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Rufe nach strikterer Regulierung: Politik will Antworten von Facebook zu Cambridge Analytica

Cambridge Analytica-Chef Alexander Nix und Facebook-Boss Mark Zuckerberg
Cambridge Analytica-Chef Alexander Nix und Facebook-Boss Mark Zuckerberg

Facebook gerät unter stärkeren politischen Druck nach Berichten, wonach eine Datenanalyse-Firma aus dem Wahlkampf von Donald Trump sich unerlaubt Zugang zu Daten von über 50 Millionen Nutzern verschaffen konnte. Abgeordnete in den USA und Europa forderten Antworten von der Facebook-Spitze um Mark Zuckerberg. Einwände von Facebook-Managern, dass dabei keine Facebook-Systeme gehackt wurden, sondern rechtmäßig erhaltene Daten illegal weitergegeben wurden, gossen eher Öl ins Feuer und ließen Rufe nach mehr Regulierung für Online-Plattformen lauter werden.

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Facebook hatte am Wochenende die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica ausgesperrt, die seinerzeit dem Wahlkampfteam von US-Präsident Trump geholfen hatte. Sie habe unrechtmäßig erhaltene Daten entgegen früheren Zusicherungen nicht vernichtet, hieß es zur Begründung. Cambridge Analytica hatte die Nutzerdaten vom britischen Professor Aleksandr Kogan bekommen, der bei Facebook eine Umfrage durchgeführt hatte. Sie war beim Online-Netzwerk als wissenschaftliche Persönlichkeitsforschung angemeldet worden.

Die Facebook-App mit der Umfrage sei rund 270 000 Mal heruntergeladen worden, erklärte Facebook. Nutzer, die sie ausfüllten, erklärten sich einverstanden damit, dass Kogans Firma ihre Antworten und Daten bekommt. Zugleich bekam er über Facebooks Schnittstellen aber auch Zugang zu einigen Profil-Grunddaten von ihren Freunden, wenn deren Datenschutz-Einstellungen dies zuließen. Nach Informationen der Zeitung „Guardian“ öffnete jeder, der die Umfrage ausfüllte, Zugriff auf solchen Daten von im Schnitt 160 weiteren Nutzern.

In Großbritannien forderte der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, am Montag mehr Vollmachten für die britische Datenschutz-Aufsicht. Sie müsse auch das Recht bekommen, hinter die Kulissen der Unternehmen zu schauen, um sicherzustellen, dass sie das Gesetz befolgten, sagte er dem Radiosender LBC. EU-Justizkommissarin Very Jourova schrieb bei Twitter, die Berichte seien „schrecklich, wenn sie sich bestätigen“. „Wir wollen so etwas in der EU nicht.“

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In den USA sprach sich Senator Mark Warner (Demokraten) für eine stärkere Regulierung des Marktes für politische Werbung aus. Seine Kollegin Amy Klobuchar verlangte, dass Facebooks Gründer und Chef, Mark Zuckerberg, vor dem Justizausschuss erscheint. Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Massachusetts, Maura Healey, kündigte Ermittlungen an und forderte Antworten sowohl von Cambridge Analytica als auch von Facebook. Das Online-Netzwerk überprüft unterdessen einen seiner Datenforscher, der zuvor ein Kollege von Kogan in einer Firma war.

Für Facebook selbst könnten die Berichte allerdings auch sehr teuer werden. Die Washington Post erweiterte die Debatte um eine weitere Recherche. So zitieren die Journalisten zwei ehemalige Beamter der FTC, die an dem Zustandekommen eines Abkommens beteiligt waren, in dem sich das Social-Network strengen Regeln und Strafen unterwarf. Demnach müssen sich Nutzer seit 2011 explizit einverstanden erklären, wenn ihre Daten über die Standard-Vorgaben der Datenschutzeinstellungen hinaus verbreitet werden. Pro Einzelfall liege die Strafe bei bis zu 40.000 Dollar. Hochgerechnet wäre so eine Strafe von bis zu 1,6 Milliarden Dollar möglich.

Mit Material von dpa

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