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„Grillen ohne Hitze“ oder „Trommelfeuer harter Fragen“ – so unterschiedlich bewerten Medien den Auftritt von Facebook-Chef Zuckerberg

Screenshot: © CNBC
Bei aller Kritik und einer aufsehenerregenden Anhörung vor dem US-Kongress: Facebook verzeichnet keinen Nutzerschwund

War der Auftritt von Facebook-CEO Mark Zuckerberg vor dem US-Senat nun ein laues "Grillen ohne Hitze", wie die WirtschaftsWoche meint, oder ein "Trommelfeuer harter Fragen", wie bei Bild.de zu lesen ist? Medien beurteilen Zuckerbergs Aussagen durchaus unterschiedlich. Einigkeit besteht darin, dass es dem Facebook-Chef gelungen ist, reumütig zu wirken und in wesentlichen Punkten auszuweichen. MEEDIA gibt einen Überlick über die Medienstimmen zur Zuckerberg-Aussage.

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Roland Lindner bei FAZ.net:

„Im Zuge der Affäre um den Missbrauch von Facebook-Daten fielen die Fragen der Politiker an den Vorstandsvorsitzenden des sozialen Netzwerks erwartet kritisch aus. Bedenkt man, wie unbehaglich Zuckerberg sich angeblich im Rampenlicht fühlt, machte er insgesamt eine passable Figur und hat sich keine allzu großen Schnitzer geleistet.“

Dass Zuckerberg gut vorbereitet war und im Laufe der Befragung immer sicherer wurde, ist eine Beobachtung, die sehr viele Medien machten.

Julian Heißler bei Zeit Online:

„Ihnen wurden mehrere wichtige Fragen gestellt, auf die Sie keine Antwort haben“, kommentiert Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien, nachdem Zuckerberg Fragen zu Facebooks Datenverfolgung für ihre Begriffe nicht hinreichend beantworten konnte. Der Facebook-Chef nimmt es stoisch hin.

Zuckerbergs Standard-Antwort, wenn es eng für ihn wurde, lautete: „Ich werde das von meinem Team überprüfen lassen. Wir kommen dann nochmal auf Sie zu.“

Roland Nelles hat dies bei Spiegel Online herausgearbeitet:

„Zuckerberg reagiert ausweichend. So wie häufig an diesem Tag gelobt er Besserung, ohne jedoch allzu konkret zu werden. „Wir haben noch nicht genug getan“, sagt er. Oder: „Wir arbeiten intensiv an diesem Problem.“ Bei anderen Gelegenheiten benutzt er eine Standardantwort: „Ich werde das von meinem Team überprüfen lassen. Wir kommen dann nochmal auf Sie zu.“

Das klingt ein bisschen wie die Ansage in einem Call Center, ist letztlich nicht sehr befriedigend, erfüllt aber seinen Zweck: Statt wirklich nachzubohren, gehen die meisten der 44 Fragesteller zum nächsten Thema über. Jeder Senator hat nur fünf Minuten Redezeit, die Fragen sind offenbar nicht untereinander abgestimmt. Das hilft Zuckerberg, seine eher nebulöse Alles-wird-gut-Botschaft unters Volk zu bringen.“

Vielen Medienbeobachtern fiel zudem auf, dass die teils schon betagten Senatoren nicht richtig zu verstehen schienen, wie Facebook funktioniert.

Johannes Kuhn bei Sueddeutsche.de:

„Während seines Auftritts profitierte der Facebook-Chef auch vom hohen Altersdurchschnitt im Senat: Die meisten der 44 Senatoren hatten ihre Fragen offensichtlich von Assistenten erhalten, wussten aber zu wenig über IT-Systeme oder das Facebook-Geschäftsmodell, um die richtigen Nachfragen zu stellen.

So musste Zuckerberg mehrmals wiederholen, dass Facebook keine Nutzerdaten verkauft, konnte aber gleichzeitig Fragen über die Datenlöschung und Details des Nutzertrackings ausweichen oder angeben, die Informationen nicht parat zu haben.“

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Stefan Beutelsbacher bei Welt.de:

„Und so offenbart die Anhörung auch dies: Zwischen dem Silicon Valley, dem Tal der Tech-Giganten, und Capitol Hill, dem Sitz des Kongresses, ist es weit. Nicht nur geografisch, da sind es rund 2800 Meilen, sondern auch kulturell. Wann immer in den vergangenen Jahren Banker, Autobosse oder Ölmanager in Washington aussagen mussten, steckten die Politiker tief in der Materie – aber bei Zuckerberg haben sie Probleme.“

Frank Herrmann bei taz.de:

Was ein Datenskandal doch für einen Unterschied macht! Reue an den Tag legen, geduldig antworten, im Allgemeinen Besserung geloben und dabei allzu konkrete Zugeständnisse vermeiden, so ließe sich Zuckerbergs Verteidigungsstrategie vielleicht zusammenfassen.

Während viele meinten, die Senatoren seien zu lasch mit dem Facebook-CEO umgesprungen, sahen die Bild-Reporter ein „Trommelfeuer harter Fragen“:

Herbert Bauernebel und Philip Fabian bei Bild.de:

„Der Facebook-Chef wurde im US-Kongress gegrillt: Mark Zuckerberg (33) stellte sich knapp fünf Stunden lang dem Trommelfeuer harter Fragen der US-Senatoren.“

Ganz anders der Eindruck, den die WiWo hatte:

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