Diese Personalie ist zweifellos ein Paukenschlag - und von Cord Dreyer höchst geschickt: Die Nachrichtenagentur dapd holt sich mit Timo Peters den Vertriebschef des deutschen Ablegers der Agence France-Presse (AFP). Die konkurriert mit dem dapd im wichtigen Segment der Auslandsberichte - und hat mit der Tochter SID, was der dapd gerade aufbauen will: einen starken Sportdienst und zudem ein funktionierendes Video-Produkt. Peters weist indes Vermutungen zurück, der dapd kaufe sein Insiderwissen.
Der 35-jährige Peters, so heißt es in einer Mitteilung, werde von Januar 2011 an Leiter des Vertriebs "Non Media" und Stellvertreter des Gesamtvertriebs der Nachrichtenagentur dapd - unter Holger Zöllner. Gleichzeitig werde er Mitglied der Geschäftsleitung für den Bereich Video, der bisher vom Leiter des PR-Dienstleister ddp direct und dapd-Sprecher Wolfgang Zehrt geleitet wird. Zur Erinnerung: Der dapd baut derzeit einen riesigen Videoapparat auf. Mit eigenen Produktionen, aber auch mit Lizenzen des Materials der News-Dienstleister CNN, Dow Jones und des Videoarms der Associated Press (AP) will er 40 Nachrichtenfilme pro Tag an die Abonnenten seines Basisdienstes verschenken.
dapd-Chef Cord Dreyer, der Geschäftsführer wie Chefredakteur in Personalunion ist, bezeichnet Timo Peters als einen "profilierten Vertriebler und profunder Kenner der nationalen und internationalen Agenturbranche". Für den Bereich Video gewinne der dapd mit ihm "einen erfahrenen Fachmann, der den Weg der Agentur entscheidend mitgestalten wird". Dazu passt, dass AFP seit Jahren Web- und Mobilredaktionen mit aktuellen Videonews bestückt. Peters kennt zweifellos die Preise und mögliche Margen, die hier drin sind, und die Anforderungen potenzieller Kunden.
Bei der Personalie liegt oberflächlich die Vermutung nahe, der dapd kaufe sich nötiges Insiderwissen. Für Video, aber auch für einen ganz anderen Bereich: den Sport. Immerhin gilt die 100-prozentige Tochter der AFP GmbH, der Sport-Informations-Dienst (SID), als gelungener und zugleich profitabler Dienstleister. Der dapd wiederum will bekanntlich zu Ostern 2011 einen eigenen Sport-Dienst aufbauen. Der würde zweifellos dem SID, aber natürlich auch dem hiesigen Agentur-Marktführer, der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Paroli bieten. Auch für die dpa war Peters einst unterwegs.
Nun wäre dieser Handel mit Interna aber verboten - wie üblich müsste Peters bei einem Verstoß Strafen zahlen. "Insiderhandel ist nicht mein Stil", sagte Peters zu diesen Spekulationen zu MEEDIA. "Das wäre auch unprofessionell - und weder von mir gewollt, noch das Ansinnen meines neuen Arbeitgebers." Warum er dann wechselt, scheint ebenso naheliegend. Er selbst sagt im Gespräch, er gehe "nicht von AFP weg, weil mich hier irgendetwas stört, sondern weil das Projekt dapd durch und durch spannend ist".
Nachvollziehbar ist, dass bei AFP die Möglichkeiten, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen, begrenzt sind. Die Eigner des dapd, Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, investieren hingegen Millionen in das Geschäft und wollen stark expandieren. "In den Bereichen Video und Sportberichterstattung haben wir die einzigartige Möglichkeit, vom Punkt Null aus neue Agenturdienste zu schaffen", sagt Peters. Der dapd trete nun auch mit ihm an, um "sowohl in Deutschland als auch international die erste Adresse für deutschsprachige Nachrichten zu werden".
Die AFP trauert ihrem Vertriebs- und Marketingchef unterdessen nach, der nach eigener Aussage noch bis zum Jahreswechsel "Projekte fertigstellt". "Ohne Frage verliert AFP mit Timo Peters einen profilierten Vertriebsleiter", heißt es auf Anfrage. Seine Dossiers würden nun vorübergehend von der AFP-Geschäftsleitung betreut. Deren Übergabe laufe bereits "seit fast zwei Monaten reibungslos". Zu Peters Know-how heißt es zudem: "Wir sind uns sicher, dass Timo Peters wie zuvor auch arbeitsvertragsgemäß und vertraulich mit den ihm aus früheren Beschäftigungsverhältnissen bekannten Informationen umgehen wird." Zudem gibt sich die AFP-Deutschland-Spitze davon überzeugt, dass das Angebot von AFP in allen Bereichen so attraktiv sei, "dass dieser Personalwechsel keine Beeinträchtigung unserer anhaltenden Verkauferfolge bedeutet".
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Nachvollziehbar ist, dass bei AFP die Möglichkeiten, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen, begrenzt sind. Die Eigner des dapd, Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, investieren hingegen Millionen in das Geschäft und wollen stark expandieren.
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Aus gegebenem Anlass möchte ich darauf hinweisen, dass ich dapd damals bereits nach wenigen Monaten im Juni 2011 wieder verlassen habe. Ich stand und stehe dem Unternehmen und seinen Unternehmungen äußerst kritisch gegenüber.
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Daniel Bouhs hält für MEEDIA die Welt der News-Dienstleister im Blick. Der freie Journalist spricht hier mit den Machern, Analysiert die Lage und zeigt Schwächen wie Erfolge einer Branche auf, die gegen die Kostenlos-Mentalität des Netzes ebenso kämpft wie verbissene Konkurrenz im eigenen Lager.
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