Partner von:
Anzeige

Wochenrückblick: Die peinliche Facebook-Pizza-Posse von Dr. Oetker

Carsten Maschmeyer, Cordt Schnibben, Gesa Mayr und eine Tiefkühlpizza (in dieser Reihenfolge)
Carsten Maschmeyer, Cordt Schnibben, Gesa Mayr und eine Tiefkühlpizza (in dieser Reihenfolge)

Dr. Oetker löscht seinen Pizza-Account bei Facebook, um ihn kurz danach wieder anzustöpseln. Cordt Schnibben erklärt bei Facebook, warum seinen Facebook-Account zu löschen, keine Lösung ist. Mit Watson.de geht schon wieder ein Gratis-Newsmedium an den Start und Sat.1 präsentiert den geläuterten Maschmeyer in Reinkultur. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

Anzeige
Anzeige

Mensch Dr. Oetker! Facebooks Datenprobleme und den Hashtag #DeleteFacebook für eine billige und recht durchsichtige Social-Media-Marketingposse zu nutzen, war dann wohl doch eine zu große Versuchung. Diese Woche wurde via Twitter Von Dr. Oetker Pizza Deutschland verkündet, dass man den Facebook-Account der Marke bei 1.000 Retweets löschen würde. Die mickrige Zahl war flott erreicht und flugs wurde der Account abgestöpselt. Nur um ihn am Donnerstag wieder anzustöpseln, um Likes zu betteln und in einem Video bei Facebook „etwas Großes“ für den 1. April anzukündigen. Vermutlich eine übergroße Tiefkühlpizza oder etwas ähnlich Banales. Zuvor hatte die Pressestelle des Pizzabäckers bereits erklärt, dass es sich hier um eine Aktion „mit Augenzwinkern“ handle. Nein Dr. Oetker, das war kein „Augenzwinkern“. Das war einfach nur peinlich.

+++

Im Prinzip wurde ja eigentlich schon alles gesagt über den großen Skandal rund um den Datenmissbrauch von Facebook-Profilen durch die dubiose Firma Cambridge Analytica. Außer vielleicht das, was Spiegel Reporter-Legende Cordt Schnibben auf Facebook (wo sonst) erklärte. Schnibben ist der Meinung, dass „Delete Facebook“ keine angemessene Reaktion auf das „Daten-Desaster“ ist. Ja, Facebook hat Fehler gemacht, war nachlässig und hat viel Vertrauen verspielt. Aber Schnibben weist zurecht darauf hin, dass das große blaue F bei all seinen Unzulänglichkeiten eben nicht nur ein Ort des Bösen ist: „Was habe ich schätzen gelernt: Erstens den Zugang zu Texten, Fotos, Videos und kleinen privaten Storys, die ich ohne Facebook nie bekommen hätte. Zweitens den Austausch mit Leuten, die ich vorher nicht kannte. Drittens den Anstoß, kleine Beobachtungen und Überlegungen zu schreiben, die zu klein waren, um daraus Artikel zu machen.“

Facebook hat viele Vorteile. Man kann alte Bekannte oder Klassenkameraden wiederfinden. Zwanglos Kontakt mit Bekannten oder Kollegen halten. Lustigkeiten entdecken. In hoch spezialisierten Gruppen Hilfestellung zu allen möglichen Alltagsproblemen bekommen. Natürlich gibt es auch die hässliche Seite mit Firmen wie Cambridge Analytica und Hatespeech. Aber eben nicht nur. Facebook muss an sich arbeiten, vielleicht auch stärker reguliert werden. Einfach abschalten wäre sicher keine Lösung.

+++

Anzeige

Schon erstaunlich: Noch immer weiß keiner so recht, wie man mit Journalismus im Digitalen Geld verdienen soll (es gibt Ausnahmen), da startet schon wieder ein neues Gratis-News-Medium in Deutschland. Diese Woche ging Watson.de an den Start ein so genanntes Millennial-Portal, das sich an die junge Zielgruppe richtet. Watson kommt ursprünglich aus der Schweiz, wo sich Watson.ch als originelle publizistische Stimme etabliert hat. Dass das Schweizer Vorbild auch geschäftsmäßig ein Riesen-Erfolg wäre, ist nicht bekannt. Hierzulande startet Watson unter den Fittichen von T-Online.de, das ja mittlerweile zum Vermarkter Ströer gehört und von Ex-Spiegel-Online-Chef zum News-Vollsortimenter aufgebaut wird. Die Watson.de-Chefredakteurin Gesa Mayr kommt vom SpOn-Millennial-Portal Bento. Des weiteren erfahren wir auf der Team-Seite, dass sie bereits ihr eigenes Körpergewicht in Mett gegessen hat. Millennial-Chefs (generisches Maskulinum!) brauchen offenbar sehr spezielle Qualifikationen.

+++

Die Verwandlung des Carsten Maschmeyer ist schon eine erstaunliche. Früher mal war er als Chef des Strukturvertriebs AWD eine Art Posterboy des unseriösen Vertriebsheinis mit Schnäuzer, der auf Einpeitscher-Veranstaltungen wahlweise was von „Titten gucken, Titten, gucken, Schniedel gucken, Schniedel gucken“ erzählte oder davon, dass man auf ein Feld ordentlich stinkende Jauche kippen müsse, um duftende Rosen zu ernten. Heute ist der Schnäuzer ab, er hat Veronika Ferres geehelicht, schreibt Bücher übers Reichwerden und Reichsein und tritt im Fernsehen auf. Die am Mittwoch gestartete Sat.1-Show „Start up“ zeigt den neuen Maschmeyer in Reinkultur: aalglattrasiert, in seinem appleweißen Tower residierend. Bei all der Über-Inszenierung sollte man sich vielleicht ab und zu dann doch mal an den alten Maschmeyer erinnern. Hier sei zur Ansicht eine dieser älteren ARD-Reportagen über das Treiben von Maschmeyer empfohlen: „Der Drückerkönig und die Politik“.

Dann weiß man auch, wie Maschi zu der ganzen Kohle gekommen ist, die er nun im Fernsehen mit vielen Phrasen garniert unter die Leute bringt.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ sprechen beim Kollege Christian Meier von der WELT und ich diesmal auch über die neue Maschmeyer-Show. Außerdem geht es um das Printmagazin von Joko Winterscheidt, JWD, und ausführlich um das „Daten Desaster“ von Facebook. Viel Vergnügen beim Reinhören!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Meedia

Meedia