Es gibt diese Momente, in denen sich der Massengeschmack und das eigenen Angebot treffen. Diese eine Chance muss man nutzen, wenn man seine Netz-Unternehmung nach vorne bringen will. In Köln steht Christoph Krachten gerade vor dieser Herausforderung. Denn dem Web-TV-Anbieter gelang mit einem Bushido-Interview ein echter YouTube-Smashhit.
Seit Freitag erreichten die Interview-Sequenzen mit dem Rapper mittlerweile mehr als 445.000 Abrufe. „Das hat uns völlig umgehauen“, erzählt Krachten. „Natürlich hofft man immer, dass das nächste Interview ein echter Kracher wird. Doch wenn es dann soweit ist, kommt es doch wie aus dem heiterem Himmel.“

Bushido: World of Warcraft ist für mich Urlaub!
Zusammen mit drei Mitstreitern betreibt der Besitzer der TV-Produktions-Firma Momento Media, den Web-TV-Sender Clixoom. Das Portal ist auf Promi-Interview spezialisiert. „Das besondere bei uns ist, dass wir sehr lange und ausführlich mit den Schauspielern, Moderatoren oder Autoren reden“, sagt Krachten. „Sie kommen bei uns ausführlich zu Wort und reden über die Themen, über die sie auch wirklich sprechen wollen.“ Die Folge: Aus oft gewohnt drögen Star-Interviews werden nach wenigen Minuten interessante und spontane Gespräche.

Bushido: Ich lege sehr viel Wert darauf, dass
ich ein Muttersöhnchen bin!
In den anderthalb Jahren, seit dem Clixoom besteht, blieb der große Erfolg bislang aus. „Video-Hosting ist nicht billig“, erzählt Krachten. Wenn man solch einen Angebot Geld verdienen braucht man eine große Reichweite. Doch die hat bislang gefehlt.“ Dank YouTube und dem Bushido-Gespräch könnte sich dies jedoch ändern. „Der Traffic auf unserer Seite hat sich bereits verdreichfacht, bleibt er nun stabil, dann sind wir auf dem richtigen Weg.“
Googles Clip-Kanal taugt dabei allerdings nur als Promotion-Tool. Clixoom ist ein sogenannter Preminum-Partner von YouTube, doch die Einnahmen sind noch immer gering.
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Geheimnisvoll: Klaus Madzia, der ehemaliger Chefredakteur von "Net Business" oder dem Frankfurter Gratisblatt "News" hat ein neues Projekt in der Pipeline: Next247. Was sich genau hinter dem Namen ist noch unklar. Die neue Webseite gibt keine Aufschlüsse. Allerdings sammelt der Berliner bereits fleißig Twitter-Follower und Facebook-Fans. Immerhin verrät Madzia auf der Facebook-Seite, dass Next247 "The online magazine about the future" und "the next big thing" ist.
Weitere Hinweise über das neue Portal finden sich auf der Seite von Madzias Social Media-Agentur medienberatung Madzia. Auf Aktuellmedien.de schreibt er zu Next247 blumig: "Über Vergangenes ist alles gesagt. Das ist vorbei. Wir finden es viel spannender zu hinterfragen, wie sich die Ereignisse weiterentwickeln, welche neuen Impulse auf uns zukommen, und wie sie unser Leben gestalten werden". Weiter heißt es: "Alles ist im ständigen Wandel: Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft – und auch jeder von uns. Also denken wir positiv und sind gespannt auf alles, was kommt. Also gehen wir los!"
Das Twitter-Account von Next247 ist seit dem 25. September aktiv. Allerdings verraten auch die bislang abgestzen 63 Tweets wenig über das Portal.
Der Starttermin für das neue Portal soll in wenigen Wochen sein. Mit an Bord in der kleinen Redaktion sind der Blogger und Journalist Don Dahlmann, Christoph Strobel und Art Direktor (Welt Gruppe) Brian O' Connor. "Das Portal ist thematisch auf die Zukunft fokussiert. Dabei machen wir nicht nur Internet-Themen. Es wird genauso Texte über fossile Brennstoffe geben", verrät Madzia gegenüber MEEDIA. Der Berliner glaubt, dass es genau der richtige Moment ist, neue journalistische Formate zu wagen. "Ich bin davon überzeugt, dass es einen großen Hunger nach guten Inhalten gibt."
Einen kleinen Nebeneffekt soll Next247darüber hinaus erfüllen: "Es ist auch ein Showcase für meine Social Media-Agentur Aktuellmedien.de."
Klaus Madzia ist ein ausgewiesener Kenner der deutschen Medienlandschaft. Der ehemalige Spiegel Online-Redaktionsleiter war bereits Chefredakteur des New Economy-Organs "Net Business" (Verlagsgruppe Milchstrasse) und der Holtzbrinck-Gratisblätter "News" und "Business News".
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Die Macher von Dotcomtod sind mit einem neuem Portal und ehrgeizigen Plänen zurück. „Blogjournalisten.com ist das mediale Friedensangebot für Blogger und Journalisten, eine digitale Markenplattform für Medienretter“, heißt es in der ersten Pressemitteilung. Die Idee hinter dem Portal ist tatsächlich smart: Die Autoren können via Blogjournalisten ihre Texte präsentieren. Mögen die Leser die Storys, wird der Schreiber an den Einnahmen beteiligt. Zum Start veröffentlichte sogar „SZ“-Feder Heribert Prantl einen Text.
Der Clou der neuen Plattform ist das erfolgsabhängige Autorenranking. „25 Prozent des Jahresgewinns des Unternehmens werden zu gleichen Teilen an die 25 besten Autoren im Ranking verteilt“, erklärt Blogjournalismus sein Model. „Entscheidend für den Erfolg einer Story sind die Reaktionen der Leser. Storyaufrufe, Kommentare und Bewertungen bilden die Basis für den Erfolgsindex der jeweiligen Autoren. Je höher der Erfolgsindex, desto besser die Positionierung des Autors im Autorenranking.“
Inhaltlich positioniert sich der Neuling als Generalist. Laut Ressort-Aufteilungen will die Seite die Themen Panorama, Tratsch, Politik, Wirtschaft, Medien, Live, Sport, Technik und Kultur abdecken. Die Promi-Autoren wie Heribert Prantl oder Gregor Gysi belegen nach wenigen Tagen keinen der Top-Plätze mehr im Ranking.
So interessant der konzeptionelle Ansatz von blogjournalisten.com auch ist, leidet die Seite an einigen optischen Schwächen. Vor allem der Verzicht auf große Aufmacher-Optiken führt dazu, dass die Homepage wenig nach News- oder Magazin-Portal aussieht. Auf den ersten Blick erschließt sich Sinn und Inhalt der Seite so kaum. Ein echtes Handicap für ein Portal, das auch mit journalistischen Ansätzen punkten will.
Erdacht und konzipiert wurde das Angebot von einigen Machern der New Economy-Blog-Legende Dotcomtod. Mit an Bord von blogjournalisten.com sind die Projektmanagerin Bettina Hoss, Martin Ristau und der IT-Fachmann Mirko Pawlak, der allerdings – laut Pressemitteilung – über eine gewisse Redaktionserfahrung verfügt: „ Im Sommer 1989 brach er seine Laufbahn als Rundfunkjournalist ab, um als Milchfahrer, Dekorateur, Fensterputzer und Türsteher sein Geld zu verdienen.“ Mastermind des Projektes ist allerdings die mysteriöse Lanu. Die Identität dieser Bloggerin (boocompany.com) ist noch immer unbekannt. Rainer Meyer alias Don Alphonso der auch zu den früheren Köpfen hinter Dotcomtod gehörte, ist bei den blogjournalisten.com allerdings nicht mit von der Partie.
Warum Autoren und Leser unbedingt blogjournalisten besuchen, lesen und unterstützen sollen verrät der „Über uns Text“ - weil „wir die Guten sind, also helft uns bitte, dass Ding erfolgreich zu machen."
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Einmaliges Experiment oder feste Neuerung? In der gestrigen Berichterstattung über den Amoklauf von Ansbach wagte Bild.de einen interessanten Versuch. Zu seiner redaktionellen Berichterstattung stellte Chefredakteur Manfred Hart diesmal einen Twitter-Ticker, der ungefiltert die jeweiligen Zwitscher-Meldungen zur Tragödie zeigte. Im MEEDIA-Kurzinterview äußert sich Hart zu den Vorwürfen, er hätte damit eine seiner Kernkompetenz – das Gewichten von Informationen – abgegeben.
Herr Hart, warum haben Sie gestern den Twitter-Ticker auf Bild.de integriert?
Mit der Einbindung der Tweets haben wir unseren Nutzern eine zusätzliche Informationsquelle und Kommentar-Möglichkeit angeboten.
Wenn Sie einfach ungeprüfte Tweets über Bild.de laufen lassen, geben Sie damit nicht ihre Kernkompetenz des Filterns und Bewertens von Nachrichten ab?
Ganz und gar nicht! Schließlich waren die Tweets ein Zusatzangebot und eine Ergänzung zu der einordnenden, aktuellen journalistischen Arbeit unserer Redaktion. Die Tweets waren ja auch optisch klar von unserer Berichterstattung abgegrenzt.
Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Ja, wir probieren immer wieder gerne Neues und binden Twitter-Diskussionen auch weiterhin auf Bild.de ein, wie zum Beispiel aktuell unter Kandidatencheck.bild.de.
Stimmt es, dass Sie den Ticker deshalb wieder runternahmen, weil so viele Bild.de-kritische Tweets zu lesen waren?
Nein, fundierte Kritik ist ok, jeder darf seine freie Meinung äußern. Primitive Verunglimpfungen gehören allerdings nicht dazu. Viel entscheidender ist jedoch: ab einem gewissen Zeitpunkt ist die Diskussion abgedriftet und es gab keinen journalistischen Mehrwert mehr zur aktuellen Nachrichtenlage. Wäre die Diskussion auf einmal um das Wetter oder Fußball gekreist, hätten wir die Tweets genauso eingestellt.
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Update (17.14 Uhr) am Text-Ende.
In Ansbach lief heute morgen ein 18-Jähriger Amok. Er stürmte mit einer Axt und zwei Molotow-Cocktails bewaffnet in sein Gymnasium. Zehn Schüler wurden verletzt. In diesen Momenten kann das Web seine große Stärke als Live-Medium ausspielen. Bild.de ging deshalb sogar so weit, dass die Redaktion als erste deutsche Nachrichten-Seite einen ungefilterten Twitter-Ticker integrierte. Zeitgleich blamierte sich die ortansässige "Frankische Landeszeitung Ansbach", indem sie das Netz auch im Jahr 2009 ignoriert.
Bild.de-Chef Manfred Hart ist ein echter Scoop gelungen, über den wahrscheinlich noch lange diskutiert wird. Als erster integrierte der Springer-Mann einen Twitter-Ticker direkt auf der Artikelseite. Neben dem redaktionellen Inhalt, stehen die ungefilterten Statusmeldungen aus dem Microblogging-Dienst. Sobald ein Nutzer seine Twitter-Nachricht mit dem Hashtag "#ansbach" versieht, läuft seine Meldung auch über die Bild.de-Seite.
Über den journalistischen Mehrwert dieser Aktion wird wohl noch lange diskutiert werden, denn Hart gibt – sicherlich bewusst – eine seiner Kernkompetenzen ab: Das filtern und einordnen von Nachrichten. Andererseits ist Twitter ein Livemedium, das genau in diesen Momenten seine größte Stärke ausspielen kann.
Tatsächlich kam die erste Meldung über die Tat nicht aus einer Nachrichtenredaktion, sondern via Twitter. @juliuskramer schrieb: "Amoklauf im carolinum ansbach. Keine infos bisher." Nachdem er noch mehrere weitere Informationen verbreitet, stellt er – ganz transparent – klar: "zur richtigstellung: ich bin kein augenzeuge".
Während die Bild.de-Redaktion im fernen Berlin das Web aktiv für seine Berichterstattung nutzt, stellt sich der Ansbacher Platzhirsch auf stur – gezwungenermaßen. Die "Frankische Landeszeitung Ansbach" betreibt gar kein journalistisches Angebot im Web. "Denn die Zeitung verweigert sich mehr oder weniger konsequent dem Internet. Wie lange sich die Zeitung dieses Exotendasein noch leisten will, weiß ich nicht, vor zwei Jahren fragte ich bei der Geschäftsleitung mal nach, die wollte sich allerdings nicht dazu äußern," bloggt Thomas Mrazek. "Als Redakteur würde ich mich dort – nicht nur in der heutigen Ausnahmesituation – etwas unwohl fühlen."
Thomas Knüwer entgegnet dem jedoch: "Viele Lokalzeitungen dilettieren derart im Netz vor sich hin, dass ein Nicht-Auftritt als bessere Option erscheint."
Update:
Kurz vor 17.00 Uhr nahm Bild.de den 140-Zeichen-Ticker wieder offline. Turi2 spekulierte via twitter: "bild.de nimmt Ansbach-Tweets von seiner Seite - wohl weil zu viele Twitterer sie zur "Bild"-Kritik nutzten."
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"Schlag den Raab" folgte bislang einem einfachen Gesetz: Das Publikum hält zum Herausforderer und Stefan Raab gibt den Ehrgeizling. Hans-Martin, ein 24-Jähriger Pharmazie-Student aus Oldenburg, dreht den Spieß um. Der Kandidat präsentierte sich als solcher Unsympath, dass die Stimmung komplett kippte, im Studio und vor allem im Web. Aus Hans-Martin wurden schnell "Hassmartin", über den vor allem via Twitter aufs übelste hergezogen wurde. Es bildeten sich sogar Hass-Gruppen bei Facebook und StudiVZ.
Die Geschichte hat beste Chancen, zum Lehrstück für Cyber-Mobbing zu werden. Und sie liefert den besten Anschauungsunterricht dafür, wie sich – unterstützt durch die Anonymität des Webs – die verunglimpfenden Kommentare via Twitter und in Foren gegenseitig immer stärker aufschaukeln. Jeder will mit noch mehr Witz, Häme oder Fäkalsprache punkten. Im Fall von Hans-Martin ging die Web-Welt definitiv zu weit. "Was jedoch in den sozialen Netzwerken abging, glich fast einem virtuellen Pogrom – einer Massenausschreitung, die nicht gegen eine Minderheit, sondern gegen eine einzelne Person gerichtet war", bloggt der Redaktionsleiter der "Ruhrnachrichten" Philipp Ostrop.
Christian Schlender beschreibt, wie sich der Abend im Web entwickelte: "Schon mit der Wahl ging es über Twitter los, die einzelnen Spiele über wurde fleißig gezwitschert, vor allem über den Kandidaten selbst, der sich durch Selbstgespräche / Selbst-Pushen und sein Auftreten gegenüber Raab schnell unbeliebt machte." Weiter schreibt der Blogger: "Mit Verlauf des Abends entstanden in Reaktion auf das Auftreten von Hans-Martin nicht nur hunderte von Tweets (#hassmartin, #SDR), es wurden auch StudiVZ und Facebook Gruppen eröffnet, T-Shirts designt, YouTube-Videos eingestellt und Blogposts in Windeseile verfasst. Auch das Schlag-den-Raab-Forum konnte dem Ansturm teilweise nicht standhalten."
Seit Montagmorgen betreibt Schlender die Seite Hassmartin.de. Auf ihr will er zeigen, welche "Macht und Auswirkungen mittlerweile Social Media in Deutschland haben, sowie die Ereignisse im Zusammenhang mit der Sendung und dem Kandidaten aufarbeiten."
Eine von unzähligen typischen Pöbel-Tweets:
Einen anderen Blickwinkel nimmt Richard Gutjahr ein. Der Reporter/Moderator des Bayerischen Rundfunks sieht nicht durch den durchdrehenden Web-Mob, sondern auch die Versäumnisse der Moderatoren, die auch eine Teilschuld an der Online-Eskalation tragen: "Gestern, während der Sendung habe ich mich immer wieder dabei ertappt, wie ich mich über die giftigen Seitenhiebe der Moderatoren-Crew amüsiert habe. Heute, am Tag danach, sehe ich das anders". Weiter bloggt er: "Diese vier TV-Profis (Moderator Opdenhövel, Kommentator Buschmann, Sidekick Elton und Produzent Raab) haben sich ziemlich unfair gegenüber dem Kandidaten verhalten. Als Privat-Personen vielleicht noch akzeptabel. Als bezahlte TV-Personalities unverantwortlich. Scheinheilig. Menschenverachtend."
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Alexander Becker lebt in Hamburg und arbeitet dort als freier Journalist. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem World Wide Web und schreibt über die aktuellen Internet-Trends und neue Online- Entwicklungen. Bei MEEDIA betreut Alexander Becker die Rubrik „Web-Business“ und „Neue Sites“.
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