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Facebook in der Dauerkrise: Sollte Mark Zuckerberg zurücktreten?

Steht in der Dauerkritik: Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Steht in der Dauerkritik: Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Die Schlinge zieht sich von Woche zu Woche weiter zu. Facebook steckt durch den Datenskandal um Cambridge Analytica in einer tiefen Krise: Die Aktie ist brutal abgestürzt, das Vertrauen in das weltgrößte Social Network schwindet täglich weiter. Den Löwenanteil der Schuld trägt Konzernchef Mark Zuckerberg, der in der Krise ein miserables Bild abgibt und in Interviews schnell immer wieder seine alte Hybris aufblitzen lässt. Facebook-Investoren und Brancheninsider fordern inzwischen offen Zuckerbergs Rücktritt.

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Woche drei nach den Enthüllungen um Cambridge Analytica: Noch immer befindet sich Facebook fest in der Dauerkrise und hat an der Wall Street seit Mitte März fast 100 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

Maßgeblichen Anteil daran hatte nicht nur der Datenskandal an sich, sondern auch der desaströse Umgang von CEO Mark Zuckerberg mit der Krise. „Das ist die am schlechtesten gemanagte Krise in der modernen Wirtschaftsgeschichte“, fällte etwa Marketing-Professor Scott Galloway ein harsches Urteil.

„Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg haben sich in die Höhlen von Kandahar zurückgezogen“, watschte Galloway die beiden Führungsfiguren des Social Networks gnadenlos ab. Doch auch als Zuckerberg schließlich in die Kommunikationsoffensive ging, verpasste der Facebook-Chef einen Befreiungsschlag.

Schnell zurück zur alten Hybris

Sein Erklärungspost bei Facebook wirkte halbherzig, eine echte Entschuldigung fehlte. Die rang sich der 33-Jährige wenig später im Interview mit CNN ab. Es folgten ganzseitige Anzeigen in der Tagespresse, die aus dem Lehrbuch der Krisen-PR entnommen sein konnten.

Den Verdacht, dass es Zuckerberg mit seiner Büßertour indes nie wirklich ehrlich meinte, konnte der 33-Jährige nie glaubhaft ausräumen. Bereits Mentor Roger McNamee bezichtigte seinen einstigen Schützling im Vorfeld der Unaufrichtigkeit. Dass auch die jüngste Krise, die für Facebook tatsächlich zur existenziellen Herausforderung werden könnte, Zuckerberg offenbar keinen Deut verändert hat, wurde vorgestern im Interview mit Vox deutlich.

Nach ein paar Erklärungsfloskeln kehrte Zuckerberg schnell zur alten Hybris zurück und attackierte Apple-Chef Tim Cook wie ein wütendes Kind. Der Apple-CEO würde es sich mit seinem Standpunkt „extrem leicht“ machen, seine Äußerungen würden „überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen“.

Aktionärsstruktur wie „ein afrikanischer Diktator“

Und mehr noch: Um von der eigenen Krise abzulenken, geißelte er Apple unausgesprochen als Unternehmen, das „Produkte für reiche Menschen“ herstelle, aber gleichzeitig nicht härter für sie arbeite. „Ich finde, es wichtig, dass wir nicht alle dem Stockholm Syndrom anheimfallen“, brandmarkte Zuckerberg Apple als Täter-Konzern, der seinen Kunden nur so das Gelde aus der Tasche ziehe und trotzdem mehr Wertschätzung erfahre.

Der Konterversuch demaskierte Zuckerberg nicht nur als das rhetorische Leichtgewicht, als das er seit der Verfilmung der Gründertage im Hollywood-Blockbuster „The Social Network“ wahrgenommen wird – das Interview war auch ein weiteres Beispiel für Zuckerbergs nicht vorhandene Selbstreflexion. Auch anno 2018 führt der 33-Jährige sein Unternehmen, an dem er tatsächlich nur 17 Prozent der Anteile hält, durch konstruierte Stimmenmehrheitsverhältnisse wie „ein afrikanischer Diktator“, wie Scott Galloway herausarbeitet.

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Weil Zuckerberg eine Stimmenmehrheit von knapp 60 Prozent besitzt, kann er den 450-Milliarden-Dollar-Koloss führen wie ein 3-Mann-Start-up: Er hat grundsätzlich immer das letzte Wort. In der Dekade des unwiderstehlichen Aufstiegs von Facebook galt Zuckerberg so als neuer Steve Jobs, der tatsächlich nie die Machtfülle des Facebook-CEOs besaß.

Stürzt Zuckerberg das Facebook-Imperium wie ein spätrömischer Kaiser in den Abgrund?

Im vergangenen Jahr, vor allem aber in den letzten Wochen seit dem Datenskandal ist das Pendel nun jedoch in die andere Richtung ausgeschlagen: Mehr und mehr erscheint Zuckerberg wie ein spätrömischer Kaiser, den niemand daran hindern kann, sein Imperium in den Untergang zu stürzen.

Das dämmert offenkundig nun auch vermehrt Investoren und Branchenexperten. Die vergangenen drei Wochen haben dokumentiert, dass der Mann, der vor 18 Monaten noch als demokratische Präsidentschaftshoffnung gehandelt wurde, im Arbeitsalltag als CEO für Facebook, Inc. immer mehr zur Belastung geworden ist. Um sein Lebenswerk zu retten, sollte er nun nicht länger im Weg stehen, so der immer lauter werdende Tenor.

„Zuckerbergs Rücktritt würde Facebook einen Neustart ermöglichen“

„Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für Mark Zuckerberg, um zurückzutreten“, sprach das Techportal TechCrunch schon vor zwei Wochen aus, was im Silicon Valley hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde. TechCrunch-Kolumnist Devin Coldewey argumentiert, dass ein Rückzug von Zuckerberg das Beste für beide wäre – das Social Network als auch seinen Gründer selbst. „Ein mutiger und idealistischer CEO, der sich für seine Firma opfert (…), ein besseres Ende findet er nicht“, glaubt Coldewey. Facebook hätte im Gegenzug die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang.

Techreporter Felix Salmon lieferte gestern bei Wired unisono Argumente für ein „Zuck-freies Facebook“: „Zuckerbergs Rücktritt würde Facebook einen Neustart ermöglichen, der noch mehr Momentum besitzen würde als der Wandel vom Desktop zu Mobile nach dem Börsengang“, schreibt Salmon. „Es wäre besser, sowohl praktisch als auch symbolisch, die Führung an jemand Neuen abzugeben.“

Und selbst Facebook-Aktionäre machen inzwischen gegen den Chef des Social Networks mobil. Scott Stringer, Chefkontrolleur des Pensionsfonds von New York City, forderte zumindest einen Rückzug von Zuckerberg als Aufsichtsratschef von Facebook. (Zuckerberg bekleidet aktuell sowohl die Position des CEOs als auch Aufsichtsratschefs.) Nach Einschätzung von Stringer sollten zudem drei unabhängige Mitglieder mit Erfahrung in Datenschutz und Privatsphäre in Facebooks Aufsichtsrat einziehen.

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