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Wochenrückblick

Insta-Star Gerd Schröder und die Bromance von Paul und Julian

Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

Bei der Auseinandersetzung zwischen der Bild und Christian Drosten flogen die Fetzen. Runterkühlen konnte man sich mit einem Bromance-Interview in der Horizont. Van Laack zeigt, wie weit es marken- und maskenmäßig nach unten geht. Und Soyeon Schröder-Kim jazzt das Insta-Game ihres Gatten Gerd mächtig nach oben. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne

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Immer wieder ist es Twitter, die alte Hass-Maschine, die die Leute packt. Nun wurde auch der bekannte Virologe C. Drosten Opfer von Twitter. Nachdem er den Kampagnenangriff der Bild in dieser Woche zunächst noch souverän und mit der gebotenen Dosis Herablassung („Habe Besseres zu tun …“) parierte, knallten kurz danach die Social-Media-Sicherungen durch. Als der Kollege Kekulé im Tagesspiegel empfahl, Drosten hätte seine Corona-Kinder-Studie besser zurückziehen sollen, schaltete der sonst so kühle Drosten in den Rage-Mode. Der Kekulé müsse ja erst mal publizieren.

Und dann der virologische Vernichtungsschlag: „In unserer Community spielt er keine Rolle.“ Solche Ausbrüche auf Twitter sehen nie gut aus, egal wer recht hat. Erinnert sei an den Klingonen-Spruch „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.“ („Star Trek II: Der Zorn des Khan“ – guter Film übrigens).

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Wem der große Virologen-Bild-Bitchfight zu dirty war, der konnte sich diese Woche am großen Bromance-Interview mit Bild-Chef Julian Reichelt und seinem Lieblingsreporter Paul Ronzheimer in der Horizont die Seele wärmen („Wir sind wie Pinky and the Brain“). Zwar lagen beide nie gemeinsam im Schützengraben, ihre Reporterherzen schlagen aber erkennbar im gleichen Takt. Beruhigend, dass der Flausch-Plausch nicht von hässlichen Nachfragen nach der Bild-Kampagne gegen Drosten gestört wurde. Übermedien hat aus dem Interview ein schönes Titelbild gebastelt:

Musste lachen.

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Masken sind ja längst auch zu einem modischen Statement geworden. Werbe-Beobachter Spießer Alfons ist aufgefallen, dass nun Masken von van Laack im Netto verkauft werden. Fünf Stück für knapp zehn Euro. Bei Netto! Van Laack! Ja, das ist diese Firma, die man früher für sehr hochwertige, sehr teure Hemden und Krawatten kannte. Irgendjemand in diesem Universum muss es abgesegnet haben, dass der schöne Markenname auf eine schnöde Maske kommt, die dann mit einer Netto-Anzeige in der Bild-Zeitung beworben wird. Spießer Alfons bemerkt treffend: „Die Menschen sitzen nicht mehr in vanLaack-Hemden im 3-Sterne-Restaurant, sondern mit vanLaack-Gesichtsmasken bei McDonald’s.“

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Mit neuem Sex aufgeladen wurde dagegen die Personenmarke „Gerhard Schröder“, und zwar von seiner Gattin Soyeon Schröder-Kim. Auf ihrem Instagram-Account zeigt Frau Schröder-Kim „den Gerd“ in erfrischend alltäglichen Situationen. Etwa, wie er sich Bratkartoffeln brät, obenrum nur mit einer Outdoor-Daunenweste bekleidet. Oder wie er – mit einer anderen Outdoor-Daunenweste bekleidet – einen gerupften Strauß Kornblumen reicht. Oder wie er beim Home-Haareschneiden eine lustige Grimasse zieht. Menschen ändern sich offenbar doch. Früher hätte „der Gerd“ Leute verklagt, die solche Fotos vom ihm zeigen. Heute ist er mit ihnen verheiratet.

„Der Gerd“ hat jetzt natürlich auch einen Podcast. Der heißt „Die Agenda“ und darin fragt ihn sein alter Regierungssprecher Béla Anda alles mögliche private und politische Zeug. Wer’s mag. Nur eine Bitte: Kann man mal diese schlimme Lounge-Mucke als Podcast-Intro-Musik verbieten? Ginge das? Was zum Thema Schröder-Podcast noch zu sagen wäre, sagt Friedemann Weise:

Diese Wochenrückblick-Kolumne, bzw. Yours Truly, melden sich erst in zwei Wochen wieder an dieser Stelle. Heim-Urlaub ist angesagt!

Schöne Wochenenden!

PS: Im Podcast Die Medien-Woche spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt u.a. über den Feldzug von US-Präsident Donald Trump gegen seinen Lieblings-Online-Dienst Twitter. Außerdem gibt es ein Interview mit dem Juristen und Publizisten Andrew Hammel zur Faszination der Medien über den Fall Jens Söring. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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