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Facebook-Polizei: Bertelsmann-Tochter Arvato fahndet für US-Plattform auch weiterhin nach verbotenen Inhalten

Das Facebook-Löschzentrum von Arvato in Berlin
Das Facebook-Löschzentrum von Arvato in Berlin

Lange galt die Arbeit im Berliner Löschzentrum von Facebook als einer der härtesten Web-Jobs, die es überhaupt in Deutschland gibt. In einer aufsehenerregenden Recherche hatte das SZ-Magazin die psychologisch schwierigen Bedingungen enthüllt, die dort herrschen. Seitdem soll vieles besser geworden sein. Mit dem damaligen Dienstleister, der Bertelsmann-Tochter Arvato, verlängerte das US-Netzwerk nun den Vertrag.

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Der offizielle Begriff, unter dem die Tätigkeiten von Arvato läuft, nennt sich Content Moderation. Das bedeutet: Im Auftrag von Facebook prüfen und sichten Hunderte von Mitarbeitern, die jeweils mindestens zwei Sprachen sprechen können, Inhalte, die zuvor von anderen Nutzern als problematisch gemeldet wurden. Das können beleidigende Kommentare, Aufrufe zu Straftaten oder gar Folter-Videos sein.

In ihrer Recherche hatte Autoren der Süddeutschen Zeitung im Dezember 2016 die Lösch-Regeln der Berliner enthüllt und ein erschütterndes Bild der Menschen, die fast stündlich mit schrecklichsten Grausamkeiten konfrontiert werden, gezeichnet. Die Story enthielt zudem Auszüge aus dem Regelwerk und Berichte unter welchen massiven Zeitdruck die Arvato-Angestellten stehen. So gebe es klare Vorgaben und Quoten, wie viele beanstandete Inhalte pro Tag abgearbeitet, also betrachtet und bewertet werden müssen.

Im Anschluss an die Recherchen gelobten sowohl Facebook, wie auch Arvato Besserung und erklärten mehr in die Betreuung und Weiterbildung der Angestellten zu investieren.

So heißt es beispielsweise nun der Kommunikation zur Vertragsverlängerung:

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Hohe Standards für die Schulung und Betreuung stellen dabei sicher, dass alle Mitarbeiter, die in diesem Bereich arbeiten, die nötige Unterstützung erhalten – sei es durch Prozesse, die eine schnelle Eskalation bei schwierigen Entscheidungen ermöglichen oder durch psychologische Betreuung und Unterstützung. Zudem werden die Erfahrungen und Lernprozesse, die die beiden Unternehmen in der Vergangenheit gemacht haben, in die Weiterentwicklung der zukünftigen Partnerschaft einfließen.

Derzeit arbeiten rund 700 Mitarbeiter in Berlin. Mittelfristig soll die Belegschaft gar auf über 1.000 steigen. Dabei sollen die Teams von Arvato auch weiterhin in engem Austausch mit der internationalen Zentrale von Facebook in Dublin für das Community Operations Team tätig sein.

Facebook betreibt seit November 2017 zudem ein zweites Löschzentrum in Essen. In der Ruhrmetropole arbeiteten zum Start rund 500 Mitarbeiter. Auch sie sollen Einträge kontrollieren und gegebenenfalls löschen, die gegen die Facebook-Standards oder das Netzwerkdurchsetzungsgesetz verstoßen.

Im Sommer 2017 hatte Facebook verraten, dass alleine in Deutschland monatlich ungefähr 15.000 Posts wegen Hassrede gelöscht werden müssen. Laut WDR ist es das wichtigste Ziel der Essener Einrichtung Posts mit terroristischem Hintergrund sowie Fake-Accounts und Spam-Posts ausfindig zu machen und zu löschen.

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Alle Kommentare

  1. Die Kernfrage ist doch nach welchen Kritieren oder Rechtsgrundlage Avarto agiert und ob dies mit dem deutschen bzw. europäischen Recht vereinbar wäre.

    Wenn globalsierte Unternehmen mit Shareholder Value rechtsprechen dürfen und entscheiden was unter die Meinungsfreiheit fällt, haben wir nach meinem bescheidenen Rechtsverständnis die Rechtsstaatlichkeit aufgeben. Das die links linke Journaille kein Problem damit hat, ist verständlich, haben Sie doch die Kontrolle über den öffentlichen Diskurs verloren.

  2. In ihrer Recherche hatte Autoren der Süddeutschen Zeitung im Dezember 2016 die Lösch-Regeln der Berliner enthüllt und ein erschütterndes Bild der Menschen, die fast stündlich mit schrecklichsten Grausamkeiten konfrontiert werden, gezeichnet.

    Zu mehr sind die „Experten“ der SZ für gewöhnlich auch nicht fähig.
    Zum „Zeichnen“ irgendetwas gefühlt Erschreckendes oder Empörendes.
    Aber ansonsten arbeitet doch mit dem Bertelsmann-Konzern fruchtvoll zusammen

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