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Konzerte trotz Corona

„Der Lockdown war und ist noch immer eine Katastrophe“

Alexander Sandmann – Foto: privat

Unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie leiden in ganz besonderem Maße kreative Solo-Selbstständige. Der Veranstaltungsmanager Alexander Sandmann will nicht länger tatenlos zusehen und ein Konzert-Projekt aufbauen. Möglichst mit medialer Unterstützung

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Sie haben als künstlerischer Leiter das Kulturzentrum Altes Pfandhaus in Köln geleitet, später als Orchestermanager des Philharmonischen Kammerorchesters Berlin gearbeitet und zuletzt verschiedene Kammerorchester gemanagt. Können Sie beschreiben, wie die Corona-Krise selbstständige Musiker betrifft?

Alexander Sandmann: Der Lockdown war und ist noch immer eine Katastrophe. Die Existenz von nahezu allen freischaffenden Musikern ist stark gefährdet. Über Nacht wurde ihr Geschäftsmodell – ohne Selbstverschulden – in einen Winterschlaf versetzt. Sie befinden sich auf einem Abstellgleis und niemand weiß, wann sie diese Sackgasse wieder verlassen dürfen. Und allzu schnell darf niemand auf Erlösung hoffen. 

Warum funktionieren die von der Regierung angestoßenen Hilfsmaßnahmen nach Ihrer Erfahrung nicht bei selbstständigen Kreativen?

Weil das Corona-Hilfsprogramm für Solo-Selbstständige mit Auflagen verbunden sind, die die allermeisten nicht erfüllen können. Kaum jemand hat ein externes Büro, ein Studio oder ein Leasing-Fahrzeug. Man lebt und arbeitet zu Hause. Noch nicht mal die Kranken- oder Rentenversicherung darf davon bedient werden. Hinzu kommt, dass die Hilfen – je nach Bundesland – unterschiedlich ausfielen. Die Zuschüsse gelten zudem als Betriebseinnahmen und sind somit auch noch steuerpflichtig! Nicht sofort, aber bei der nächsten Steuererklärung. Bedient man sich dennoch der Gelder für den Lebensunterhalt, so könnte dies ein Strafverfahren gegen Subventionsbetrug nach sich ziehen. Ich weiß von vielen, die das Geld schnellstmöglich wieder zurückgezahlt haben. Letztendlich aber wollen all diese Musiker wieder arbeiten dürfen und nicht zu Lasten des Steuerzahlers alimentiert werden.

Sie haben nun eine Idee entwickelt, wie Konzerte trotz Corona stattfinden könnten. Wie soll das funktionieren?

Ich möchte ein temporäres Studio errichten, in welchem die Musiker unter den gegebenen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen professionell arbeiten können. Dies in verschiedenen Locations zu machen, wäre ein zu großer Aufwand. Jeden Tag wird ein neues Konzert mit einer neuen Formationen geben. Diese Konzerte werden dann in alle Haushalte gestreamt.

Sie sagen, Sie brauchen für eine Umsetzung des Projekt sechs Millionen Euro. Wie kommen Sie auf die Summe?

Zum einen brauch es eine neue Location, die dafür zuerst errichtet werden muss. In einer bestehenden wird das kaum machbar sein. Alles konzentriert sich auf diese eine Ausrichtung, die primär als reine Produktionsstätte verstanden werden muss, wo Zuschauer eine untergeordnete Rolle spielen. Aus diesem Haus bringen wir die Konzerte in die ganze Welt. Das alles lässt sich mit meiner Idee schnell und einfach aufbauen. Nach meiner Konzeption kommen rund 2.000 Musiker wieder auf die Bühne. Dazu natürlich noch diverse Freischaffende, wie Techniker für Ton, Licht und Video, die Produktion und Übertragung. Dazu natürlich Mitarbeiter für die Organisation, Booking, Promotion, Pressearbeit, Werbung, die Betreuung und Hygiene und dazu noch die Kosten für die Unterbringung und Versorgung aller Beteiligten. Alles in allem und angelegt auf 200 Tage mag diese Summe auf den ersten Moment viel erscheinen, aber 30.000 Euro pro Konzert lassen sich rechtfertigen.

Wie sollen sich die Konzerte konkret refinanzieren?

Primär würde ich gerne mit einem Sender, wie Sky, Amazon oder DAZN zusammenarbeiten und einen eigenen Kanal schaffen, der die Konzerte täglich überträgt, bzw. via Demand jederzeit angesehen werden können. Die Kunden erwerben ein einfaches Abo, entweder für ein einzelnes Konzert oder für den ganzen Zyklus. Pro Konzert benötigen wir 3.000 Abonnenten bei einem virtuellem Eintritt von zehn Euro. Alternativ dazu wäre es auch mit einem eigener Internetkanal machbar.

Haben Sie bereits mit möglichen Partnern wie Sky oder Amazon Kontakt aufgenommen?

Daran arbeite ich.

Sehen Sie auch nach wie vor die Bundesregierung in der Pflicht?

Die Bundesregierung im Besondern. Auch wenn die Maßnahmen wichtig und richtig waren, so steht der Bund und auch die Länder in der Verantwortung die Künstler jetzt nicht im Stich zu lassen. Hartz4 darf niemals die Alternative sein.

Die Fragen wurde via E-Mail gestellt.


Alexander Sandmann ist gebürtiger Saarländer und seit 1996 im Veranstaltungssektor aktiv. 2006 eröffnete er zusammen mit einem Investor das Kunst- und Kulturzentrum Altes Pfandhaus in Köln mit dem Schwerpunkt Jazz und Klassik. 2012 wechselte er zum Philharmonischen Kammerorchester nach Berlin und seit 2015 ist er freier Veranstalter in ganz Europa.

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