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„Die wollen diesen Krieg, die kriegen diesen Krieg“: Rapper Kollegah ruft zum Kampf gegen Bild und RTL auf

„#AlphakellerBanger gegen Mainstream Medien“: Kollegah rechnet mit der Bild ab
"#AlphakellerBanger gegen Mainstream Medien": Kollegah rechnet mit der Bild ab

Die Rapper Kollegah und Farid Bang sind für den Echo nominiert. Doch nachdem die Bild-Zeitung über strittige und möglicherweise antisemitische und gewaltverherrlichende Textpassagen der beiden berichtete, prüft nun der Ethik-Beirat des Musikpreises die Nominierung. Kollegah rechnet derweil mit der Bild und RTL ab und ruft seine Fans zum Kampf gegen die "Mainstream-Medien" auf.

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„Mit dem Sprengstoffgürtel auf das Splash-Gelände“, „Nach einem Schlag denkst du, dich hätt ein Lkw überfahr’n. Als wärst du aufm Weihnachtsmarkt“ und „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“ Diese Zeilen stammen aus zwei Bonus-Tracks von dem gemeinsamen Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang. Mit dem Album sind die Musiker in zwei Kategorien für den diesjährigen Echo nominiert. Die Bild-Zeitung berichtete in der vergangenen Woche über die strittigen Zeilen und konfrontierte außerdem die Echo-Geschäftsführerin Rebecca Heinz mit der Frage, warum Musiker mit „diesen Hass-Liedern“ überhaupt für den Echo nominiert würden. Rebecca Heinz erklärte dazu: „Die Sprache des Battle-Rap ist hart und verbale Provokationen sind ein typisches Stilmittel. Die Kunst- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, angesichts der Textzeilen in ‚0815‘ haben wir aber tatsächlich den Ethik-Beirat gebeten, sich mit dem Produkt zu beschäftigen.“

Künstlerische Freiheit oder gesellschaftlich nicht hinnehmbar?

Man werde prüfen, ob auf dem Song „0815“ die Grenze „zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Äußerungen überschritten wurde“, teilte der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am Donnerstag auf seiner Internetseite mit. Die Prüfung solle bis Ende dieser Woche abgeschlossen sein. Über mögliche Konsequenzen für die Nominierung wolle man nicht spekulieren. Der Wirbel um die Nominierung zieht seitdem immer größere mediale Kreise; in der Bild-Zeitung melden sich Auschwitz-Überlebende entsetzt zu Wort und protestierten. Auch RTL berichtete und versuchte, die beiden Rapper zu konfrontieren, die jedoch der RTL-Redaktion kein Interview geben wollten.

Während Farid Bang bei Facebook erklärte, dass Kollegah und er sich von „jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten“ distanzieren, holt Kollegah zum großen Gegenschlag aus. Bei YouTube veröffentlichte er ein achtminütiges Video mit dem Titel „Ansage an Bild, RTL und co. – die Medien gegen Kollegah und Farid Bang“. Darin rechnet er mit der „Meinungsmache“ der deutschen „Mainstream-Medien ab“ und verkündet, das Volk habe es satt, „sich verarschen zu lassen.“

Kollegah: „Jetzt ziehen wir alle gegen die“

Er betont, die Hip-Hop-Kultur sei „so weit von Rassismus entfernt, wie keine andere Kultur auf der Welt“. Was die Bild in ihrem Artikel betreibt, sei versuchte Zensur und vergleichbar mit der Situation in „totalitären Staaten“. Kollegah ruft andere Künstler sowie seine Fans außerdem mehrfach dazu auf, sich zu wehren: „Jetzt ziehen wir alle gegen die.“ Weiter sagt er:

Die wollen diesen Krieg, die kriegen diesen Krieg. Wir werden sehen, wer am Ende gewinnt. Die Medien müssen sich bewusst machen, dass sie nicht mehr in der Position sind, in der sie noch vor ein paar Jahren waren. Sie sind nicht mehr die Meinungsmacher, der Filter, der der Bevölkerung die Meinung aufdrückt. Die Leute sind heute wach. In Zeiten von Streaming und YouTube macht sich jeder sein eigenes Bild (…). Sei ein Teil. #AlphakellerBanger gegen Mainstream Medien“

Auch dieses Video sorgt erneut für Wirbel. So war in einer ersten Version des Clips eine offenkundig antisemitische Karikatur zu sehen. Die Recherche-& Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) twitterte dazu: „Unsäglich: nach Kritik reagieren Rapper #Kollegah und #FaridBang mit einem Video voller antisemitischer Karikaturen und Verschwörungsmythen.“

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Gegenüber der Bild bezog Kollegah zu den erneuten Antisemitismus-Vorwürfen Stellung: „Das Video (…), das eine missverständliche Grafik enthält, ist ohne meine Kenntnis erstellt worden. Von der Karikatur distanziere ich mich. Ich bin kein Rassist.“ Die „missverständliche Grafik“, die Männer mit Hakennasen und jüdischer Kippa zeigte, ist aus dem Video mittlerweile offenbar wieder herausgeschnitten worden.

In einem zweiten Video bei Facebook betont der Rapper nochmals, es sei ihm völlig egal, wer welche Religion oder welche Herkunft habe. Außerdem kündigte er an, „allen Juden“ freien Eintritt zu seinen Konzerten zu geben. Wie er seine Konzertbesucher, als Juden erkennen will, erklärte er jedoch nicht.

Auch lud er die Bild-Redaktion zu einem Schlagabtausch von Angesicht zu Angesicht ein. Jeder Redakteur sei zu einem Gespräch willkommen. „Ich film das, ungeschnitten wird’s hochgeladen bei YouTube“, sagt er, „eure aus dem Kontext gerissene Scheiße braucht kein Mensch.“ Darauf hat die Bild bislang noch nicht reagiert.

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