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Wochenrückblick: die Bild und die Sozen, der Bundestag im AfD-Rausch und das kommende ESC-Debakel

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Die Bild-Zeitung und die SPD werden in dieser Legislaturperiode wohl keine Freunde mehr. Wie passend: Der scheidende ProSiebenSat.1-Boss Ebeling verschenkte Staubsauger an Journalisten. Dei deutschen ESC-Beiträgen regiert seit Stefan Raabs Rückzug lähmendes Mittelmaß und im Bundestag ist "dank" der AfD endlich mal wieder was los. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Die Bild und die Sozen – eine Geschichte voller Missverständnisse, bzw. Pranks. Diese Woche hat die Bild die SPD ganz schön reingelegt, indem sie die grundsympathische Hündin Lima in die Partei schmuggelte, um anzuprangern, wie manipulierbar das Mitgliedervotum der SPD zur GroKo ist. Der Europa-Politiker Martin Sonneborn hatte dazu die nicht ganz von der Hand zu weisende Überlegung parat, dass die SPD, würde Hündin Lima kandidieren, womöglich wieder über 20 Prozent käme. In Indien gibt es ja diesen Brauch, dass Menschen mit Hunden verheiratet werden, um böse Flüche zu brechen. Weiß auch nicht, warum mir das jetzt einfällt.

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Am Donnerstag hatte Thomas Ebeling seinen letzten Auftritt als CEO von ProSiebenSat.1 bei der Bilanz-Pressekonferenz. Die Zahlen waren mal wieder ziemlich gut, die Stimmung dafür mehr so mittel. Ebeling ratterte seine Buzzwords auf Englisch herunter und wurde anschließend von seinem Vize Conrad Albert im Stile einer Pflichtübung verabschiedet („It was a wild ride.“). Ganz lustig war nach dem offiziellen Teil, dass Ebeling Staubsauger für Journalisten mitgebracht hatte. Sein Nachfolger Max Conze war nämlich zuvor Chef des Staubsauger-Herstellers, bzw. wie man bei ProSieben sagt: Technologie-Konzerns, Dyson. In seiner abschließenden Bilanz zeigte sich Ebeling vor allem erleichtert, künftig nicht mehr jeden Morgen nach den Quoten gucken zu müssen und nicht mehr so oft in Hotels aufzuwachen. Da schien einer eher erleichtert, dem Medienzirkus den Rücken zu kehren.

Hier übrigens, was Philipp Walulis zum Geheimnis des Erfolgs der Ära Ebeling zu sagen hat:

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Den deutschen Beitrag zum nächsten Eurovision Song Contest in Lissabon hatte ich schon wieder vergessen, bevor das Liedlein im Radio zu Ende gelaufen war. Der Michael Schulte ist sicher ein netter junger Mann und hat auch ein gewisses Talent. Aber mit derartiger 08/15-Ware winkt mal wieder nur einer der absolut hinteren Plätze. Die ARD hat diesmal die Entscheidung von einer dreiteiligen Jury ausbaldowern lassen: internationale ESC-Experten, eine nationale Jury und das Publikum. Gerade so, als könne man sich einen perfekten ESC-Kandidaten im Reagenzglas mixen.

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Dass die Kandidaten, die bei den Vorentscheiden antreten, mittlerweile in erster Linie aus den Reihen ehemaliger „The Voice“-Leute rekrutiert werden, spricht auch nicht direkt für das Vorgehen der ARD in der Post-Raab-Ära des ESC. Man kann von Stefan Raab halten, was man will – aber alles, was er mit Bezug auf den Song Contest angepackt hat, war besser und professioneller als das Trauerspiel, das die ARD seit seinem Rückzug abzieht. Germany – zero points!

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Die AfD hat also beantragt, dass der Deutsche Bundestag – oder wie er unter Parlamentarieren nur noch genannt wird: das hohe Haus – ein paar olle Texte von Deniz Yücel verurteilt. Der Vorgang ist so unfassbar dämlich, dass man eigentlich gar nicht drüber reden bräuchte. Dann aber doch. Der AfD-Antrag war Gelegenheit für die anderen Parteien, ordentlich Anti-AfD-Reden vom Stapel zu lassen. Mal hoch-emotional, wie Cem Özdemir, mal lässig ironisch wie Wolfgang Kubicki. Dass es im Bundestag, aka dem hohen Haus, nun ganz schön lebendig zugeht, ist dabei eigentlich keine so schlechte Sache. Selbst wenn man einpreist, dass der Anlass mit dem natürlich abgeschmetterten AfD-Antrag gegen Yücel-Texte ärgerlicher Unfug war.

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A propos AfD: Einen der treffendsten Kommentar über die Partei schrieb diese Woche meiner Meinung nach Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke: „Im Moment verfährt die Parteiführung offenbar nach einem einfachen mathematischen Prinzip: Zehn Prozent frustrierte Konservative plus fünf Prozent mehr oder weniger latente Neonazis, das macht 15 Prozent.“

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War sonst noch was los? Ach ja, diese eine Kleinigkeit noch. Nicht nur die Bild hat die SPD reingelegt (s.o.). Das Satiremagazin Ttanic hat auch die Bild reingelegt! Sie haben das unter Umständen mitbekommen: Titanic-Redakteure haben der Bild gefälschte Mails untergejubelt, die einen Kontakt zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und Russentrollen dokumentieren sollten. Die Bild machte aus der Story vergangene Woche eine reichlich alarmistische Seite-1-Geschichte. Ganz schön peinlich für das Boulevardblatt und seinen Allein-Chef Julian Reichelt. Was Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen später geritten hat, dem russischen Propaganda-Staatssender RT ein Interview zu dem Thema zu geben, das wissen wohl nur die Satire-Götter. Hürtgens auf Englisch vorgetragene und wohl ironisch gemeinten Einlassungen kamen im Kontext der übergeigten Pseudo-Nachrictensendung von RT jedenfalls gar nicht ironisch rüber. Und Bild-Chef Reichelt hat damit wieder Munition, um via Twitter Whataboutism-Salven abzufeuern:

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Zum Schluss noch ein sachdienlicher Hinweis. Das hier, war diese Woche bei dem Nachrichtensender n-tv mal die meistgeklickte Geschichte:

Interessant, für welche „Nachrichten“ sich das n-tv-Publikum so interessiert. Auch nteressant, dass man beim Sender darauf offenbar auch noch so stolz ist, das in die Welt hinauszuposaunen.

Schönes Wochenende!

PS: Die Medienthemen der Woche gibt es wie immer auch zum Nachhören im Podcast „Die Medien-Woche“ mit mir und meinem Kollegen Christian Meier von der Welt. Wem’s gefält, darf gerne eine Bewertung bei iTunes hinterlassen. Das hilft wirklich!

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