Partner von:
Anzeige

„Publishing-Geschäft bleibt unser Rückgrat“: Warum Verlegerin Yvonne Bauer den Familienverlag radikal umbaut

Bauer-Führung: Verlegerin Yvonne Bauer, Jörg Hausendorf und Veit Dengler
Bauer-Führung: Verlegerin Yvonne Bauer, Jörg Hausendorf und Veit Dengler

Die Bauer Media Group wird neu ausgerichtet: Verlegerin Yvonne Bauer bündelt die Kräfte ihrer globalen Aktivitäten in den jeweiligen Sparten Print, Digital und Radio. Dazu strafft sie die Organisationsstruktur und ordnet die Aufgabenbereich an der Firmenspitze neu. Für die Geschäftsführer Jörg Hausendorf und Veit Dengler bedeutet das einen Zuwachs an Macht. Doch die beiden Manager stehen auch vor einem gewaltigen Kraftakt, um die Expansion voranzutreiben.

Anzeige
Anzeige

Erst verließ Andreas Schoo im Frühherbst vergangenen Jahres nach zehn Jahren als Konzerngeschäftsführer den Hamburger Familienverlag Bauer, jetzt kehrt erneut ein lang gedienter Top-Manager dem Unternehmen den Rücken: Witold Wozniak. Ihn hatte Verlegerin Yvonne Bauer erst 2015 in die Konzernleitung geholt. Der Geschäftsmann hat viel erreicht. Er baute seit 1999 als CEO das Polen- und Osteuropa-Geschäft massiv aus und leitete zuletzt auch das Radiogeschäft sowie die Online-Vergleichsportale.

Jetzt ist jedoch für Wozniak Schluss. Überraschend scheidet der Manager aus dem traditionsreichen Medienunternehmen aus. Zwar erfolgt die Trennung im „gegenseitigen Einvernehmen“, aber offenbar nicht ganz freiwillig. So ist sich der Osteuropa-Chef vor allem mit den Konzerngeschäftsführern Jörg Hausendorf und Veit Dengler – einem ehemaligen McKinsey- und Dell-Manager – über die künftige Firmenstrategie ins Gehege gekommen. „In Bezug auf die zukünftige Entwicklung des Unternehmens sowie auf strukturelle Veränderungen vertritt Witold Wozniak andere Auffassungen als meine Kollegen der Konzerngeschäftsleitung und ich. Das respektiere ich. Allerdings erfordern die kommenden Veränderungen ein geeintes Management-Team, das in Bezug auf die zentralen Leitpunkte der künftigen Strategie und Struktur an einem Strang zieht“, erklärt die Verlegerin in einem Brief an die Mitarbeiter, den MEEDIA im Wortlaut dokumentiert.

Mit dem Ausscheiden von Wozniak gibt die Verlegerin Hausendorf und Dengler mehr Macht an die Hand. Zugleich baut sie den international verzweigten Medienriesen radikal um, der 2017 und 2018 offenbar nur durch Zukäufe seinen Konzernumsatz und seine operativen Ergebnisse halten kann. Um wieder zu wachsen, schafft Yvonne Bauer deshalb neue Strukturen. Sie bündelt die Kräfte ihrer globalen Aktivitäten in den jeweiligen Sparten Print, Digital und Radio. Damit will sie die Innovationskraft für neue Print- und Digitalprodukte im Gesamtkonzern steigern, der in 17 Ländern aktiv ist. Auch Kostengründe dürften bei der Neuausrichtung eine Rolle spielen. So kann die Geschäftsfrau Doppelfunktionen in den jeweiligen Regionen abbauen sowie die IT- und Verwaltungsaufgaben besser koordinieren. Dies könnte mittelfristig auch zu personelle Folgen führen.

Um das Unternehmen wieder auf Expansionskurs zu steuern, ordnet die Verlegerin die Zuständigkeiten im Unternehmen neu. Künftig leitet Hausendorf nicht nur das deutsche Zeitschriftengeschäft. Der Manager soll auch das Publishing-Geschäft in Polen, Slowakei, Tschechien, Rumänien, Russland, Spanien, Frankreich und Österreich im Auge behalten. Für den Geschäftsmann keine leichte Aufgabe. Denn die wirtschaftliche Situation in den einzelnen Märkten ist sehr unterschiedlich, die landesspezifischen Herausforderungen heterogen.

Auch Veit Dengler, zuletzt CEO der Schweizer Mediengruppe NZZ, bekommt einen deutlich größeren Aufgabenbereich. Der Manager, der unter anderem das Geschäft in Australien und Neuseeland verantwortet, soll nun auch für das internationale Radiogeschäft und die Online-Vergleichsportale verantwortlich zeichnen. Auch er steht vor großen Herausforderungen. Dazu gehört das Radiogeschäft. In Polen ist Bauer Marktführer. Doch es ist unklar, ob das Verlagshaus hier seine Position auf Dauer wird halten können. Vor Monaten kursierten heftige Spekulationen, wonach die polnische Regierung die Beteiligungen ausländischer Medienunternehmen einschränken will.

Mit den neuen Zuständigkeiten an der Firmenspitze hat die Verlegerin die Bereiche Print, Radio und Digital stärker von der Hamburger Konzernzentrale aus im Blick – wohl auch um die Entwicklung von neuen Printprodukten und Webportalen effizienter vorantreiben zu können. „Das Publishing-Geschäft wird weiterhin unser Rückgrat bleiben, aber wir müssen auf internationaler Ebene schneller und agiler Ideen austauschen“, betont Yvonne Bauer. So gelängen heutzutage „Innovationen innerhalb internationaler Unternehmen nur durch enge Kollaboration: Über Grenzen, Funktionen und Hierarchien hinweg“, betont die Geschäftsfrau. Daher stellt die Firmenchefin die „Konzernstrategie auf den Prüfstand“. Dabei setze sie nicht „auf Revolution, sondern auf Evolution unserer Geschäftsmodelle“. In den kommenden Wochen soll die Geschäftsführung, die geplanten Veränderungen innerhalb der Organisation umsetzen. Hierfür würden die „Rollen und Verantwortlichkeiten sowie detaillierte Management-Prozesse definiert“, heißt es.

Von dem neuen Firmenkurs sind auch wichtige Bereiche wie Controlling, die Personalplanung sowie die Kommunikation betroffen. Hier will Yvonne Bauer globale Funktionen schaffen. Dabei ist noch offen, wie diese Positionen besetzt werden sollen. Auch der Bereichen Finanzen und Controlling sollen globaler ausgerichtet werden. Hierzu wird unter Harald Jessen, der als Mitglied der Konzerngeschäftsführung die Bereiche IT und Personal betreut, ein neuer Posten für einen Finanzchef geschaffen, der auf Gruppenebene das Reporting und die Controlling-Abläufe verbessern soll. Damit verschafft sich Yvonne Bauer wohl auch einen besseren Überblick über die Baustellen im internationalen Konzern. Dazu gehört wohl auch das Australiengeschäft, das durch Managementwechsel und den millionenschweren Rechtsfall um die Schauspielerin Rebell Wilson in die Schlagzeilen geraten ist.

Hier die Mail der Verlegerin im Wortlaut:

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

ich möchte Ihnen mitteilen, dass wir unsere Organisationsstruktur, unsere Arbeitsweisen und die Zusammensetzung der Konzerngeschäftsleitung entscheidend verändern werden.

Wie Sie alle wissen, haben wir unsere Geschäfte sehr erfolgreich durch die Medienkrise des letzten Jahrzehnts gesteuert. In unseren traditionellen Märkten sind wir profitabel gewachsen. Gleichzeitig haben wir unser Portfolio auf neue Geschäftsfelder wie Radio- und Online-Vergleichsplattformen (OCP) ausgeweitet und unsere internationale Präsenz durch organisches Wachstum und Akquisitionen deutlich gestärkt. Heute sind wir in 17 Ländern aktiv.

Nun ist es Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Wir wollen unser Unternehmen auf eine sich kontinuierlich verändernde Medienlandschaft vorbereiten – eine Medienlandschaft, die geprägt ist durch den weiteren Ausbau digitaler Geschäftsmodelle und neuen Wettbewerb. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, müssen wir zukünftig integrierter arbeiten und unsere Zusammenarbeit verbessern. Wir müssen noch stärker von unserer Globalität mit unseren geographisch weit gestreuten Kenntnissen und Fähigkeiten in Publishing, Radio, OCP und New Business profitieren. Wir werden effizienter und innovativer werden, indem wir

· die Strukturen unseres Publishing-Geschäfts vereinfachen und mit effizienterem Management Wachstum ermöglichen,
· den Fokus stärker auf unsere noch relativ jungen Geschäftsfelder Radio und OCP legen und neue Geschäftsfelder entwickeln,
· eine Funktion für das Produktions- und Druck-Geschäft mit globaler Reichweite und Verantwortung implementieren und
· zentrale Steuerungsprozesse für Funktionen wie Finanzen, IT, HR und Kommunikation schaffen, um unsere Expertise zu bündeln und Synergien zu nutzen.

Daher vereinfachen wir die Berichtsstruktur für das Publishing-Geschäft und führen internationale Zuständigkeiten für Radio, New Business und OCP ein.

Das Publishing-Geschäft in Polen, Slowakei, Tschechien, Rumänien, Russland, Spanien, Frankreich und Österreich wird Jörg Hausendorf ergänzend zum deutschen Zeitschriftenmarkt verantworten, ebenso das internationale Produktions- und Druck-Geschäft.

Anzeige

· Thomas Göbler wird Leiter des globalen Produktions- und Druck-Geschäfts. Slawomir Bandurski wird Leiter der Druckfabriken in Polen und Deutschland. Er berichtet an Thomas Göbler.

Veit Dengler wird zusätzlich zu seiner Verantwortung für die Aktivitäten in Großbritannien, USA und Australien/Neuseeland sowie den New Business-Bereich das internationale Radio-Geschäft und die Online-Vergleichsplattformen übernehmen.

· Paul Keenan wird in Ergänzung zu seiner jetzigen Rolle als Publishing-Chef UK die Leitung unseres globalen Radio-Geschäftes übernehmen, das die Standorte in Polen, Slowakei, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und UK umfasst.
· Björn Lander wird zum konzernweiten Leiter aller Online-Vergleichsplattformen (OCP) ernannt.
· Die Funktion eines Leiters New Business wird zu gegebener Zeit geschaffen. In diesen Bereich wird auch die Verantwortung für das polnische Portal- und SEO-Geschäft fallen.
· Der Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) wechselt in den Verantwortungsbereich von Veit Dengler. Philipp Meixner und sein Team werden an ihn berichten.

Eine neu ausgerichtete, globale Finanz- und Controlling-Funktion wird die Regionen und Geschäftseinheiten als Business Partner unterstützen. Die CFOs der Regionen und der Geschäftseinheiten werden direkt an Harald Jessen berichten.

· Andrzej Choynowsky wurde zum CFO Publishing Osteuropa ernannt, zusätzlich zu seiner aktuellen Rolle als CFO Polen.
· Sarah Vickery übernimmt ergänzend zu ihren Aufgaben als CFO UK die kaufmännische Leitung des Radio-Geschäfts.
· Joakim Lundqusit wird den Finanzbereich der Online-Vergleichsplattformen (OCP) verantworten.

Die neugeschaffene Position des Leiters Finance und Controlling auf Gruppenebene wird die Reporting- und Controlling-Abläufe verbessern und die Allokation von Ressourcen sowie die Investitionsprozesse optimieren.

Um die jetzige IT-Organisation stärker auf Effizienz und Innovationsfähigkeit auszurichten, wird innerhalb des Verantwortungsbereichs von Harald Jessen die Rolle des Chief Technology and Information Officer (CTIO) geschaffen. Der CTIO leitet zudem den CIO Council.

Innerhalb der nächsten Monate werden darüber hinaus globale Funktionen für HR, Recht und Kommunikation implementiert. Die jeweilige Organisation sowie Rollen und Verantwortlichkeiten werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Witold Wozniak wird das Unternehmen nach einer außerordentlich erfolgreichen Karriere bei der Bauer Media Group verlassen. Er hat nicht nur das Geschäft in Polen und Osteuropa aufgebaut und profitabel geführt, sondern auch die Bereiche Radio und Online-Vergleichsplattformen sehr erfolgreich entwickelt.

In Bezug auf die zukünftige Entwicklung des Unternehmens sowie auf strukturelle Veränderungen vertritt Witold Wozniak andere Auffassungen als meine Kollegen der Konzerngeschäftsleitung und ich. Das respektiere ich. Allerdings erfordern die kommenden Veränderungen ein geeintes Management Team, das in Bezug auf die zentralen Leitpunkte der künftigen Strategie und Struktur an einem Strang zieht. Aus diesem Grund haben wir uns in gegenseitigem Einvernehmen auf eine Beendigung der Zusammenarbeit verständigt. Ich möchte Witold herzlich für seine zahlreichen Verdienste im Namen der Bauer Media Group danken und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Harald Jessen, Jörg Hausendorf und Veit Dengler werden in den kommenden Wochen intensiv mit ihren Teams daran arbeiten, die geplanten Veränderungen innerhalb der Organisation umzusetzen. Hierfür werden Rollen und Verantwortlichkeiten sowie detaillierte Management-Prozesse definiert.

Parallel dazu werden wir unsere regionale sowie die Konzernstrategie auf den Prüfstand stellen. Dabei setzen wir nicht auf Revolution, sondern auf Evolution unserer Geschäftsmodelle.

Das Publishing-Geschäft wird weiterhin unser Rückgrat bleiben, aber wir müssen auf internationaler Ebene schneller und agiler Ideen austauschen. Heutzutage gelingt Innovation innerhalb internationaler Unternehmen nur durch enge Kollaboration: Über Grenzen, Funktionen und Hierarchien hinweg. Wenn wir in diesem Bereich besser werden, dann werden wir unsere Marktposition als eines der weltweit erfolgreichsten Printhäuser nicht nur verteidigen, sondern ausbauen.

Natürlich streben wir auch danach, das Wachstumspotenzial in unseren noch relativ jungen Geschäftssäulen Radio und OCP sowie weiteren neuen Bereichen zu erschließen.

Abschließend möchte ich Sie um Ihre tatkräftige Unterstützung bitten, die Zukunft der Bauer Media Group mitzugestalten. Nur mit Ihnen wird unser Vorhaben erfolgreich sein.

Ihre
Yvonne Bauer

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Meedia

Meedia