Wie viel dpa braucht eine Redaktion? Kaum eine Frage beschäftigt die deutschen Verlags-Manager aktuell stärker. Im Zuge dessen, lohnt der Blick auf eine Unternehmens-Tochter, die kaum wahrgenommen wird, aber deren Einfluss immens ist: das Presseportal.
Unter diesem Namen betreibt die News aktuell GmbH, eine Tochter der Hamburger Presseagentur, ein Internet-Portal, über das Unternehmen ihre Pressemitteilungen einstellen und verschicken können. „Die Informationen, die unter Presseportal.de bereit gestellt werden, wurden über die Dienste ots (Originaltextservice), obs (Originalbildservice), ogs (Originalgrafikservice) und ots.Audio von news aktuell an die Medien verbreitet“, heißt es im About-Text.
Journalisten wiederum können innerhalb des Presseportals bestimmte Themengebiete als E-Mail abonnieren. Schnell kommen so bis zu hundert Mails pro Tag zusammen, die das Postfach verstopfen. Doch unter den 99 öden Firmen-Bekanntmachungen versteckt sich immer auch eine spannende News. Die Gefahr: Übersieht man sie, kann man gewiss sein, dass das Konkurrenzblatt die Meldung garantiert hat. Also ist unmöglich auf den OTS-Spam zu verzichten.
Auch für die Untenehmen ist das Presseportal Fluch und Segen zugleich. Für eine kleine Pressemitteilung entstehen leicht Kosten von bis zu 500 Euro. Ob überhaupt ein Journalist die Meldung wahrnimmt, ist unklar. Doch jeder PR-Manager, der einmal über OTS eine Nachricht platzieren konnte weiß: Der Effekt ist beeindruckend, schneller und billiger kann man in den deutschen Medien kaum Aufmerksamkeit erzeugen.
Ärgerlich wird es immer dann, wenn Pressemitteilungen mit Sperrfirsten versehen sind. Die Medien halten sich meistens daran. Doch ein Blogger kann sich die News einfach über das Presseportal beschaffen und dann veröffentlichen.
Das Presseportal wird von manchen Redaktionen auch auf höchst raffinierte Weise als Exklusivitätstest genutzt. Man bringt eine Nachricht nur dann, wenn sie beim Presseportal noch nicht online ist.
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In Hamburg stellt man gerade die Weichen auf Zukunft – gezwungenermaßen. Denn langfristig frisst das Web die klassischen Katalogversender. Das wissen nicht nur die Manager des Otto-Versandes, sondern sie reagieren auch dementsprechend mit drei spannenden Konzepten:

1. Smatch.com. Die Social Shopping-Plattform will die erste Anlaufstelle für Online-Shopping in den Bereichen Mode, Wohnen und Lifestyle werden. „Kernstück von smatch ist eine leistungsstarke Suchfunktion, die schnell, einfach, zuverlässig und absolut unabhängig das Angebot vieler Hundert spezialisierter Shops durchsucht, deren Produkte optisch in den Mittelpunkt rückt und zusammen mit allen wichtigen Informationen präsentiert“, beschreibt sich die Seite.
>> smatch.com

2. eVenture Capital Partners. Die neue Beteiligungsgesellschaft soll in junge Internet- und Medien-Start-ups investieren. Ausgestattet ist die neue Tochter – mit Büros in Hamburg und San Francisco – mit einem mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. „Wir brauchen neue Ideen und müssen uns nach neuen Konzepten für den elektronischen Verkauf von Waren umschauen. Dafür schaffen wir jetzt eigens eine Gesellschaft“, sagte Vorstandschef Hans-Otto Schrader gerade Welt Online. Der CEO plant bis zu zehn Beteiligungen pro Jahr.
>> evcpartners.com
3. Xplosion Interactive. Unter diesem Label und über die Unternehmens-Tochter EOS-Gruppe startete das Versandhaus gerade einen eigenen Web-Vermarkter. Erste Kunden sind die Telekom, Canon, Dresdner Bank oder Unicredit.
>> xplosion.de
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Finanziell steht es schlecht um die TV-Stationen MTV und das Tochter-Untenehmen Viva. In der Berliner Deutschlandzentrale von Viacom ist von Stellenstreichungen, Programmeinsparungen und mehr Synergie-Effekten die Rede.
Trotz dieser ernsten Krisenmeldungen, gibt es auch gute Nachrichten. Mit MTV Music besann sich der Sender auf seine Wurzeln und seine eigentliche Kernaufgabe: das abspielen von Musik-Clips. Zum Start der neuen Plattform, packte Viacom erst einmal die beeindruckende Zahl von 22.000 Videos ins Archiv. Wobei es sich bei ihnen fast ausschließlich um Rock- und Alterntiv-Tracks handelt

Alle Videos lassen sich bewerten und haben eine eigene URL. Sie können also bequem in die eigene Homepage oder das eigene Blog eingebunden werden. Damit greift der Musiksender – ob bewusst oder unbewusst – eine der wichtigsten Standbeine von YouTube an: Musikclips gehören zu den meistgesehenen Inhalten von Googles Bewegtbild-Plattform.
>> Hasen-farm.de
>> Candy-college.com
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Bereits auf der OMD in Düsseldorf sickerten die ersten Gerüchte durch: Die Leipziger Unister GmbH arbeitet an einem eigenen Nachrichten-Portal. Nun ist es soweit News.de: Seit Montagmorgen online. Ohne Pressemitteilung, ohne Werbung wagt das Team um die Chefredakteurin Kathrin Steinmetz einen Softlaunch.

Der erste Eindruck: Die Seite ist aufgeräumt und orientiert sich optisch stark an Spiegel online. Unterteilt ist das Angebot in die üblichen Ressorts Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Sport, Medien, Gesundheit, Technik und Auto. Inhaltlich scheint die Redaktion hauptsächlich auf Agentur-Material zurückzugreifen.
Missraten ist jedoch der Claim. News.de verkauft sich mit dem Satz: „Werden Sie Besser-Wisser“. Warum man gerade durch die News-Lektüre mehr weiß, als nach einer halben Stunden Spiegel Online oder Welt.de wird auf den ersten Blick nicht klar.
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Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Bis zum Ende der Buchmesse hielten alle still und die Reihen geschlossen. Man sagte: Die Digitalisierung ist keine Gefahr für das Buch und neumodische Reader wie Amazons Kindle erst recht nicht. Doch dann kann man nun bei Heise.de lesen: „Der US-amerikanische Verlag Random House, eine Tochter der Bertelsmann AG, hat einen Kooperations-Vertrag mit dem Suchmaschinenbetreiber Google geschlossen. Google wird demnach Veröffentlichungen von Random House in seine Buch-Suchmaschine Google Book Search aufnehmen. Google Book Search liefert Volltext-Suchergebnisse aus digital gescannten Büchern.“
Der Vertrag gilt erst einmal nur für die USA. Aber dieser Vertrag ist im gewissen Sinne eine Zeitenwende und könnte für einige Umwältzungen in der Verlagswelt sorgen. Es wird nicht an den deutschen Grenzen Halt machen. Hierzulande würde er Bücher der Bertelsmann-Töchter Blanvalet, C. Bertelsmann, Heyne, Falken, Goldmann oder Knaus oder Manhattan betreffen.
Bertelsmann reagiert – ob gewollt oder genötigt – mit dieser Kooperation vor den Begebenheiten einer vernetzten, digitalisierten und von Google bestimmten Web-Welt. Es ist doch so: Wer nicht von Google gefunden wird, existiert nicht. Also existiert auch Literatur – zumindest in den Augen der Digital native – nur dann, wenn sie auch von Google gescannt und im Volltext durchsucht werden kann.
>> Medienrauschen
>> new-business
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Ein altes Börsenmotto lautet: Kaufen, wenn die Kanonen knallen. Je größer die Krise, desto niedriger der Preis. Das weiß auch Springer-Chef Mathias Döpfner. Laut „Manager Magazin“ will er die polnischen Beteiligungen der Mecom-Gruppe übernehmen und Investitionen in „nicht näher genannte börsennotierte Onlinefirmen“ tätigen. Aber wen kaufen? Ich wage den Blick in die Glaskugel und spekuliere: Passt nicht das Businessnetzwerk Xing perfekt zum konservativen Verlagshaus?

Die Ankündigung von Mathias Döpfner hat vor allem strategische Hintergründe. Der ganze große Druck, in neue Märkte investieren zu müssen, herrscht in der Vorstandsetage der Axel Springer AG zurzeit wohl nicht. Denn im Vergleich zu Konkurrenten wie Gruner + Jahre oder gar dem Bauer Verlag ist die „Bild“-Mutter im Web bereits ordentlich aufgestellt. Döpfner kaufte bereits den Vermarkter Zanox, im Frauen-Segment AuFeminin und im Sport-Markt schluckte Springer gerade das Hamburger Erfolgsportal Transfermarkt.de. Für weitere Zukäufe scheint aktuell noch genügend Geld da zu sein. Laut Manager Magazin beträgt die Springer-Kreditlinie 1,5 Milliarden Euro. Dazu würde der geplante Verkauf der „Lübecker Nachrichten" und "Kieler Nachrichten" geschätzte 400 Millionen Euro einbringen.
Welche börsennotierten Onlinefirmen passen als nun zu Springer? Die Auswahl ist begrenzt. Für Lycos sucht Bertelsmann seit langem einen Käufer. Döpfner wird es nicht sein, denn der CEO kauft diesmal keine Ladenhüter. Bleiben beispielsweise das Douglas und Bertelsmann-Joint Venture Buch.de, der Glücksspielanbieter Jaxx AG oder die GoYellow Media AG. Alles keine Firmen, bei denen man sofort sagt, sie passten zu Springer.
Anders Xing. Das Unternehmen ist vor allem in Deutschland stark, aber International trotzdem gut aufgestellt. Springer besitzt keine Social Community. Mit Xing würde sie eine kaufen, die sogar schon – im Gegensatz zu StudiVZ – profitabel arbeitet. Dazu würde das Medienhaus eine völlig neue Zielgruppe erschließen, die man sonst kaum erreichen könnte.
Bislang ist die Idee lediglich ein Gedankenspiel – aber ein interessantes.
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Alexander Becker lebt in Hamburg und arbeitet dort als freier Journalist. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem World Wide Web und schreibt über die aktuellen Internet-Trends und neue Online- Entwicklungen. Bei MEEDIA betreut Alexander Becker die Rubrik „Web-Business“ und „Neue Sites“.
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