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Bedingt gesprächsbereit: die ausgesperrte Bundeswehr und das PR-Eigentor der re:publica-Macher

Bedingt gesprächsbereit: re:publica-Macher Markus Beckedahl (l.) und Johnny Hausler

„Mainstreamiger, politischer und internationaler“ wollte die dreitägige Berliner Digital-Sause re:publica werden. So ist es bei Heise zu lesen. Die „eine oder andere Filterblase“ solle zum Platzen gebracht werden. Für Aufmerksamkeit sorgte dann aber, dass die Veranstalter der Bundeswehr einen Stand auf dem Kongressgelände verwehrten, weil sich die Besucherinnen und Besucher von Uniformierten gestört fühlen könnten. Ganz schön paradox. Ein Kommentar.

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Die Truppe baute als Reaktion auf die Ausladung vor dem Konferenzeingang einen Lieferwagen mit Werbetafel („Zu bunt gehört auch grün“) auf und verteilte Flyer. Das kam bei den re:publica-Machern gar nicht gut an. Co-Gründer Markus Beckedahl bezeichnete die Aktion gegenüber MEEDIA als „niveaulos“ und „nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar“. Mit-Veranstalter Johnny Haeusler erklärte gegenüber Heise.de, die Bundeswehr habe die re:publica „hacken“ wollen. Man lasse nicht zu, „dass hier rekrutiert“ wird.

Auch bei Twitter echauffierten sich einige. U.a. schrieb eine Nutzerin, die Bundeswehr demonstriere „aggressiv“. Der Begriff der „Rekrutierung“ fällt mehrfach.

MEEDIA-Mitarbeiter vor Ort fiel von einem aggressiven Verhalten der Soldaten nichts auf. Die Bundeswehr-Angehörigen hätten dagestanden und Interessenten Flyer ausgehändigt. Unter „Rekrutierung“ kann man sich etwas anderes vorstellen. Vielleicht, dass einem/einer arglos vor sich hin filterbubblenden re:publica Gänger*in ein Sack über den Kopf gezogen wird, Knüppel drauf und am nächsten Morgen wacht er oder sie in Afghanistan auf. DAS wäre eine Rekrutierung. Aber drei BW-Typen mit Faltblättern vor einem Plakat-Lieferwagen?

Im Ernst: Dass die Veranstalter eine solche Angst vor Uniformen und Unterwanderung durch die Bundeswehr haben und gleichzeitig betonen, wie weltoffen und Out-of-the-Box-denkend sie doch sind, das passt natürlich so ganz und gar nicht zusammen. Vom Bundeswirtschafts- und -bildungsministerium lässt man sich gerne fördern. Auch von Daimler wird mal Kohle genommen. Aber ein Stand der „Parlaments-Armee“ ist dann ein Zuviel an Zumutung? Beckedahl begründete die Ablehnung der Bundeswehr damit, dass deren Angehörige ja – huch! – Uniformen tragen würden: „Wir akzeptieren keine Uniform, weil es viele Besucherinnen und Besucher gibt, die sich dabei unwohl fühlen. Ausnahmen sind natürlich die Polizei, etc.“ Nach dieser Logik müsste dann auch beispielsweise ein Infostand der Bahn abgelehnt werden, sollten deren Mitarbeiter in Zugbegleiter-Uniform auflaufen. Das Digitalvolk scheint aus sehr empfindlichen Seelchen zu bestehen.

Mit ihrem Verhalten und ihren Rechtfertigungen entlarven die re:publica-Macher das Motto ihrer Veranstaltung als Lippenbekenntnis: Filterblasen lässt man in diesen Kreisen nur platzen, wenn man dabei schön unter sich bleibt. Plopp!

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