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Montag 20. August 2012 15:28

Über die Zukunft des Storytellings

Medienmacher und –entwickler sprechen oft und gerne von der "Zukunft des Storytellings". Was genau damit gemeint ist, bleibt meistens nebulös bis offen. Reicht ja, dass es gut klingt. Sicher ist immer nur, dass der reine, unveränderbare Text, erstellt von einem Autor und vielleicht noch mit einem Foto versehen, ganz sicher kein Storytelling der Zukunft ist. Die Beratungsagentur Latitude hat jetzt spezifischer nachgefragt und erfahren: Nutzer wollen Themen intensiver "erleben" und manchmal sogar mitgestalten.

Latitude hat die Storytelling-Vision in vier Stichworten zusammengefasst: Immersion (Vertiefung), Interaktivität, Integration, Impact (Auswirkung). 158 "early adopter" haben dazu beigetragen, die vier I´s herauszufiltern, darunter vauch deutsche Umfrage-Teilnehmer. Viele der Idealvorstellungen und Wünsche der Nutzer sind heute noch nicht umsetzbar und vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt, doch sie vermitteln ganz gut, wie hoch die Erwartungen an Medieninhalte heute schon sind.

"Storytelling", das bedeutet für viele technisch versierte und erfahrene Nutzer, dass sie "tiefer" in eine Geschichte eintauchen wollen, wenn sie dazu Lust haben. Beispielsweise, indem sie zusätzliche Informationen zu einer Geschichte bekommen, Hintergründe, Seitenaspekte, etc. Ein Teil der Nutzer will idealerweise selber die Geschichte mitgestalten, eine aktive Rolle spielen. Die Geschichte muss über verschiedene Plattformen erzähl- und erfahrbar sein, auch zeitversetzt. Die physische Welt wäre dabei nur eine weitere Plattform, die es auch einzubeziehen gilt. Konkret: Veranstaltungen könnten eine Geschichte ergänzen. Schließlich wollen Nutzer, dass aus einer Geschichte, der sie ihre Aufmerksamkeit schenken, auch "reale" Handlungen abgeleitet werden können.

Wichtigste Botschaft an Medienmacher: Eine Geschichte auf verschiedenen Plattformen zu erzählen, bedeutet in den Augen von Nutzern nicht, dass dieselbe Geschichte einfach nur auf einem anderen Kanal dupliziert wird. Ein neuer Kanal muss eine weitere Perspektive einer Geschichte bieten. In Deutschland mag das TV-Online-Format "Dina Foxx" von UFA und ZDF als exemplarisches Beispiel herhalten. Ein Kriminalfall, der zunächst als TV-Film im klassischen Fernsehen lief, wurde im Netz fortgeführt. 82 Prozent der von Longitude Befragten wünschten sich, dass eine mobile App ergänzende Informationen und Inhalte zu einem TV-Beitrag oder Film liefert.

Gesucht sei Technologie, die eine Brücke zwischen verschiedenen Plattformen baut. Ganze 79 Prozent der Befragten wünschen sich Möglichkeiten, in die Story eingreifen zu können. Mehr als die Hälfte schlägt vor, beispielsweise Augmented Reality einzubeziehen. Um von solchen Konzepten nicht nur zu träumen, sondern sie auch in die Tat umzusetzen, wären zwei Drittel der Befragten bereit, per Crowdfunding Geld zu sammeln.

Klar ist: Mit dem journalistischen Tagegeschäft haben solche Vorstellungen wenig bis nichts zu tun. Aber klar ist auch: Medien, die von technikversierten jungen Nutzern ernst genommen werden wollen, müssen auch solche Inhalte anbieten. Das erfordert viel Planung, viel Expertise, viel Experimentierlust – und natürlich ein Budget. Die Idee des "transmedia storytelling" ist nicht neu, doch die Voraussetzungen, aus Geschichten richtige "Erlebnisse" zu machen, sind heute viel besser als zu Anfang der 90er Jahre, als dieser Begriff geprägt wurde. 

Kennen Sie gelungene Beispiele für journalistisches transmedia storytelling? Beispiele an: christian.meier@meedia.de.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 5 von 5

16.01.13 01:17

nico las Web-Site

Das man TV-Serien für die SBahn als 20-Minuten-Folgen sieht und auf der Bluray die 2-Stunden-Version drauf ist, sollte klar sein.

21.08.12 15:54

Michael Dreusicke Web-Site

"Um von solchen Konzepten nicht nur zu träumen, sondern sie auch in die Tat umzusetzen, wären zwei Drittel der Befragten bereit, per Crowdfunding Geld zu sammeln."

Bei der Umsetzung in die Tat würde ich mich gerne beteiligen. Wer noch?

20.08.12 20:02

Peter Müller

http://meedia.de/

20.08.12 19:26

als der Tonfilm kam

Während in England ganz normal ist, die Twitter-Tags zu Sendungen zu nennen (ich vermute auch bei ITV welches wohl zu RTL gehört) wird sowas hier unterm Tisch gehalten.

Matrix hat mit Animatrix die Geschichte um Comics ergänzt. Und das Spiel hat noch eine weitere Geschichte hinzugefügt. Gleiches bei Ridick dem Film und dem zugehörigen ergänzenden Computerspiel.

Es gab doch dieses Startup mit Tags und Gamification und Locations. Wenn man also die Orte von Berlin Tag+Nacht mit Tags versehen würde und man die scannt oder sich dort eincheckt und als "Ole der Woche" "Carlos der Woche" o.ä. in der Facebook oder Foursquare-Statistik der Berlin Tag+Nacht-Top-Liste erscheint hat man auch Zusatzaspekte reingebracht. Aki-aka hatte sowas ja mit Anzahl der Kontakte die man gemacht hat.

Das man TV-Serien für die SBahn als 20-Minuten-Folgen sieht und auf der Bluray die 2-Stunden-Version drauf ist, sollte klar sein. Die Ehefrau schaut sich dann die Selektion mit der Hauptgeschichte und den Liebes-Nebengeschichten an während der Ehemann dieselbe Folge ohne Schnulz und mit mehr Action-Szenen oder längeren Verfolgungs-Jagden oder Informantenbefragung im Strip-Clup ansieht.

Der "Fehler" in der Befragung ist, das man nur einen Aspekt anbietet und zig weitere vergisst. Saudi-Arabische Touristen geben deutlich mehr Geld aus als norme Pauschalreisende. In der Türkei besuchen die angeblich gerne die Dreh-Orte einer bestimmten Telenovela.

Das "Ole ohne Kohle" vielleicht bald echte (also nicht nur in Doku-Reality-Novela oder wie die Bezeichnung ist) Ü30-Schlager-Parties organisiert und Carlos "Aufreisser-Kurse" anbietet, wäre nicht überraschend. Auch DSDS-Kandidaten u.ä. könnte man am Wochenende dynamisch gebucht per Live-Events oder Auftritten am Baggersee vermarkten und nicht nur für Schützenfeste.

Wenn Machinima-Serien kommen, kann man ja ganze Welten um weitere Stories ergänzen und (wie bei den diversen Serien-Spin-Offs) Nebenstories ausweiten und bucht dann Anwesenheitsminuten in dieser "Welt" oder kriegt kostenlos vom Baumarkt erklärt, wie McGuyver oder das ATeam das Kleinflugzeug aus Standard-Teilen zusammengesetzt haben.

Jeder kann schreiben und Bücher bei Amazon oder Journalistische Berichte in Blogs abliefern, aber nur die wenigsten tun es und Selbstautoren waren auch vor dem Internet oft nicht wirklich erfolgreich.
Es ist ja auch so, das die Verlage usw. technisch auch Dinge ausprobieren. Leider versanden diese dann oder sind nach dem Projekt eher nicht mehr verfügbar.

Bisher beschränkt sich manches dann auch auf Erlebnisparks oder Movie-Studio-Sachen, aber man kann wohl inzwischen auch Shows für Wer wird Millionär (ohne Günther Jauch) für in der Firma oder als Kegelklub (wenn ich nicht weiss ob das Budget stimmt) drehen lassen.
Überall verfügbares Internet erlaubt durchaus neue Ideen. Schillerstraße oder Talkshows mit !konstruktiver! Interaktion macht halt kaum wer oder so kompliziert, das es als Miserfolg gilt damit keiner auf die Idee kommt, per Facebook abzustimmen welche Fragen der Firmenchef oder Wahlkandidat am nachgefragtesten beantworten sollte. Oder war Schillerstraße nicht wirklich dynamisch ?

Es gibt also zig andere komplementäre Ideen für Serien, Dokumentationen, Kino-Filme, TV-Filme, TV-Nachrichten und Talkshows oder Pressekonferenzen ... die nicht unbedingt mit der Befragung überdecken.

Und wer nicht an die Relevanz glaubt: 30% der Medien-Nutzung sollen schon per Phone und Pad und bald auch noPC-Geräten wie SmarTVs stattfinden. TV sollte sich also anpassen und sinnvolle Ergänzungsmöglichkeiten (neben Abrufbarkeit in der Mediathek) bieten. Die crowd könnte ja auch Story-Vorschläge (in 140 Zeichen) machen. Votes sind dabei wenig hilfreich sondern es geht um die Ideen und dann schlaue Umsetzung.
Immer nur Remakes von Remakes von Serien oder Kino-Filmen (jetzt in 3D) haben auch mal ein Auswertungs-Ende. Siehe Talkshows die dann durch Reality-Dokus abgelöst wurden. Oder Stagnation bei anderen früher mal beliebten Formaten.

Wenn die Zuschauer auf Internet abwandern und die Interaktion bei manchen Formaten steigt bleiben für Lineares TV nur Schlagersendungen und die Offliner übrig und Google-Live wird das was früher mal TV und "Straßenfeger" waren. Und ob die Offliner eine kaufkraftrelevante Zielgruppe sind, wissen die Marktbeobachter bescheid.

Das ist wie damals als der Tonfilm kam. Oder das Farb-TV. Oder Serien. Oder die Autos. Oder der Buchdruck. Oder die Faxe. Oder Emails.
Und auch Mallorca-Ipad-Rentner können sehr gut die Brauchbarkeit von Nachrichten-Apps oder 3D-Bluray-Playern usw. einstufen.

20.08.12 18:41

f gruen

"technikversierte junge Nutzer"...
Denkt auch noch jemand an die Älteren? Wir sind viel mehr als die Jungen! Und ich bin sicher nicht die Einzige, die einfach nur Zeitung LESEN möchte und nicht noch tausend Klickibunti Nebeneffekte dabei! Dafür hab ich gar keine Zeit!Und wenn ich tatsächlich nochmal fernsehe, dann will ich auch nicht noch nebenbei mit anderen diskutieren, Rätsel lösen, das Produkt zur Serie kaufen, whatever... einfach nur mal fernsehen! Und ich glaub, es gibt noch mehr von meiner Sorte... und wir um die 50 haben auch noch das Geld und die Bildung... Denkt doch mal darüber nach und bedient uns bitte auch noch, ihr Medienmacher, denn wenn ihr auf die Jugend setzt, dann könnt ihr gleich einpacken, die schrubben eh nur noch auf ihrem Smartphone rum.

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Christian Meier ist stellvertretender Chefredakteur von MEEDIA. Er lebt in Berlin und beobachtet von dort den manchmal schmerzhaften Wandel der Medienbranche. Weil Inhalte noch immer der wichtigste Rohstoff der Medienindustrie sind, schreibt er hier über innovative Konzepte, ihre Macher und den Wert des Content in Zeiten der Digitalisierung. Gelegentliche Ausflüge in völlig andere Gefilde sind nicht ausgeschlossen. Sie erreichen ihn unter christian.meier@meedia.de oder auf Twitter unter @Christian_Meier.

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