Das ging dann doch schneller als erwartet: Nur einen Monat nach den USA startet Apple sein neues Angebot iTunes Match auch in Deutschland. Für 24,99 Euro sorgt der Dienst für einen Musikabgleich für bis zu zehn Geräte. Dazu vergleicht iTunes Match die Lieder auf den Festplatten der Geräte mit der eigenen Datenbank. Was iTunes nicht kennt, wird zum Server hochgeladen. Somit steht, wie bereits bei Apps und Büchern, jeder Titel zum Download auf iPhone, iPad, iPod und Computern bereit.
Neben dem Vorteil, nicht tausende Musiktitel auf einen Server hochladen zu müssen, wie beim Cloud Drive von Amazon oder Music von Google, ist die Freischaltung aller Lieder in der Musiksammlung. Da fragt keiner mehr nach den Quellen, die mögen grau bis tiefschwarz gewesen sein, egal, Schwamm drüber. Apple schaltet die Songs in besserer Qualität (AAC-Version mit 256 Kbit/s), kopierschutzfrei (DRM free) mit Cover-Abbildung und allen Angaben zum Album (ID-3 Tags) frei.
Das müssen harte Verhandlungen mit den Musikverlagen bzw. der GEMA in Deutschland gewesen sein. Doch kein Wort dazu bei der Rechteverwertungsgesellschaft - auch bei Apple Deutschland gibt es kein offizielles Wort zum neuen Angebot. Eventuell hat die Einigung zwischen dem Hightech-Verband Bitkom und der GEMA von Anfang Dezember den entscheidenden Durchbruch gebracht.
Der Dienst scheint gut angenommen zu werden, ich konnte in den ersten Versuchen nicht mal meine Apple-ID eingeben. Jetzt hat es geklappt. Nach der Anmeldung in iTunes auf einem Rechner muss man auf dem iPhone in den Einstellungen unter „Musik“ iTunes Match aktivieren. Unter Einstellungen/Store wird der automatische Download aktiviert. Wenn man beispielsweise ein Lied auf dem iPad kauft, wird es automatisch – bei einer Datenverbindung und identischer Apple-ID – auch auf das iPhone heruntergeladen. Dieser Abgleich funktioniert auch mit Apps und eBooks. Die Nutzer können allerdings noch festlegen, ob ein Download auch im Mobilfunknetz (Mobile Daten) erfolgen soll. Wer ein Datenlimit hat (eigentlich fast alle), sollte unterwegs keine 300 MB Apps/Musiksammlungen/Bücherreihen herunterladen.
Laut Medienberichten müssen sich unsere Nachbarn in Österreich noch etwas gedulden. Ach ja, eine Einschränkung gibt es noch: bei 25.000 abgeglichenen Songs pro Jahr ist Schluss.
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Die Klagen und Beschwerden der Verlage treffen die Falschen. Nicht öffentlich-rechtliche Sender und Google bedrohen im Digitalen das Verlagsgeschäft, sondern profilierte Autoren. Die benötigen im Web keinen Verlag mehr. Wenn jetzt noch ein passender Aggregator für die nötige Werbevermarktung und Reichweite - eventuell sogar international - sorgt, haben die etablierten Verlage mit ihrer derzeitigen Haltung im Internet keine Zukunft.
Die Klagen und Beschwerden der Verlage treffen die Falschen. Nicht öffentlich-rechtliche Sender und Google bedrohen im Digitalen das Verlagsgeschäft, sondern profilierte Autoren. Die benötigen im Web keinen Verlag mehr. Wenn jetzt noch ein passender Aggregator für die nötige Werbevermarktung und Reichweite - eventuell sogar international - sorgt, haben die etablierten Verlage mit ihrer derzeitigen Haltung im Internet keine Zukunft.
Schon blöd, wenn man seine Wettbewerber nicht kennt. Die Klage der Verlage gegen die Tagesschau-App hat den falschen Adressaten. Gleiches gilt für Beschwerden bei der EU gegen Google. Auch mit Apps öffentlich-rechtlicher Sender verkaufen die Verlage nicht einen Banner weniger. Bei Google hat noch kein Angestellter eine Reportage oder eine Nachricht verfasst. Echter Wettbewerb erwächst den Verlagen durch Blogger. Der Begriff trifft leider nicht ganz, was ich meine. Doch der Einfachheit halber nutze ich ihn, um Journalisten, Kommunikations-Experten und Menschen, die sich bei einem Thema extrem gut auskennen, zu beschreiben. All diese Menschen veröffentlichen ihr Wissen und ihre Meinung mit einfachen Blogger-Werkzeugen.
Waren noch vor wenigen Dekaden kapitalintensive Druckereien und ein Presse-Vertrieb die Einstiegshürden für Massenpublikationen, sind es heute ein Webspace sowie eine Open Source Software für eine Hand voll Euros. Mit dem stetig wachsenden Publikum im Digitalen, ziehen diese Blogger Aufmerksamkeit von Verlagsangeboten ab. Zwar nutzt eine starke, etablierte Printmarke als Startkapital im Web, doch sie ist kein Garant für langfristigen Erfolg. Wenn die Frage zur Orchideen-Pflege bei einer Google-Suche auf ein Blog und nicht zu einem Verlagstitel führt, dann ist klar, wo beim nächsten Mal die Antwort gesucht wird. Dass nur fünf Prozent der Google-Suchtreffer aus Verlagen stammen, hat bestimmt nichts mit Manipulation seitens Google zu tun. Blogs liefern die relevanteren Antworten. Sie sind näher am Leben der Menschen und kennen die sich ergebenden Fragen zum Thema. Ausserdem beschäftigt sich ein Orchideen-, iPhone- oder Segel-Blogger intensiver mit der Materie, als es eine personell ausgedünnte Redaktion jemals könnte.
Das Zeitalter der Autoren
Würde sich nun der Politik-Experte der Welt, der Auto-Spezialist des stern und der iPhone-Guru der Computer-Bild mit einem Blog selbstständig machen, würden sie über kurz oder lang ihre Leserschaft finden, ganz ohne Verlag. Ich weiss wo von ich schreibe, denn ich blogge als gelernter Wirtschaftsjournalist seit vier Jahren über das iPhone und neuerdings auch über Android und andere Gadgets. Die Leserschaft findet sich, wenn die Artikel Relevanz haben, gleiches gilt für die Werbeeinnahmen. Ohne Akquise kamen Bannerbuchungen aus Deutschland, Frankreich und China. Nur der Umfang der Einnahmen ist bislang ein Problem der Blogger. Meine Webseiten erzielen nur knapp ein Drittel meiner Einnahmen als freiberuflicher Autor. Das sieht in den USA bereits anders aus. Allein die Kaufsummen im Millionenbereich von Seiten wie Techcrunch oder der Huffington Post durch AOL sprechen eine deutliche Sprache. Inhalte sind wichtiger Treibstoff im Web.
Aggregatoren gesucht
Solche Übernahmen werden wir hierzulande wohl kaum sehen. Dafür tut sich einiges auf dem Werbemarkt. Den Werbetreibenden ist es egal, ob sie ihr Publikum auf einer Verlagsseite oder in einem Blog erreichen. Ich bin kürzlich einem vertikalen Werbenetzwerk beigetreten, die themenverwandte Seiten bündeln und durch AGOF und IVW-Mitgliedschaft (Auflagen-TÜV) den Werbekunden Buchungsrelevanz vermitteln.
Würde eine Aggregator nun auch die Inhalte der Blogger sinnvoll bündeln, hätten sie schnell die Relevanz grosser Medienangebote. Eigentlich eine perfekte Aufgabe für die deutschen Verlage, doch eine Realisierung bezweifle ich. Die Verleger sitzen auf einem zu hohen Ross. Sie sehen sich als die Herren der Deutungs- und Distributionshoheit sämtlicher Inhalte. Dass sie die digitale Welt noch nicht verstanden haben, belegen gerade die von Doppelmoral geprägte Debatte um Leistungsschutzrechte sowie die Klagen gegen Google und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Natürlich müssen ARD und ZDF Informationen digital verbreiten können - auch in Form von Apps.
Kostenpflichtige Zeitungs-Apps funktionieren nicht
Die Verlage sind gegen kostenlose Tagesschau- oder heute-Apps, weil sie ihre verkaufen wollen. Ein weiterer Irrglaube. Es werden nur wenige Menschen bereit sein, für Bild-, stern- Welt- und Bunte-Apps zu zahlen. Es wird immer einen Zweiten geben, der die Informationen kostenlos anbietet, mal abgesehen von Nachrichtenagenturen. Insbesondere weil die meisten Absender der Informationen an einer breiten Streuung interessiert sind. Nur für exklusive oder extrem nutzwertige Fachinformationen wird ein Konsument den Geldbeutel öffnen. Derartige Apps lassen sich an zwei Händen abzählen.
App-Store für Artikel
Spinnen wir mal ein wenig: Google ändert plötzlich seine Strategie und agiert als Aggregator für professionelle Bloginhalte. Die Werbeeinnahmen teilt Google mit den Autoren. So ein News-Portal wäre natürlich gleich international. Die Übersetzungstools von Google sind bestimmt bald so weit, dass ein deutschsprachiger Beitrag zur Blumenzucht oder zum Atomausstieg in vierzehn Ländern veröffentlicht werden kann. Entsprechend hoch wäre am Monatsende die Abrechnung für den Autor. Technisch und finanziell wäre ein App-Store für Artikel ein Klacks für Google, Apple oder ein börsennotiertes Facebook.
Was für die deutenden Verlage bleibt: Sie sollten ihr Printgeschäft noch so lange fortführen wie es eben geht, im Digitalen haben sie mit ihrer derzeitigen Haltung kaum eine Chance. Die Geldgeber sollten sich schon mal nach Alternativen umschauen.
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Apples Regeln für den App-Store sind willkürlich, das ist bekannt. Bei der App "Adolf Hitler SE" hätten die Amerikaner aber genauer hinschauen müssen. Das Angebot nutzt ein Bild des Nazi-Diktators und ein Hakenkreuz. Das ist in Deutschland verboten. Einzige Hintertür wäre, wenn die Abbildung "u a. der staatsbürgerlichen Aufklärung dient". Ob dies bei der englischsprachigen "Encyclopedia"-App (79 Cent) der Fall ist, scheint fragwürdig. Apple Deutschland will sich "das jetzt noch mal näher anschauen."
Screenshot aus dem App-Store
In der App-Beschreibung heißt es: “You can copy full text and full pictures, to paste and send by eMail…” Warum ein iPhone-Nutzer diese Texte versenden sollte, wird nicht erklärt.
Aufgrund des Bildes, des Namens oder der Inhalte könnte es sein, dass Apple Deutschland bald Ärger mit der Staatsanwaltschaft bekommt. Denn im Strafgesetzbuch Paragraf 86 (1) 4. Heißt es: “Wer Propagandamittel, die nach ihrem Inhalt dazu bestimmt sind, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen, im Inland verbreitet oder zur Verbreitung im Inland oder Ausland herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt oder in Datenspeichern öffentlich zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”
Auf Anfrage von der Webseite . http://www.iphone-fan.de/app-mit-hakenkreuz-im-deutschen-store/ sagt Apples Pressesprecher für Deutschland, Georg Albrecht: “Wir schauen uns das jetzt noch mal näher an.”
Die Zulassung der Apps geschieht in den USA, da kann es schon mal sein, dass einer der Prüfer die regionalen Gesetze nicht kennt. Dennoch sollte jede Landesniederlassung die Zentrale in Cupertino vorab auf derartige Stolpersteine aufmerksam machen.
Als Entwickler ist Hugo Henriquez angegeben. Ein Klick auf die Support-Seite führt zu Encyclopedia Suite, auf deren Homepage ist die App allerdings nicht aufgeführt. Da geht es um den menschlichen Körper, Geschichte und Architektur. Die Texte und Bilder in der App stammen größtenteils aus dem englischsprachigen Eintrag zu Adolf Hitler bei Wikipedia.
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Erst hat Real kein Glück und nun kommt auch noch Pech dazu. Nachdem am Wochenende in einem Prospekt der Fantasiepreis von 999 Euro für ein iPhone 4 stand und die Metro-Tochter schnell zurückrudern musste, um das Smartphone für 729 Euro zu verkaufen, folgt nun eine peinliche Rückrufaktion. Ein “Vorlieferant” habe dem iPhone ein falsches Netzteil beigelegt. “Danach besteht die Gefahr, dass das Netzteil überhitzen und unter ungünstigen Umständen Feuer fangen könnte”, heißt es in einer Unternehmensmeldung.

Das Real-Prospekt mit dem falschen Preis
Der Verkauf von Apple-Smartphones ist für die Metro-Tochter kein Neuland. Bereits Ende März gab es bei Real iPhones ganz ohne Vertrag und Simlock für 799 Euro. Dafür erhielten die Kunden die damals aktuelle Version 3GS mit dem größten Speicher von 32 GB plus einen 15-Euro-Gutschein für iTunes.
Der Erfolg der zweiten "Sonderposten"-Aktion hält sich nach Informationen von RP-Online jedoch in Grenzen. Bislang sollen bundesweit rund 600 Geräte über die Scannerkassen des Supermarktes gegangen sein. Inzwischen ist der Verkauf jedoch eingestellt worden. Die betroffenen Kunden können die Netzteile ab dem 10. November in jedem Real-Markt gegen ein Original-Netzteil umtauschen.
Wenn die Käufer erst jetzt ein Original-Netzteil von Real bekommen, woher stammen die iPhones? Nach Auskunft von Apple ist Real kein offizieller Vertriebspartner. Die Geräte stammen also vermutlich von einem Zwischenhändler und waren nie für Deutschland bestimmt. Ansonsten wäre ein Austausch der Netzteile nicht notwendig gewesen.
Von wegen „Einmal hin. Alles drin.“ iPhone-Käufer müssen nun mindestens ein zweites Mal in den Supermarkt. Also, Augen auf beim iPhone-Kauf.
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Apple-Boss Steve Jobs lieferte einen erstaunlichen Auftritt bei der gestrigen "Back to the Mac"-Veranstaltung. Er überlies die Bühne weitestgehend anderen, Manager und Entwickler durften die Neuheiten rund um Lion, die achte Version des Betriebssystems OS X, iLife 11, Face Time und das neue MacBook Air vorstellen. Macht da jemand Platz für potentielle Nachfolger? Der Zeitpunkt für einen Rückzug wäre ideal: Die Zahlen stimmen, die Produkte verkaufen sich und mit Apple TV wird das Unternehmen auch die Wohnzimmer erobern.
Back to the Mac - Der Titel gab Rätsel auf, doch nun ist klar, was gemeint war. Es ist ein Kreislauf. Apple hat seit 2007, der iPhone-Einführung, viel gelernt über berühungsempflindliche Bildschirme, Fingergesten und Menüführung. Der AppStore hat einen Standard für die Mobilfunkbranche gesetzt und die Freigabe der Entwicklerwerkzeuge (SDK) für das Smarphone war die genialste Entscheidung in der Unternehmensgeschichte. Über eine Viertel Million Apps belegen dies. Die Erfahrung mit dem iPhone floß in die Entwicklung des iPads. Damit hat Apple dem Segment des Tablets einen Kick-Start verpasst. Nun fließen die Erfahrungen der beiden mobilen Geräte in das neue Betriebssystem Lion ein. Es wird einen AppStore auf den Rechnern geben und die Fingergesten auf dem Trackpad kennt der Nutzer bereits vom iOS. Steve Jobs nennt es: OS X meets iPad.
Steve macht Platz
Der Apple-Boss hielt sich auffallend zurück. Das Intro mit dem “Wir-sind-die-Größten-und-Besten” übernahm COO Tim Cook. Die Neuheiten bei iLife 11durften die Produkt-Manager bzw. Entwickler vorstellen. Scott Forstall, Chef der iPhone-Software Abteilung, durfte zwar nicht auf die Bühne, wurde jedoch mehrfach im Publikum sitzend gezeigt. Der erste Face Time-Anruf vom Mac ging erstaunlicherweise nicht an Design-Guru Jonathan Ive, sondern an Marketingboss Phil Schiller. Der smarte Ive durfte erst später in einem Promo-Video das neue MacbookAir loben.
Früher gehörte die Bühne ganz allein Jobs. Nun darf spekuliert werden. Welcher der Herren ist der Kronprinz? Macht sich Jobs wirklich Gedanken über einen Nachfolger? Tim Cook hat den Laden bestens im Griff gehabt, als Jobs krankheitsbedingt ein halbes Jahr abwesend war. Schiller und Ive fehlt jedoch das Format eines visionären Firmenlenkers. Mein Tipp ist Forstall, Jobs scheint viel von ihm zu halten. Der 41-Jährige arbeitete bereits bei NeXt mit Jobs zusammen. 1997 kehrte Jobs zu Apple zurück, im gleichen Jahr kam Forstall nach Cupertino. Der Entwickler war maßgeblich an der Entwicklung von Mac OS X beteiligt. Heute verantwortet er als Senior Vice President of iPhone Software Engineering and Platform Experience das für Apple wichtige iOS – das Herz der mobilen Geräte.
Für Mac programmieren
Falls Steve den Staffelstab wirklich übergeben sollte, bekäme der Nachfolger einen perfekt laufenden Laden. Die gerade vermeldeten Umsatzzahlen sowie der Gewinn für das Geschäftsjahr 2010 waren hervorragend. Knapp 40 Millionen verkaufte iPhones und 13,7 Millionen Rechner. Das sind drei Mal so viele Computer wie im Jahr 2005. Der Erfolg von iPhone und iPad strahlt auch auf iMacs und Macbooks ab. Jeder fünfte verkaufte Rechner in den USA stammt von Apple. Das Unternehmen betreibt 318 eigene Läden in elf Ländern. Die meisten Produkte (57 Prozent) werden außerhalb der USA verkauft.
Mit diesem Erfolg wird es plötzlich für Entwickler attraktiv, für den Mac zu programmieren. Microsoft verkauft ab dem 26. Oktober 2010 seine Office 2011-Version. Erstmals kommt Outlook auf den Mac, das komplett in Cocoa entwickelt wurde. Autodesk, einer der führenden Anbieter für CAD-Software, wird seine Programme demnächst mactauglich machen. Weitere Branchen werden folgen. Spontan fallen mir die Hotellerie und die Steuerberatungs-Branche ein, die komplett in Windows-Hand sind. Sicher gibt es noch mehr, doch Anwender in diesen Branchen werden Mac-Software verlangen.
Darum ist es ein genialer Schachzug, den AppStore auf den Rechner zu bringen. Apple hat weltweit 600.000 registrierte Entwickler für Apps. Es kommen jeden Monat 30.000 weitere hinzu. Wer mit Apps auf dem iPhone oder iPad Geld verdient, kann das nun auch auf dem Rechner.
Face Time auf dem Mac
Ebenfalls genial ist die Veröffentlichung einer kostenlosen Beta-Version von Face Time für den Mac. Damit wird Videotelefonie am Rechner möglich. Während es weltweit 19 Millionen mobile Geräte mit Face Time (iPhones und iPod touch) gibt, nutzen 50 Millionen Anwender einen Mac-Rechner. Damit sollte endlich Schwung in die Anwendung kommen. Apple hatte bewusst die Technik als offenen Standard angelegt. Facebook, Skype oder andere Anbieter hätten Face Time schon längst integrieren können. Doch bislang blieb es erstaunlich ruhig um Apples-Videotelefonie.
Den Wettbewerb bei mobilen Betriebssystemen kann Apple nicht gegen Android gewinnen. Dazu nutzen zu viele Hersteller die Google-Software. Doch mit dem AppStore und FaceTime auf Computern hat Apple einen entscheidenden Schritt für Anwender, Entwickler und die eigene Zukunft getan.
Apropos Zukunft: Apple entdeckt die Social Networks. In iPhoto (Teil von iLife 11) kann man Bilder direkt zu flickr und Facebook hochladen, selbst die Kommentare der Freunde bei Facebook werden in iPhoto angezeigt. Auch iMovie bietet Optionen, Videos zu Facebook und YouTube hochzuladen. Die Apple-Begeisterung für Facebook ist auffällig, und damit erhält die Spekulation, Jobs sei an Mark Zuckerbergs Netzwerk interessiert, neue Nahrung. Ausreichend Barreserven für Übernahmen liegen in Apples Kasse (51 Milliarden Dollar).
Ruhe in Frieden: Festplatte und Maus
Wenn Neues kommt, muss Altes gehen. Apple beerdigt zwei langjährige Weggefährten: Die Maus und die Festplatte. Beim neuen MacBook Air setzt Apple auf Fingergesten zu Steuerung der Anwendungen. Da Programme mit OS X Lion wie auf einem iPhone oder iPad bedient werden, kann der Anwender Gesten mit bis zu drei Fingern einsetzen. Es gibt verschiedene Home-Bildschirme und Ordner, wie auf den mobilen Geräten. Auch die Menüleiste der Programme verschwindet, die Anwendungen werden im Vollbildmodus angezeigt – eben wie beim iPhone. Neue Programme installiert man über den AppStore.
Gespeichert werden Software und Daten in einem Flash-Speicher. Diekonventionelle Festplatte mit rotierenden Speicherscheiben und Schreibarm hat ausgedient. Die Vorteile liegen auf der Hand: die Speicherchips sind kleiner und leichter. Sie brauchen keinen Lüfter. Sie sind robuster für den mobilen Einsatz. Der Rechner ist sofort betriebsbereit und sie schreiben Daten doppelt so schnell in ihren Speicher wie herkömmliche Festplatten.
Annäherung
Mit dem iPad wurde das iPhone größer, mit dem neuen MacBook Air wird der Laptop kleiner. Wer noch etwas zum Aufklappen und mit Tastatur möchte, bekommt mit dem gerade mal ein Kilogramm schweren und 1,7 Zentimeter dicken (an der dicksten Stelle) Laptop ein mobiles Arbeitsgerät. Mit dem Verzicht auf ein DVD-Laufwerk und dem Wechsel auf Flash-Speicher (64 bis 256 GB) setzt Apple neue Maßstäbe in der Branche.
Würde Jobs jetzt abdanken und einen Nachfolger benennen, würde er unsterblich werden – zumindest in der Firmen-Chronik. Er hat mit dem iPhone der Mobilfunkbranche gezeigt, wo der “Hammer hängt”. Das Geschäft mit den Rechnern läuft mehr als nur ordentlich und mit Apple TV zeigt er gerade, wie die Zukunft im Wohnzimmer aussieht. Eigentlich wäre es ein perfekter Zeitpunkt für den Rücktritt.
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Doch die Norddeutschen im Alstertal-Einkaufszentrum im Hamburger Norden geben sich eher verhalten. Sie schauen den jubelnden und klatschenden Verkäufern (alle in blauen T-Shirts) interessiert zu, wie sie eine Welle nach der anderen machten. In dem breiten Gang des Einkaufstempels warten schätzungsweise 500 Menschen, brav in einer Reihe, die von Sicherheitspersonal beäugt wird. Die Männerquote liegt bei geschätzten 98 Prozent. Die Leute sind aus Eckernförde, Kiel und sogar Dänemark angereist. Um Punkt 8 Uhr dürfen die Ersten in den Laden. Eine Mitarbeiterin erfragt am Eingang den Modell-Wunsch, dann kommt ein weiterer Mitarbeiter, der sich mit Vornamen vorstellt und den Kunden begleitet. Dadurch bleibt es im Geschäft übersichtlich, ruhig – kein Hauen und Stechen, wie man es bei einem derartigen Andrang vermuten würde.
Nach etwas über zwei Stunden Wartezeit begleitet mich Nils in den Laden. Er hat die Ruhe weg, zeigt mir verschiedene Hüllen für das iPad, packt sie sogar aus. Im Laden ist es fast still, die rund zwanzig Verkäufer stehen mit Kunden an den Tischen. Ganz hinten auf der Genius-Bar stehen 1.000 Pakete mit iPads aufgereiht. Wie viele Geräte noch im Lager sind, kann Nils mir nicht verraten. Die Niederlassungsleitung hat die Zahl den Mitarbeitern nicht verraten. „Aber es reicht bis heute Abend“, meint Nils. Allerdings ist um 10 Uhr die Auswahl bereits eingeschränkt, das kleine Modell mit 16GB in der WiFi-Version ist in Hamburg ausverkauft.
Direkt am Tisch zieht Nils meine Kreditkarte durch sein Lesegerät, die Mail mit der Rechnung habe ich eine Minute später auf meinem iPhone. Wobei er mir noch einen Kassenbon in die Rucksacktüte steckt. Darauf sind sogar die 14,46 Euro Urheberrechtsgebühr ausgewiesen. Um diesen Betrag hatte es vor der Einführung einiges Durcheinander gegeben. Apple wollte den Betrag auf den Kaufpreis draufschlagen, hat sich dann aber anders entschieden. Meine 64GB-Version kostet nun 699 Euro.
Auf dem Weg aus dem Laden renne ich fast in ein Mikrofon. Zahlreiche Medienvertreter interviewen hier Kunden. N-tv hat sogar eine Live-Schaltung eingerichtet. Von mir will der Hamburg 1-Reporter wissen, was mich am iPad fasziniert und ob ich es mal für die Kamera auspacken kann. Macht man für die Kollegen doch gern.
Zurück im Büro, verbinde ich sofort iPad und Rechner, um das Gerät zu aktivieren. Das dauert via iTunes nur wenige Sekunden. Schon bin ich startklar, meine Kalendereinträge, Mails und Adressen kommen via Serverdienst MobileMe auf das iPad. Alles ist direkt verfügbar, keine lange Konfiguration, wie ich es aus meiner bisherigen PC-Erfahrung kenne. Selbst die iPad-Batterie ist schon geladen. Mein erster Kauf im amerikanischen App-Store ist das Magazin Wired. Darin zu blättern, fühlt sich toll an, genau wie in der mitgelieferten iBook-Version von Winnie the Pooh. Der iPhone-Fan ist ab heute auch ein iPad-Fan.
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Dirk Kunde
beschäftigt sich journalistisch mit den Veränderungen in einer digitalisierten Wirtschaft. Trotz Jugend mit PC, begeistert er sich für Apples iPhone. Unter iPhone-Fan.de beleuchtet er die Arbeits- und Kommunikationsmöglichkeiten mit dem smarten Handy.
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