Was den klassischen Medien bislang nicht gelang, könnte jetzt das Web mit Hilfe der sprichwörtlichen Weisheit der Vielen erledigen: Christian Wulff zum Rückzug bewegen. Denn nach der gemeinschaftlichen Untersuchung von Karl Theodor zu Guttenbergs und Silvana Koch-Mehrins Doktorarbeiten, hat sich nun auch eine Gruppe von Usern zusammengefunden, um die aktuellen Aussagen des Bundespräsidenten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Besonders interessant: Via Crowdsourcing wollen sie den legendären Anruf bei Bild-Chef Kai Diekmann rekonstruieren.
Die Idee mit der gemeinschaftlich zusammengesetzten Mailbox-Nachricht des Bundespräsidenten auf dem Handy des Bild-Chefredakteurs ist gar nicht so abwegig. Denn bislang haben eine Vielzahl von Titeln und Journalisten jeweils kurze Fragmente und einzelne Text-Fetzten verraten. So gab beispielsweise Ulrich Deppendorf in einem Tagesschau-Interview einen Satz preis. Aber auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung zitierten bereits aus der Mailbox-Nachricht.
Angeblich hat die Bild den Wortlaut von Wulffs Anruf längst breit gestreut. Da scheint es eine lohnenswerte Aufgabe für die Web-Detektive, die einzelnen Fragmente zusammenzusetzen.
Das bisherige Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen liest sich recht flüssig. Ob der Inhalt der rekonstruierten Mailbox-Nachricht den Tatsachen entspricht, können momentan nur wenige Vertreter der Presse bezeugen.
Rekonstruktion der Mailbox-Nachricht Wulffs
Das offizielle Ziel des Projektes ist „die möglichst genaue und objektive Auflistung der Vorwürfe gegen Christian Wulff“. Unterteilt ist das Wulffplag in Kategorien wie „Vorteilsannahme in Form eines Privatkredites und dessen Verschleierung“, „Vorteilsannahme in Form eines Geldmarktdarlehens und dessen Verschleierung“ oder „Nötigung von Redaktion und Verlag der BILD-Zeitung und der Welt am Sonntag“.
Das Wulffplag ist seit Samstag online und sucht Mitstreiter. Noch besteht das Angebot aus vielen Leerstellen. Schaffen es die Macher, ähnlich viele motivierte Web-Detektive zu finden, wie es den Gutten- und Vroni-Plag gelang, könnte es tatsächlich höchst spannend werden, welche weiteren Informationen die Internet-Spürnasen noch aufdecken.
Noch ein weiteres Web-Projekt beschäftigt sich mit Transparenz von Wulff. So haben zwei Berliner Politikstudenten das Portal Direktzu.de/wulff gelauncht, über das man dem Bundespräsidenten Fragen stellen kann. Ob er tatsächlich Antwortet können sie jedoch nicht garantieren.
>> Siehe auch Onlinejournalismus.de

Alexander Becker lebt in Hamburg und arbeitet dort als freier Journalist. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem World Wide Web und schreibt über die aktuellen Internet-Trends und neue Online- Entwicklungen. Bei MEEDIA betreut Alexander Becker die Rubrik „Web-Business“ und „Neue Sites“.
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11.01.12 16:54
Siegfried Nagel
Man kann ja mal spekulieren: Wie wäre es, wenn Herr oder Frau Geerkens als Geldgeber nur Marionetten waren, für wen auch immer. Die Art der Geldübergabe war ja auch etwas ungewöhnlich. Dann hätte Wulff als Ministerpräsident ja sogar die Halbwahrheit gesagt. Das Geschäft, mit vielleicht einer bislang unbekannten Gegenleistung, beträfe dann tatsächlich einen anderen. Und nach dem war ja nicht gefragt.