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Debatte um Digital-Dominanz: Sollten Amazon, Google und Facebook aufgespalten werden?

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Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Larry Page: Internet-Trio auf Rekordniveau

Es ist ohne jede Frage die Dekade der digitalen Champions: Die Internet-Platzhirsche Google, Amazon und Facebook beherrschen zusammen mit den beiden Tech-Pionieren Apple und Microsoft die Börsen- und Wirtschaftswelt seit Jahren. Nach Einschätzung von immer mehr Silicon Valley-Experten führt die Machtkonzentration inzwischen jedoch zu Problemen für Wirtschaft und Gesellschaft. Marketing-Professor Scott Galloway eröffnet daher die Debatte über eine Aufspaltung der De-facto-Monopolisten. 

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Für einen Moment sah es aus, als sollte der Himmel einstürzen. In der wildesten Handelswoche seit der Finanzkrise 2008/9 verloren Internetaktien in wenigen Handelstagen mehr als 10 Prozent an Wert – die fünf wertvollsten Konzerne der Welt, Apple, Alphabet, Amazon, Microsoft und Facebook, vernichteten Anfang Februar binnen nicht einmal zwei Wochen eine halbe Billion Dollar an Börsenwert.

Knapp zwei Wochen später ist klar: Der Kurssturz war offenkundig eine Kaufgelegenheit. Der Börsenboom ging weiter: Die „großen Fünf“ der Digitalwirtschaft haben in den vergangenen Handelstagen wieder massiv an Wert gewonnen und bringen es inzwischen  zusammengenommen auf dem enormen Börsenwert von 3,5 Billionen Dollar.

Addiert man noch die beiden Digitalchampions aus China, Tencent und Alibaba, die die Internetindustrie in Fernost mindestens ebenso dominant beherrschen wie die Dot.com- und Tech-Giganten aus dem Silicon Valley und Seattle, hinzu, erhöht sich die Marktkapitalisierung der sieben wertvollsten Konzerne der Welt, gar auf unglaubliche 4,5 Billionen Dollar.

Internet-Industrie so dominant wie Öl-Branche im letzten Jahrhundert

Seit den Öl-Multis im vergangenen Jahrhundert besaß keine Branche eine solch dominierende Stellung wie die Internetindustrie heute. Eine solche Kapitalkonzentration von wenigen Konzernen aus nur einer Branche hat es in der Geschichte der Weltwirtschaft tatsächlich noch nie gegeben.

Doch je wertvoller und beherrschender Google, Amazon und Facebook werden, desto mehr steigt das Misstrauen gegenüber den Digital-Riesen. Spätestens seit der US-Wahl ist die öffentliche Meinung gekippt: Die Pioniere aus dem Silicon Valley stehen zunehmend als Prügelknaben dar, denen nicht mehr zu trauen ist.

Amazon seit Trump-Wahl im Visier

Ausgerechnet der heutige US-Präsident Trump stieß zuvor im Wahlkampf anhand von Amazon eine Debatte an, die sich bis heute verselbstständigt hat: „Amazon hat ein großes Kartellrechts-Problem“, erklärte Trump im Mai 2016 gegenüber Fox News. Die Kritik am weltgrößten Online-Einzelhändler ist seitdem fester Bestandteil der Trump-Rhetorik.

Doch nicht nur Amazon muss sich Sorgen machen, dass es inzwischen zu mächtig geworden ist: Auch Google und Facebook sind Wettbewerbsprüfern durch ihre monopolartige Machtkonzentration in der Internetsuche bzw. bei den sozialen Netzwerken längst ein Dorn im Auge.

Scott Galloway: Google, Amazon und Facebook sollten aufgespalten werden

Marketing-Professor Scott Galloway, der die Entwicklung der Internet-Giganten in seinem Bestseller „The Four“ verfolgt und immer für eine steile These gut ist, hat in den vergangenen Monaten die Debatte um eine Aufspaltung der Digital-Riesen angeregt.

„Wenn ein Unternehmen so mächtig wird, saugt es die gesamte Muttermilch – das Kapital – auf“, erklärt Galloway gegenüber CNBC. Seine These: Durch die Kapitalkonzentration würde der Wettbewerb verhindert. „Unternehmensgründungen haben sich in den letzten 40 Jahren halbiert. Zwei Drittel der Aktien sind verschwunden. Und es ist schwerer geworden, eine Mittelklasse herauszubilden“, resümiert Galloway.

„Unsere Politik heute kontrolliert die großen Tech-Player nicht“

Die Folge: Während es den Monopolisten in Corporate America immer besser geht, hat es die Mittelklasse schwerer, ein Vermögen aufzubauen. „Früher war es die Mission von Amerika, zehn Millionen Millionäre zu hervorzubringen. Wenn man nach den  Regeln gespielt hat und Geld gespart hat, konnte man Millionär werden“, erklärt Galloway.

„Unsere Politik heute kontrolliert die großen (Tech-)Player nicht, sondern scheint sich als neues Gesellschaftsziel gesetzt zu haben, den ersten Billionär zu krönen.“ In der besten Position dazu befindet sich aktuell Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem Nettovermögen von 120 Milliarden Dollar.

Roger McNamee: „Google sollte in acht bis zehn Unternehmen aufgespalten werden“

Auch der legendäre Tech-Investor Roger McNamee, einst Mentor von Mark Zuckerberg, wünscht sich einen regulatorischen Eingriff bei Google, Facebook und Amazon. „Ich finde es okay, dass Google ein Monopolist bei der Suche ist. Was ich allerdings nicht will, ist, dass sie ihre Macht missbrauchen – etwa bei der Preisgestaltung in Europa. Ich will nicht, dass sie ihre Macht bei der Fotosuche und anderen Dingen ausnutzen“, erklärte McNamee dem Finanzsender.

Seine Forderung daher: „Ich möchte, dass Google in acht bis zehn Unternehmen aufgespalten wird“, erinnert der legendäre Investor an die Intervention bei anderen Monopolisten wie im vergangenen Jahrhundert Standard Oil oder AT&T.  Amazon sollte seiner Meinung nach in drei bis vier Unternehmen aufgespalten und Instagram von Facebook abgespalten werden.

Scott Galloway hält unterdessen Facebook für am gefährdetsten, aufgespalten zu werden. „Die Sache ist ernst. Entweder passiert es durch die US-Regierung oder durch die EU-Kommission, aber es wird passieren“, war sich Galloway bereits im vergangenen Oktober sicher.

 

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