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„Safe Shorts“: Medien-Hype um einen Keuschheitsgürtel, der Frauen vor Vergewaltigungen schützen soll

Die Safe Shorts sind keine Satire: mit Vorhängeschloss und Hightech-Schnüren gegen Vergewaltiger
Die Safe Shorts sind keine Satire: mit Vorhängeschloss und Hightech-Schnüren gegen Vergewaltiger

Es sieht auf den ersten Blick aus wie die Meldung eines einschlägigen Satire-Portals, ist aber offenbar ernst gemeint: Eine Frau aus Oberhausen bietet unter dem Namen "Safe Shorts" eine mit Vorhängeschloss gesicherte Laufhose an, die Frauen vor Vergewaltigung schützen soll. Zahlreiche Medien haben die bizarre Story aufgegriffen. Zuletzt stieß ein Bericht des ZDF auf deutlichen Gegenwind im Web.

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Der Beitrag des jungen „heute“-Ablegers „heute+“ zu den Safe Shorts hat bei Facebook aktuell bereits über 300.000 Aufrufe und 715 Kommentare. Die allermeisten davon sind extrem kritisch, nicht wenige sind auch polemisch bis gewaltverherrlichend. Eine Nutzerin wirft dem Sender vor, Werbung für das bizarre Produkt zu machen und fordert, stattdessen sollte man rigoros abschieben. Die Redaktion weist dies in einer Antwort in einem Facebook-Kommentar von sich: „Wir machen weder Werbung für Safe Shorts, noch für Abschiebungen. Ist auch nicht unser Job.“

In dem knapp zweieinhalbminütigen Beitrag von „heute+“ werden Ursprung und Funktion der Safe Shorts ausführlich dargestellt. Erfunden hat die Sicherheitshose für die Frau, die nicht zuletzt wegen des Vorhängeschlosses an einen Keuschheitsgürtel erinnert, die Oberhauserin Sandra Seilz. Beim Joggen sei sie einmal von drei Männern angegriffen worden. Allein der Hund eines Passanten habe die Angreifer vertrieben, bevor Schlimmeres passiert sei. Da sei sie auf die Idee mit den Safe Shorts gekommen. Es gibt eine Version als Lauf- und eine als Unterhose, die unter normaler Kleidung getragen werden kann. Laut eigener Beschreibung sollen „reiß- und schneidfeste High-Tech-Schnüre“ das Aus- oder Herunterziehen der Shorts verhindern. Außerdem ist die Hose mit einem lauten Sirenen-Alarm ausgestattet und einem „Protektor“ im Schritt ausgerüstet.

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Nicht nur das ZDF hat über den Keuschheitsgürtel 2.0 berichtet, sondern auch zahlreiche andere Medien wie das ProSieben-Magazin „Galileo“, das „Sat.1 Frühstücksfernsehen“, der Focus, die Kölnische Rundschau, FitforFun.de oder RTL Next. Der Skurrilitätsfaktor ist zugegebenermaßen sehr hoch. Der ZDF-Bericht bei „heute+“ fällt freilich besonders unkritisch aus. Die Hose wird als „unüberwindbares System“ angepriesen, Kritikpunkte darf die Erfindern selbst vortragen und sogleich entkräften. Abschließend werden noch die Produktpreise genannt. Ein ZDF-Sprecher sagte dazu gegenüber MEEDIA: „Die Redaktion hat sich der Sache angenommen, weil diese Hosen wie Abwehrsprays und ähnliche Produkte auf eine überraschend große Nachfrage treffen. Es wurde also einerseits vorgestellt und andererseits berichtet, dass das Produkt zu Zehntausend Stück pro Monat in alle Welt exportiert wird. Im Bericht wird die von Ihnen angesprochene Kritik ebenfalls thematisiert, etwa dass die Hosen dort nicht zur Abwehr geeignet seien, wo die meisten Vergewaltigungen stattfänden: im privaten Umfeld und -Stichwort ‚#metoo‘-  unter Ausnutzung von Machtstrukturen. Die Unternehmerin stellt dazu klar, dass sie die Safe Shorts als Schutzhose für Joggerinnen konzipiert habe.“

RTL Next schickte dagegen zum Beispiel eine Reporterin los, die die Safe Shorts einem Alltagstest unterzog. Ergebnis: Die ungewöhnliche Hose zog beim Joggen viele Blicke auf sich, was die Reporterin als unangenehm empfand. Als Unterhose getragen erwies sich das Teil als unpraktisch beim Toilettengang, da die Sicherheitsvorrichtungen jedesmal relativ umständlich ab- und wieder angebracht werden müssen. Ein befragter Polizist warnte zudem davor, dass es bei aggressiven Tätern, die eventuell mit einem Messer bewaffnet sind, auch zu einer Eskalation kommen kann, wenn eine solche Hose getragen wird. Solche nachvollziehbaren Überlegungen fehlten in dem ZDF-Beitrag.

Die eigentliche Kernfrage lautet aber ja, warum hier in vielen Beiträgen so selbstverständlich Frauen die Verantwortung darüber aufgetragen wird, dafür zu sorgen, nicht vergewaltigt zu werden. Mit einer weithin sichtbaren Safe Short werden sie schon vorab zu potenziellen Opfern degradiert. Dieser Aspekt bleibt bei den meisten Berichten außen vor.

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