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“WDR noch immer auf der Suche nach begründeten Vorwürfen”: Anwalt von Gebhard Henke erhöht nach Roche-Interview Druck auf Sender

Wurde vom WDR freigestellt: Programmbereichsleiter Gebhard Henke
Wurde vom WDR freigestellt: Programmbereichsleiter Gebhard Henke

Die Gemengelage im Zuge der Vorwürfe gegen WDR-Mann Gebhard Henke bleibt undurchsichtig. Am Morgen hatte Charlotte Roche ihre Anschuldigungen gegen den freigestellten Leiter Fernsehfilm, Kino, Serie des WDR konkretisiert. Am Nachmittag meldet sich der Anwalt von Henke erklärt, dass der Sender “immer noch auf der Suche nach begründeten Vorwürfen” sei, die man seinem Mandanten wegen sexueller Belästigung machen könnte.

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Anfang Mai hatten sechs Frauen im Spiegel teils schwere Vorwürfe gegen Gebhard Henke erhoben. Im Interview mit Zeit Online hatte Roche ihren Fall detailliert geschildert. So habe der WDR-Mann ihr bei ihrem ersten Zusammentreffen, einem offiziellen Branchen-Treff, ungewollt die Hand auf den Po gelegt und sie dadurch bedrängt.

Roche: „Ich war in diesem Klammergriff gefangen und habe versucht, mich seitlich wegzubewegen wie ein Krebs. Aber er ist mitgegangen, seine Hand weiter auf meinem Po, bis es mir schließlich gelang, ihn abzuschütteln. Ich weiß nicht mehr, ob das eine Minute oder fünf gedauert hat.“ Eine konkrete Stellungnahme zu der Roche-Beschreibung von Henke gibt es nicht. Allerdings hat sich sein Anwalt, Peter Raue, nun grundsätzlich zu den Vorwürfen und der Suspendierung via Pressemitteilung geäußert.

Der Anwalt hatte bereits Anfang Mai vom Westdeutschen Rundfunk gefordert, die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zu konkretisieren. Als Frist hatte der Berliner Jurist den 10. Mai angesetzt. Am 9. Mai erhielt er – nach eigenen Angaben – die Antwort des WDR-Personalleiters Kurt Schumacher, dass man hoffe sich bis zum 18. Mai erklären zu können.

Dazu Henke-Anwalt Peter Raue:

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Der WDR, der Gebhard Henke bereits vor mehr als zwei Wochen vom Dienst suspendiert hat, ist immer noch auf der Suche nach begründeten Vorwürfen, die man ihm wegen sexueller Belästigung machen kann.

Auf MEEDIA-Anfrage erklärte eine Sprecherin des Senders: „Der WDR prüft die ihm vorliegenden Hinweise mit der gebotenen Sorgfalt und wird selbstverständlich auch Herrn Henke die Möglichkeit geben, zu den konkreten Vorwürfen Stellung zu nehmen. Darüber und über den Charakter der Vorwürfe wurde Herr Henke auch informiert. Die Freistellung erfolgte, um Raum und Zeit für die sachliche Aufklärung zu schaffen.“.Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was Roche in dem Interview mit Zeit Online auf folgende Frage antwortete:

Zeit Online: Der WDR hat Gebhard Henke von seinem Posten freigestellt. Henke wehrt sich gegen diese Entscheidung. Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, sagt sein Anwalt.

Antwort von Roche: Ich habe mit Jörg Schönenborn, dem Fernsehdirektor des WDR, telefoniert, und auch mit dem Personalchef, als ich meine Aussage gemacht habe. Und ich habe das Gefühl, die wollen das wirklich aufklären. Der WDR muss konsequent sein, und wenn sich mein Eindruck bestätigt, dass viele Frauen gelitten haben, dann sollte Herr Henke nicht zurück auf seine Stelle kommen. Aber das allein genügt nicht.

Der von Roche erwähnte Personalchef des WDR ist der in der Anwalts-Mitteilung genannte Kurt Schumacher. Freigestellt wurde Henke vom WDR bereits Ende April. In der taz sagte der Medienanwalt Ralf Höcker, der u.a. auch Jörg Kachelmann bei dessen Vergewaltigungsprozess in Medienfragen vertrat: „Nichts von dem, was ich da gelesen habe, ist ein Straftatbestand. Er hätte sich vor diesem Hintergrund nicht outen sollen, denn damit hat er das Gegenteil von dem erreicht, was er eigentlich wollte.“

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Alle Kommentare

  1. Genau deswegen baut die AFD ihren eigenen Nachrichtenkanal auf.

    Den kann man dann konsumieren oder nicht.
    Ist er schlecht, guckt da außer den üblichen Verdächtigen niemand mehr rein.
    Auf jeden Fall nicht über Zwangsabgabe finanziert.

    Ich behaupte mal, daß 95% der Angestellten im ÖR in der freien Wirtschaft wegen ihrer Arbeitsauffassung und ihrer politischen Einstellung chancenlos wären.
    So was will doch niemand in der Hütte, der Geld verdienen muß.

    1. Mal ehrlich: wer braucht die ÖR und wer braucht eine Roche und wen interessiert dieses mediengeile und werbewirksame Kasperltheater?

      Keinen Menschen, der noch normal bei Verstand ist, der weiß was Leid ist und sich jeden Tag um echte Probleme und ums Überleben kümmern muss.

  2. Schon bezeichnend, wenn die Damen nach Jahren lieber mit Zeit, Spiegel und Konsorten über ihre damaligen traumatischen Erlebnisse sprechen wollen, als mit dem WDR.

  3. Die Vorwürfe im SPIEGEL von letzter Woche sind sehr konkret. Ich bin sicher, dass auch Herr Henke die Einzelheiten, die „Schauspielerin Yvonne Timm“ geschildert hat, noch in Erinnerung hat: Erstmals für eine Hauptrolle gecastet.. großer Karrieresprung… man kannte sich länger schon… und am Ende des Abends ein Satz „Du willst doch bestimmt Hauptrollenspielerin bleiben oder?“ Hinter sowas sieht der Spezialanwalt des Herrn Kachelmann, Ralf Höcker, nichts relevantes. Ja.. sowas kann sich doch ein WDR-Angestellter, der über unendliche Macht und unendlich viel Gebührengeld „verfügt“ bestimmt leisten oder Herr Höcker, das steht ihm zu.. Er ist doch so wichtig.. bekommt Grimme-Preise etc. (Preise gehören immer noch den Filme-Machern oder ..ganz sicher nicht beim Redakteur eines Senders. Schon das ist eine Hybris die einem Machtgefühl aber nicht der Realität geschuldet ist). Im aktuellen SPIEGEL finden sich noch zwei weitere Artikel: „Sex im Präsidentenbüro“ der „Münchner Musikhochschule“. Was man dort liest, ist ohne Worte. Ähnliche Macht wie auf vielen Hochschulen…schreckliche Szenarien… bis zur von so einem macht-vollen Professor verordneten Porno-Sichtung wegen Entspannung.. Da gibt es schon eine noch nicht rechtskräftige, erste Verurteilung.. Dann wäre da noch „Hinter der Tür“, wo wir nachlesen dürfen, wie es bei der „Schwedischen Akademie für den Literatur-Nobelpreis zuging. Eine sehr noble Akademie… und unten drunter lag und liegt der Macht/Sexismus-Dreck leitender „Herren“. Wahrscheinlich werden uns noch einige „Rechtsberater“ eiskalt schildern, wie und dass man(n) den Dreck wegwaschen kann, indem man den Mund hält, weil es ja keine „Straftatbestände“ gibt und die Sachen auch noch verjährt sind. Weil die Frauen sich immer noch nicht ‚richtig‘ trauen… Weil sie wissen, dass die teuersten und besten Anwälte gegen sie vorgehen… Weil sie wissen, was sie sich damit antun in einem „Rechtsstaat“, der Frauen in allen Bereichen diskriminiert und in keiner Weise gleiche Rechte zugesteht (sogar wenn sie alleinerziehend mit Kindern sind bekommt der viel verdienende Mann mit Frau ohne Kind richtig viel Geld mehr vom „Rechtsstaat“…) Legt den Sumpf im Film- und Fernsehbereich der ÖR Sender (die das mit Gebührengeldern machen und decken!) endlich trocken. Keine lebenslangen Posten mehr, die mit extrem viel Macht über eine riesige Branche und viele Milliarden Gebührengelder entscheiden! Totale Transparenz, Veränderung der Strukturen und Hierarchien, innen wie außen. Das Monopol der ÖR-Sender mit ihren Tochterfirmen, GmbHs und dortige Verbündete muss zerschlagen werden, denn dort können sie ohne jede ernsthafte Kontrolle machen was sie wollen. Das Thema „Whistleblower“ wird aktuell diskutiert. Beendet die Praxis, dass Sender behaupten können, sie hätten Anlaufstellen geschaffen (was die da im Moment anbieten ist Show für die Politik… absolut lächerlich!). Nichts davon funktioniert! Wir brauchen – es geht um 8,5 Milliarden Gebühren der Bürger – freie, nicht von den Sendern bestimmte oder beeinflussbare Beschwerdemöglichkeiten und – in einem Rechtsstaat eigentlich mögliche Sanktionen statt unkündbare Stellen und Verträge. Wenn Henke klug ist, lässt er sich – wie heute noch möglich – gut abfinden. Er hatte eine wirklich mega-mächtige, gute, erfolgreiche und sogar mit Preisen gekrönte Zeit beim WDR.. Die wirklich gelackmeierten und um Arbeit, Karriere und Geld Betrogenen sind die „massiv diskriminierten Frauen“ (ARD/ZDF-Studie). Was will er denn noch mehr?

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