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Strafanzeigen, Programmbeschwerde: Die “heute-show” hat Ärger, weil sie den Osterhasen kreuzigte

Wegen dieser Szene aus der Sendung vom 6. April hat "heute-show"-Moderator Oliver Welke nun Ärger

Satire ist immer dann besonders erfolgreich, wenn sich jemand darüber ärgert. So gesehen hat die “heute-show” mal wieder alles richtig gemacht, als sie in ihrer Sendung vom 6. April einen Osterhasen ans Kreuz nagelte. Allerdings empörten sich einige Zuschauer so sehr, dass sie gleich Strafanzeige stellten und kündigen zudem an, eine Programmbeschwerde einzureichen. Jetzt entscheiden möglicherweise also gleich zwei Instanzen, ob die Redaktion diesmal über das Ziel hinausgeschossen ist.

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Auslöser der Debatte ist ein Beitrag der Satire-Sendung, der sich mit der Frage beschäftigte, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht. Im Zuge dessen überlegte Moderator Oliver Welke, was denn überhaupt Teil der christlichen Prägung Deutschlands sei. Der Osterhase etwa? Deshalb zeigte Welke ironisch, welche zentrale Rolle der Osterhase in der christlichen Mythologie einnahmen würde. Beispiele: Das “letzte Hasenmal” oder dass der Hase von Judas für 30 Möhrchen verraten wurde oder eben, wie er “für unsere Sünden am Kreuz gestorben” sei.
https://www.youtube.com/watch?v=ler4NDXPpg4&feature=
An dem dazugehörigen TV-Bild entzündet sich die Kritik. Zu sehen ist ein Plüsch-Osterhase, der an ein Kreuz genagelt ist.
In einer ersten Reaktion sollen mehrere Privatpersonen Strafanzeige wegen unzulässige Beschimpfung religiöser Bekenntnisse gestellt haben. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte dies auch die leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller. Bis Anfang der Woche waren mindestens vier derartige Anzeigen in Mainz eingegangen.

Wie viele es mittlerweile sind, konnte die Staatsanwaltschaft auf MEEDIA-Anfrage nicht genau sagen, weil möglicherweise noch nicht alle erfasst oder eingegangen seien. Die Anzahl der Strafanzeigen spielt auch keine sonderliche Rolle, weil es sich um denselben Sachverhalt handelt. Anzeigen werden dann rechtlich geprüft. Diese Prüfung bezieht sich dabei erst einmal auf die Frage, ob überhaupt Ermittlungen eingeleitet werden. Wie sich die Mainzer in diesem Fall entscheiden, lässt sich derzeit offenbar noch nicht abschätzen.

Anders als bei vergangenen Aufregern, wie dem Streit um den AfD-Politiker Dieter Amann, sieht die Redaktion und der Sender den Ärger um den Osterhasen offenbar sehr entspannt. So erklärte ein ZDF-Sprecher auf MEEDIA-Anfrage “Wir gehen davon aus, dass durch den Beitrag die Grenzen der Satirefreiheit nicht überschritten wurden. Im Übrigen liegen dem ZDF bislang keine Strafanzeigen vor.”
Trotzdem werden sich die Mainzer TV-Macher wohl noch etwas länger mit Fall beschäftigen müssen. Denn via Pressemitteilung kündigte der Christliche Medienverbund am gestrigen Donnerstag an, dass man Programmbeschwerde beim Zweiten Deutschen Fernsehen einlegen werde. Aus Sicht der Kritiker verstößt der Bericht “eklatant gegen den Programmgrundsatz, die sittlichen und religiösen Überzeugungen“ in der Bevölkerung ‚zu achten‘ und sie nicht herabzuwürdigen“, sagt Christoph Irion, Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes. Weiter sagt er, dass im kritisierten Beitrag „vielmehr das biblische Passions- und Ostergeschehen selbst und die Person des gefolterten und unschuldig hingerichteten Religionsstifters Jesus Christus trivialisiert und ins Lächerliche gezogen” werde. “Der Beitrag der heute-show macht somit den zentralen Glaubensinhalt des Christentums buchstäblich zur Lachnummer“.
Update (14.00 Uhr):
Wie das ZDF gegenüber MEEDIA nun bestätigte haben den Fernsehrat sogar mehrere Eingaben zu der „heute-show“-Sendung vom 6. April 2018 erreicht. Die Fernsehrats-Vorsitzende hat deshalb nach § 21 der ZDF-Satzung ein förmliches Beschwerdeverfahren eingeleitet. Als erstes werden die Eingaben dem Intendanten des ZDF zur Stellungnahme zugeleitet. Reicht einem Beschwerdeführer diese Stellungnahme nicht aus, wird der Fernsehrat die Beschwerde beraten.

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