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Streit um Verantwortung nach Belästigungsvorwürfen: Verwaltungsrätin attackiert WDR-Intendant Tom Buhrow

Reagiert erst nach umfassender Berichterstattung über Belästigungsvorwürfe gegen einen Korrespondent: WDR-Intendant Tom Buhrow
Reagiert erst nach umfassender Berichterstattung über Belästigungsvorwürfe gegen einen Korrespondent: WDR-Intendant Tom Buhrow

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) steht in der Kritik, weil er die sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen durch einen Korrespondenten nicht einmal mit einer Abmahnung sanktionierte. Intern streitet man sich über die Verantwortung. Nun kündigte Personalrätin Christiane Seitz ihren Rückzug aus dem für Missbrauchsfälle zuständigen Interventions-Ausschuss an – und schießt gegen Intendant Tom Buhrow und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn.

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Die Recherchen von Correctiv und des stern versetzen den Westdeutschen Rundfunk in Aufruhr. Ein Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Senders soll bereits 2012 mehrere Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben – quasi ohne Folgen. Nicht mal eine Abmahnung soll es gegeben haben. Innerhalb des Hauses ist der Fall ein gewaltiges Politikum.

Nun zieht zumindest jemand Konsequenzen: Christiane Seitz. Die Vorsitzende des Personalrates ist ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrates und in ihrer Rolle auch Mitglied im so genannten Interventions-Ausschuss, von dem sie nun ihren Rücktritt verkündete.

Intendant Tom Buhrow hatte den Ausschuss 2015 eingeführt, um Missbrauchsvorwürfe zu prüfen. Das Gremium habe auch das Mandat, arbeitsrechtliche Konsequenzen vorzuschlagen, die dann von der Personalabteilung umgesetzt würden, erklärte eine Sprecherin dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Seitz stößt diese Einordnung im Stadt-Anzeiger auf Unmut. In einer internen Mail, die MEEDIA vorliegt, verkündete sie nicht nur ihren Rücktritt, sondern formulierte anlässlich der Berichterstattung auch eine Attacke in Richtung der WDR-Führung. „Hier wird die Verantwortung auf den Kopf gestellt“, schrieb sie. „Der Personalrat und die Gleichstellungsbeauftrage werden Schwarzer-Peter-artig in den Vordergrund geschoben – als seien sie die Handlungsmächtigen (Subtext: die Nicht-Handelnden) in dieser Angelegenheit.“ Entscheiden aber könnten nur die Vorgesetzten: wie Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und Intendant Buhrow. Anderen Gremien wie dem Ausschuss oder auch der Personalabteilung würden in „brisanten Personalien“ keine „eigenmächtige Rolle“ zugestanden.

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Der Personalrat, dessen Vorsitzende Seitz ist, habe immer wieder vergeblich gefordert, „im absolut hierarchisch geprägtem WDR eine wirklich umfassende, strukturelle
Kontrolle und Ahndung von Machtmissbrauch und Herabwürdigung gegenüber Schwächeren und Abhängigen zu gewährleisten“.

Vorschläge für Präventionen oder auch den Umgang mit Vorwürfen seien „teils ins Lächerliche“ gezogen worden, schrieb Seitz weiter. „Sie wurden abgelehnt, verwässert oder aufgeschoben.“ Als Beispiele nennt sie in Ihrer Mail „Anspruch auf Konflikt- und Sozialberatung, Klimaanalysen in wirklich allen Abteilungen, transparente Bewertung von Vorgesetzten, psychische Gefährdungsbeurteilung usw. usf. Alles übrigens ganz ’normale‘ Instrumente in anderen Unternehmen.“

Für Maßnahmen wie diese brauche es zwar Geld, gesteht Seitz ein, „aber nur einen Bruchteil dessen, was etwa eine Kostensteigerung beim Filmhaus kostet. Was es zuerst braucht, ist den Willen der WDR-Spitze, das seelische und körperliche Wohl der Beschäftigten als zentrales Anliegen zu sehen und danach zu handeln. Wir brauchen nicht nur digitalen Wandel, neue Geräte und neue Gebäude. Wir brauchen eine neue Unternehmenskultur, die unsere wichtigste Zukunfts-Ressource in den Mittelpunkt stellt: die Menschen, die hier arbeiten.“ Ihren Rücktritt aus dem Ausschuss wolle sie nicht als reine Folge der Berichterstattung verstanden wissen, schreibt sie weiter. „Es ist eine Forderung nach grundlegenden Änderungen im Umgang mit den Beschäftigten.“

Was Seitz und ihr Gremium im vorliegenden Fall des Korrespondenten empfohlen hatten, lässt sie in ihrer Mail offen. Für eine Anfrage von MEEDIA war die Personalrätin bislang nicht erreichbar. Von offizieller Seite des WDR, gibt es in Bezug auf Seitz‘ Mail nur eine knappe Antwort: „Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Personalratsvorsitzende ihre Mitarbeit im Interventionsteam eingestellt hat und können die Begründung nicht nachvollziehen“, so eine Sprecherin.

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