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„Mehr Nonkonformismus wäre gut“: Mathias Döpfner kritisiert Mainstream-Mentalität im Journalismus

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner (re.), Internet-Multimilliardäre Jeff Bezos (li.) und Mark Zuckerberg: „Nicht mehr nur die netten Jungs in T-Shirts, die die Welt verbessern wollen“
Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner (re.), Internet-Multimilliardäre Jeff Bezos (li.) und Mark Zuckerberg: "Nicht mehr nur die netten Jungs in T-Shirts, die die Welt verbessern wollen"

In seiner Rolle als Präsident des Zeitungsverlegerverbandes BDZV profiliert sich Mathias Döpfner immer mehr als wortgewaltiger Kritiker der US-Datenkonzerne sowie einer aus seiner Sicht mangelnden Entschlossenheit bei der Regulierung von Facebook & Co. durch die EU. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der CEO von Axel Springer über fehlenden Nonkonformismus im Journalismus, seine Forderungen an die deutsche Politik und erklärt, warum er nach Mark Zuckerberg demnächst auch Jeff Bezos einen Preis verleihen wird.

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Im Gespräch mit den Handelsblatt-Redakteuren Catrin Bialek und Thomas Thuma für die Dienstagsausgabe der Wirtschaftszeitung, äußert sich Döpfner vor allem zu den Konsequenzen der künftigen E-Privacy-Verordnung der EU, durch die er die Existenz der Medienwirtschaft in Gefahr sieht. In der sich anbahnenden Fassung des europäischen Gesetzes zum Schutz der Privatsphäre sieht der 55-Jährige „ein eklatantes Beispiel dafür, wie mit besten Absichten ein Gesetz konstruiert wird, das (…) am Ende das genaue Gegenteil bewirken würde“. Die E-Privacy-Verordnung würde in der vorliegenden Fassung „nicht den Verbraucher, sondern die amerikanischen Daten-Monopole schützen“. Nach seiner Auffassung „steckt der Teufel im Detail“. Nun sei es, so Döpfner, „die verdammte Pflicht Brüssels, sich mit diesen Details auseianderzusetzen“.

Sollte das Gesetz in der jetzt geplanten Form ratifiziert werden, erwartet der Verlegerpräsident eine „existenzielle Bedrohung für Europas komplette Startup-, aber auch Verlagszene“. Umsatzeinbußen von „mindestens 30 Prozent“ wären die Folge: „Das wäre kein Verbraucherschutz, sondern eine galoppierende Monopolisierung.“ Damit unterscheide sich die E-Privacy-Verordnung wesentlich von der im Mai in Deutschland in Kraft tretenden Datenschutzgrundverordnung DSGVO, die er „für völlig akzeptabel“ halte. Döpfner sieht vor alllem die deutsche Politik in der Pflicht: „Die Bundesregierung muss in Brüssel klarstellen, was sie will. Alle warten darauf. Deutschland ist das Zünglein an der Waage.“

Der Medienmanager nimmt im Interview auch zum Thema Stellung, wie es in seine Agenda passt, dass sein Verlagshaus vor zwei Jahren ausgerechnet den jetzt in der Datenmissbrauchsdebatte scharf kritisierten Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit einem Konzernpreis für „digitale Verdienste“ ausgezeichnet hat. Zuckerberg sei einer „der erfolgreichsten und faszinierendsten Unternehmer der Welt“, aber er selbst habe schon damals erklärt, Facebook für „potenziell gefährlicher als Google“ zu halten, „weil es ein geschlossenes System mit zwei Milliarden Kunden darstellt“. Dass in diesem Jahr mit Jeff Bezos ein weiterer umstrittener Tech-Mogul den Springer-Preis erhält, begründet Döpfner damit, dass der Amazon-CEO „ein Ausnahmeunternehmer mit unglaublichem Weitblick“ sei. Dennoch sehe er diesen nicht kritiklos: „Ist er ein Engel? Nein. Die Gründer der Daten-Giganten sind nicht mehr nur die netten Jungs in T-Shirts, die die Welt verbessern wollen.“

Zum Status Quo des deutschen Journalismus merkt Döpfner im Handelsblatt-Gespräch an, dass die Branche gut daran täte, „eine viel intensivere, selbstkritischere Diskussion zu führen, wie relevant und unabhängig“ diese wirklich sei: „Ich glaube, dass wir da besser werden können. Wir können auch besser werden in der Unabhängigkeit vom Mainstream.“ Über die herrschende Mentalität sagt der Springer-Chef: „Irgendwo wird ein Sound, ein Juste-Milieu-Ton definiert, und wehe, einer schert mal aus, dann wird er gleich in ein Kästchen sortiert, zu den Linken, der AfD, wohin auch immer.“ Sein Fazit: „Mehr Nonkonformismus wäre gut. Journalisten sollten näher ran an die Lebensrealitäten der Menschen.“

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Das gesamte Interview (Paid Content) erscheint in der Dienstagsausgabe des Handelsblatts.

 

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Alle Kommentare

  1. Na, da hat Herr Döpfner sich ja nichts vorzuwerfen. Sein Auftragsbeißer Reichelt ist so nah dran an den Lebensrealitäten der Menschen, dass zwischen ihn und ihr Intimleben keine Unterhose mehr passt. Und so nonkonformistisch, dass er einen feuchten Kehricht auf den Pressekodex gibt und so lange gefundene und erfundene Lebensrealitäten einzelner Menschen abdruckt, bis der Springer-Konzern vom Bundesgerichtshof zu 300.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt wird.

    *Das* ist die Zukunft des deutschen Journalismus, wie Herr Döpfner sie meint. Wirklich sehr erstaunlich, dass sich keine deutschen Politiker für ihn in die Bresche werfen wollen.

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