Damit hat in der Branche niemand gerechnet: Die Nachrichtenagentur dapd will Kunden nicht mehr nur mit objektiven Berichten beliefern, sondern schon bald auch mit Kommentaren aufwarten. Ein Schritt, der bei den Kunden von Agenturen und Konkurrenten teils für erhebliches Befremden sorgt. "Meinungsartikel erledigen wir gern selbst", sagt etwa Spiegel-Online-Chef Rüdiger Ditz. So sieht das auch RTL-Mann Peter Kloeppel. Und Mitbewerber wie die AFP warnen gar vor einem heiklen Tabubruch.
Es war wie so oft bei dapd: Mit der Basis hat zuvor keiner gesprochen. Der "einfache" Redakteur wurde von dapd-Chef Cord Dreyer nicht gefragt, ob er die Idee mittragen würde, als Nachrichtenagentur, die sich bisher allein der Objektivität verpflichtet sah, künftig auch auf Meinung zu setzen. "Wollt ihr das?", diese Frage machte im Vorfeld nicht die Runde. Heraus kam, vermeldet intern wie extern per Mitteilung, bloß ein: "Das wollen wir!" Verordnet vom Chef und dessen Strategieteam.
Dreyer teilte offiziell mit, das Internet habe "dem Kommentar eine Renaissance beschert", auf die er als Nachrichtenagentur "mit unserer inhaltlichen Stärke" reagieren wolle. Das neue Kommentarangebot, das am 10. Oktober mit zwei werktäglichen Stücken starten soll, stößt in der Branche allerdings auf teils arge Skepsis. Zum Beispiel bei Rüdiger Ditz, dem Chefredakteur von Spiegel Online. Er sagte MEEDIA in einer ersten Reaktion: "Wir werden bestimmt keine Kommentare von einer Nachrichtenagentur beziehen. Meinungsartikel erledigen wir gern selbst." Er vermute aber, dass dieser Dienst "auf journalistische Angebote wie Spiegel Online auch nicht abzielt".
Ist der Kommentar einer Agentur also chancenlos? Auch wenn sein Team nicht auf Angebote dieser Art zurückgreifen will, glaubt Ditz das nicht – und erklärt: "Womöglich hilft solch ein Angebot dem einen oder anderen Kommentar als Anregung oder Steinbruch für die eigene Argumentation. Kurzum: Das Angebot wird sich an der Nachfrage messen lassen müssen." Kommentare prägten allerdings "das journalistische Profil eines Mediums, Gleichförmigkeit läuft diesem Prinzip zuwider", mahnt Ditz. Insofern sei für ihn "schwer vorstellbar, dass es publizistisch hilfreich ist, wenn in mehreren Medien ein wortgleicher Kommentar steht". Dreyer indes wies darauf hin, dass etwa kleine Regionalzeitungen profitieren könnten.
In der Mitteilung von dapd hieß es auch, TV-Stationen hätten sich so ein Angebot gewünscht. Wer RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel fragt, ob das sinnvoll sei, erfährt: "Wir haben ohnehin keine Kommentarstrecken im Programm - und wenn, dann hielte ich es für die inhaltliche und journalistische Unabhängigkeit eines Senders auch für unabdingbar, dass sie im eigenen Haus verfasst werden", sagte er zu MEEDIA. Und wäre es vorstellbar, dass sich ARD und ZDF das Kommentieren von Tickerdiensten abnehmen ließen? Wohl kaum!
So wie jedem Journalisten bei Zeitungen und Sendern zuzutrauen ist, zum einen objektiv über die Gesundheitsreform oder Sicherheitsgesetze zu berichten und zum anderen dies meinungsstark einzuordnen, so kann dies freilich auch bei Agenturjournalisten funktionieren. Die Frage ist hier also nicht, ob der Agenturjournalismus in seinem Kern bedroht ist. Wohl aber steht der Branche mit dem dapd-Angebot der Bruch mit einer langen Tradition ins Haus, zumindest bei den großen umfassenden Agenturen.
Bei der AFP, einem der beiden großen dapd-Konkurrenten auf dem deutschen Markt, heißt es beispielsweise in einem Claim: "Eine Agentur hat keine Meinung, und hat auch keine zu haben" ("L'agence n'a pas de point de vue et n'a pas à en avoir"). So wundert es nicht, dass der Geschäftsführer des deutschen Dienstes, Andreas Krieger, auf Anfrage zu MEEDIA sagt, auf diesem Grundsatz fuße nach AFP-Auffassung die Glaubwürdigkeit einer Nachrichtenagentur. Für sein Haus sei es daher "grundsätzlich nicht vorstellbar, als Nachrichtenagentur Kommentare anzubieten", weil dies "mit dem strikten Gebot der Unparteilichkeit kollidieren würde". Krieger sagt weiter: "Wir bezweifeln zudem, dass es einen größeren Bedarf an 'Kommentaren von der Stange' gibt, denn Medien werden in der Regel gerade Kommentare, die ihr unverwechselbares Profil schärfen, selber verfassen wollen."
Das sieht auch Peter Stefan Herbst so, einst Chefredakteur der Lausitzer Rundschau, inzwischen der Saarbrücker Zeitung. Er sagt, für die Saarbrücker Zeitung könne er sich nicht vorstellen, für Meinungsstücke auf Agenturdienste zurückzugreifen: "Kommentare sind blattprägend und profilbildend. Sie sollten aus der eigenen Kernredaktion oder von festen Korrespondenten kommen." Kleinere Zeitungen mit dünner Personaldecke könnten sich indes "aus wirtschaftlichen Gründen" für ein solches Angebot interessieren, da ist er ganz bei dapd-Chef Dreyer. Herbst mahnt allerdings auch, das wäre "ökonomisch nachvollziehbar, für die Meinungsvielfalt aber leider nachteilig". Zudem sollten "Nachrichtenagenturen im Kern Nachrichtenagenturen bleiben", denn: "Wenn sie auch Kommentare anbieten, verwässert dies das Profil und kann die Glaubwürdigkeit gefährden."
Als der dapd mitteilte, Kommentare liefern zu wollen, hieß es auch, er würde damit auf eine "bisher unübliche journalistische Darstellungsform" für Agenturen setzen. Dreyer wies zudem darauf hin, dass dies "ein für deutschsprachige Nachrichtenagenturen bisher einmaliges Angebot ist". So völlig revolutionär ist das alles am Ende aber doch nicht: Der Sport-Informations-Dienst (SID) liefert schon seit vielen Jahren täglich einen Kommentar, das "Thema des Tages", per Tickerangebot an seine Kunden aus (hier findet sich der jüngste). Das Besondere daran: Der SID ist eine 100-Prozent-Tochter der AFP-Deutschland. In der Nische scheinen sie es mit der Durchgängigkeit an Objektivität also ohnehin nicht mehr allzu genau zu nehmen. Die neue Qualität bei dem dapd-Vorhaben aber ist: Cord Dreyer plant diesen Dammbruch im ganz großen Stil.
Manche in der Branche lässt diese Entwicklung aber auch völlig kalt. "Wenn uns eines nicht fehlt, sind es Kommentare", sagt etwa Kai Gniffke, Chefredakteur der "Tagesschau"-Redaktion ARD-aktuell. "Im Ernst", sagt Gniffke, "ich finde es legitim, wenn eine Agentur neben Meldungen, Korris und Berichten auch Kommentare anbietet, aber wir haben dafür keinen Bedarf, weil wir genug eigene gute Kommentatoren haben."
Zumindest von der dpa wird er ohnehin auch künftig nichts bekommen. dpa-Sprecher Justus Demmer sagte MEEDIA: "In den dpa-Standards heißt es zu dem Thema: 'Die Trennung von Nachricht und Kommentar ist Grundprinzip der Agenturarbeit. Kommentare überlassen wir den Kunden.' Das ist unsere Position." Entsprechend werde dpa "auch die Arbeit von Mitbewerbern nicht kommentieren".
Aktualisierung 30. September 14h50: Der Eintrag wurde um Einschätzungen von Peter Stefan Herbst (Saarbrücker Zeitung) und Kai Gniffke (ARD/"Tagesschau") ergänzt. 30. September 17h30: Der Eintrag wurde um ein Statement der dpa ergänzt.
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Was waren das noch für Zeiten: Da residierte der Sport-Informations-Dienst (SID) über Jahrzehnte noch bei Neuss – mit eigener Kneipe und Ausnüchterungskammer für den Chef. Mit Michael Cremer, dem aktuellen Geschäftsführer des Fachdienstes, wird aber gerade alles anders. Er setzte seine Redakteure in einen schnieken Newsroom nach Köln um und rüstet mit ihnen fleißig auf – Film und Foto inklusive. So macht, neben dem neuen dapd, mit dem SID ein weiterer Dienst dem Marktführer dpa mehr Konkurrenz denn je.
Unter den Nachrichtenagenturen in Deutschland war der SID schon immer etwas Besonderes, bisweilen sogar etwas Zweifelhaftes. Er stand und steht dem Gegenstand seiner Berichterstattung nahe, manchmal sogar extrem. So attestierte ihm Fußballikone Franz Beckenbauer schon vor fünf Jahren zum Sechzigsten, er sei ein "in seiner Grundeinstellung klar positiv ausgerichteter Begleiter des Sports". Diese Haltung, im Zweifel pro Sport, ist aber gewiss auch ein Vorteil: Der SID kommt so meist dicht an Spitzensportler und deren Funktionäre ran. Seine Philosophie ist damit für den Sportjournalismus Fluch und Segen zugleich.
Bis Mai werkelten die 60 festen Mitarbeiter der SID-Zentrale noch in einem Eigenheim der Gründerfamilie um Alfons Gerz, dem "Haus der Medien" in Neuss. Ein Ort mit Geschichte, denn bis zuletzt tastete niemand das Büro des Gründers an, der 1995 starb. Ein Sportliebhaber, der den SID mit teils harter Führung zu dem machte, was die Agentur heute ist: Ein Sportdienstleister mit hervorragendem Netzwerk, das Exklusivität bietet. Gerz war auch ein Mann, der seine rheinländische Art bis in die SID-Redaktion hinein auslebte: Neben seinem Büro hielt er sich einen eigenen Schankraum, dahinter sogar ein Zimmer mit stets frisch bezogenem Bett - für die Nebenwirkungen.
Dieser Charme ist allerdings längst reif fürs Museum, denn im SID hat mit Geschäftsführer Michael Cremer derzeit ein Mann das Sagen, der die Agentur auf die Professionalität trimmt, die zweifellos nötig ist, um auch künftig bestehen zu können. Im Sommer bezogen seine Redakteure in Köln einen neuen Newsroom, mit Direktanschluss an den Hauptbahnhof, der zu den Stadien der Republik führt. Wie praktisch.
Eine Effizienz, die Cremer auch der Redaktion verpasst: Nach und nach lässt der 41-Jährige seine Redakteure zu journalistischen Allroundern ausbilden. Sie sollen damit nicht mehr nur mit Papier, Bleistift und Laptop umgehen können, sondern auch mit Videokamera und Mikrofon. Mit anderen Worten sollen schon bald möglichst alle SID-Mitarbeiter in der Lage sein, auch Videobeiträge zu produzieren, um neben Meldungen auch O-Töne abzusetzen, für Webseiten wie für TV-Sender. Das ganze ist bereits seit den Olympischen Spielen in Vancouver am Start.
Ein Projekt, bei dem nicht nur Chefredakteur Timon Saatmann hilft, den Cremer vom Fernsehsender N24 holte, sondern den vor allem in dieser Konsequenz die Mitbewerber des SID bisher ablehnen, weil sie nicht an die Wirtschaftlichkeit von Video-Diensten glauben. Sie können jedenfalls auf einem Youtube-Channel verfolgen, wie weit das SID-Vorhaben gediehen ist. Cremers Videodienst mangelt es allerdings bislang an den nötigen Rechten, um beispielsweise auch Spielszenen präsentieren zu können. Ein Manko, das er rudimentär glätten lässt, indem seine Redakteure bei Bedarf Fotos einblenden. Dazu passt, dass Cremer aktuell auch den Dienst SID-Images ausbauen lässt.
Das alles sei eine "zeitgemäße Interpretation der Gründungsidee: enger dran am Sport zu sein als eine Generalagentur und das jetzt mit modernsten Mitteln", sagt Cremer, dessen Agentur schon seit zehn Jahren eine Tochter des deutschen Dienstes der Agence France-Presse (AFP) ist und für Sportliches aus aller Welt auch Reuters auswertet. "Wir aktualisieren den SID ganz einfach."
Ihm helfe, sagt Cremer, dass sich "die Agenturkunden nun auch für ihre Sportberichterstattung häufig zwei Quellen beschaffen wollen". Wer wie die WAZ-Titel in Nordrhein-Westfalen und Thüringen zwar komplett auf dpa-Inhalte, nicht aber auf ein Sportressort verzichten will, der kommt bis heute ohnehin nicht am SID-Angebot vorbei. Auch deswegen sei die neue Konstellation auf dem hiesigen Agenturmarkt für ihn "nicht fürchterlich neu", auf dem sich gerade der ehemalige deutsche Dienst der Associated Press und der Deutsche Depeschendienst zum dapd zusammengeschlossen haben – aber just ohne Sportberichte.
Dass dapd-Chef Cord Dreyer nun von Beratern prüfen lasse (letzter Absatz), ob sich ein eigener Sportdienst lohne und wie aufziehen ließe, mache Cremer deshalb auch "keine Bange", wie er sagt. Ganz rosig indes lief es auch für seinen Dienst zuletzt nicht: Ausgerechnet die auf Sorgfalt und Vollständigkeit so bedachte Frankfurter Allgemeine Zeitung sprang ihm neulich als Kunde ab. Das zeigt, unter welchem Druck auch der SID steht, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Cremer aber, so stellt es sich dar, könnte dafür durchaus die richtigen Entscheidungen treffen.
Bilder von der Eröffnungsparty des neuen SID-Newsrooms an diesem Montag zeigt MEEDIA hier. Und der SID bietet jedermann einen kleinen täglichen Einblick in sein Angebot über seinen kostenfreien Newsletter "Sport heute".
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Geschichtsschreibung mit Risiken: Seit Montag, sieben Uhr in der Früh', sind der deutsche Dienst der AP und der ddp passé. Cord Dreyer – einst selbst Führungskraft des Marktführers dpa – hat beide Dienste zur neuen dapd-Nachrichtenagentur verschmolzen. Er will seinen Wettbewerbern das Leben schwer machen und bastelt dafür sogar an einem eigenen Sportdienst. Das Problem ist nur: Der Start von dapd birgt zwar großes Potenzial. Dreyer kann aber ebenso gut binnen weniger Monate kläglich scheitern.
Die Ausgangslage: Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) genießt einen enormen Wettbewerbsvorteil, denn sie hat das Vertrauen vieler Verleger inne. Sie waren es immerhin, die den Nachrichtendienstleister vor nun 61 Jahren ins Leben riefen. Und sie sind es, die den genossenschaftlich geführten Laden nach wie vor besitzen. Eine Liaison, die allerdings sehr wohl auch endlich sein kann, wie das Beispiel der Essener WAZ-Gruppe zeigt. Ihre Titel in Nordrhein-Westfalen und Thüringen verzichten seit bald zwei Jahren gänzlich auf dpa-Inhalte. Dass die WAZ Genosse der dpa blieb, beweist zudem: Eigentümer wollen nicht immer auch Kunden sein. Eine Erkenntnis, die Dreyer äußerst zupass kommen dürfte.
Die Chancen: Dreyers dapd (kleingeschrieben), der ein Kunstname ist und anders als der AP-Nachfolger DAPD (großgeschrieben) mit "Deutschem Auslands-Depeschendienst" keine ausgeschriebene Form mehr verpasst bekam, kann vor allem mit dem Preis punkten. Der dapd will Verlage mit diesem Preismodell ködern, sich gegen den Marktführer und für den neuen Herausforderer zu entscheiden: dpa-Abopreis minus Abopreis für den Sport-Informations-Dienst (sid) und dann nochmals abzüglich 25 Prozent. Dreyer, der früher einmal das dpa-Büro Hannover und den Finanzdienst dpa-AFX leitete, weiß um die Preise seines heutigen Konkurrenten. dapd könnte also notleidenden oder vorbeugenden Verlagen in die Arme laufen, sollte es Dreyer gelingen, die Qualität hochzuhalten.
Die Risiken: Während die Eigentümer des Deutschen Depeschendienstes (ddp), Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, erst den hiesigen Ableger der Associated Press (AP) übernahmen, die reichhaltigen internationalen Meldungen und Fotos der AP für 15 Jahre lizensierten und nun Dreyer ddp und AP inhaltlich fusionieren ließen, baute auch die dpa um. Sie hat mit dem ehemaligen Spiegel-Online-Chef Wolfgang Büchner einen brillanten Strategen an der Spitze, der zuvor auch für AP-Deutschland und Reuters in die Tasten haute. Vernetzter Newsroom, stärkerer Kontakt mit den Kunden über eine Web-2.0-Plattform, moderne Sprache, mehr Mut bei der Themenauswahl, tiefere Recherche, Herausstellen der exklusiven Inhalte: Büchners dpa will genau das, was sich auch Dreyer wünscht. Wenn Kunden mit "ihrer" dpa zufrieden sind und sie Nachrichtenjournalismus nicht als austauschbare Ware begreifen – warum sollten sie wechseln?
Die Nebenwirkungen: Das Zusammengehen von ddp und AP ist ein echtes Problem. Hier die ehemaligen AP'ler, die sich stets für die besten Qualitätsjournalisten hielten und ihre ddp-Kollegen belächelten, wie allein die fluchtartigen Wechsel wichtiger Ex-AP-Mitarbeiter (3) mit Peter Zschunke (Netzwelt), Froben Homburger (Inland) und - über den Umweg AP-International - Michael Fischer (Kanzleramtsexperte) belegen. Und da die ddp'ler, die unter großer finanzieller Entbehrung ihre einst insolvente Agentur und damit auch ihre bedrohten Jobs retteten, nun aber mit Kollegen zusammenarbeiten müssen, die deutlich mehr verdienen als sie. Im dapd-Intranet musste sich ihr neuer gemeinsamer Chef Dreyer deshalb in einem FAQ zum Start des fusionierten Dienstes selbst fragen: "Wieso verdienen DAPD-Mitarbeiter mehr als ddp-Kollegen und arbeiten weniger?" und "Wieso gibt es keine einheitliche Regelung/Haustarifvertrag für alle Mitarbeiter?"
Die Zukunft: Sie wird rasch zeigen, ob Dreyers Plan aufgeht oder nicht. Zum Jahreswechsel laufen etwa beim Berliner Tagesspiegel die dpa-Verträge aus – und nicht, wie ursprünglich verlautbart, schon im Sommer 2010. Wird der "Tagesspiegel" abtrünnig? Das wäre eine Signalwirkung, die Büchner nicht schmecken dürfte. Binnen weniger Monate dürfte sich auch zeigen, ob das medienwirksamste Dreyer-Instrument seine Wirkung entfaltet oder der große Wurf misslang, mit gut einer Handvoll von der Tagesaktualität freigestellten "dapd Sources"-Redakteuren in einer Nachrichtenagentur eine Art ständiges Politmagazin zu installieren. Björn Sievers, der vor seiner Zeit bei Focus Online sechs Jahre selbst bei ddp gearbeitet hatte, notierte bereits folgerichtig in seinem Blog dieses "Missverständnis mit der Exklusivität" und riet Agenturen davon ab, auf Exklusivität zu setzen: "Investiert in Brot und Butter!"
Wirklich spannend dürfte auch werden, ob sich Dreyer damit zufrieden gibt, kein eigenes Sportprodukt auf den Markt zu werfen – zusätzlich zum Fotoangebot des Top-Sports, das er vor allem von der AP übernimmt. Im Interview mit MEEDIA sagte Dreyer gestern: "Solange es unabhängige Sportanbieter auf dem Markt gibt, sehen wir da keinen Handlungsbedarf." Also keine Alternative zum Sport-Informations-Dienst, einer Tochter des deutschen Ablegers der AFP, mit der dapd ohnehin im Clinch liegt? Gut möglich, dass Dreyer erst einmal an einem Konzept basteln will, bevor er in dieser Angelegenheit den Mund voll nimmt. In seinem Führungsstab ist jedenfalls längst zu erfahren, dass dapd für die Sport-Frage eine ganze Projektgruppe installiert hat. Zwei externe Berater inklusive.
Update 7. September, 8.50 Uhr: Berichtigt wurde die Angabe über Dreyers dpa-Stationen (nicht Chef Landesdienst Nord) und zum Wechsel Fischers zu dpa (nicht direkt von dapd).
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Daniel Bouhs hält für MEEDIA die Welt der News-Dienstleister im Blick. Der freie Journalist spricht hier mit den Machern, Analysiert die Lage und zeigt Schwächen wie Erfolge einer Branche auf, die gegen die Kostenlos-Mentalität des Netzes ebenso kämpft wie verbissene Konkurrenz im eigenen Lager.