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„Late Night Berlin“-Premiere mit Klaas: der mörderische Druck des Formats

Klaas Heufer-Umlauf bei der Premiere von „Late Night Berlin“
Klaas Heufer-Umlauf bei der Premiere von "Late Night Berlin"

Ein neue Late-Night-Show ist nicht einfach nur irgendeine neue Fernsehshow. Deutschland hat so seine Probleme mit dem vor allem in den USA beliebten Format. Nun startet Klaas Heufer-Umlauf mit "Late Night Berlin" bei ProSieben einen neuen Anlauf. Wer, wenn nicht er, möchte man meinen. Die Premiere war dann nicht vergeigt, aber auch nicht problemfrei.

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Zuerst mal die Sache mit Jan Böhmermann: Ja, Böhmermann hat in der Werbepause von „Late Night Berlin“ einen Sixt-Werbespot platziert, in dem er sich darüber lustig macht, dass Privatsender Werbung nötig haben und alle (viele) fanden es lustig. Das war auch originell und aus Sixt-Sicht vermutlich ein Reichweiten-Kracher. Aber es war auch ein kleines bisschen fies, weil es von Klaas Heufer-Umlauf und seiner Premierenshow ablenkte. Zumal Klaas in der aufgezeichneten Sendung nicht darauf reagieren konnte.

Es ist schon bezeichnend für die Bürde Late-Night, wenn man einem Routinier wie Heufer-Umlauf den Druck von Sekunde eins an so sehr anmerkt wie bei „Late Night Berlin“. Der Moderator versuchte, die Anspannung mit einem Witzchen zu lockern, indem er den Druck thematisierte und so tat, als würde er ihn im Rücken spüren. Das klappte so mittel. Irritierend dabei war auch, wie laut und bereitwillig das Publikum selbst bei eher lauen Gags lachte. War da ein Einpeitscher im Spiel? Wurde das Lachen vom Sender künstlich hochgeregelt? Es war jedenfalls komisch im nicht-lustig Sinn.

Nicht jeder Gag kann zünden. Und das ist ja etwas, das – sorry, aber der Name muss fallen – Harald Schmidt zur Perfektion getrieben hat: Mittelgute bis schlechte Gags durch gnadenloses Thematisieren in die Meta-Ebene zu befördern und damit trotzdem noch Witz rauszuquetschen. Das ist eine Lockerheit, die Klaas in seiner Premierensendung spürbar noch fehlte. Er hing zu sehr am Skript und schien das auch selbst zu merken, was sich wiederum auf den Zuschauer übertrug.

Am besten war er, wenn er über Entertainment-Quatsch reden konnte, wie etwa über die schrecklichen Verkleidungen bei der RTL-Show „Promi Undercover Boss“. Da war er im Thema, da konnte er freier sprechen, das war vertrautes Terrain. Beim Politischen eierte er rum. So geriet auch das Gespräch mit der stets charmanten und wohlgesonnenen Anne Will hier und da leicht krampfig. Immerhin entlockte Klaas ihr das Bekenntnis, eine treue Zuschauerin der ZDF-Schmonzette „Bergdoktor“ zu sein, was dann schon wieder interessant war.

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Einen großen, zweiteiligen Einspieler gab es, der als eine Art Parodie auf die ARD-Doku „Im Labyrinth der Macht“ zur Regierungsbildung angelegt war. Das hieß hier mitteloriginell „Im Laberinth der Macht“. Angebliche Leute von der Straße sagten, wie sie sich die Regierungsbildung vorstellten und deren Stimmen wurden über Politiker-Darsteller gelegt. Mit dabei waren u.a. Klaas selbst als Martin Schulz und Heinz Strunk als Bundespräsident. Das war gut gemeint und stellenweise auch amüsant, insgesamt aber doch ein bisschen lang.

Am Ende trat dann noch der Rapper Casper auf und Tschüss bis nächste Woche. Das ist das Hauptproblem: „Late Night Berlin“ ist aus – zwar verständlichen Gründen – zunächst auf wöchentlichen Rhythmus angelegt. Was so eine Late-Night aber unbedingt braucht, ist Routine, Routine, Routine und die bekommt man für so ein Format im Wochenrhythmus kaum zustande. Der Moderator, das Team, alle müssten üben, üben, üben, und zwar in schneller Frequenz. Nur so entsteht ein tragfähiges Korsett für solch eine Sendung, das später auch mal verändert und gebrochen werden kann. Late-Night ist per definitionem ein tägliches Format. Auch darum scheiterten bislang alle Versuche außer Schmidt. Keiner hatte die Stamina, es täglich (oder wenigstens drei bis viermal pro Woche) durchzuziehen.

Das klingt jetzt vielleicht alles meckernder als es gemeint ist. Es gab auch Gutes. Klaas hat den „HalliGalli“-Redaktionsleiter Jakob Lundt zum Andrack-artigen Sidekick und Pseudo-Bandleader befördert, was in der Sendung ganz gut funktionierte. Auch weil Lundt tat, was nötig war: sofort offenlegen, dass er doch eigentlich total unmusikalisch ist. Die beiden kennen sich, zwischen ihnen stimmt die Chemie. Das gab auch dem Moderator Sicherheit. Ein „echter“ Bandleader wäre trotzdem nicht schlecht. Das wäre ein fixes Element mehr auf der Bühne. Late-Night ist eine mörderische Mühle (wenn sie täglich gemacht wird), da braucht es Routine, Disziplin und Elemente, an die man sich halten kann. „Late Night Berlin“ zu verreißen ist nach der ersten Sendung relativ einfach, aber auch relativ unfair. Würde man zurück zu allerersten Show von Harald Schmidt reisen, wäre die Begeisterung womöglich auch überaus gebremst. Das Haupt-Problem von „Late Night Berlin“ ist, dass die Show heute, am Tag danach, nicht sofort die Chance hat, es einen Tick besser zu machen und morgen wieder einen Tick besser undsoweiter. Die nächste Show kommt erst in einer Woche. Das kann eine verdammt lange Zeit sein.

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Alle Kommentare

  1. System-„künstler“ Klaas und (ich habe den Namen schon vergessen) kommen nie wieder hoch.

    War eben nicht sonderlich „smart“ von Multimillionär Umlauf sich politisch substanzlos weit aus dem Fenster zu lehnen.

    Frau Merkel kann ihm jetzt auch nicht mehr helfen.

  2. Ach so: Das war eine Unterhaltungssendung. Wusste ich nicht. Dann ist es doch gut, regelmässig meedia zu lesen. Sonst hätte ich weiter geglaubt, das neue investigative Politikmagazin auf Pro7 guguckt zu haben. 😉 Kleiner Tipp: Unterhaltungssendungen, insbesondere LNS, leben von Überraschungen, & Kuriositäten. Eine Polittalkerin, die sich als Fan von „Bachelor”, „GNTM” oder „Dschungelcamp“ outet – das wäre überraschend. Aber eine Anne Will, die „Bergdoktor” schaut, als interessante Info zu verkaufen, ist in etwa so sinnvoll, wie in Zusammenhang mit einer harmlos-netten Montagabendshow von „mörderischem Druck” zu schreiben.

    1. Wenn Sie „Bachelor“ guckt, hätte ich das auch interessant gefunden…. Ich glaube schon, dass da ein ziemlicher Druck dahinter ist. „harmlos-nett“ ist an der Unterhaltungsbranche so ziemlich gar nix.

  3. Dass Anne Will „Bergdoktor“ schaut, hält meedia.de für eine interessante Nachricht. Interessant ist vor allem, was eine Seite für Medienkritik als relevant einstuft.

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