in den USA undenkbar wären) einige Probleme auszugleichen. Und so bleibt ihnen mehr Zeit, auf den weltweiten Trend der Digitalisierung zu reagieren.

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Kategorie: Print

Samstag 10. Januar 2009 12:18

Zeitungssterben: Tränen in Seattle

In den USA geht das Zeitungssterben weiter. Hearst, immerhin einer der größten Medienkonzerne der Welt, hat bekannt gegeben, dass man die „Seattle PI“ zum Verkauf stellen werde. 60 Tage wolle man versuchen, einen Käufer zu finden. Wenn das nicht klappt, werde man die Zeitung nur noch online erscheinen lassen – oder sogar ganz einstellen. Die „Seattle PI“ ist die älteste Zeitung in Washington State. 1863 wurde sie gegründet, 1921 von William Randoph Hearst übernommen.

Seit über acht Jahrzehnten gehört "Seattle PI" jetzt zum Hearst Konzern, der mit über 7 Mrd. Dollar Umsatz und 20.000 Mitarbeitern einer der Big Player im US-Mediengeschäft ist.

Am Freitag gegen Mittag gab der Hearst Konzern bekannt, dass man die Zeitung zum Verkauf stellen werde. 60 Tage wolle man versuchen, einen Käufer zu finden. Wenn das nicht klappt, müsse man andere Optionen wahrnehmen. Entweder will man dann die Printausgabe einstellen und - mit verkleinerter Mannschaft - nur noch im Internet weitermachen, oder man will "Seattle PI" sogar ganz sterben lassen, samt Online-Auftritt.

„One thing is clear: at the end of the sale process, we do not see ourselves publishing in print“, sagte Steven Swartz, der aus New York eingeflogene Zeitungs-Vorstand von Hearst, vor versammelter Belegschaft. Die Gründe für diesen Entschluß seien ausschließlich finanzieller Art. Seit 2000 hätte die „PI“ – die Abkürzung steht für „Post Intelligencer“ – nur noch Geld verloren. 14 Mio. Dollar sollen die Verluste alleine im letzten Jahr betragen haben. Und sie würden in der Zukunft eher größer als kleiner werden...

Laut Swartz sei Hearst auch nicht daran interessiert, den Konkurrenten „Seattle Times“ zu kaufen und dann die beiden Zeitungen zusammenzulegen. Darüber war die letzten Jahre viel spekuliert worden. Während die "PI" nur noch 120.000 Exemplare verkauft, liegt die Auflage der Seattle Times immerhin noch bei rund 200.000.

Die Chancen, einen Käufer zu finden, sind gering. Im letzten Jahr wurden in den USA bereits einige Zeitungen zum Verkauf angeboten, die allesamt ohne Interessenten blieben. Darunter sind bekannte Blätter wie die „Chicago Sun-Times“, „The Union Tribune of San Dieg“ und „The Miami Herald“.

Als Swartz am Freitag in der Redaktion sprach, flossen Tränen. Swartz weigerte sich, Fragen zu beantworten. Später sagte er lediglich: „This is awful, awful, awful. I was just standing there looking around all these people I love to work with. I don’t want this to happen to me or them“.


Hier das Video der Ankündigung von Steven Swartz

 

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Dirk Manthey
ist Herausgeber von MEEDIA. Er hat früher die Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "MAX", "Fit for Fun") gegründet und lebt heute in Kalifornien.

 

 

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