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Freitag 21. Januar 2011 14:17

In eigener Sache: Das Tickerblog schließt

Nach gut einem halben Jahr schließt sich das Tickerblog nun leider schon wieder: Ich habe kurzfristig ein Angebot der dapd angenommen.

Die Nachrichtenagentur bietet mir die Gelegenheit, das Medium, das mich seit dem Anfang meiner journalistischen Laufbahn begleitet und mit der bisherigen Berichterstattung über die Szene nicht mehr losgelassen hat, mit dem Thema zu verbinden, das mir inzwischen am meisten liegt: Agenturjournalismus und Medien.

Wen das Thema weiter interessiert, dem lege ich vor allem agenturjournalismus.de ans Herz. Vielen Dank für das Interesse - und vielfach auch das mir entgegengebrachte Vertrauen. Wir lesen uns sicher an anderer Stelle wieder!

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Freitag 07. Januar 2011 15:08

Interessenskonflikte bei dpa und Co?

Im Februar diskutieren Journalisten und PR-Leute an der Hamburger Uni über den Komplex "PR und Journalismus - zwischen Konfrontation und Kooperation". Besonders anekdotenreich dürfte es in den Runden "Geld, Macht, Frust? Warum Journalisten in die PR wechseln" und "Wessen Stimme bin ich? Freie Journalisten zwischen Journalismus und PR" zugehen. Beides sind Themen, mit denen sich auch die Agenturen beschäftigen sollten. MEEDIA stellt zwei Beispiele aus der dpa zur Diskussion.

Beispiel eins: Der 43-jährige Martin Bialecki machte bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine bemerkenswerte Karriere: Erst leitete er das Ressort "Vermischtes", dann "Politik Deutschland" und das Hauptstadtbüro in Berlin. Ein Aufstieg, um den ihn viele beneidet haben. Ende 2009 aber wurde bekannt, dass Bialecki die Seiten wechseln wird.

Bialecki ging zur Agentur Plato Kommunikation, die Teil von Scholz & Friends ist. Nach eigener Definition bietet sie "maßgeschneiderte Dienst- und Beratungsleistungen" mit den beiden "Kerngeschäftsfeldern" Public Affairs und Public Relations. Der Job von Martin Bialecki war also, Politik wie Öffentlichkeit und Medien für die Ideen seiner Kunden zu begeistern. Unter Bialecki zog sich Plato teilweise aus dem umstrittenen Bereich der Public Affairs heraus und setzte verstärkt auf klassische PR.

Allein der Abgang Bialeckis sorgte für Erstaunen bei Kollegen. Noch bemerkenswerter war aber die Meldung vom November 2010: "Martin Bialecki übernimmt Leitung der Redaktion Politik der dpa". Er wechselte erneut die Seiten. Der Mann, der sich also ein Jahr lang im Dienste der PR und vieler Großkunden bewegte, sitzt seit dem 1. Januar 2011 wieder an seinem alten Posten.

Wer Bialecki persönlich kennt, der traut ihm zwar nicht mal im Traum zu, dass sich der Journalist in seiner neuen, alten Tätigkeit noch anderem verpflichtet fühlen wird als der Objektivität. Kritikern bietet seine Biographie aber dennoch eine Angriffsfläche.

Beispiel zwei: Jahrelang stand eine regelmäßige freie dpa-Mitarbeiterin sowohl auf der Payroll der Agentur als auch in Diensten der Einrichtung, über die sie vielfach für die dpa schrieb: dem Klinikum der Universität Greifswald. Seit 2007 griff die Journalistin der Pressestelle des Klinikums unter die Arme. Bezahlt wurde sie für ihre Mitarbeit am Klinikmagazin. Bei der dpa hat sie zuletzt über das Greifswalder Klinikum unter anderem die Meldungen "Forscher suchen nach maßgeschneiderter Medizin für Jedermann", "Greifswald Top-Standort der Herz-Forschung" und "Forscher entwickeln Internetsuchmaschine für Enzyme" untergebracht - viele weitere zur Entwicklung der Universität und ihrer rechtlich unabhängigen Klinik gingen voraus.

Immerhin: Anzeichen, dass die freie Journalistin von der Uni-Klinik für externe PR bezahlt wurde, gibt es nicht. Dabei führte sie für das Hausmagazin der Klinik gelegentlich auch längere Interviews mit den Greifswalder Hochschul-Medizinern. Ganz gleich, ob nun mit Vorsatz oder eher unbewusst: Mit ihrem direkten Zugang in die dpa war sie bis zuletzt ein Türöffner für die Themen der Universität. Dazu ist sie mit dem derzeitigen Pressesprecher der Universität verheiratet. Wie über das Geschehen an der Uni-Klinik schrieb die Journalistin neben vielen anderen Ereignissen in der Region auch über Entwicklungen an der Hochschule - begann damit allerdings deutlich vor dem Wechsel ihres Manns vom NDR zur Universitäts-Kommunikation. Die Mitarbeit am Klinik-Magazin hat sie nach eigenen Angaben im Herbst 2010 beendet. Sie wird von der Klinik indes noch unter "Externe Unterstützung" geführt.

Die dpa sagt zu alledem: "Es ist nicht nur normal und notwendig, sondern auch wünschenswert, dass freie Mitarbeiter auch woanders beruflich tätig sind. Gleichzeitig dürfen selbstverständlich keine Interessenskonflikte in der Berichterstattung entstehen. Darauf legen wir großen Wert." Wie der neue Agentursprecher Carsten Wieland MEEDIA weiter sagte, sehe die dpa in diesem Fall auch "keinen Grund, an der Integrität unserer freien Mitarbeiterin zu zweifeln", die als "sehr kritische, integre und zuverlässige Journalistin" gelte. Zu konkreten Überschneidungen von Themen ist es tatsächlich nicht gekommen. Keiner ihrer dpa-Beiträge über das Klinikum oder die Uni wirkt besonders werbend. In vielen finden sich auch kritische Positionen zur Hochschulpolitik wieder.

Die Diskussion: In beiden Fällen ging bisher offensichtlich alles gut. Aber muss das bei Konstellationen dieser Art auch immer so bleiben? Dürfen Agentur-Journalisten mit ihrem Know-how, mit ihren Kontakten und ihren Fähigkeiten zwischen Journalismus und PR so einfach wechseln - und vor allem auch mal eben wieder zurück? Wie glaubwürdig können sie und ihre Redaktionen dabei bleiben? Und: Welches PR-Engagement ihrer Freien dürfen dpa und Co. dulden und, wie im zweiten Beispiel, Abonnenten verschweigen? Ihre Kommentare bitte (am Ende der Seite).

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Freitag 17. Dezember 2010 15:31

Kartellamt weist dapd-Beschwerde zurück

Der dapd ist mit seinem Vorhaben bis auf Weiteres gescheitert, das Bundespresseamt zur Ausschreibung seiner Nachrichtenagentur-Abos zu zwingen. Wie MEEDIA erfahren hat, hat das Bundeskartellamt eine entsprechende Beschwerde zurückgewiesen. Damit bleibt beim Bezug von dpa und Co. durch die Bundesregierung erst einmal alles beim Alten: Ihre PR-Stelle kann der Deutschen Presse-Agentur auch künftig ein Vielfaches von dem bezahlen, was sie dem neuen dapd anweist.

Die Verträge des Bundespresseamtes sehen allein für das laufende Jahr 2010 vor, dass die dpa 2,8 Millionen Euro für ihre Fotos und Texte erhält, der dapd indes lediglich etwa 804.000 Euro. Das wollte der dapd, der im September aus den ehemaligen ddp und AP-Deutschland hervorgegangen war, nicht hinnehmen. Zunächst versuchten die Geschäftsführer Cord Dreyer und Martin Vorderwülbecke das Amt in Gesprächen dazu zu bewegen, den dapd besser zu honorieren. Weil sie damit aber nichts erreichten, legten sie schließlich bei den Wettbewerbshütern Beschwerde ein (siehe "Kartellamt prüft Merkels Agenturabos").

Heute nun ging den Beteiligten - zu denen auch alle Wettbewerber des dapd zählen - der Beschluss zu. Er liegt dem MEEDIA-Tickerblog vor. Sinngemäß sieht das Bundeskartellamt demnach derzeit keine Ausschreibungspflicht für die Agenturabos des Bundespresseamtes, weil das Amt alle infrage kommenden Nachrichtenagenturen bezieht - und keine Selektion vornimmt.

Der dapd teilte mit, er begrüße die Entscheidung des Bundeskartellamtes, weil "Transparenz in der Vergabe von Aufträgen des Bundespresseamtes an Nachrichtenagenturen" geschaffen worden sei. Wie Sprecher Wolfgang Zehrt auf Anfrage sagte, verzichte die Agentur darauf, Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Kartellamtes einzulegen.

Tatsächlich bezieht das Bundespresseamt vom Jahreswechsel an vom dapd nur noch, was dem Angebot des einstigen ddp entspricht, nicht aber, was sich mit dem Angebot der einstigen AP-Deutschland deckt, die im Gegensatz zum ddp etwa auch über das Ausland berichtete. Für diese Lücke hat allerdings der dapd per Kündigung selbst gesorgt. Es will das Bundespresseamt dem Vernehmen nach damit dazu bringen, künftig den fusionierten Gesamtdienst dapd zu beziehen und sich das neue Produkt auch besser bezahlen lassen. Weil die Behörde an den Auslandsmeldungen sehr interessiert sein dürfte, dürfte der Streit zwischen dem dapd und dem Bundespresseamt weitergehen.

Das Auswärtige Amt, das Agenturdienste für Botschaften bezieht, hat hingegen erst im November angekündigt, seine Bezüge von Agenturdiensten zu überprüfen: Bereits zum Jahresende läuft ein langjähriger Exklusivvertrag mit der dpa für Textdienste aus, Ende 2011 dann ein Fotovertrag. Gesamtwert: gut 3,5 Millionen Euro. Das Auswärtige Amt plant, diese Leistungen auszuschreiben. Hier darf der dapd also weiter hoffen.

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Dienstag 14. Dezember 2010 12:00

dapd angelt sich AFP-Vertriebschef

Diese Personalie ist zweifellos ein Paukenschlag - und von Cord Dreyer höchst geschickt: Die Nachrichtenagentur dapd holt sich mit Timo Peters den Vertriebschef des deutschen Ablegers der Agence France-Presse (AFP). Die konkurriert mit dem dapd im wichtigen Segment der Auslandsberichte - und hat mit der Tochter SID, was der dapd gerade aufbauen will: einen starken Sportdienst und zudem ein funktionierendes Video-Produkt. Peters weist indes Vermutungen zurück, der dapd kaufe sein Insiderwissen.

Der 35-jährige Peters, so heißt es in einer Mitteilung, werde von Januar 2011 an Leiter des Vertriebs "Non Media" und Stellvertreter des Gesamtvertriebs der Nachrichtenagentur dapd - unter Holger Zöllner. Gleichzeitig werde er Mitglied der Geschäftsleitung für den Bereich Video, der bisher vom Leiter des PR-Dienstleister ddp direct und dapd-Sprecher Wolfgang Zehrt geleitet wird. Zur Erinnerung: Der dapd baut derzeit einen riesigen Videoapparat auf. Mit eigenen Produktionen, aber auch mit Lizenzen des Materials der News-Dienstleister CNN, Dow Jones und des Videoarms der Associated Press (AP) will er 40 Nachrichtenfilme pro Tag an die Abonnenten seines Basisdienstes verschenken.

dapd-Chef Cord Dreyer, der Geschäftsführer wie Chefredakteur in Personalunion ist, bezeichnet Timo Peters als einen "profilierten Vertriebler und profunder Kenner der nationalen und internationalen Agenturbranche". Für den Bereich Video gewinne der dapd mit ihm "einen erfahrenen Fachmann, der den Weg der Agentur entscheidend mitgestalten wird". Dazu passt, dass AFP seit Jahren Web- und Mobilredaktionen mit aktuellen Videonews bestückt. Peters kennt zweifellos die Preise und mögliche Margen, die hier drin sind, und die Anforderungen potenzieller Kunden.

Bei der Personalie liegt oberflächlich die Vermutung nahe, der dapd kaufe sich nötiges Insiderwissen. Für Video, aber auch für einen ganz anderen Bereich: den Sport. Immerhin gilt die 100-prozentige Tochter der AFP GmbH, der Sport-Informations-Dienst (SID), als gelungener und zugleich profitabler Dienstleister. Der dapd wiederum will bekanntlich zu Ostern 2011 einen eigenen Sport-Dienst aufbauen. Der würde zweifellos dem SID, aber natürlich auch dem hiesigen Agentur-Marktführer, der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Paroli bieten. Auch für die dpa war Peters einst unterwegs.

Nun wäre dieser Handel mit Interna aber verboten - wie üblich müsste Peters bei einem Verstoß Strafen zahlen. "Insiderhandel ist nicht mein Stil", sagte Peters zu diesen Spekulationen zu MEEDIA. "Das wäre auch unprofessionell - und weder von mir gewollt, noch das Ansinnen meines neuen Arbeitgebers." Warum er dann wechselt, scheint ebenso naheliegend. Er selbst sagt im Gespräch, er gehe "nicht von AFP weg, weil mich hier irgendetwas stört, sondern weil das Projekt dapd durch und durch spannend ist".

Nachvollziehbar ist, dass bei AFP die Möglichkeiten, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen, begrenzt sind. Die Eigner des dapd, Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, investieren hingegen Millionen in das Geschäft und wollen stark expandieren. "In den Bereichen Video und Sportberichterstattung haben wir die einzigartige Möglichkeit, vom Punkt Null aus neue Agenturdienste zu schaffen", sagt Peters. Der dapd trete nun auch mit ihm an, um "sowohl in Deutschland als auch international die erste Adresse für deutschsprachige Nachrichten zu werden".

Die AFP trauert ihrem Vertriebs- und Marketingchef unterdessen nach, der nach eigener Aussage noch bis zum Jahreswechsel "Projekte fertigstellt". "Ohne Frage verliert AFP mit Timo Peters einen profilierten Vertriebsleiter", heißt es auf Anfrage. Seine Dossiers würden nun vorübergehend von der AFP-Geschäftsleitung betreut. Deren Übergabe laufe bereits "seit fast zwei Monaten reibungslos". Zu Peters Know-how heißt es zudem: "Wir sind uns sicher, dass Timo Peters wie zuvor auch arbeitsvertragsgemäß und vertraulich mit den ihm aus früheren Beschäftigungsverhältnissen bekannten Informationen umgehen wird." Zudem gibt sich die AFP-Deutschland-Spitze davon überzeugt, dass das Angebot von AFP in allen Bereichen so attraktiv sei, "dass dieser Personalwechsel keine Beeinträchtigung unserer anhaltenden Verkauferfolge bedeutet".

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Sonntag 12. Dezember 2010 16:33

Stockholm: Eklatante Schwächen beim dapd

Zwei Explosionen im Stockholmer Weihnachtsgetümmel, die auch noch nach einem Terror-Anschlag riechen – dieser Vorfall war für die Agenturen gewiss ein Top-Thema. Ein Fall, bei dem aber nicht alle News-Dienstleister eine gute Figur machten: Kunden des dapd, der sich stets damit brüstet, das Material von tausenden AP-Reportern auswerten zu dürfen, mussten derbe Schwächen beobachten. Das zeigt einmal mehr, wie schwer es dem dapd fällt, den Marktführer dpa "verzichtbar" zu machen.

Die Nachrichtenagentur dapd wirbt nicht nur gerne für sich – sie teilt auch ebenso gerne gegen ihren wichtigsten Konkurrenten aus, die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Geht es nach den Eigentümern Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, soll der dapd schließlich den deutschen Marktführer "verzichtbar" machen. Damit das klappt, haben die Inhaber des Deutschen Depeschendienstes (ddp) vor fast exakt einem Jahr den hiesigen Ableger der US-Agentur Associated Press (AP) erworben. Teil des Deals war auch eine Lizenz, die dem heutigen dapd für insgesamt 15 Jahre erlaubt, das Weltmaterial der AP-Reporter exklusiv für den deutschen Markt auszuwerten.

Die mächtige Auslandsberichterstattung über die AP-Lizenz ist zweifellos ein Asset, mit dem der dapd im Wettbewerb mit der dpa punkten könnte – so wie es der einstige eigene AP-Ableger auf dem deutschen Markt vorlebte. Das weiß auch die Führung um dapd-Chef Cord Dreyer: Dem Bundespresseamt drückte der Geschäftsführer, der zugleich Chefredakteur ist, ein "dapd Fact Sheet" in die Hand. Demnach sollen 466 Korrespondenten der dpa 2.649 des dapd gegenüber stehen, 93 Büros der dpa in aller Welt zudem 265 des dapd, der sich damit die AP-Infrastruktur zu eigen machte. Das Problem an der Sache ist nur: Dieser Scoop geht nicht auf, wenn sich der dapd nur zurückhaltend auf das AP-Material stürzt.

So geschehen eben an diesem Wochenende in der Causa "Stockholm". Der dapd war bei diesem Fall hierzulande zunächst und sogar mit Abstand der schnellste Dienst. Nachdem der internationale AP-Feed nämlich bereits um 17.50 Uhr schnellmeldete "2 cars explode in central Stockholm, 1 injured", übersetzte für den dapd eine Slot-Redakteurin das Material derart umgehend, dass die Kunden des dapd die Headline "Zwei Autos in Stockholm explodiert" schon sieben Minuten später auf dem Schirm hatten – pünktlich für die Nachrichten zur vollen Stunde.

Auch die erste Zusammenfassung "Toter bei Explosionen in Stockholm - Zwei Menschen verletzt - Ursache unklar (weitgehend neu)" gingen um 19.20 Uhr über den dapd-Ticker – immerhin eine respektable Stunde und 17 Minuten vor der gesamten Konkurrenz. Das allein zeigt, welches Potenzial im dapd schlummert. Die dpa hingegen folgte erst um 20.37 Uhr, Reuters und AFP sogar noch später. Von dann an aber stiegen die Mitbewerber des dapd voll ein – und der dapd über Stunden voll aus.

Beispiel dpa: Sie sendete Zusammenfassungen, berichtete wie auch AFP-Deutschland und Reuters auch zu nachtschlafender Zeit und damit insbesondere für die Radiosender und Online-Portale fortlaufend, teils mit Eil- und Überblicksmeldungen über weitere Neuerungen. Während der dapd seine Kundschaft also noch vor der "Tagesschau" damit zu Bett gehen ließ, dass die "Ursache unklar" sei, eilte die dpa kurz vor ein Uhr "Selbstmordattentäter in Stockholm schickte Drohbrief", gestützt auf die örtliche Partner-Agentur TT. Dabei meldete der internationale AP-Feed, auf den dapd seine Auslandsberichte im Wesentlichen stützt, deutlich vor Mitternacht, dass bei der schwedischen Agentur TT kurz vor den Explosionen eine entsprechende Mail eingelaufen sei – Wortlaut und islamistischer Hintergrund des Selbstmörders inklusive.

Während die deutschen Mitbewerber die ganze Nacht lang tickerten und die Redaktionen ständig mit neuen Details und offiziellen Reaktionen der Außenpolitik versorgten, und während über den internationalen AP-Feed im Auslandsressort des dapd in Frankfurt am Main wie in der Berliner Zentrale durchgehend neue Fakten aufliefen, reichte der dapd nichts davon an seine Kunden weiter. Schließt der dapd die Augen, hilft auch ein exklusiver Zugriff auf ein international breit aufgestelltes Reporter-Netz nichts.

Mit dem frühen Ausstieg aus der Berichterstattung ging nicht zuletzt auch die Dimension des Vorfalls am dapd vorbei. Der Korrespondent der dpa für Skandinavien, Thomas Borchert, notiert hingegen um 1.45 Uhr in einem seiner Berichte: "In Stockholm wird wahr, wovor sich Europa seit Wochen am meisten fürchtet." dapd-Abonnenten erfuhren indes erst um 7.45 Uhr und zudem noch für die bis dahin aufgelaufene Lage bemerkenswert vage: "Explosionen in Schweden offenbar islamistischer Anschlag".

Warum also nutzt der dapd seine exklusive AP-Lizenz bisweilen derart schlampig und warum beweist er seinen Kunden so, dass die Konkurrenz alles andere als "verzichtbar" ist? dapd-Sprecher Wolfgang Zehrt sagte dem MEEDIA-Tickerblog: "Da legen Sie den Finger in eine empfindliche Wunde, denn unser Besetzungsplan weist lediglich noch eine Lücke auf: die Nacht von Samstag auf Sonntag." Die solle spätestens zum 1. Januar geschlossen werden. Laut Zehrt eine intern längst angekündigte Maßnahme des neuen Auslandchefs André Uzulis, der gerade vom "Südkurier" kam.

Der dapd muss sich angesichts solcher Pannen fragen lassen, ob er in der Lage ist, das Weltgeschehen stets verlässlich abzudecken. Immerhin wanderten nach dem Verkauf des deutschen AP-Dienstes an die ddp-Eigentümer viele prominente Köpfe ab, darunter der einstige Auslandschef Peter Zschunke. Und der langjährige Chefredakteur Peter M. Gehrig wurde – wenn auch weiter mit seinem alten Titel – aus dem operativen Geschäft in die Leitung der "dapd Akademie" gelenkt.

"Was da am Samstagabend passiert ist, ist natürlich nicht schön, vor allem, weil wir anfangs sogar die Nase vorn hatten", erklärte Agentursprecher Zehrt weiter. Er räumte zudem ein: "Hier hat der Redakteur am Auslandsdesk die Tragweite von 'Stockholm' nicht ausreichend erkannt und unsere Berichterstattung leider einfach beendet, statt dem Chef vom Dienst in Berlin auf die Lage im Ausland hinzuweisen." Dort, am Stammsitz des dapd, sitze "immer jemand, der sich aber nur um das Inland kümmert, wenn er von Frankfurt keine andere Ansage bekommt".

Hinweis 13. Dezember: Ich habe den Einschub, Cord Dreyer probiere sich neben seiner Aufgabe als Geschäftsführer auch als Chefredakteur, entfernt - und muss einräumen: Das war zu flapsig. Mir lag daran, Dreyers Doppelrolle als Chefredakteur und Geschäftsführer einen Seitenhieb zu verpassen - keinesfalls aber seiner Qualifikation für diese beiden Ressorts.

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Freitag 10. Dezember 2010 13:43

Tagesspiegel bleibt doch dpa-Abonnent

Viel Wind um Nichts: Nach MEEDIA-Informationen bleibt der Tagesspiegel allen Bekundungen zum Trotz Kunde der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Vor gut einem Jahr hatten die beiden Chefredakteure Lorenz Maroldt und Andreas Casdorff noch mit Empörung darauf reagiert, dass der News-Dienstleister in eine Immobilie des Axel-Springer-Verlages ziehen wollte, und lautstark als Sanktion den Verzicht auf die dpa-Dienste angekündigt.

Auslöser des Theaters war eine Meldung der dpa vom 3. November 2009. Damals verbreitete der hiesige Agentur-Marktführer die Schlagzeile: "dpa-Zentrale in Berlins historischem Zeitungsviertel" - und kündigte damit den Umzug seiner bisher auf Frankfurt, Hamburg und die Hauptstadt verteilten Redaktionen in eine gemeinsame Etage der Axel-Springer-Passage an, die ein Anbau des Hauptsitzes jenes Verlags ist, der mit vielen anderen Verlagen in erbittertem Wettbewerb steht. Im Tagesspiegel entfachte diese Nachricht deshalb auch einen "Sturm der Entrüstung", wie damals Redakteure aus den Sitzungen berichteten.

Was folgte, waren auch im Tagesspiegel Berichte in eigener Sache: Unter dem Titel "Mit der Unabhängigkeit völlig unvereinbar" hieß es in knappen Zeilen an die Leser, mit dem Umzug sei "eine vertrauensvolle Zusammenarbeit (...) nicht mehr möglich". Zugleich hatte der Tagesspiegel der dpa mitgeteilt, den Bezug ihrer Dienste "aus wichtigem Grund" zum Juli 2010 zu kündigen - dem Zeitpunkt des avisierten Umzugs.

Eine Ankündigung, die für viel Aufsehen sorgte. Zum einen warfen Kritiker dem Blatt vor, mit zweierlei Maß zu messen, weil der Tagesspiegel selbst Kunde seines eigenen Konkurrenten war - zu diesem Zeitpunkt ließ er bei Springer drucken. Zum anderen sah sich die dpa in der öffentlichen Wahrnehmung mit einer Welle an Kundenabgängen konfrontiert, da ihr zuvor bereits die Essener WAZ-Gruppe zu schaffen machte. Die verzichtet seit Anfang 2009 für ihre Titel in Nordrhein-Westfalen und Thüringen gänzlich auf die Inhalte der dpa (ganz anders als bei der Braunschweiger Zeitung, die bei Agenturberichten allein auf die dpa setzt). Das Bild der dpa als Verleger-Agentur bröckelte damit so stark wie nie zuvor.

Jetzt aber ist klar: Maroldt und Casdorff halten der dpa auch in Zukunft die Treue. "Wir haben in den vergangenen Monaten die dpa geprüft, die Redaktion besucht und vertrauensvolle Gespräche vor allem mit Chefredakteur Wolfgang Büchner geführt. Die dpa hat uns schlichtweg überzeugt, dass sie ihre Standards halten wird und wir mit ihr als Qualitätsagentur auch künftig eine Qualitätszeitung machen können", sagte Maroldt auf Anfrage zu MEEDIA. Er habe "keinerlei Befürchtungen mehr, dass unser Konkurrent Springer etwa besser zitiert wird als wir".

Maroldt sagte allerdings auch: "Die dpa hat uns damals mit ihrer Meldung vor vollendete Tatsachen gestellt. Hätte sie mit uns im Vorfeld besser kommuniziert, dann hätte sie sicher die ein oder andere Befürchtung frühzeitig ausräumen können." Auch die dpa bestätigte auf Nachfrage die Vertragsverlängerung und teilte mit: "Der Tagesspiegel bleibt auch über das Jahr 2010 hinaus Kunde der dpa. Das Vertragsverhältnis wird in vollem Umfang fortgesetzt."

Eine gänzlich dpa-freie Zone ist damit weiter nicht in Sicht: Die nordrhein-westfälischen Titel und das Online-Portal derwesten.de der WAZ verzichten zwar weiter in aller Konsequenz auf die Inhalte des Agentur-Marktführers. Ihre erst vor wenigen Wochen gestartete Fußball-App "WAZ Dauerkarte" speist sich hingegen aus Inhalten der dpa, wenn auch über den Umweg des IT-Ablegers dpa-Infocom. Auch die Düsseldorfer Rheinische Post, bei der sich der heutige WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz einst bereits im dpa-Verzicht übte, ist längst wieder Abonnent, nämlich für die Themendienste und den dpa-Bildfunk. Und die Ludwigshafener Rheinpfalz, die ebenfalls häufig fälschlicherweise als dpa-frei gilt, bezieht etwa Infografiken und den Dienst mit Nachrichten für Kinder von der dpa.

Während die dpa jubeln kann, weil ihr ein prominenter Kunde doch nicht wegbricht, bleibt ihrem Hauptkonkurrenten dapd die Schmach nicht erspart: Auf MEEDIA-Anfrage bestätigte der Springer-Verlag, dass alle seine Titel definitiv und vollständig auf die Dienste des dapd verzichten werden. Derzeit bekäme man zwar noch einzelne dapd-Inhalte von der Agentur geschenkt. "Das werden wir aber nicht in reguläre Bezüge umwandeln, wenn die kostenfreie Belieferung ausläuft", so eine Sprecherin (Hintergrund).

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Daniel Bouhs hält für MEEDIA die Welt der News-Dienstleister im Blick. Der freie Journalist spricht hier mit den Machern, Analysiert die Lage und zeigt Schwächen wie Erfolge einer Branche auf, die gegen die Kostenlos-Mentalität des Netzes ebenso kämpft wie verbissene Konkurrenz im eigenen Lager.

 

 

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