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Coaching Corner

Dilemma: Wenn eine junge Führungskraft erfahrene Mitarbeiter anleiten muss

Ines Thomas - Zeichnung: Bertil Brahm

Jeden Monat beantwortet Business & Leadership Coach Ines Thomas künftig die Fragen der MEEDIA-Leser: Unvoreingenommen, lösungsorientiert und zukunftsoptimistisch. In der ersten Ausgabe der neuen Kolumne geht es um ein typisches Führungskräfte-Dilemma

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„In 4 Wochen werde ich einen neuen Job anfangen und zum ersten Mal Führungsverantwortung übernehmen. Ich werde ein sechsköpfiges Marketing-Team leiten, in dem auch zwei sehr erfahrene Kollegen sind. Ich selbst bin erst 29 und habe die Befürchtung, dass gerade die älteren Kollegen mich nicht für voll nehmen, weil ich deutlich weniger Berufserfahrung habe und sie vermutlich selbst auf den Teamleiter-Job spekuliert haben. Aber die Geschäftsführung wollte jemanden von außen holen, der das Marketing modernisiert und frischen Wind reinbringt. Die Fragen, die mich umtreiben sind: Welchen Führungsstil sollte ich in dieser Situation am besten verfolgen? Und was kann ich tun, damit auch meine erfahrenen Mitarbeiter mich respektieren?“

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Das klingt nach einer spannenden Aufgabe, in der viele wundervolle Lern- und Entwicklungschancen für Sie stecken. Sie können also schon mal nur gewinnen. Gerade in der aktuellen Situation sind Führung und Team-Building natürlich besonders herausfordernd. Umso wertvoller ist es, dass Sie sich schon vorab mit diesen Fragen auseinandersetzen und ich gebe Ihnen gerne ein paar erste Anregungen für die gedankliche Vorbereitung auf Ihre neue Rolle. Starten wir direkt mit Ihrer Eingangsfrage: 

Welchen Führungsstil sollte ich in dieser Situation am besten verfolgen?“  

Ganz kurz gesagt: Den Stil, der sich für Sie stimmig und authentisch anfühlt. Der es Ihnen erlaubt, in Ihrer Kraft und bei sich zu sein. Ihr Team würde es intuitiv sowieso spüren, wenn Sie versuchen, eine Rolle zu spielen, die nicht zu Ihnen passt. Es geht also weniger darum, wie sie führen „sollen“, sondern wie sie führen „wollen“. 

Warum will ich überhaupt Führungskraft sein?

Einige zentrale Fragen, die Sie sich beantworten sollten, um Ihre Identität als Führungskraft zu entwickeln sind: Warum will ich überhaupt Führungskraft sein? Was ist meine Intention dahinter? Wann wurde ich schon mal gut geführt und was war dafür ausschlaggebend? Welche Werte leiten mich im Umgang mit meinem Team? Was bedeutet das für meine Mitarbeiter und mein Verhalten ihnen gegenüber?

Aus Ihren Antworten können Sie womöglich schon ableiten, wo Ihr individueller Weg liegen könnte. Wertvoll ist dafür auch ein innerer Abgleich dazu, wie sich Ihre persönlichen Werte zu den – offiziellen und informellen – Unternehmenswerten verhalten.

Die zweite Anregung, die ich Ihnen zu dieser Frage geben möchte, macht die Suche nach dem „richtigen Führungsstil“ leichter und komplexer zugleich. Denn im Idealfall finden Sie gar nicht den einen „perfekten Stil“, sondern führen situativ individuell. Von direktiv bis delegierend – je nachdem wie viel Unterstützung bzw. Anleitung Ihre verschiedenen Mitarbeiter bei der jeweiligen Aufgabenstellung benötigen. Vielleicht hilft Ihnen hier zur Verortung ein Blick auf das „Reifegradmodell der Führung“.

Zusammengefasst geht es bei der Frage nach dem „richtigen Führungsstil“ also darum, eine authentische innere Haltung zu entwickeln, aus der heraus Sie dann situationsabhängig so handeln, dass auch Ihre Mitarbeiter sich entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten und Vorstellungen einbringen und entwickeln können. 

Bleiben Sie auf Augenhöhe!

Nun zu Ihrer zweiten Frage: „Was kann ich tun, damit meine älteren Mitarbeiter mich respektieren?

Einen Teil der Lösung kennen Sie schon: Bleiben Sie bei sich! Der zweite Teil heißt: Bleiben Sie auf Augenhöhe! Wenn Sie – und das unterstelle ich jetzt einfach mal – die Erfahrung, das Fachwissen und den Beitrag der älteren Kollegen aufrichtig wertschätzen und als „Asset“ für Ihr Team begreifen, wird dies sicher auch für die Kollegen spürbar. Dann stehen die Chancen für eine von gegenseitigem Respekt geprägte Beziehung schon einmal gut. Und insbesondere als von extern kommende Führungskraft kann man viel gewinnen, indem man unvoreingenommen zuhört, das Bisherige anerkennt und wo sinnvoll auch erhält.

Und für alle Veränderungen, die sie anstoßen wollen, könnte diese Formel hilfreich sein: Sorgen Sie für maximale Klarheit im „Was“ (Ziele) und für maximale Freiheit im „Wie“ (Umsetzung). Denn gemeinsame, nachvollziehbare Ziele und eine Teamkultur, die es allen ermöglicht, eigenverantwortlich zu arbeiten und individuelle Talente einzubringen, können ein starkes Fundament für produktive Verbundenheit sein. 

Außerdem möchte ich Sie einladen, noch einmal den Blick für alternative Möglichkeiten zu öffnen. Es könnte zwar sein, dass einer der Kollegen, selbst Interesse an Ihren Job hatte. Es muss aber nicht sein. Sie werden es vermutlich nie mit Sicherheit wissen und das ist flapsig gesagt auch egal.
Wertvoller ist Ihre Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was Sie vom Jetzt ausgehend gestalten können, um eine gute Beziehung zu Ihrem Team aufzubauen. Dazu gehört eben auch, sich über die eigene Intention als Führungskraft klar zu werden, womit wir wieder bei Ihrer Einstiegsfrage wären. 

Vertrauen Sie auf die Wahl des Chefs

Als „Rausschmeißer“ noch ein paar letzte Gedanken: Seien Sie ruhig optimistisch. Vertrauen Sie einfach darauf, dass vermutlich auch Ihr Team Spaß an etwas „frischem Wind“ haben wird. Und vertrauen Sie darauf, dass Ihr neuer Chef oder ihre neue Chefin Sie aus gutem Grund ausgewählt hat. Nämlich weil Sie die relevanten fachlichen und persönlichen Kompetenzen für diesen Job mitbringen. Spätestens jetzt merken Sie vermutlich, worauf ich hinaus möchte: Sie haben allen Grund, auch sich selbst zu vertrauen.

Und für den Fall, dass das Selbstvertrauen doch mal wackelt: Suchen Sie sich ein Support-Team! Wer kann Ihnen bei Führungsfragen helfen und könnte Ihr Sparringspartner sein? Vielleicht alte oder neue Kollegen, ein Coach oder ein Mentor? Wer auch immer es ist: Sie müssen da nicht alleine durch.

Genießen Sie Ihre Reise in die Lernzone! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und wertvolle Erfahrungen.


Jetzt sind Sie dran: Sie stehen vor neuen Aufgaben oder Herausforderungen? Sie stecken mitten in einer (un)freiwilligen Veränderung? Oder Sie wollen die äußeren und inneren Konflikte des Medienmenschen-Lebens lösen? Dann schreiben Sie Ines Thomas unter [email protected].

Disclaimer: Diese Kolumne soll unseren Lesern auf Basis der eingesandten Fragen erste Anregungen für Lösungsansätze geben und kann eine persönliche Coaching- oder auch Therapie-Sitzung nicht ersetzen. Indem Sie eine Frage an die Kolumnistin richten, stimmen Sie zu, dass Ihre Email anonymisiert – ganz oder in Auszügen – veröffentlicht wird. Unter Umständen werden eingesandten Fragen zugunsten einer besseren Les- und Nachvollziehbarkeit gekürzt und/oder redaktionell bearbeitet.

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