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Madsacks Digitaloffensive eine „neue Runde der Zentralisierung“: DJV fürchtet um Jobs an regionalen Standorten

Will eine „führende Position unter den deutschen Nachrichtenportalen“ einnehmen: Die Pläne des Madsack-Chefs Thomas Düffert kosten an regionalen Standorten Ressourcen
Will eine "führende Position unter den deutschen Nachrichtenportalen" einnehmen: Die Pläne des Madsack-Chefs Thomas Düffert kosten an regionalen Standorten Ressourcen

Madsack hat sich mit seinem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) im Print-Segment bereits überregionale Beachtung verschafft. Nun will der Konzern auch im Online-Geschäft in die Bundesliga. Für das Newsportal RND.de sollen 70 Stellen neue Stellen geschaffen werden. Was der Verlag verschwieg: Ein großer Teil der "neuen" Jobs wird offenbar durch interne Umbesetzungen aus den Regionen in die Zentrale vergeben. Der DJV kritisiert eine weitere "Runde der Zentralisierung".

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Die Mediengruppe Madsack macht Druck auf die regionale wie überregionale Konkurrenz. Mit seinen zahlreichen Tageszeitungen ist der Konzern aus Hannover nicht nur einer der größten Anbieter regionaler Tageszeitungen, sondern mit seinem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mittlerweile auch wichtiger Dienstleister journalistischer Inhalte. Inklusive der eigenen Titel beliefert der Konzern mittlerweile mehr als 40 Tageszeitungen mit überregionalen Inhalten – das Redaktionsnetzwerk ist innerhalb weniger Jahre zum ernstzunehmenden Wettbewerber, auch für Nachrichtenagenturen, geworden. Nun will Geschäftsführer Thomas Düffert auch digital wachsen, das Redaktionsnetzwerk als Marke etablieren. Gelingen soll das mit einem extra aufgelegten, überregionalen Nachrichtenportal, das unter Leitung des ehemaligen Spiegel-Chefs Wolfgang Büchner stehen soll. Das gab das Unternehmen am gestrigen Mittwoch mit großer Vorankündigung bekannt.

„Die Madsack Mediengruppe wird im Zuge ihrer Digitalstrategie umfangreich investieren – auch in Personal“, zitierte eine Verlagsmitteilung CEO Düffert. Und: „Schließlich sollen bis Mitte 2019 rund 70 Journalisten und Digitalexperten zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) dazu stoßen.“ Was in der Ankündigung unerwähnt blieb: Der Aufbau erfolgt zum Teil offenbar durch Umschichtung bereits vorhandener Ressourcen. Was in Hannover investiert wird, kürzt der Konzern außerhalb des Hauptsitzes voraussichtlich ein – wird verlagsintern befürchtet.

Madsack relativiert: Im Saldo 40 externe Neuverpflichtungen geplant

Wie es aus Verlagskreisen heißt, will die Mediengruppe Arbeitskräfte aus den regionalen Standorten ab- und in Hannover zusammenziehen. Davon betroffen sein sollen die Standorte Rostock (Ostsee Zeitung), Lübeck (Lübecker Nachrichten), Potsdam (Märkische Allgemeine), Leipzig (Leipziger Volkszeitung) und auch bei den Hannoveraner Titeln Hannoversche Allgemeine wie auch Neue Presse. Genaue Angaben über die Anzahl von Stellen sind noch nicht auszumachen.

Auf Nachfrage relativiert ein Sprecher des Unternehmens die Angaben von Mittwoch, spricht von Mitarbeitern, die nach Hannover „wechseln“. Er erklärt: „Wir bauen 70 neue Stellen beim RND auf und gehen davon aus, dass wir im Saldo mehr als 40 neue Kolleginnen und Kollegen von außen werden rekrutieren müssen, um alle Stellen in den Regionen und beim RND besetzen zu können. Die Digitale Transformation ist ein Investitionsprogramm, da geht es nicht um Abbau.“ Man schaffe sogar an den Standorten die neue Position des „Digital-CvD“. Dieser soll, heißt es aus Verlagskreisen, den Betrieb der regionalen Seiten verantworten.

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„Die regionalen Titel werden mehr und mehr zu Filialen des Hannoveraner Konzerns abgestuft“

Auf Seiten von Arbeitnehmervertretern spricht man von einer neuen „Runde der Zentralisierung“. „Nachdem die Blätter bereits die überregionale Berichterstattung an das 2013 gegründete Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) abgeben mussten, sollen nun die Online-Portale folgen. Die Digital-Redaktionen vor Ort werden aufgelöst, die Stellen nach Hannover verlagert“, heißt es beim Deutschen Journalistenverband. „Die regionalen Titel werden mehr und mehr zu Filialen des Hannoveraner Konzerns abgestuft“, kritisieren die Vorsitzenden der Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern. Der Verband benennt insgesamt elf Online-Redaktionen, die betroffen sein werden und nennt die Zahl von 45 Betroffenen. „Wie Madsack-Chef Thomas Düffert am Donnerstag vor dem Konzernbetriebsrat der Mediengruppe erläuterte, sollen es künftig nur noch acht sein“. Die neu geschaffene Stelle des Online-CvD hingegen sei nur noch zum Verwalten gedacht. „Die eigentliche Arbeit aber im Wesentlichen in Hannover gemacht werden.“

Der Konzern widerspricht vehement. „Die Vorstellung, es gäbe eine von der ‚Print-Redaktion‘ getrennte ‚Online-Redaktion‘, die sich exklusiv um alles kümmert, was digital passiert, ist Denken von gestern. Unsere Redaktionen arbeiten so, dass jeder Reporter heute schon für alle Ausgabekanäle schreibt und recherchiert.“  Und weiter: „Die Lokalredaktionen werden zukünftig zwar von digitalen Produktionsaufgaben entlastet, aber im Rahmen der von in allen Redaktionen eingeführten Arbeitsweise Web-to-Print können und wollen wir es uns gar nicht leisten, auf gute, digitalaffine Journalisten zu verzichten.“

Was an den Standorten an „Entlastung“ stattfindet, werde in Hannover zukünftig das „Digital Hub“ auffangen, das Madsack aufbauen will. „Spezialisten aus den Bereichen Social Media, SEO, Video und Datenjournalismus vom Hub aus ihr Knowhow und ihre Kompetenzen allen Partnern zur Verfügung stellen“, hatte es dazu in der entsprechenden Mitteilung geheißen.

Offen ist bislang, was mit Mitarbeitern geschieht, die einen Wechsel in die Zentrale nach Hannover ablehnen. Auf Rückfrage von MEEDIA erklärt der Verlag: „Wir planen keine Kündigungen.“

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Alle Kommentare

  1. wenn der djv schon mal etwas befürchtet. wann hatte der journalisten-varband mal eine wegweisende, weiterführende, richtunggebende, in die zukunft und über den eigenen kleinen Tassentellerrand hinaussweisende Idee für journalisten und medien ?

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