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Presserat missbilligt Bild für “GroKo-Hund Lima” und rügt die angebliche “Schmutzkampagne bei der SPD”

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt: vier Rügen vom Presserat
Bild-Chefredakteur Julian Reichelt: vier Rügen vom Presserat

Am gestrigen Donnerstag kam die Titanic mit ihrer neuesten Ausgabe, in der die Satiriker noch einmal genau erklären, wie sie beim #Miomiogate die Bild-Redaktion narrten. Einen Tag später legt der Presserat nach und rügt deshalb die Boulevard-Zeitung. Insgesamt sprachen die Medienwächter zehn Rügen aus, von denen allein Bild vier kassierte. Die Wedel-Berichterstattung der Zeit beanstandete der Presserat aber nicht.

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Bei der Bild-Story über Juso-Chef Kevin Kühnert und ein vermeintliches russisches Hilfsangebot störte sich der Presserat vor allem daran, dass die Story suggeriert habe, dass es eine “neue Schmutzkampagne“ bei der SPD gebe – dem nicht so war. Der Presserat sieht darin einen schweren Verstoß gegen das Wahrhaftigkeitsgebot in Ziffer 1 des Pressekodex. Diese Irreführung der Leser beschädigt Ansehen und Glaubwürdigkeit der Presse, so der Presserat, der deshalb eine öffentliche Rüge erteilte.

Missbilligung für “GroKo-Hund Lima“

Zudem beschäftigte sich der Presserat auch mit “GroKo-Hund Lima“. Wegen dieser Bild-Story hatte sich die SPD selbst bei den Medienwächtern beschwert. Sie und weitere Beschwerdeführer warfen der Springer-Zeitung einen Verstoß gegen die im Pressekodex festgelegten Grenzen der Recherche (Richtlinie 4.1) und gegen das Wahrhaftigkeitsgebot (Ziffer 1) vor. Der Presserat entschied:

Die Recherche unter falschen Angaben verletzt in diesem Fall nicht den Pressekodex, da es ein hohes öffentliches Interesse daran gab, ob die Mitgliederentscheidung anfällig für Manipulationen ist. Allerdings erwähnte der Bericht nicht, dass es mit der Pflicht zur Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung vor der Abstimmung über die GroKo durchaus einen Sicherungsmechanismus gegen Manipulation gab. Die Überschrift „Dieser Hund darf über die GroKo abstimmen“ ist deshalb unzutreffend. Diesen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex missbilligt der Presserat.

Veröffentlichung polizeilicher Fahndungsfotos von mutmaßlichen G20-Straftätern ist presseethisch akzeptabel
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Die dritte große Bild-Aufregerstory, mit der sich der Presserat auseinandersetzen musste, betraf die Veröffentlichung von Fahndungsfotos zu mutmaßlichen G20-Tätern. Vor allem die sogenannte “Krawall-Barbie” sorgte für viel Aufsehen. Allerdings machten die Medienwächter klar, dass sie die Veröffentlichung polizeilicher Fahndungsfotos von mutmaßlichen G20-Straftätern für presseethisch akzeptabel halten. Deshalb wies der Presserat alle Beschwerden als unbegründet zurück, “da die Fotos aus einer öffentlichen Fahndung nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss übernommen wurden”, erklärt der Presserat. “Ebenso musste sich Bild darauf verlassen können, dass die Polizei das Alter der jungen Frau und damit auch den Schutz von Minderjährigen bei der Veröffentlichung berücksichtigt hatte.”

Drei weitere Fälle von Schleichwerbung bei Jolie.de, der Wilhemshavener Zeitung und der Zeitschrift Kinder

Insgesamt drei weitere Rügen sprach der Presserat zudem noch gegen Bild aus. Eine wegen Verletzung des Opferschutzes (im gleichen Falle wurde auch die tz gerügt) und dann noch wegen Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht sowie wegen eines Verstoßes gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Pressekodex und Wahrung des Grundsatzes der Menschenwürde nach Ziffer 1. Unter der Überschrift „Sieben Jahre Knast für mieses Rache-Video“ hatte die Bild eine Story über einen Mann aufgegriffen, der seine Freundin gezwungen haben soll, nackt auf die Straße zu gehen. Dabei filmte er sie. Dazu erklärte der Presserat: “Die Redaktion veröffentlichte einen Screenshot des Videos, in dem das Opfer nackt von hinten zu sehen ist. Obwohl die Frau auf dem Foto nicht erkennbar ist, muss sie durch die wiederholte Veröffentlichung ihre Demütigung noch einmal erleben. Dies liegt nicht im öffentlichen Interesse und ist entwürdigend”.

Zwei weitere Rügen gab es für die Schwäbische Zeitung und Express Online. Zudem ahndeten die Medienwächten drei Fälle von Schleichwerbung bei Jolie.de, der Wilhemshavener Zeitung und der Zeitschrift Kinder.

An der Berichterstattung zu Dieter Wedel der Zeit hatten die Berliner nichts auszusetzen. Die Verdachtsberichterstattung der Zeit war nach Einschätzung des Presserates von öffentlichem Interesse. So zeige die Berichterstattung “die Dimension eines bislang wenig beachteten gesellschaftlichen Missstands auf” so das Gremium. “Die nach Ziffer 13 maßgebliche Unschuldsvermutung wurde hier ausreichend gewahrt. Zeit Online konnte nicht nur eine äußerst sorgsame Recherche vorweisen, sondern auch belegen, dass Dieter Wedel ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Vorwürfen erhalten hatte. Einen Medienpranger erkennt der Presserat nicht.”

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Alle Kommentare

  1. Wo bleibt die Rüge des Presserates im Fall der Schmutzkampagne gegen Russland, das in allen Medien unisono für den Giftanschlag auf den Doppelagenten Skripal und seine Tochter verantwortlich gemacht wird, obwohl man weiß, dass man (noch) nichts weiß. Wo bleibt da das Wahrhaftigkeitsgebot?

  2. Etwas anderes war von diesem „linksversifften“ Presserat auch nicht zu erwarten.
    Als ob es der Journaille um die tägliche Wahrheit ginge.
    Da passt die „Bild“ natürlich nicht ins Bild.
    Und morgen darf man wieder Unterstellungen zu Trumps Frau oder Sohn lesen und wie bereichernd doch der islamistische Terror oder eine Abtreibung für die offene Gesellschaft sei.

  3. Höchste Zeit, dass der Presserat dem jahrzehntelangen Spuk ein Ende macht und endlich offiziell feststellt, dass es sich bei dem „Bild“-Druckerzeugnis nicht um Presse handelt, weil vom Kleinanzeigenkonzern Springer SE gar nicht geplant ist, die Kriterien für ein Presseerzeugnis zu erfüllen.

    1. Der Presserat ist ein Selbstzensurorgan, freie Presse muss sich vom Presserat und dessen Regeln distanzieren.

      Reichelt sollte aus dem Verein austreten.

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