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Nach dem Skandal um Kollegah und Farid Bang: Echo-Veranstalter wollen ihr Konzept überarbeiten

Gewannen den Echo trotz Passage über „Auschwitz-Insassen“: Farid Bang (l) und Kollegah
Gewannen den Echo trotz Passage über "Auschwitz-Insassen": Farid Bang (l) und Kollegah

Die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang waren am vergangenen Donnerstagabend beim Echo für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden. Auf einem Bonus-Track findet sich die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen". Angesichts der heftigen Kritik nach der Echo-Verleihung hat der Veranstalter, der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), am Sonntag angekündigt, das Konzept zu überarbeiten.

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Die Auszeichnung der beiden Gangster-Rapper Kollegah und Farid Bang beim Echo 2018 hat einen Proteststurm ausgelöst. Viele Kritiker werfen den beiden Musikern Antisemitismus oder mindestens grobe Geschmacklosigkeit vor. Denn auf dem bei dem Musikpreis ausgezeichneten Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ finden sich unter anderem die beiden Zeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow.“

Erneuerung der Mechanismen für Nominierung und Preisvergabe

Als Reaktion auf den Protest kündigte der Veranstalter der Preisverleihung nun an, das Konzept erneuern zu wollen. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärte Florian Drücke, Vorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI): „Als Konsequenz (…) wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden“. Das schließe die „umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen“ ein.

Ausschlaggebend für eine Echo-Nominierung sind zunächst die Verkaufszahlen. Aus den fünf Top-Sellern der Preis-Kategorien (wie „HipHop“, „Rock“ etc.) wählt eine Fachjury dann, mit je einer Stimme pro Mitglied, ihren Favoriten. Das Endergebnis ergibt sich aus der Zusammenführung der Jurystimmen und der Charterfolge, wobei beide Kriterien gleich stark gewichtet sind.

Der ARD-Koordinator für Unterhaltung, Thomas Schreiber, stellt den Echo-Musikpreis derweil in Gänze in Frage. In einem Gastbeitrag in der Welt schreibt er: „Die Musikindustrie steckt den Kopf in den Sand, hofft, das Ungemach zieht vorüber, und lernt nichts.“ Dabei gebe es nur eine sinnvolle Reaktion, so Schreiber: „eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch.“ Es sei beschämend und schamlos, dass sich die deutsche Musikindustrie in einer Live-Übertragung im deutschen Fernsehen am Gedenktag der Opfer des Holocaust auf diese Weise feiere. Es habe gleich ein dreifaches Versagen beim Echo Pop 2018 gegeben – „die Nominierung der beiden Ekelrapper Kollegah und Farid Bang, der sinn- und geschmacksfreie Auftritt dieser beiden am Ende der Show, die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen“.

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) steht das Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ auf dem Index, wie eine WDR-Sprecherin gegenüber dem Handelsblatt bestätigte. Dies habe auch bereits vor der Echo-Verleihung gegolten, so die Sprecherin. Die Inhalte des Albums seien unvereinbar mit öffentlich-rechtlichen Programmgrundsätzen.

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BVMI-Chef: Preis wird in ein falsches Licht gerückt

Auch Außenminister Heiko Maas äußerte sich zu der Auszeichnung der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang und fand deutliche Worte. Bei Twitter schrieb er, antisemitische Provokationen hätten keine Preise verdient, sie seien „einfach widerwärtig“. Dass am Holocaustgedenktag ein solcher Preis verliehen wird, sei beschämend.

Der BVMI-Chef Florian Drücke erklärte mit Bezug auf die scharfe Kritik im Gespräch mit dem RND: „Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt“. Dies dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben. „Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert.“

Mit Material der Dpa

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