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Burda-Vorstand Welte beim VZB-Kongress: „Facebook ist die größte Manipulationsmaschine der Welt“

VZB-Geschäftsführerin Anina Veigel, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, VZB-Vorstandsfrau Waltraut von Mengden
VZB-Geschäftsführerin Anina Veigel, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, VZB-Vorstandsfrau Waltraut von Mengden

Der Verband der Zeitschriftenverleger in Bayern (VZB) hat in München seinen traditionellen Jahres-Kongress abgehalten. Diesmal gab es sogar einen Geburtstag zu feiern: 70 Jahre VZB. Mit dabei waren u.a. Burda-Vorstand Philipp Welte, Funke-Verlegerin Julia Becker, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und der Hirnforscher Manfred Spitzer.

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Was soll ein Hirnforscher auf einem Verlegerkongress? Die erste Folie von Spitzers Keynote-Vortrag gab die Antwort: „Print schlägt Digital“ war da zu lesen. Spitzer ist durchaus nicht unumstritten. Seine Thesen von der digitalen Demenz und der Verdummung von Kindern und Jugendlichen durch Smartphones & Co. werden von manchen auch kritisch gesehen. Darum betonte der ärztliche Direktor der Psychiatrischen Uniklinik Ulm wohl auch ein ums andere mal, dass das, was er da vorträgt, nicht etwa seine Meinung ist, sondern wissenschaftlich erwiesene Fakten. Und so diagnostizierte Professor Spitzer in der modernen Digital-Gesellschaft einen „Morbus Google“: die fatale Tendenz, dass wir unsere Hirne immer weniger nutzen und Aufgaben an Maschinen und Software auslagern. Die Pläne, gerade Schulunterricht zu digitalisieren, hält er für fehlgeleitet. Untersuchungen haben gezeigt, dass Länder, die große Summen in Digital Learning investiert haben, bei den allseits bekannten PISA-Tests drastisch zurückgefallen sind.

Dass Print so viel besser ist fürs Hirn als Digital, haben viele der anwesenden Zeitschriften-Menschen im feinen Lenbach Palais in München sicher gerne gehört. Ganz ohne Digital geht es aber auch nicht und so fragte Funke-Zentralredaktion-Chefredakteur Jörg Quoos den Hirnforscher auf der anschließenden Podiumsdiskussion, was er denn nun mit seinen Kindern machen soll: „iPhones in den Tresor sperren, bis sie 18 sind, ist ja auch keine Lösung.“ Tja, da wusste auch Manfred Spitzer kein Patentrezept.

Bei aller beschworenen Print-Herrlichkeit wollen die Verlage natürlich auch im Digitalen mitmischen. Als später am Abend der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in seinem Digital-Elan kaum noch zu bremsen war, mag er sich vielleicht ein bisschen gewundert haben, dass er (im Spaß) vom Publikum ausgebuht wurde. Er hatte halt die Spitzer-Speech im Vorfeld nicht gehört. Für Gesprächsstoff war gesorgt. Dass Söder da war, haben die VZB-Vorsitzende Waltraut von Mengden und die -Geschäftsführerin Anina Veigel als Wertschätzung begriffen. Von Mengden wird nicht müde zu betonen, dass die Politik den Verlagen helfen muss, das bekannte „Level Playingfield“ mit dem Tech-Giganten aus dem Silicon Valley herzustellen. Beim Kartellrecht, bei der E-Privacy und dem Leistungsschutz wollen die Verlage die Politik an ihrer Seite wissen. Söder kündigte an, in der Staatskanzlei in Kürze einen Mediengipfel einberufen zu wollen.

Burda Vorstand Welte fand bei der Diskussion ein hübsches Bild: Im Sandkasten würden die kleinen Burdas, Bauers, Funkes und Gruners hocken und sich gegenseitig mit ihren Schäufelchen hauen, wenn einer dem anderen ein bisschen Sand wegnimmt. Während außerhalb des Sandkastens Google und Facebook mit gewaltigen Schaufelbaggern zu Werke gingen und die Digital-Werbung abgraben.

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„Facebook ist das größte Medienunternehmen der Welt und auch die größte Manipulationsmaschine die es gibt“, so Welte. Facebook-Manager Guido Bülow hatte die nur bedingt dankbare Aufgabe, auf der Bühne das Fähnlein des Social-Networks hochzuhalten, indem er artig ein paar bekannte Rechtfertigungen vortrug und „den Mark“ zitierte: „haben Fehler gemacht“, „sind ansonsten der Verantwortung nicht wert“, „haben schon vieles verändert“.

Boris Schramm von der Media-Agentur Group M meinte, dass die Print-Medien auf der Kontakt-Ebene gegen Digitalmedien keine Chance mehr haben. Sie müssten sich auf andere Tugenden besinnen. Es gehe darum, den Unterschied zwischen „Content-Medien“ und „Technik-Medien“ herauszuarbeiten. Denn: „Content ist Kontext“, wie VDZ-Präsident Rudolf Thiemann in seinem Grußwort anmerkte.

Aus der Sicht der Werbetreibenden argumentierte Beate Friedrich, bis vor kurzem Geschäftsführerin Estée Lauder Companies. Sie wünschte sich bessere Analyse-Tools, um Werbewirkung auch über verschiedene Kanäle hinweg zuverlässig messen zu können. „Das wäre ganz sicher der Traum jedes werbetreibenden Unternehmens“. Offenbar hält sie die bestehenden Werbe-Wirkungsstudien nicht für ausreichend. Auch eine Erkenntnis, die die Teilnehmer des VZB-Kongresses mit nach Hause nehmen konnten.

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