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Donnerstag 09. Dezember 2010 10:12

dpa-AFX greift Murdochs Dow Jones an

Neue und zugleich heftige Konkurrenz für den Murdoch-Ableger Dow Jones: Die Finanzagentur dpa-AFX startet neben seinem deutschen ab sofort auch einen englischen Dienst. Kooperationspartner ist RTT News, das damit seine Präsenz aus den Märkten in den USA und Asien auf Europa ausweiten kann. Bei dem Deal geht es vornehmlich um die Finanzentscheider in der zweiten Reihe. Denn das Geschäft wird größtenteils mit der Belieferung von Intranets und finanzlastigen Webseiten gemacht.

Während Broker auf dem Parkett und in den Ad-hoc-Handelszentren der Finanzzentren auf die üppigen Dienste von Reuters und Bloomberg setzen, zielen Dow Jones und dpa-AFX in erster Linie auf Mitarbeiter von Banken und Versicherungen ab, die das Geschehen der Märkte zwar auch quasi in Echtzeit verlässlich verfolgen müssen, aber nicht am Knöpfchen sitzen. So laufen dpa-AFX und Dow Jones teilweise auch über die sogenannten Terminals der beiden Großen als Zweitquelle.

Die dpa-AFX, die mehrheitlich von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und zusätzlich auch von der Austria Presse-Agentur (APA) getragen wird, beschränkte sich bisher auf einen deutschen Dienst. Die global denkende Wirtschaft lechzt hingegen nach Kombi-Packs aus englischem und deutschem Material. Viele Abschlüsse, so ist zu hören, konnte dabei Dow Jones für sich verbuchen, das neben seinem klassischen englischen eben auch ein deutsches Angebot fährt. Dem will dpa-AFX um die Geschäftsführer Martin Kalverkamp und Heinz-Rudolf Othmerding, der bis Anfang dieses Jahres noch Auslandschef der dpa war, jetzt Paroli bieten: Per sofort bieten sie ihren Kunden auch einen englischen Service an.

dpa-AFX kooperiert dabei mit RTT News, einem Pendant das Stark in den USA und in Asien ist, sich aus dem europäischen Markt aber bislang ferngehalten hat. Für RTT News ist das der Einstieg - über eine mögliche Beteiligung als Gesellschafter der dpa-AFX wird hinter den Kulissen bereits spekuliert. Konkret ist das aber noch lange nicht. Erst mal steuert RTT News für den englischen Dienst das Weltmaterial aus seinen Schwerpunktmärkten bei, dpa-AFX vieles aus Deutschland und Europa. Kalverkamp erklärte MEEDIA, es werde keine eigene Redaktion für den englischen Dienst aufgebaut, das eigene Material vielmehr "intelligent ins Englische übertragen". Das aber heißt vor allem: weitgehend automatisch übersetzt. Bei dem äußerst begrenzten Vokabular von Finanzmeldungen kein Problem.

Der englische Dienst von dpa-AFX soll auch von ihr allein vermarktet werden und auch nur unter ihrem Label am Markt präsent sein. Im Copyright unter allen Meldungen wird indes auch RTT News genannt. Othmerding sagte MEEDIA zudem, eine Übernahme von "general news", also alles außerhalb der Finanzszene, aus dem klassischen englischen Dienst der dpa sei im Gespräch: "Es sieht gut aus." Auch die Mitbewerber Reuters, Bloomberg und Dow Jones ergänzen ihre Hardcore-Finanzmeldungen mindestens mit Politischem, vielfach sogar auch mit Meldungen zu Vermischtem und Sport, weil das auch letztlich wichtige Märkte sind, auf denen investiert wird und Nachrichten aus diesem Bereich für die Finanzentscheider häufig von Bedeutung.

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Mittwoch 08. Dezember 2010 16:38

dapd fahndet nach Text- und Fotodieben

Vergangenes Jahr war es noch die AFP, die für Aufsehen sorgte, weil sie das Netz auf Kopien ihrer Meldungen durchforstete und Abmahnungen verschickte. Jetzt ist klar: Das Hamburger IT-Unternehmen Lernhaus GmbH, das mit der Technik "Textguard" die AFP unterstützt, hat seinen nächsten Großkunden. Wie das MEEDIA-Tickerblog erfahren hat, ist es die Nachrichtenagentur dapd. Und die hat es neben Textdieben auch auf illegale Nutzer ihrer Fotos abgesehen - greift bei ihren Abmahnungen aber mitunter daneben.

Für den hiesigen Ableger der AFP ist die Suche nach der illegalen Verbreitung des Agentur-Contents zweifellos eine Art Geschäft. Von jährlichen Einnahmen in Höhe eines fünfstelligen Eurobetrags ist gar zu hören, teils aus rückwirkenden Rechnungen und teils aus Lizenzabkommen, mit denen die Ertappten fortan einen legalen Weg gehen. Die Kosten für "Textguard" und die Abmahnanwälte, die das Unternehmen Lernhaus GmbH um den Inhaber Claus-Michael Gerigk seinen Kunden bei Bedarf auch direkt vermittelt, sollen bei dieser Größenordnung gar bereits heraus gerechnet sein. Eine Geldquelle, mit der offensichtlich auch der dapd liebäugelt, der im Herbst aus dem ehemaligen ddp und AP-Deutschland entstanden ist.

Sprecher Wolfgang Zehrt bestätigte auf Anfrage, dass sich der dapd mit der "unbezahlten Nutzung von Medieninhalten im Internet" befasse und "in Zusammenarbeit mit Kunden und dem Fraunhofer-Institut" an entsprechender Fahndungssoftware bastele. Nach Informationen von MEEDIA greift der dapd bei der Suche nach Textdieben allerdings in großem Stil auch auf die Dienste des Hamburger IT-Unternehmens Lernhaus GmbH zurück und lediglich bei der Fotosuche allein auf die gemeinsame Entwicklung, die der dapd mit dem Fraunhofer-Institut vorantreibt. Sprecher Zehrt machte zu der Zusammenarbeit mit Lernhaus trotz konkreter Anfrage keine Angaben.

Dafür bestätigte der dapd-Sprecher eine derbe Panne. So sei es "in der Tat" zu einer "unberechtigten Abmahnung" gekommen. Details nannte er nicht. MEEDIA liegen sie hingegen vor. Demnach nutzte ein Onlinedienst ein Foto, das ein Wrackteil der im Sommer 2009 abgestürzten Air-France-Maschine zeigt. Zwar hatte dieses Bild tatsächlich der dapd-Fotodienst verbreitet, den die abgemahnte Redaktion nicht bezieht. Dasselbe Foto war allerdings auch von anderen Agenturen verschickt worden, darunter von der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bei der strittigen Aufnahme handelte es sich nämlich um ein sogenanntes Handout, also einem Bild von offizieller Stelle, in diesem Fall von der brasilianischen Marine.

Wie dapd-Sprecher Zehrt beteuerte, mahne seine Agentur mutmaßliche Urheberrechts-Verletzer "nicht vollautomatisch" ab: "Alle 'Treffer' werden manuell von Redakteuren am Fotodesk oder im Vertrieb noch einmal geprüft." Und dennoch rutschte dem dapd in mindestens einem Fall eine unberechtigte Abmahnung durch. "Wir bedauern diesen Fall ausdrücklich", sagte Zehrt weiter. Es handele sich "um eine Software in der Betaphase, die nach weiteren Optimierungen erst im nächsten Jahr eingesetzt werden wird". Wie es dennoch schon im Vorfeld des regulären Einsatzes zur Abmahnung kommen konnte, erklärte er nicht.

Bei der AFP förderte die Fahndung nach Materialdieben übrigens in den vergangenen Monaten zahlreiche erstaunliche Fälle zutage. Darunter waren Seiten, die sich mit einzelnen Servicethemen wie Medizin oder Reisen beschäftigten, über Monate hinweg konsequent illegal Agenturberichte per "Copy and Paste" auf ihre Seiten zogen und darauf Werbung schalteten. Vereinzelt stieß die Agentur sogar auf Angebote, für die Kunden, die AFP für anderweitige Produkte tatsächlich abonniert hatten, keinen nötigen gesonderten Bezugsvertrag abgeschlossen hatten. Inzwischen verzichtet die AFP-Deutschland nach MEEDIA-Informationen indes größtenteils auf das juristische Mittel der Abmahnung und setzt stattdessen allein auf die Forderung nach Schadenersatz.

Auch die dpa durchforstet das Netz nach der Nutzung seiner Dienste. Der deutsche Agenturmarktführer setzt dabei die US-Technik "Attributor" ein. Die dpa betont jedoch bei jeder Gelegenheit, bei der Nutzung dieser Technik in erster Linie lediglich die Veröffentlichungsraten zu zählen - und nur in Einzelfällen abzumahnen. Ursprünglich wollte die dpa den Attributor auch an ihre Kunden sublizenzieren - und angelte sich dafür sogar die exklusive Vertriebslizenz für Deutschland. Weil aber nur wenige Verlage wie die FAZ auf das Angebot ansprangen, um nach der illegalen Nutzung der eigenen Veröffentlichungen zu fahnden, verzichtete die dpa in diesem Jahr darauf, die Exklusivlizenz zu verlängern.

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Mittwoch 10. November 2010 16:43

"Frust und Entmutigung" beim dapd

Bei der Nachrichtenagentur dapd greift die Unzufriedenheit weiter um sich. So warnt jetzt auch der sonst äußerst brave Betriebsrat das Management um Cord Dreyer. Konkret ist davon die Rede, dass sich "die Stimmung im Unternehmen weiter verschlechtert" habe. Viele Mitarbeiter fühlten sich "noch immer allein gelassen". Außerdem warte die Agenturleitung mit einem bisweilen "fragwürdigen Umgangston" auf. Die Folge der üppigen Probleme: Krisenstimmung beim dpa-Rivalen.

Lange hat sich der Betriebsrat des neuen Newsdienstleisters dapd mit deutlicher Kritik am Management zurückgehalten. Nun aber nimmt die Vertretung der Mitarbeiter keinen Blatt mehr vor den Mund. Die "Betriebsrats-INFO 12/10", verfasst noch nostalgisch auf ddp-Briefpapier, ist jedenfalls deutlich an das Führungsteam um Cord Dreyer gerichtet, der Chefredakteur und Geschäftsführer in Personalunion ebenso ist wie Vorstand der dapd-Holding.

In dem Schreiben heißt es unter anderem, der Betriebsrat komme nach "zahlreichen Gesprächen mit Mitarbeitern" zu der Einschätzung, dass sich die Stimmung im Unternehmen "weiter verschlechtert" habe. Als Gründe führte die Vertretung der oftmals schon seit Jahren unter finanzieller Entbehrung arbeitenden Belegschaft etwa an, viele Kollegen fühlten sich "offensichtlich mit den Anforderungen neuer Arbeitsabläufe und Instrumente immer noch allein gelassen". Außerdem werde in den Ressorts und Außenbüros der gestiegene Arbeitsaufwand für die eingeführte neue Technik wie das von der österreichischen APA eingekaufte Redaktionssystem Mars sowie die Kundenplattform dapd-Newsplaner "mit Sorge gesehen", da dieser Mehraufwand "zulasten des redaktionellen Dienstes" gehe.

Massive Kritik übt die Personalvertretung auch an den internen Abläufen des dapd, der Anfang September 2010 aus den einstigen Diensten der deutschen Associated Press (AP) und Deutschem Depeschendienst (ddp) hervorgegangen war. Im Zentrum des neuen Unmuts steht die sogenannte Herausgabe der Meldungen, sprich das Redigieren und Freigeben der Reporterstücke. Während ddp und AP dafür noch zentrale Stellen installiert hatten, wälzt der neu gewachsene dapd diese Funktion immer stärker auf die einzelnen Ressorts ab. Zuletzt sei dadurch "sowohl in der Zentrale in Berlin wie auch in den Landesdiensten der Eindruck entstanden, dass die Herausgabe weniger effektiv ist als früher am Zentraldesk und überdies Kapazitäten aus den redaktionellen Abläufen abzieht". Aus den Büros in den Ländern werde ferner beklagt, dass Meldungen "oft lange im Speicher liegen" und damit "insbesondere in der Stoßzeit am Nachmittag" nicht rasch an die Kunden bei Verlagen und Sendern versendet würden. Raubt die interne Struktur also dem neuen dapd die Schlagkraft, die er für den Wettbewerb mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dringend braucht?

Auch in der Zentralredaktion unweit der Bundspressekonferenz in Berlins Mitte häufen sich der Betriebsrats-Info zufolge die Klagen. So störten sich die Redakteure in den Fachressorts daran, dass "aufgrund des hohen Meldungsaufkommens aus den Ländern regelmäßig im Dienstplan nicht als Herausgeber eingeplante Redakteure in die Herausgabe einsteigen müssen und dadurch nur noch wenige eigene Basis-Beiträge verfasst werden können". Darüber hinaus fühlten sich viele Redakteure in ihrer neuen und regelmäßigen Rolle als Herausgeber "unwohl". Dies liege vor allem an der Zahl der Herausgeber-Dienste, die in einigen Fällen mehr als ein Drittel der gesamten Diensttage einnähmen. "Unter der Vielzahl der Herausgeber und der daraus resultierenden Unübersichtlichkeit für die Landesdienste scheint bisweilen auch die Stringenz zu leiden", mahnte die Personalvertretung.

Und noch ein Problem benannte der Betriebsrat deutlich: Die miserable interne Kommunikation der Geschäftsführung. So trage die Information der Mitarbeiter über neue dapd-Projekte anhand von Pressemitteilungen "ebenso wenig zur Vertrauens- und Teambildung bei, wie kommentarlose Stellenausschreibungen und in Einzelfällen ein fragwürdiger Umgangston". Dass vieles in der Agentur noch nicht optimal laufe, sorge überdies "für Unmut und in vielen Fällen für Frust und Entmutigung". Ferner ist die Rede von teils "ineffektiven und impulslosen" Konferenzen und etlichen Fehlern der Technik.

Cord Dreyer wollte auf MEEDIA-Anfrage nicht auf die Vorwürfe reagieren. Er ließ einen Sprecher lediglich mitteilen, dass der Betriebsrat in seinem Schreiben selbst darauf hingewiesen habe, dass es sich "auch hierbei" um interne Informationen handele. "Daran halten wir uns selbstverständlich."

Doch zumindest ein Problem könnte bald gelöst werden. Auf das Schreiben des Betriebsrates, der bereits am 27. Oktober tagte, folgte nämlich bereits Anfang November eine ganz besondere Ausschreibung, die bei der Belegschaft auf Wohlgefallen stieß. Der dapd sucht einen Referenten für die interne Kommunikation.

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Donnerstag 28. Oktober 2010 13:20

dapd: Die Lehren aus der ARD-Kritik

ARD-Journalisten greifen die Verlässlichkeit des dapd an: Mehrere Nachrichtenchefs riefen zu "größtmöglicher Wachsamkeit bei der Verwendung von dapd-Meldungen" auf. Diese Mahnung schießt jedoch deutlich über das Ziel hinaus. Die ARD kaschiert damit nur eigene Mängel. Die Warnung stößt zudem andernorts auf wenig Zustimmung. Bloß: Wie sollen Journalisten mit Agenturmaterial umgehen? Antworten im MEEDIA-Tickerblog.

Viel schlimmer hätte es für Cord Dreyer, den Multifunktions-Chef der aus ddp und AP-Deutschland hervorgegangenen neuen Nachrichtenagentur dapd, nicht kommen können. Kunden, die für die Verwendung der Inhalte seiner Redaktion zur Vorsicht aufrufen, wie es nach einem Bericht von DWDL nun mehrere Nachrichtenchefs der ARD getan haben, ist ein klares Misstrauensvotum gegen den Markenkern einer Nachrichtenagentur: ihre Verlässlichkeit.

Natürlich hat der dapd zuletzt tief daneben gegriffen als er exklusiv und in ein "Thema des Tages" gekleidet die Standortflucht des bisher deutschen Schraubenimperiums Würth in die Schweiz vermeldete, sich dies nach wenigen Stunden aber als kompletter Fehler herausstellte. Aber hat nach der "Bluewater"-Affäre des Platzhirschen dpa auch nur ein Chefredakteur bei Zeitungen oder Sendern seine Leute systematisch dazu aufgerufen, den Inhalten der dpa grundsätzlich zu misstrauen?

Und auch wenn Dreyers Krisenmanagement im Fall "Würth" schlichtweg erbärmlich war, weil er – anders als sein Konkurrent Wolfgang Büchner in der Causa "Bluewater" – seine Kunden nicht offensiv über die Fehlerkette im eigenen Haus informierte und so auf einen notwendigen Akt der Vertrauensbildung verzichtete, arbeitet Dreyer offensichtlich daran, die internen Probleme zu beheben. Ein Mangel an Selbstkritik kann ihm inzwischen jedenfalls niemand mehr vorwerfen.

Hinzu kommt, dass zwar an der Spitze des dapd bisweilen knallharte Investoren stehen. An den Schreibtischen in der Berliner dapd-Zentrale aber sitzen noch immer vielfach ordentlich ausgebildete Journalisten. Es darf deshalb sehr wohl angenommen werden, dass die Fehlerquote im dapd-Material auch künftig nicht exorbitant steigt, zumal auch die jungen neuen Kräfte des dapd, auf die Dreyer verstärkt setzen musste und die teils noch an das Agentur-Geschäft herangeführt werden müssen, rasch dazulernen dürften. Auch Agenturjournalismus ist schließlich kein Hexenwerk.

Das Mailing, das unter anderem im Hessischen Rundfunk (HR) verbreitet wurde, lenkt vielmehr von den eigenen strukturellen Fehlern einiger ARD-Angebote ab. So lässt sich leicht beobachten, wie insbesondere Hörfunkjournalisten das Material der Agenturen nicht nur als Rohstoff für eigene Recherchen übernehmen, sondern es häufig eins zu eins wiedergeben. Im Programm tarnen sie diese Berichte vielfach sogar als eigene Stücke, Schalten zu lediglich verlesenden Reportern inklusive. Für diese ernüchternde Erkenntnis sei allein der Abgleich der Ticker-Meldungen mit den aktuellen Sendungen auf SWR1 empfohlen.

Kunden von Agenturen dürfen freilich prinzipiell davon ausgehen, dass ihnen von dapd & Co. glaubwürdige Berichte zugestellt werden. Blindes Vertrauen aber ist auch hier nicht angebracht. Dass bei dieser Art, Journalismus zu betreiben, ein Fall "Würth" in der Wahrnehmung der Zuschauer auf die Sender zurückfällt und nicht auf die Agenturen, ist bei dieser Vorgehensweise immerhin vorprogrammiert.

Nach "Würth" hielt Dreyer seinen Leuten vor, dass es "ganz und gar unwahrscheinlich ist, dass die Verlegung des Konzernsitzes eines 'prominenten' Unternehmens in die Schweiz auf diesem Weg - ohne eigene Mitteilung des Unternehmens (man denke an die Folgen für die Mitarbeiter) - bekannt wird". So anstrengend das unter gewissen Umständen wie Zeit- und Konkurrenzdruck auch sein mag: Vor einem solchen Plausibilitäts-Check darf sich auch ein Redakteur auf Kundenseite nicht drücken, will er im besten Sinne ein Dienstleister für seine eigenen Kunden sein, seine Leser, Hörer, Zuschauer. Hinter dem Verzicht darauf kann nur mangelnder Sachverstand oder aber - noch viel schlimmer – Bequemlichkeit stehen.

Diese Anforderung gilt insbesondere für Medienhäuser mit Milliarden im Hintergrund, die mit üppig besetzten Fachredaktionen operieren. Wie die ARD-Anstalten. Wenn sich - wie jetzt per Mailing geschehen - Nachrichtenchefs der ARD darüber erstaunt zeigen, dass der dapd im Dienst zunächst gemeldet habe, Marcel Reich-Ranicki sei über den Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa "tief enttäuscht", nach 40 Minuten allerdings nachschob, Reich-Ranicki habe ihn "als sehr erfreulich gelobt", dann haben sie zweifelsohne Recht. Vor allem, weil der dapd hier nicht formell korrigierte, sondern die Einordnung in einer Zusammenfassung kommentarlos platzierte – was leider gängige Praxis bei vielen Agenturen ist, die so Berichtigungen kaschieren wollen.

Die Entrüstung darüber legt allerdings auch offen zutage, dass das Kulturressort eines Senders keine Ahnung davon hat, wo die Stärken des dapd liegen: nicht in der Kulturberichterstattung. Das ist vielmehr sein bisher schwächstes Angebot und sollte daher auch tunlichst nicht für bare Münze genommen werden. Auch das Wissen über die Stärken und Schwächen seiner Zulieferer sollte folglich zum Handwerkszeug eines Redakteurs bei Zeitungen, Sendern und Online-Diensten zählen. Hier würde eine regelmäßige gezielte Auswertung und Kritik des Materials in den Kundenredaktionen der Agenturen womöglich Wunder bewirken.

Von "der ARD" kann zumindest bei dem besagten Mailing keine Rede sein. Wie MEEDIA erfahren hat, war dieses Rundschreiben unter anderem nicht mit ARD-aktuell abgestimmt. Redakteure von "Tagesschau", "Tagesthemen" und "tagesschau.de" wurden jedenfalls nicht vor dapd-Material gewarnt. Aus der Chefredaktion ist zudem zu hören, sie sei von dem Vorgang selbst überrascht und sehe für die Kritik auch keinen Anlass. Selbst ARD-Chefredakteur Thomas Baumann hat sich für dieses äußerst knappe Rundschreiben einiger Landessender nicht verwendet.

Auch anderorts bleibt die Zustimmung für den Warnschuss aus. So sagte Elmar Theveßen, der als stellvertretender Chefredakteur im ZDF die Hauptredaktion "Aktuelles" leitet, zu MEEDIA, die Schelte an den Diensten des dapd sei in seinen Redaktionen "bisher kein Thema". Er verwies vielmehr darauf, dass "jede Agentur mit professionellem Sachverstand" geprüft werde, bevor sie auf den Sender gehe.

Dazu passt, dass ohnehin keine Agentur frei von Fehlern ist – wie das hervorragende Korrektur-Blog "Good, Bad and Ugly" von Reuters zeigt, dem hiesige Dienste wenigstens mit einer geschützten Version für ihre Kunden durchaus nacheifern könnten. Deutsche AFP-Kunden wiederum rümpften noch vor einigen Monaten die Nase, weil sich eine Zeit lang just nach Eilmeldungen Korrekturen häuften. Das waren Fehler, die insbesondere in der Nacht beim Übertragen aus dem internationalen Angebot entstanden. Auch hier wurde rasch nachjustiert, mit Erfolg. Diese Lernfähigkeit darf – bei aller Schadenfreude für die "Würth"-Panne – auch dem dapd zugetraut werden.

Bei Spiegel Online, das einst im eigenen Angebot zu viele Korrekturen unterbringen musste, haben sie ob der Fehler ihrer News-Dienstleister längst klare Spielregeln eingeführt. Rüdiger Ditz, von MEEDIA auf das ARD-Papier angesprochen, sagte dazu: "Wir fühlen uns immer wohler, wenn wir unsere Berichterstattung auf mehrere Quellen stützen können. Das gilt auch für Agenturen."

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Sonntag 24. Oktober 2010 22:35

dapd ist Anwalts Liebling

Jetzt also auch die Bundesregierung: Wie MEEDIA berichtete, droht die neue Nachrichtenagentur dapd dem Bundespresseamt mit Klage, weil es für dpa-Abos vermeintlich zu Unrecht deutlich mehr bezahlt als für Dienste des dapd. Diese juristische Auseinandersetzung ist jedoch nur eine von vielen. Ein Überblick über die Klageflut jener Agentur, die vor Streit nicht zurückschreckt - und die Klärung der Frage: Hat der dapd wirklich 49 Pulitzer-Preise gewonnen?

Komplex 1: dapd gegen dpa. Schon bevor die Eigentümer des einstigen ddp, Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, im Dezember 2009 auch den deutschen Dienst der US-Agentur Associated Press übernahmen, hatten sie den Wettbewerbsjuristen Ulrich Schroeder von der Kanzlei Graf von Westphalen mit einem Gutachten beauftragt. Schroeder analysierte die Klauseln der Bezugsverträge, die der Platzhirsch dpa mit Zeitungen, Sendern und Onlinediensten schließt. Schon damals hielt er fest, dass sowohl die lange Erstvertragslaufzeit als auch deren stillschweigende Verlängerung um den gleichen Zeitraum nicht angehen könne, wie auch nicht die Dauer der Kündigungsfrist von bis zu einem Jahr.

Am 15. April 2010 machte Vorderwülbecke schließlich ernst. Die vom heutigen dapd beauftragte Frankfurter Kanzlei Danckelmann und Kerst reichte vor dem Frankfurter Landgericht Klage ein. Auf 18 Seiten plus Anhang führten die dapd-Juristen aus, dass die dpa ihre Vertragsklausel "Erfolgt keine Kündigung, verlängert er sich bei gleicher Kündigungsfrist um die selbe Laufzeit" unterlassen müsse. Das Gericht sollte zudem feststellen, dass die dpa verpflichtet sei, dem heutigen dapd "sämtlichen Schaden zu erstatten", der ihm mit den besagten dpa-Vertragsklauseln "entstanden ist oder entstehen wird". Der dapd wollte der dpa damit letztlich auch ans Portemonnaie.

Exakt ein halbes Jahr später, am 15. Oktober 2010, kam es in der Sache zu einer Anhörung vor der 12. Kammer für Handelssachen. dapd-Eigner Vorderwülbecke, der auch als dapd-Geschäftsführer tätig ist, bezeichnete die Konditionen der dpa-Bezugsverträge darin unter anderem als "Klauseln aus alten Zeiten". Er bemängelte, dpa-Laufzeiten von bis zu fünf Jahren würden Verlage davon abhalten, sich für die sehr junge Alternative dapd zu entscheiden.

Das Gericht wies die Klage ab. O-Ton des Vorsitzenden Richters in der Anhörung: "Zwar mag die Beklagte Marktführer sein. Sie ist aber nicht Monopolist." Von einer "wirtschaftlichen Abhängigkeit" der Verlage und Sender von den dpa-Angeboten könne deshalb "nur schwerlich" ausgegangen werden (AZ: 3-12 O 50/10). Vorderwülbecke kündigte umgehend an, in die Berufung gehen zu werden. Der Fall ist also noch offen. Die schriftliche Begründung des Urteils steht noch aus.

Komplex 2: dpa gegen dapd. Voraussichtlich am 29. März 2011 treffen die Streitparteien in ganz ähnlicher Sache wieder vor Gericht aufeinander. Dann will das Berliner Landgericht über eine Unterlassungsklage der dpa entscheiden. Die stört sich an der Pressekonferenz, die Vorderwülbecke und Löw Anfang Dezember vergangenen Jahres gaben, um den Kauf der AP-Deutschland sowie ein 15-jähriges Lizenzabkommen mit der US-Agentur zu verkünden.

In ihrer äußerst selbstbewussten Präsentation, an der auch Reporter der übrigen Agenturen teilnahmen, hatten die dapd-Herren dem Marktführer dpa unter anderem vorgeworfen, mit "sittenwidrigen" Verträgen zu operieren. Es geht just um die Laufzeiten und stillschweigenden Verlängerungen, die nach Antrag des dapd bereits in Frankfurt Thema waren. Für Schaulustige: Der Termin ist nach jetzigem Stand für 11 Uhr im Saal 2709 angesetzt.

Komplex 3: dapd gegen AFP. Seit dem Frühjahr 2010 prüft die Kommission der Europäischen Union die Finanzierung der Agence France-Presse (AFP). Der dapd, der das Verfahren mit einer formellen Wettbewerbsbeschwerde angeschoben hatte und dabei von der Großkanzlei Gleiss Lutz unterstützt wurde, sieht in den zuletzt jährlich gut 100 Millionen Euro schweren Abonnements der AFP-Dienste durch staatliche französische Stellen eine illegale Förderung seines Konkurrenten, der dem dapd mit sehr üppigen Auslandsmeldungen auf dem deutschen Markt per eigenem Ableger bisweilen stark Konkurrenz macht. Eine Entscheidung der Kommission steht noch aus. Sie hat dafür Frankreich und Deutschland um Stellungnahme gebeten.

Komplex 4: dapd gegen Bundespresseamt. Am 13. September 2010 erhielt auch das Bundespresseamt Post von Anwälten des dapd. Wieder mit im Boot: die Großkanzlei Gleiss Lutz. Sie argumentiert, der dapd werde zu Unrecht ungleich mit der dpa behandelt, die vom Bundespresseamt für den Bezug der Nachrichtenmeldungen aus Deutschland und aller Welt mehr als das Dreifache von dem bekommt, das die zentrale PR-Einrichtung der Regierung aktuell an den dapd überweist. Der dapd drohte auch hier eine Klage an. Wörtlich heißt es in dem Schreiben der Anwälte: "Unsere Mandantinnen werden ihre Rechte gerichtlich durchsetzen, wenn das Bundespresseamt nicht die an die dapd nachrichten GmbH und dapd nachrichtenagentur GmbH zu leistenden Vergütungen auf ein entsprechendes Niveau anhebt."

Eine inhaltliche Rückmeldung des Bundespresseamtes steht noch aus - es spielt derzeit gelassen auf Zeit und teilt auf Anfragen lediglich mit, es handle sich bei dem dapd-Vorgang um einen "internen Meinungsaustausch zwischen Vertragspartnern", zu dem sich das Amt "grundsätzlich" nicht gegenüber Dritten äußere. dapd-Sprecher Wolfgang Zehrt betonte hingegen, seine Agentur lege "großen Wert darauf, dass öffentliche Stellen gleichwertige Dienstleister, die sie immerhin mit Steuermitteln bezahlen, auch gleichwertig bezahlen".

Wie es hier weitergeht? Unklar. Einerseits haben die Anwälte der Kanzlei Gleiss Lutz dem Amt keine explizite Frist gesetzt, sondern lediglich um eine "zeitnahe" Antwort gebeten. Andererseits hat der dapd den Vertrag mit dem Bundespresseamt für den Bezug der ehemaligen AP-Dienste aus eigener Kraft zum Beginn des Jahres 2011 gekündigt. Der Bundesregierung würden damit vor allem die Auslandsberichte des dapd künftig entgehen, was nicht in ihrem Interesse liegen dürfte.

Dort, im Bundespresseamt, haben sie sich in der nun schon mehr als ein halbes Jahr lang andauernden Diskussion mit dem dapd zwischenzeitlich sehr gewundert: Cord Dreyer, der Chefredakteur und Geschäftsführer der Agentur in Personalunion ist, drückte dem Regierungssprecher und Leiter des Amtes, Steffen Seibert, bei einem Antrittsbesuch ein "dapd Fact Sheet" in die Hand, das bei den Bediensteten für Schmunzeln sorgte.

Dieses zweiseitige Hochglanzprospekt vergleicht die Größe der dpa mit dem neuen dapd. Dabei subsumiert die neu aufgestellte Agentur das Netz der internationalen AP-Korrespondenten unter das eigene Dach. Die Folge: Den dapd-Ausführungen nach stehen 466 Korrespondenten der dpa 2.649 des dapd gegenüber, 93 Büros der dpa in aller Welt 265 des dapd. Besonders Eindrucksvoll aber scheint die Kategorie "Internationale Medienpreise". Dort heißt es bei dpa "0", bei dapd indes "49 (Pulitzer Preise)".

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Mittwoch 13. Oktober 2010 17:52

Klaut AFP Foto von Schifftanker-Fan?

Eine Nachricht ohne Bild läuft nicht – dachte sich ein Mitarbeiter der AFP. Als jüngst der 120 Meter lange Tanker YM Uranus vor Frankreich mit einem anderen Frachter kollidierte, zog sich der Redakteur ein Foto der Uranus aus dem Netz. Wie eine MEEDIA-Anfrage ergab: AFP hat dabei eine Urheberrechtsverletzung bewusst in Kauf genommen. Außerdem: AFP sticht dapd-Tochter in einem gigantischen Pitch der EU aus, Bloomberg zielt auf die US-Politik und dapd startet Kommentare.

Es gibt Webseiten, die ihre Betrachter ins Staunen versetzen können. Das Portal Vesseltracker gehört zweifelsohne dazu. Schifftanker-Fans dokumentieren dort die weltweite Flotte der Schwergewichte unter den See-Logistikern. Ein Verzeichnis aus mehreren zehntausend Einträgen ist das, das neben Angaben zu den Namen, den Beflaggungen und den Positionen der erfassten Schiffe vor allem mit einem aufwartet: Fotos der Tanker. Ein Service für alle, die sich für diese Materie begeistern können. Und für Medien, die bei Katastrophen rasch an Bildmaterial kommen wollen.

Der 8. Oktober war so ein Nachrichtentag, an dem manch ein Journalist händeringend nach einem Portrait suchte – oder genauer gesagt: nach dem der YM Uranus. Die stieß an jenem Morgen mit einem anderen 100-Meter-Tanker zusammen. Und weil das just vor der französischen Atlantikküste geschah, die gut ein Jahrzehnt zuvor von der Ölkatastrophe um den Frachter Erika heimgesucht wurde, avancierte der Zusammenprall flugs zum Top-Thema der französischen Medien. Ein Zustand, der im Heimatdienst der Agence France-Presse (AFP) offensichtlich zur Hemmungslosigkeit führte, zumindest in einem Fall. Immerhin bloggt das Team der besagten Vesseltracker: "AFP is using our photos - but they dont license them".

Die Seitenbetreiber führen gleich zwei Übernahmen an, beide Male auf französischen Nachrichten-Webseiten. Und beide Male ist die YM Uranus unter AFP-Credit abgebildet. Das Problem: Das Bild deckt sich exakt mit der Einstellung wie sie bei Vesseltracker.com zu sehen war. "We ask them for a comment, but because they are big and arrogant they dont need to react on this", mokieren sich die Schifftanker-Fans.

Nachdem MEEDIA bei AFP anfragte, reagierte die französische Agentur. In einem Schreiben, das die Foto-Chefredaktion des internationalen und damit vom deutschen Ableger völlig getrennten Dienstes am 13. Oktober an die Macher von Vesseltracker schickte, räumt die Agentur einen krassen Urheberrechtsverstoß ein. So heißt es, AFP wolle Copyrights sehr wohl beherzigen. In diesem Fall sei es ihr indes nicht gelungen, den Fotografen der verwendeten Aufnahme zu erreichen. Der Urheber des Schnappschusses, den AFP lediglich in Frankreich verbreitet hatte, sei allerdings mit den Bildverweisen des Nichterreichten verbreitet worden.

Die AFP gibt ferner an, sie sei bereit, ein Standardhonorar zu bezahlen. Man möge doch bitte Kontakt zum Fotografen herstellen, wenn möglich. Vor allem aber weist die Agentur überdies darauf hin, dass das kopierte Bild gar nicht von Vesseltracker abgegriffen worden sei, sondern anderorts im Netz – es sei bei der Suche gleich mehrere Male aufgetaucht. So oder so zeigt AFP hier allerdings ein seltsames Verständnis für Urheberrechte auf. Die Vesseltracker-Macher notieren dazu dann auch: " We hope that AFP will treat others as they would like to be treated in the future."

AFP wird PR-Dienstleister der Europäischen Union

Positive Nachrichten hat AFP hingegen auf einem ganz anderen Feld zu vermelden: Der international agierende News-Dienstleister hat eine Ausschreibung der Europäischen Union gewonnen und steigt damit zu einem üppigen PR-Dienstleister der EU auf. Den mit einer einzigen Mitteilung arg unterverkauften bisherigen Angaben zufolge wird die AFP für einen zweistelligen Millionen-Betrag in den nächsten vier Jahren Image-Material produzieren, auf das dann alle TV-Sender kostenfrei zurückgreifen können. Vom 1. Oktober an will die AFP also das Geschehen in den EU-Institutionen abbilden sowie EU-Aktivitäten in aller Welt.

Dieser Zuschlag für die AFP ist zugleich ein schwerer Schlag für die deutsche Nachrichtenagentur dapd. Deren PR-Dienstleister ddp direct um Wolfgang Zehrt hatte sich ebenfalls um den Auftrag beworben. Der in Leipzig ansässige dapd-Ableger hatte dafür bereits im Mai mehrere Dutzend freie Mitarbeiter in aller Welt anwerben wollen. Betreff des entsprechenden Mailings: "Nachrichtenagenturgruppe ddp sucht SOFORT europaweit TV-Journalisten; feste Aufträge über 3 Jahre". Pustekuchen!

Mit der AFP bekam zudem ausgerechnet jener dapd-Konkurrenz den Zuschlag, der mit ihm im Clinch liegt: Noch immer ist bei der EU-Kommission eine Prüfung anhängig. Der dapd-Vorläufer ddp hatte in diesem Frühjahr das Prozedere selbst angestrengt, weil er in den jährlich etwa 100 Millionen Euro umfassenden Bezügen der AFP-Dienste seitens französischer Stellen illegale Subventionen vermutet. Da aus der Kommission drängt, dass ihre Prüfung kurz vor dem Abschluss steht, für die auch die Bundesregierung um eine Stellungnahme gebeten wurde, steht schon bald erneut eine EU-Entscheidung an in der es heißen wird: für oder gegen AFP?

Das MEEDIA-Tickerblog wollte übrigens mit der AFP gerne über die Frage reden, wie sich ein opulenter PR-Auftrag der Europäischen Union mit der Unabhängigkeit des journalistischen Geschäfts einer Nachrichtenagentur verträgt. Paris ignorierte dieses Anliegen allerdings bisher eisern. Immerhin: Die Aktivitäten mit Unternehmen, Verbänden und Institutionen hat AFP nach eigenen Angaben sauber in eine Tochterfirma ausgelagert.

Bloomberg startet "Bloomberg Government"

Geschäfte mit der Politik strengt hingegen der Finanzdienst Bloomberg im großen Stil an. Die Agentur, die sich vor allem mir Reuters um die Gunst der Börsenprofis schlägt, baut einen Dienst "Bloomberg Government" aus. Wie die New York Times ausführlich berichtet, will der Infobroker politischen Entscheidern alle relevanten Informationen liefern, die für den politischen Prozess nötig sind. Jahres-Abopreis pro Nutzer: 5.700 US-Dollar. Neben ständig aktualisierten Kontaktdaten der Abgeordneten inklusive ihrer Experten sowie den Interessensverbänden ist Teil dieses webbasierten Services auch der klassische Tickerdienst sowie eine Datenbank aus Gesetzestexten. Das eindeutige wie selbstbewusste Ziel des neuen Angebots, für das gleich mehrere Dutzend Spezialisten eingestellt werden: "Our aspiration is to be the most influential news organization in the world."

dapd startet Kommentardienst

In das Geschäft mit dem Politischen auf ganz andere Art ist wiederum die hiesige dapd in dieser Woche eingestiegen: Seit Montag kommentiert der dapd-Basisdienst vorerst täglich zwei Themen. Zu sehen ist das zunächst nicht im klassischen Tickerangebot, das in die Redaktionssysteme der Kunden bei Zeitungen, Sendern und Online-Portalen einläuft, sondern in der Rubrik "dapd kommentiert" auf newsplaner.de, dem Kunden-Portal des Dienstes um Cord Dreyer. Den Auftakt machte Gerhard Kneier, Chef des Landesdienstes Hessen, der sich über das Anheizen der Integrations-Debatte durch CSU-Chef Horst Seehofer mokierte.

Peter Zschunke, der vor dem Übergang der AP-Deutschland in den dapd noch der dortige Auslandschef war und jetzt Chefreporter der dpa-"Netzwelt" ist, kommentiert die Entwicklung auf seiner Seite agenturjournalismus.de wie folgt: "Die möglichst nüchterne, möglichst meinungsfreie Nachricht ist Voraussetzung für die Meinungsbildung. Darüber hinaus stellen Nachrichtenagenturen bestimmte Sachverhalte in namentlich gekennzeichneten Korrespondentenartikeln in einen größeren Zusammenhang, zeitlich, kausal und durchaus auch kritisch einordnend. Wenn der Nachrichtendienst von echten Meinungsbeiträgen begleitet wird, wirft dies etliche Fragen auf, nach der Unabhängigkeit der täglichen Nachrichtenauswahl wie nach dem Bemühen um Objektivität im einzelnen Nachrichtenbeitrag."

Aktualisierung 14. Oktober, 10:30 Uhr: Die Angaben zu den PR-Aktivitäten der AFP für die EU wurden um Angaben zum Geschäftsmodell ergänzt. Demnach ist der millionenschwere Auftrag bei einer Tochterfirma gelandet, die getrennt vom Ticker-Geschäft operiert.

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Daniel Bouhs hält für MEEDIA die Welt der News-Dienstleister im Blick. Der freie Journalist spricht hier mit den Machern, Analysiert die Lage und zeigt Schwächen wie Erfolge einer Branche auf, die gegen die Kostenlos-Mentalität des Netzes ebenso kämpft wie verbissene Konkurrenz im eigenen Lager.

 

 

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